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Beziehungen zu Deutschland
Stand: März 2012
Politische Beziehungen
Seit dem Amtsantritt des ersten gewählten Präsidenten Obasanjo (1999-2007) nach Ende der Militärregierung im Mai 1999 haben sich die bilateralen Beziehungen wieder intensiviert. Obasanjos Nachfolger, Präsident Umaru Yar’Adua (2007-2010) war gleichfalls bestrebt, ein enges Verhältnis zu Deutschland aufzubauen. Dies gilt auch für den derzeitigen Staatspräsidenten Goodluck Jonathan (seit 2010). Für die Bundesregierung ist Nigeria ein wichtiger Partner in Afrika, mit einer profilierten Rolle in der Förderung von Stabilität und Demokratie auf dem Kontinent, und mit großem wirtschaftlichen Potenzial.
Bundeskanzlerin Merkel besuchte am 13. und 14. Juli 2011 Abuja. Es handelte sich um die erste Visite eines nicht-afrikanischen Regierungschefs in Nigeria nach der Wahl von Staatspräsident Jonathan vom April 2011. Im Ergebnis der Gespräche wurde die Einrichtung einer binationalen Kommission beschlossen, um die Beziehungen auszuweiten und zu intensivieren. Die Bundeskanzlerin lud Staatspräsident Jonathan zu einem Besuch nach Deutschland im Jahr 2012 ein. Bei einem Treffen des nigerianischen Außenministers Ashiru mit Außenminister Westerwelle am 02.12.2011 in Berlin wurde die Binationale Kommission formell eingerichtet.
Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Jonathan waren erstmals am Rande des G-8-Gipfels in Kanada am 26.06.2010 zusammen getroffen. Diese Begegnung hatte die hochrangigen Kontakte zwischen beiden Ländern nach dem Tod von Präsident Yar'Adua (im Mai 2010) fortgesetzt. Yar'Adua seinerseits hatte kurz nach seiner Wahl im Juni 2007 am G8-Gipfel in Heiligendamm teilgenommen. Die damaligen Gespräche am Rande des Gipfels gaben den Anstoß für die bilaterale Energiepartnerschaft (s.u.).
Weitere wichtige Ereignisse aus jüngerer Vergangenheit waren das vierte Forum im Rahmen der Initiative "Partnerschaft mit Afrika", das unter Leitung von Bundespräsident Köhler und Staatspräsident Yar'Adua vom 7. bis 9. November 2008 in Abuja abgehalten wurde, und der anschließende Staatsbesuch von Bundespräsident Köhler, der auch in die Wirtschaftsmetropole Lagos und in das Zentrum Nordnigerias, Kano, führte.
Neben dem Ausbau der bilateralen Beziehungen einschließlich des Wirtschaftsaustauschs geht es bei deutsch-nigerianischen Gesprächen zumeist um multilaterale Fragen, namentlich um Themen der Sicherheit und Entwicklung in Afrika, der Afrikanischen Union, der westafrikanischen Regionalorganisation ECOWAS sowie der Vereinten Nationen.
Wirtschaftliche Beziehungen
Ein Schwerpunkt der Wirtschaftsbeziehungen ist die Zusammenarbeit im Energiebereich. Im August 2008 wurde in Abuja ein Memorandum unterzeichnet, das Gründungsdokument der Deutsch-Nigerianischen Energiepartnerschaft. Seither treffen sich die Energiepartner regelmäßig, um gemeinsame Projekte voranzubringen. Im Fokus stehen die Rehabilitierung und Weiterentwicklung der Stromproduktion in Nigeria – auch mittels Nutzung erneuerbarer Energien - und eine stärkere Beteiligung deutscher Firmen an der Gewinnung von Energieträgern in Nigeria. Bei ihrem Zusammentreffen im Juli 2011 bekräftigten Präsident Jonathan und Bundeskanzlerin Merkel das große Interesse beider Länder an der Partnerschaft, die auch Eingang in die Binationale Kommission finden wird.
Aber auch in anderen Bereichen wächst das unternehmerische Interesse auf beiden Seiten. Beleg dafür sind nicht zuletzt die jährlichen Deutsch-Nigerianischen Wirtschafts-Foren, die abwechselnd in Deutschland bzw. Nigeria vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, vom DIHK bzw. der Delegation der deutschen Wirtschaft in Nigeria und von der Nigerian-German Business Association organisiert werden. Das vierte Deutsch-Nigerianische Wirtschaftsforum in Abuja (14.-15.07.2011) wurde von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Jonathan eröffnet. Das fünfte Forum soll 2012 in Deutschland stattfinden.
Nigeria ist Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner in Subsahara-Afrika.
2008 erreichte das bilaterale Handelsvolumen mit 3 Milliarden Euro zunächst einen Höhepunkt, ging dann aber im Zuge der globalen Wirtschaftskrise und des niedrigeren Ölpreises stark zurück. Die Exporte nach Nigeria sanken 2009 um knapp 15 Prozent auf ca. 1 Milliarde Euro, die Importe nach Deutschland um 34 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich der Handel wieder erholt. 2011 wurde mit insgesamt 4,7 Mrd. Euro ein neuer Rekord erreicht. Wesentliche Ursache war der gestiegene Ölpreis. Nigeria lieferte Waren im Wert von 3,4 Mrd. Euro (95% Öl) nach Deutschland (+70%), die deutsche Ausfuhr nach Nigeria stieg im Gegenzug auf 1,3 Mrd. Euro (+18%).
Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Nigeria sind Maschinen, Fahrzeuge, chemische und elektrotechnische Produkte.
Deutschland stand 2010 an neunter Stelle der Zielländer der nigerianischen Exporte, bei den Ursprungsländern der Importe an zehnter Stelle. Im deutschen Außenhandel liegt Nigeria bei den Ausfuhren an 62., bei den Einfuhren an 39. Stelle (2011).
Der Bestand deutscher Direktinvestitionen in Nigeria ist seit 2001 rückläufig und betrug Ende 2009 60 Millionen Euro (2001: 298 Millionen).
Etwa 50 deutsche Unternehmen sind in Nigeria teils mit Produktionsstätten, teils mit Repräsentanzen vertreten. Der im Jahr 2000 unterzeichnete bilaterale Investitionsschutz- und Fördervertrag mit Nigeria trat im September 2007 in Kraft.
In Nigeria gibt es eine Delegation der Deutschen Wirtschaft (Delegation of German Industry and Commerce) mit Sitz in Lagos. Eingerichtet wurde die Delegation durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Außerdem haben sich in der Nigerian-German Business Association (NGBA) deutsche und nigerianische Geschäftsleute mit dem Ziel zusammengeschlossen, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu intensivieren. DIHK und NGBA arbeiten inhaltlich und räumlich eng zusammen mit dem erklärten Ziel, eine Deutsche Auslandshandelskammer (AHK) zu gründen.
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit
Während der Abacha-Diktatur 1993-98 wurde die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit bis auf die Fortführung laufender Projekte eingefroren. Mit der Rückkehr Nigerias zur Demokratie 1999 kehrten Deutschland und andere frühere Geberländer wieder nach Nigeria zurück. Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria ist die nachhaltige Wirtschaftsförderung mit einem Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen. Zudem gibt es ein Beratungsprogramm im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Die Bundesregierung hat seit Ende 2004 insgesamt 35 Millionen Euro früherer Zusagen der Finanziellen Zusammenarbeit für die Unterstützung eines Programms zur Bekämpfung der Kinderlähmung umgewidmet. Des Weiteren wurden 1,5 Millionen Euro aus den „Studien- und Fachkräftefonds“ sowie „Studien- und Expertenfonds“ für das Projekt „Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen in Borno State“ umgewidmet.
Insgesamt belaufen sich die Mittelzusagen an Nigeria seit Beginn der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit auf knapp 450 Millionen Euro. Davon entfallen rund zwei Drittel auf die finanzielle Zusammenarbeit und ein Drittel auf die technische Zusammenarbeit.
Kulturelle Beziehungen
Die guten bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria finden auch im kulturellen Bereich ihren Niederschlag. Im Jahre 1999 wurde ein Kulturabkommen geschlossen, das die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria auf eine solide völkerrechtliche Grundlage stellt.
Wichtige Anlaufstelle im Bereich Kultur ist seit 1962 das Goethe-Institut Nigeria in Lagos. Das Interesse am Kulturprogramm sowie am Erlernen der deutschen Sprache ist sehr groß. Viele Nigerianer interessieren sich für Deutschland und möchten möglichst im Anschluss an den Spracherwerb in Deutschland studieren. Seit September 2008 besteht eine Außenstelle des Goethe-Instituts in Kano, um die kulturelle Zusammenarbeit auch mit dem Norden Nigerias zu intensivieren. Kano strahlt als größte Stadt und wichtigstes Handels- und Kulturzentrum im moslemischen Norden Nigerias auf die gesamte Region aus und bietet daher ein gutes Umfeld für Projekte des Kulturdialogs mit der islamischen Welt. Eine private deutsche Firmenschule bietet in Abuja und Lagos Schulunterricht nach deutschem Lehrplan an und vergibt von der KMK anerkannte Haupt- und Realschulabschlüsse. Von den politischen Stiftungen sind die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS) und die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Nigeria / Abuja vertreten. Mit unterschiedlicher programmatischer Ausrichtung fördern alle Stiftungen die Demokratisierung, die Entwicklung freier und unabhängiger Medien, die Stärkung der Frauenrechte und die Stärkung der Zivilgesellschaft in Nigeria.
Im Hochschulbereich gibt es trotz der schwierigen Situation an vielen nigerianischen Universitäten eine vielfältige Zusammenarbeit zwischen deutschen und nigerianischen Hochschulen. Die Zahl der Hochschulpartnerschaften nimmt zu. Deutsche Universitäten genießen einen sehr guten Ruf in Nigeria. Zahlreiche Nigerianer haben während der wirtschaftlichen Boom-Zeit der 70er Jahre in Deutschland studiert und bekleiden heute führende Positionen in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft. Es gibt mehrere Austauschkontakte zwischen beiden Ländern. Momentan studieren 416 nigerianische Studenten an deutschen Universitäten. An der Universität Ibadan gibt es eine durch den DAAD geförderte Lektoratsstelle. Germanistikfakultäten gibt es in Nsukka, Ile-Ife und Ibadan.
Die universitäre Zusammenarbeit findet ihre Fortsetzung in den Alumni-Nachbetreuungsprogrammen des DAAD und der Alexander-von-Humboldt Stiftung, welche die ehemaligen Studierenden durch Stipendien sowie Sach- und Gerätespenden tatkräftig unterstützen. Viele weitere Alumni sind in mehreren deutsch-nigerianischen Vereinigungen wie der "German Alumni Association Nigeria" oder der "Nigerian Association of Teachers of German (NATOG)" organisiert. Einzelne Vereinigungen organisieren jährliche Treffen, Workshops und Seminare.
Darüber hinaus gibt es Projekte der kulturellen Zusammenarbeit und des Kulturerhalts. So unterstützt die Botschaft in Zusammenarbeit mit der französischen Botschaft die Etablierung eines jährlich stattfindenden Opernfestivals in der Hauptstadt Abuja sowie ein Europäisches Filmfestival (EU-Mitglieder und Schweiz). Auch der Dialog mit der muslimischen Kultur des Nordens Nigerias ist Teil der kulturellen Beziehungen mit Nigeria.
Im Medienbereich kooperiert die Deutsche Welle (DW) sehr erfolgreich mit verschiedenen nigerianischen Funk- und Fernsehstationen im Ausbildungs- und Ausrüstungsbereich. Der englischsprachige wie auch der Hausa-Dienst der DW erfreuen sich großer Beliebtheit in Nigeria.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
