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Nigeria

Beziehungen zu Deutschland

Stand: April 2016

Politische Beziehungen

Bundespräsident Gauck hat vom 8. bis 12. Februar 2016 Nigeria besucht. Neben offiziellen Gesprächen mit dem 2015 neu gewählten nigerianischen Präsident Buhari und den Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern in der nigerianischen Hauptstadt Abuja besuchte der Bundespräsident auch die Wirtschaftsmetropole Lagos. Dort traf er u.a. den nigerianischen Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka sowie weitere Vertreter der Kulturszene. Bei einem Gedankenaustausch mit dem Gouverneur von Lagos wurden die Chancen für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern erörtert. Bundespräsident Gauck wurde durch eine Wirtschaftsdelegation begleitet.

Der erste Besuch des 2015 neu gewählten Präsidenten Buhari außerhalb Afrikas nach Amtsantritt galt am 7./8. Juni 2015 dem G7-Gipfel in Elmau. Für die Bundesregierung ist Nigeria ein wichtiger Partner in Afrika mit einer profilierten Rolle in der Förderung von Stabilität und Demokratie auf dem Kontinent und mit großem wirtschaftlichem Potenzial.

Seit dem Amtsantritt des ersten gewählten Präsidenten Obasanjo (1999-2007) nach Ende der Militärregierung im Mai 1999 hatten sich die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria wieder intensiviert. Obasanjos Nachfolger, Präsident Umaru Yar’Adua (2007-2010) und Goodluck Jonathan (2010-2015) waren gleichfalls bestrebt, ein enges Verhältnis zu Deutschland aufzubauen. Bundeskanzlerin Merkel besuchte Abuja im Juli 2011. Es handelte sich um die erste Visite eines nicht-afrikanischen Regierungschefs in Nigeria nach der Wahl von Staatspräsident Jonathan vom April 2011. Im Ergebnis der Gespräche wurde die Einrichtung einer "Binationalen Kommission" beschlossen, um die Beziehungen auszuweiten und zu intensivieren.

Im Rahmen des Besuchs von Präsident Jonathan in Berlin am 19./20.04.2012 nahmen die Arbeitsgruppen der binationalen Kommission zu den Themen Politik, Wirtschaft, Energie, Kultur und Migration ihre Arbeit auf. Die erste Plenarsitzung der binationalen Kommission fand anlässlich des Besuchs des damaligen Außenministers Westerwelle in Abuja am 02.11.2012 statt. Am 21.10.2014 leiteten Außenminister Steinmeier und sein nigerianischer Amtskollegen Aminu Wali die zweite Plenarsitzung in Berlin. Am 27.10.2014 besuchte Außenminister Steinmeier gemeinsam mit seinem damaligen französischen Kollegen Fabius Nigeria.

Neben dem Ausbau der bilateralen Beziehungen einschließlich des Wirtschaftsaustauschs geht es bei deutsch-nigerianischen Gesprächen zumeist um die Lage in Nigeria (insbesondere seit dem Anstieg der Zahl der von Boko Haram verübten Anschläge) und um multilaterale Fragen, namentlich um Themen der Sicherheit und Entwicklung in Afrika, der Afrikanischen Union, der westafrikanischen Regionalorganisation ECOWAS sowie der Vereinten Nationen.


Wirtschaftliche Beziehungen

Ein Schwerpunkt der Wirtschaftsbeziehungen ist die Zusammenarbeit im Energiebereich. Im August 2008 wurde in Abuja das Gründungsdokument der Deutsch-Nigerianischen Energiepartnerschaft unterzeichnet. Im Oktober 2013 wurde die Energiepartnerschaft um fünf Jahre verlängert. Die jüngste Sitzung der Energiepartnerschaft fand im Februar 2016 zeitgleich zum Besuch von Bundespräsident Gauck in Nigeria statt.

Die Energiepartner treffen sich regelmäßig, um gemeinsame Projekte voranzubringen. Im Fokus stehen die Rehabilitierung und Weiterentwicklung der Stromproduktion in Nigeria – insbesondere durch erneuerbare Energien und eine verbesserte Energieeffizienz - sowie eine stärkere Beteiligung deutscher Firmen an der Gewinnung von Energieträgern in Nigeria.

Auch in anderen Bereichen wächst das unternehmerische Interesse auf beiden Seiten. Beleg dafür sind nicht zuletzt die Deutsch-Nigerianischen Wirtschafts-Foren, die abwechselnd in Deutschland bzw. Nigeria vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, vom DIHK bzw. der Delegation der deutschen Wirtschaft in Nigeria und von der Nigerian-German Business Association organisiert werden.

Im November 2015  fand zum vierten Mal ein European Business Forum in Lagos mit Beteiligung deutscher Unternehmen statt. Nigeria ist Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner in Subsahara-Afrika.

Im Jahr 2014 lagen die Einfuhren nach Deutschland aus Nigeria bei 3,95 Milliarden Euro, die Ausfuhren aus Deutschland nach Nigeria bei 1,39 Milliarden Euro. Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Nigeria sind Maschinen, Fahrzeuge, chemische und elektrotechnische Produkte. Deutschland liegt an neunter Stelle der Zielländer der nigerianischen Exporte, bei den Ursprungsländern der Importe an zehnter Stelle.

Zahlreiche deutsche Unternehmen sind in Nigeria mit eigenen Repräsentanzen oder über Partner vertreten. Der im Jahr 2000 unterzeichnete bilaterale Investitionsschutz- und Fördervertrag mit Nigeria ist seit September 2007 in Kraft.

In Nigeria gibt es eine Delegation der Deutschen Wirtschaft (Delegation of German Industry and Commerce) mit Sitz in Lagos. Eingerichtet wurde die Delegation durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Außerdem haben sich in der Nigerian-German Business Association (NGBA) deutsche und nigerianische Geschäftsleute mit dem Ziel zusammengeschlossen, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu intensivieren.


Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria ist die nachhaltige Wirtschaftsförderung mit einem Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen. Zudem gibt es ein Beratungsprogramm im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Die Bundesregierung unterstützt durch die finanzielle Zusammenarbeit auch die erfolgreiche Bekämpfung von Polio in Nordnigeria. Am 25.09.2015 erklärte die WHO Polio als nicht mehr endemisch in Nigeria. Ein Programm zur finanziellen Unterstützung von Kleinbauern soll deren Marktchancen verbessern. Mit Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau ist Deutschland auch am Aufbau der Nigerianischen Entwicklungsbank wesentlich beteiligt.

Deutschland finanziert außerdem Schulbesuche von Kindern aus vom Terrorismus betroffenen Gebieten in Internaten über einen Beitrag zur "Safe Schools Initiative". Insgesamt belaufen sich die Mittelzusagen an Nigeria seit Beginn der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit auf rund 500 Millionen Euro. Davon entfallen rund zwei Drittel auf die finanzielle Zusammenarbeit und ein Drittel auf die technische Zusammenarbeit.


Kulturelle Beziehungen

Die guten bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria finden auch im kulturellen Bereich ihren Niederschlag.

Wichtige Anlaufstelle im Bereich Kultur ist seit 1962 das Goethe-Institut Nigeria in Lagos. Das Interesse am Kulturprogramm sowie am Erlernen der deutschen Sprache ist groß. Viele Nigerianer interessieren sich für Deutschland und möchten möglichst im Anschluss an den Spracherwerb in Deutschland studieren.

Eine private Firma unterhält in Abuja eine Deutsche Schule, die Schulunterricht nach deutschen Lehrplänen und von der KMK anerkannte Haupt- und Realschulabschlüsse anbietet.

Von den politischen Stiftungen sind die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS) mit jeweils einem Büro in Nigeria vertreten. Mit unterschiedlicher programmatischer Ausrichtung fördern alle Stiftungen die Demokratisierung, die Entwicklung freier und unabhängiger Medien, die Stärkung der Frauenrechte und die Stärkung der Zivilgesellschaft in Nigeria. HBS widmet sich zudem umweltpolitischen Themen.

Im Hochschulbereich gibt es trotz der schwierigen Situation an vielen nigerianischen Universitäten eine vielfältige Zusammenarbeit zwischen deutschen und nigerianischen Hochschulen. Die Zahl der Hochschulpartnerschaften nimmt zu. Seit 2012 besteht eine Partnerschaft zwischen der Universität Würzburg und Zaria. Die Universitätspartnerschaft zwischen Würzburg und Nsukka wurde 2013 neu belebt. Seit 2015 besteht eine Partnerschaft zwischen der Universität Maiduguri im Bundesstaat Borno und der Musikhochschule Hildesheim.

Deutsche Universitäten genießen einen sehr guten Ruf in Nigeria. Zahlreiche Nigerianer haben während der wirtschaftlichen Boom-Zeit der 70er Jahre in Deutschland studiert und bekleiden heute führende Positionen in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft. Es gibt mehrere Austauschkontakte zwischen beiden Ländern. Momentan studieren über 1000 nigerianische Studenten an deutschen Universitäten.

An den Universitäten Ibadan und Ile-Ife gibt es durch den DAAD geförderte Lektoratsstellen. Germanistikfakultäten gibt es in Nsukka, Ile-Ife und Ibadan. Deutsch-Unterricht wird an mehreren Universitäten im Süden des Landes unter anderem in Benin-City, Port Harcourt, Abakaliki und Awka angeboten, im Norden an den Universitäten in Zaria und Jos.

Zudem gibt es mehrere private Sprachschulen in Nigeria (Abuja, Port Harcourt), an denen Deutsch vermittelt wird.

Die universitäre Zusammenarbeit findet ihre Fortsetzung in den Alumni-Nachbetreuungsprogrammen des DAAD und der Alexander-von-Humboldt Stiftung, welche die ehemaligen Studierenden durch Stipendien sowie Sach- und Gerätespenden tatkräftig unterstützen. Viele weitere Alumni sind in mehreren deutsch-nigerianischen Vereinigungen wie der "German Alumni Association Nigeria (GAAN)" oder der "Nigerian Association of Teachers of German (NATOG)" organisiert. Einzelne Vereinigungen organisieren jährliche Treffen, Workshops und Seminare.

Darüber hinaus gibt es Projekte der kulturellen Zusammenarbeit in allen Kunstsparten. So unterstützten die deutschen Auslandsvertretungen in Abuja und Lagos die Kooperation zwischen deutschen und nigerianischen Künstlern in Workshops und mit gemeinsamen Veranstaltungen. Ein intensiv ausgestaltetes Besucherprogramm ermöglicht es zahlreichen nigerianischen Journalisten, ein Deutschlandbild aus erster Hand zu gewinnen. Durch Praktika erhalten Journalisten die Gelegenheit, ihre journalistischen Qualifikationen weiterzuentwickeln und zu vervollkommnen. Zudem werden die Beziehungen zwischen deutschen und nigerianischen Medien weiterentwickelt.

Auch der Dialog mit der muslimischen Kultur des Nordens Nigerias ist Teil der kulturellen Beziehungen mit Nigeria.

Im Medienbereich kooperiert die Deutsche Welle (DW) sehr erfolgreich mit verschiedenen nigerianischen Funk- und Fernsehstationen im Ausbildungs- und Ausrüstungsbereich. Der englischsprachige wie auch der Haussa-Dienst der DW erfreuen sich großer Beliebtheit in Nigeria.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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