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Wirtschaft
Stand: März 2012
Binnenwirtschaft
Die wirtschaftliche Entwicklung war durch den bereits seit 1996 andauernden bewaffneten Konflikt deutlich beeinträchtigt. Mit dem 2006 eingeleiteten Friedensprozess haben sich die politischen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft jedoch kaum verbessert. Die Wachstumsraten waren insgesamt zu niedrig, um die Armut im Land substanziell zu reduzieren. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum bewegte sich in den letzten Jahren real zwischen 2% und 4%. Es lag damit sehr deutlich unter den Wachstumsraten der zwei großen Nachbarn Indien und China, deren wirtschaftliche Dynamik Nepal nicht für sich nutzbar machen konnte.
Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 645 US-Dollar ist Nepal das ärmste Land der Region und zählt zu den 15 ärmsten Ländern der Welt. Ein Viertel der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Rund 45% der Erwachsenen sind Analphabeten.
Die nepalesische Wirtschaft ist faktisch weitgehend privat-/marktwirtschaftlich verfasst, aber auch durch starre sozialstaatliche Elemente sowie durch privilegierte Staatsunternehmen geprägt. Die wechselnden Regierungen der letzten Jahre verfolgten eine grundlegend entwicklungsorientierte und marktwirtschaftliche Politik, die auch von der derzeitigen Regierung unter maoistischer Führung nicht in Frage gestellt wird. Die ausgeprägte Bürokratisierung sowie eine mangelhafte Infrastruktur sind jedoch Hindernisse für die wirtschaftliche Entwicklung. Eine - abgesehen vom Terai-Tiefland im Süden - äußerst ungünstige Topografie und Siedlungsstruktur sowie die mangelnde Erschließung durch Verkehrswege erschweren die Entwicklungsanstrengungen zusätzlich, besonders für die Bergregionen.
Nepal ist noch immer ein weitgehend von der Subsistenzwirtschaft geprägter Agrarstaat. Die Landwirtschaft beschäftigt 68 % der Erwerbstätigen und trägt mit 38 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das größte Entwicklungspotenzial des Landes ist die bisher weitgehend ungenutzte Wasserkraft. Auch der bereits florierende Tourismus birgt noch großes Wachstumspotential. Nach Ende des bewaffneten Konflikts steigt die Zahl der Touristen wieder an. Im Nepal Tourism Year 2011 sollte die Schwelle von einer Mio. Touristen erreicht werden, was fast eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr bedeutet hätte.
Weitere Potentiale bieten hochwertige (Kunst-)Handwerksprodukte und die Industriestandorte nahe der indischen Grenze. 90% aller Unternehmen des Landes sind Kleinbetriebe, die einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung leisten, aber nur 4% zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Im Fiskaljahr 2010/11 trugen die etwa 2,5 bis 3 Mio. im Ausland lebenden Nepalesen mit ihren Finanztransfers in die Heimat mit 19,3% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Diese Mittel führen jedoch kaum zu Investitionen, sondern fließen unmittelbar in den lokalen Konsum.
Die Weltwirtschaftskrise der letzten Jahre traf Nepal mit Verzögerungen und wirkte sich vor allem über die hohe Abhängigkeit der Wirtschaft von den Rücküberweisungen der im Ausland lebenden Nepalesen aus. Trotzdem stiegen diese Transfers in 2010/11 gegenüber dem Vorjahr um 12% an. Die Inflation ist zuletzt leicht gesunken und liegt aktuell bei etwa 9,5 %.
Das Investitionsklima leidet vor allem unter den anhaltenden politischen Unsicherheiten, den Unruhen im Terai (dem südlichen Tiefland), gesetzlicher Überregulierung, den umfangreichen Stromausfällen (saisonabhängig bis zu 16 Stunden täglich), der schwerfälligen Bürokratie sowie unter Defiziten in Infrastruktur und Ausbildung.
Ausländische Direktinvestitionen machen nur einen sehr geringen Anteil am gesamten Staatshaushalt aus. Ein Drittel des Budgets wird von der Gebergemeinschaft per Entwicklungshilfe finanziert. Der Staatshaushalt schließt nicht selten mit hohen Fehlbeträgen.
Außenwirtschaft
Die außenwirtschaftliche Situation Nepals ist geprägt von einem steigenden Handelsbilanzdefizit (2009/2010: +41,5%). Es wird durch Überschüsse bei Dienstleistungen (insbesondere Tourismus) und Finanztransfers (Gastarbeiter- und Rentenüberweisungen) nicht mehr kompensiert, so dass die Leistungsbilanz steigende Defizite aufweist. Die Regierung ist bemüht, die Importe zu reduzieren und einen weiteren Anstieg zu verhindern. Die Auslandsverschuldung betrug 3,4 Mrd. US$ (2010).
Exportgüter sind in erster Linie Teppiche, gefolgt von Bekleidung, Metallwaren, ausgewählte Lebensmittel und Kunsthandwerk. Der Anteil der Exporte am BIP fiel jedoch in den vergangenen Jahren kontinuierlich von 13 auf sechs Prozent. Aus Deutschland importiert Nepal vor allem Maschinen, medizinische Geräte und Fahrzeuge.
Seit November 2010 hat Deutschland die Rolle des Koordinators der internationalen Gebergemeinschaft zur Unterstützung der Umsetzung der nepalesischen Handelsstrategie übernommen.
Umwelt- und Klimapolitik
Die Interimsverfassung gibt dem Umweltschutz Priorität und weist dem Staat die Aufgabe zu, weitere Schäden zu verhindern. Größte Umweltprobleme sind die Luftverschmutzung, vor allem durch Verkehr und private Müllverbrennung, sowie die Erosionsgefahr durch Abholzung und globale Erwärmung. Luft- und Wasserverschmutzung ist besonders im Kathmandu-Tal zu beklagen. Erdrutsche und Überschwemmungen nehmen zu.
Das Umweltbewusstsein (neuerdings auch für den Klimawandel und seine Folgen) in der Politik ist vergleichsweise groß, die Umsetzungsmöglichkeiten angesichts der Armut des Landes jedoch gering. Die Nutzung des riesigen Wasserkraftpotentials ist ein langfristiger Ansatzpunkt, um der durch Abholzung bedingten Erosion Einhalt zu gebieten. Über mehrere Projekte fördert Deutschland Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
