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Korea Demokratische Volksrepublik, Nordkorea

Beziehungen zwischen Nordkorea und Deutschland

Stand: September 2016

Politik

Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Nordkorea gehen bis in die Zeit unmittelbar nach Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea am 9. September 1948 zurück:

Die ehemalige DDR unterhielt seit 1949 diplomatische Beziehungen mit Nordkorea und war einer der wichtigsten Partner des Landes im Ostblock. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde in den Gebäuden der ehemaligen DDR-Botschaft in Pjöngjang zunächst eine Interessenvertretung der Bundesrepublik Deutschland eröffnet; Schweden handelte als Schutzmacht. Gleichzeitig wurde die ehemalige nordkoreanische Botschaft in Ost-Berlin in ein 'Büro für den Schutz der Interessen der Demokratischen Volksrepublik Korea' umgewandelt. Schutzmacht war die Volksrepublik China. Die Bundesrepublik Deutschland und Nordkorea haben am 1. März 2001 diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Im Rahmen der Gemeinsamen Europäischen Außen- und Sicherheitspolitik wie auch im bilateralen Verhältnis versucht Deutschland, Nordkorea zu einer Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms zu bewegen. Gleichzeitig setzt Deutschland sich dafür ein, Nordkorea zum Eintritt in einen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft über die Menschenrechtslage im Land zu bewegen.

Unter dem Eindruck des vierten und fünften nordkoreanischen Atomtests vom Januar und September 2016 und der verschiedenen Raketenstarts im Laufe des Jahres 2016 wirken sich die diversen, vor allem in den VN und der EU als Reaktion auf die nordkoreanische Nuklearpolitik beschlossenen Sanktionen auch spürbar auf die bilateralen Beziehungen aus. Nach den jüngsten Atom- und Raketentests sind weitergehende Sanktionen zu erwarten.


Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland leistet in Nordkorea keine bilaterale Entwicklungshilfe. Eine wichtige Rolle in den bilateralen Beziehungen spielte in den letzten Jahren die humanitäre Hilfe, die allerdings 2006 von der nordkoreanischen Regierung aufgekündigt wurde. Sie wird seitdem als 'entwicklungsorientierte Not- und Übergangshilfe' unter EU-Dach fortgesetzt. Vor allem die Deutsche Welthungerhilfe ist in Nordkorea aktiv. Auch Brot für die Welt, Caritas und das Deutsche Rote Kreuz haben wiederholt mit deutschen Mitteln finanzierte Projekte durchgeführt.

Seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen haben noch keine Besuche von Regierungsdelegationen auf Ministerebene in Nordkorea stattgefunden, ebenso wenig Reisen nordkoreanischer Minister nach Deutschland. Eine Ausnahme war der Besuch des damaligen Sportministers Pak Myong Chol, der im Juni 2011 zum Eröffnungsspiel der Frauen-Fußballweltmeisterschaft nach Deutschland reiste. Abgeordnete des Deutschen Bundestags haben jedoch bereits mehrfach die Demokratische Volksrepublik Korea offiziell besucht.

Der deutsch-nordkoreanische Warenaustausch hat sich innerhalb weniger Jahre praktisch halbiert; er liegt derzeit mit etwa 11 Millionen Euro pro Jahr auf sehr niedrigem Niveau. Deutschland importiert aus Nordkorea vor allem Textilien. Exportiert werden in erster Linie pharmazeutische Erzeugnisse. Es sind bislang keine bilateralen Abkommen über wirtschaftliche, finanzielle oder wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit geschlossen worden.


Kultur und Bildung

Es besteht von nordkoreanischer Seite ein gewisses Interesse an deutscher Kultur, vor allem an klassischer Musik, Film und Literatur. Durch das Erfordernis der behördlichen Zustimmung für jegliche Aktivitäten sowie der Vorab-Zensur sind der Kultur- und Bildungsarbeit im Land jedoch enge Grenzen gesetzt.

In den vergangenen Jahren konnten einige nordkoreanische Akademiker zu mehrmonatigen Forschungsaufenthalten nach Deutschland entsandt werden. Vor dem Hintergrund des VN-Sanktionsregimes empfängt Deutschland derzeit jedoch keine Ingenieure und Naturwissenschaftler. 2014 konnte erstmals eine 10-köpfige Studentengruppe aus Nordkorea mit ihren Dozenten eine zwei-wöchige Deutschlandreise unternehmen. Seit einigen Jahren werden deutschsprachige nordkoreanische Mediziner in deutschen Krankenhäusern fortgebildet.

Deutsche Studenten oder Forscher sind seit den 1990er Jahren nicht mehr zu Studienaufenthalten in Nordkorea zugelassen worden.

Auf dem Gebiet der politischen Bildung sind die in Seoul ansässigen politischen Stiftungen (FES, FNS, HSS, KAS) wichtige Akteure. Ihre Vertreter besuchen Pjöngjang in regelmäßigen Abständen und offerieren verschiedene Dialogprogramme in Deutschland und Nordkorea.

Bei den alle zwei Jahren stattfindenden Internationalen Pjöngjanger Filmfestspielen haben deutsche Filme zuletzt den Hauptpreis gewonnen: 2012 'Der ganz große Traum' und 2014 'Die Brücke am Ibar'. 2013 hat das Goethe-Institut Seoul erstmals auch eine deutsche Filmwoche durchgeführt, in deren Rahmen fünf deutsche Filme bei insgesamt 17 Aufführungen ein Publikum von mehreren tausend Nordkoreanern erreichten.


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