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Nigeria

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Januar 2017

Politische Beziehungen

Nigeria ist ein wichtiger Partner in Afrika mit einer profilierten Rolle in der Förderung von Stabilität und Demokratie und mit großem wirtschaftlichem Potenzial. Außenminister Steinmeier hat zuletzt im Oktober 2016 Nigeria besucht. Steinmeier traf den neu gewählten Präsidenten Muhammadu Buhari und leitete anschließend zusammen mit seinem Amtskollegen Geoffrey Onyeama die Tagung der Binationalen Kommission. Im Jahr 2011 wurde die deutsch-nigerianische Binationale Kommission gegründet, die sich aus Arbeitsgruppen zu den Themen Wirtschaft, Energie, Politik, Kultur, Bildung und Migration zusammensetzt. Die nächste Sitzung der Kommission ist für das Jahr 2018 geplant.

Der erste Besuch des 2015 neu gewählten Präsidenten Buhari außerhalb Afrikas nach Amtsantritt galt am 7./8. Juni 2015 dem G7-Gipfel in Elmau. Seit dem Amtsantritt des ersten gewählten Präsidenten Obasanjo (1999-2007) nach Ende der Militärregierung im Mai 1999 hatten sich die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria wieder intensiviert. Obasanjos Nachfolger, Präsident Umaru Yar’Adua (2007-2010) und Goodluck Jonathan (2010-2015) waren gleichfalls bestrebt, ein enges Verhältnis zu Deutschland aufzubauen. Bundeskanzlerin Merkel besuchte Abuja im Juli 2011.


Binationale Kommission mit vielen Projekten

Die deutsch-nigerianische Binationale Kommission ist operativ ausgerichtet und hat in den einzelnen Handlungsfeldern zahlreiche Projekte initiiert. Deutschland und Nigeria sind sich einig, die bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen zu intensivieren. Ein Kernanliegen ist es, die Reformagenda der nigerianischen Regierung zu unterstützen. Die Diversifizierung der Wirtschaft, die Entwicklung des Finanzsektors, Innovationen in der Landwirtschaft, der Aufbau einer nigerianischen Entwicklungsbank  und der Ausbau beruflicher Bildung werden von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit 47,6 Millionen Euro unterstützt. 

Aufgrund der humanitären Krise hat Deutschland die humanitäre Hilfe für die Tschadseeregion auf 60 Millionen Euro erhöht. Um Binnenvertriebene im Nordosten Nigerias noch besser zu unterstützen, wurden Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit und Stabilisierungsprojekte auf den Weg gebracht. Deutschland und Nigeria haben zudem Kooperationen im Sicherheitsbereich vereinbart: im Kampf gegen Boko Haram unterstützt die Bundesregierung die Ausbildung und Ausstattung der nigerianischen Polizei und Streitkräfte. Außerdem werden Projekte zur Kleinwaffenkontrolle und Durchsetzung rechtsstaatlicher Grundsätze durchgeführt. Als Pilotprojekt der Energiepatenschaft wurde an der Universität der Stadt Ibadan der Bau eines Solarkraftwerks begonnen, an dem in Zukunft Ingenieure ausgebildet werden. Auch in Migrationsfragen werden Deutschland und Nigeria in Zukunft enger zusammenarbeiten. Das beinhaltet nicht nur Kooperation bei der Rücknahme abgelehnter Asylbewerber, sondern auch die Planung eines Ausbildungsvorhabens für Rückkehrer. In Vorbereitung ist außerdem eine Urbanisierungspartnerschaft und ein Projekt, bei dem nigerianische Filme aus den Siebzigerjahren in Deutschland restauriert und digitalisiert werden sollen.


Wirtschaftliche Beziehungen

Ein Schwerpunkt der Wirtschaftsbeziehungen ist die Zusammenarbeit im Energiebereich. Im August 2008 wurde in Abuja das Gründungsdokument der Deutsch-Nigerianischen Energiepartnerschaft unterzeichnet. Im Oktober 2013 wurde die Energiepartnerschaft um fünf Jahre verlängert. Die jüngste Sitzung der Energiepartnerschaft fand im Februar 2016 zeitgleich zum Besuch von Bundespräsident Gauck in Nigeria statt.

Die Energiepartner treffen sich regelmäßig, um gemeinsame Projekte voranzubringen. Im Fokus stehen die Rehabilitierung und Weiterentwicklung der Stromproduktion in Nigeria – insbesondere durch erneuerbare Energien und eine verbesserte Energieeffizienz - sowie eine stärkere Beteiligung deutscher Firmen an der Gewinnung von Energieträgern in Nigeria.

Auch in anderen Bereichen wächst das unternehmerische Interesse auf beiden Seiten. Beleg dafür sind nicht zuletzt die Deutsch-Nigerianischen Wirtschafts-Foren, die abwechselnd in Deutschland bzw. Nigeria vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, vom DIHK bzw. der Delegation der deutschen Wirtschaft in Nigeria und von der Nigerian-German Business Association organisiert werden.

Im November 2015  fand zum vierten Mal ein European Business Forum in Lagos mit Beteiligung deutscher Unternehmen statt. Nigeria ist Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner in Subsahara-Afrika.

Im Jahr 2015 lagen die Einfuhren nach Deutschland aus Nigeria bei 2,1 Milliarden Euro, die Ausfuhren aus Deutschland nach Nigeria bei einer Milliarde Euro. Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Nigeria sind Maschinen, Fahrzeuge, chemische und elektrotechnische Produkte. Deutschland liegt an neunter Stelle der Zielländer der nigerianischen Exporte, bei den Ursprungsländern der Importe an zehnter Stelle.

Zahlreiche deutsche Unternehmen sind in Nigeria mit eigenen Repräsentanzen oder über Partner vertreten. Der im Jahr 2000 unterzeichnete bilaterale Investitionsschutz- und Fördervertrag mit Nigeria ist seit September 2007 in Kraft.

In Nigeria gibt es eine Delegation der Deutschen Wirtschaft (Delegation of German Industry and Commerce) mit Sitz in Lagos. Eingerichtet wurde die Delegation durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Außerdem haben sich in der Nigerian-German Business Association (NGBA) deutsche und nigerianische Geschäftsleute mit dem Ziel zusammengeschlossen, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu intensivieren.


Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria sind die nachhaltige Wirtschaftsförderung mit einem Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen und ein Beratungsprogramm im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Die Bundesregierung unterstützt durch die finanzielle Zusammenarbeit auch die erfolgreiche Bekämpfung von Polio in Nordnigeria. Am 25.09.2015 erklärte die WHO Polio als nicht mehr endemisch in Nigeria, allerdings wurden 2016 erneut Polio-Fälle im Norden Nigerias festgestellt.
Ein Programm zur finanziellen Unterstützung von Kleinbauern soll deren Marktchancen verbessern. Mit Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau ist Deutschland auch am Aufbau der Nigerianischen Entwicklungsbank wesentlich beteiligt.

Deutschland finanziert außerdem Schulbesuche von Kindern aus vom Terrorismus betroffenen Gebieten in Internaten über einen Beitrag zur "Safe Schools Initiative".

Seit 2016 unterstützt Deutschland aus den Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit auch Binnenflüchtlinge und deren Aufnahmegemeinden im Norden Nigerias.

Insgesamt belaufen sich die Mittelzusagen an Nigeria seit Beginn der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit 1960 auf 587 Millionen Euro. Davon entfallen rund zwei Drittel auf die finanzielle Zusammenarbeit und ein Drittel auf die technische Zusammenarbeit.


Kulturelle Beziehungen

Die guten bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria finden auch im kulturellen Bereich ihren Niederschlag.

Wichtige Anlaufstelle im Bereich Kultur ist seit 1962 das Goethe-Institut Nigeria in Lagos. Das Interesse am Kulturprogramm sowie am Erlernen der deutschen Sprache ist groß. Viele Nigerianer interessieren sich für Deutschland und möchten möglichst im Anschluss an den Spracherwerb in Deutschland studieren.

Von den politischen Stiftungen sind die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS) mit jeweils einem Büro in Nigeria vertreten. Mit unterschiedlicher programmatischer Ausrichtung fördern alle Stiftungen die Demokratisierung, die Entwicklung freier und unabhängiger Medien, die Stärkung der Frauenrechte und die Stärkung der Zivilgesellschaft in Nigeria. HBS widmet sich zudem umweltpolitischen Themen.

Im Hochschulbereich gibt es trotz der schwierigen Situation an vielen nigerianischen Universitäten eine vielfältige Zusammenarbeit zwischen deutschen und nigerianischen Hochschulen. Die Zahl der Hochschulpartnerschaften nimmt zu. Seit 2012 besteht eine Partnerschaft zwischen der Universität Würzburg und Zaria. Die Universitätspartnerschaft zwischen Würzburg und Nsukka wurde 2013 neu belebt. Seit 2015 besteht eine Partnerschaft zwischen der Universität Maiduguri im Bundesstaat Borno und der Musikhochschule Hildesheim.

Deutsche Universitäten genießen einen sehr guten Ruf in Nigeria. Zahlreiche Nigerianer haben während der wirtschaftlichen Boom-Zeit der 70er Jahre in Deutschland studiert. Es gibt mehrere Austauschkontakte zwischen beiden Ländern. Momentan studieren rund 1200 nigerianische Studenten an deutschen Universitäten.

An den Universitäten Ibadan und Ile-Ife gibt es durch den DAAD geförderte Lektoratsstellen. Germanistikfakultäten gibt es in Nsukka, Ile-Ife und Ibadan. Deutsch-Unterricht wird an mehreren Universitäten im Süden des Landes unter anderem in Benin-City, Port Harcourt, Abakaliki und Awka angeboten, im Norden an den Universitäten in Zaria und Jos.

Zudem gibt es mehrere private Sprachschulen in Nigeria (Abuja, Port Harcourt), an denen Deutsch vermittelt wird.

Die universitäre Zusammenarbeit findet ihre Fortsetzung in den Alumni-Nachbetreuungsprogrammen des DAAD und der Alexander-von-Humboldt Stiftung, welche die ehemaligen Studierenden durch Stipendien sowie Sach- und Gerätespenden tatkräftig unterstützen. Viele weitere Alumni sind in mehreren deutsch-nigerianischen Vereinigungen wie der "German Alumni Association Nigeria (GAAN)" oder der "Nigerian Association of Teachers of German (NATOG)" organisiert. Einzelne Vereinigungen organisieren jährliche Treffen, Workshops und Seminare.

Darüber hinaus gibt es Projekte der kulturellen Zusammenarbeit in allen Kunstsparten. So unterstützten die deutschen Auslandsvertretungen in Abuja und Lagos die Kooperation zwischen deutschen und nigerianischen Künstlern in Workshops und mit gemeinsamen Veranstaltungen. Ein intensiv ausgestaltetes Besucherprogramm ermöglicht es zahlreichen nigerianischen Journalisten, ein Deutschlandbild aus erster Hand zu gewinnen. Durch Praktika erhalten Journalisten die Gelegenheit, ihre journalistischen Qualifikationen weiterzuentwickeln und zu vervollkommnen. Zudem werden die Beziehungen zwischen deutschen und nigerianischen Medien weiterentwickelt.

Auch der Dialog mit der muslimischen Kultur des Nordens Nigerias ist Teil der kulturellen Beziehungen mit Nigeria.

Im Medienbereich kooperiert die Deutsche Welle (DW) sehr erfolgreich mit verschiedenen nigerianischen Funk- und Fernsehstationen im Ausbildungs- und Ausrüstungsbereich. Der englischsprachige wie auch der Haussa-Dienst der DW erfreuen sich großer Beliebtheit in Nigeria.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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