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Mexiko

Wirtschaft

Stand: Mai 2017

Struktur der Volkswirtschaft

Als fortgeschrittenes Schwellenland steht Mexiko an fünfzehnter Stelle der größten Volkswirtschaften der Erde. Als Exportnation belegt es den 13. Platz der Weltrangliste und ist die Nr. 12 unter den Importländern der Erde. Mexiko ist die Nummer zehn unter den ölexportierenden Staaten der Welt, siebtgrößter Automobilproduzent und viertgrößte Exportnation im Automobilsektor. Die mexikanische Volkswirtschaft erwirtschaftet ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) schwerpunktmäßig in den Bereichen Dienstleistungen und Industrie.  

Mexiko ist ein sog. "upper middle income country". Es ist Mitglied der OECD und stellt seit Juni 2006 deren Generalsekretär Angel Gurría – eine Tatsache, die Mexikos Selbstverständnis als Industrienation unterstreicht. Mexiko ist Mitglied der G20, deren Präsidentschaft es 2012 ausgeübt hat. Ein System von 12 Freihandelsabkommen mit 46 Ländern (mit insgesamt über 1,55 Mrd. Konsumenten) sollte durch die Trans-Pacific Partnership (TPP) ergänzt werden. Mit TPP würde sich das Netz von Freihandelsabkommen Mexikos um sechs weitere Länder erweitern (Australien, Neuseeland, Singapur, Vietnam, Malaysia, Brunei). Allerdings hat der neugewählte US-Präsident den Rückzug der USA angekündigt, die Zukunft der TPP ist ungewiss.  

Von zentraler Bedeutung für die Modernisierung der mexikanischen Volkswirtschaft in den letzten beiden Jahrzehnten war das 1994 in Kraft getretene Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA), das einen Modernisierungsschub nach sich gezogen, die wirtschaftliche Liberalisierung Mexikos eingeleitet hat und nach wie vor die wesentlichen Handelsströme Mexikos abbildet. Denn der mit Abstand wichtigste Handelspartner Mexikos sind sowohl export- als auch importseitig die USA. 80% der mexikanischen Gesamtausfuhren und knapp 50 % der mexikanischen Importe werden mit den USA abgewickelt. Daher ist die Frage nach dem zukünftigen wirtschafts- und handelspolitischen Kurs der USA nach der US-Wahl in Mexiko besonders bedeutsam.

Mexiko strebt eine Diversifizierung seiner Außenhandelsstruktur an. U.a. hat es mit Kolumbien, Peru und Chile die Pazifikallianz gegründet. Die Wirtschaftsbeziehungen zu China sollen vertieft und das hohe Handelsbilanzdefizit perspektivisch abgebaut werden; China ist daran interessiert, in Schlüsselsektoren der mexik. Wirtschaft zu investieren. Mexiko verhandelt derzeit neue Freihandelsabkommen mit Jordanien, Paraguay und der Türkei. Zudem wird mit der EU über die Aktualisierung des Handelsteils des EU-Mexiko-Globalabkommens verhandelt, wobei nicht-tarifäre Handelshemmnisse, Ursprungsregeln, Öffentliches Beschaffungswesen und der Schutz Geistigen Eigentums im Mittelpunkt stehen. Im Bereich mexikanischer Exporte zeigten sich in 2016 erste Ergebnisse der Diversifizierungsstrategie: Exporte nach Asien nahmen um 15 %, Exporte in die EU um 6 % zu. 

Trotz der Liberalisierung der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten, gab es in Schlüsselsektoren wie der Energiewirtschaft, der Telekommunikation oder dem Bankensektor noch immer Oligopole und Monopole, die den Wettbewerb in Mexiko behinderten und der Wirtschaft hohe Kosten verursachten. Daher hat die Regierung Peña Nieto in ihrer bisherigen Amtszeit Reformgesetze auf den Weg gebracht, die diese Strukturen aufbrechen und damit die Öffnung der Wirtschaft in zentralen Bereichen voranbringen sollen. Vor allem der Umbau der mexikanischen Energiewirtschaft, der die Jahrzehnte alte Monopolstellung der staatlichen Erdölgesellschaft PEMEX beendet und die Erdölindustrie für Investitionen öffnet und auch den staatlichen Energieerzeuger CFE in ein privatwirtschaftliches Unternehmen umwandelt, soll erhebliche Wachstumsimpulse für die mexikanische Volkswirtschaft setzen. Die Implementierung der Reformen hat begonnen. Allerdings findet die Öffnung der Erdölwirtschaft für private Investoren angesichts der weltweit weiterhin schwachen Rohölpreise zu einem für Mexiko  ungünstigen Zeitpunkt statt. Der Ausbau der Energieversorgung durch erneuerbare Energien nimmt nach Verabschiedung des Energiewendegesetzes (Dezember 2015) und der Liberalisierung des Strommarkts seit Anfang 2016 Form an und bietet erhebliche Chancen für deutsche Technologieanbieter. 


Außenhandel

Die mexikanischen Exporte entfallen vor allem auf Industrieerzeugnisse (insbesondere Fahrzeuge und Fahrzeugteile (23,6 %), Elektronik und Elektrotechnik (zusammen 26,9 %) und Maschinen (10,1 %). Vor dem Hintergrund des Einbruchs der Erdölexporte hat in jüngster Zeit der Export verarbeiteter landwirtschaftlicher Produkte signifikant an Bedeutung gewonnen; zwischen 2014 und 2015 hat sich der Beitrag des Sektors an den Exporten verdoppelt und beträgt nun 4%. Die Einnahmen aus dem Export von Agrargütern liegen derzeit in der Wert-Betrachtung vor den Erdöleinnahmen und den Einnahmen aus dem Tourismus.


Armut

Beim Erreichen des ersten Millenniumsentwicklungsziels (Beseitigung von extremer Armut und Hunger) ergibt sich ein gemischtes Bild: Gegenüber 1990 hat der Anteil der Menschen, die über weniger als 1,25 USD am Tag verfügen, um mehr als die Hälfte abgenommen und betraf 2014 lediglich 3,7 % der Bevölkerung. Die mexikanische Regierung legt jedoch einen strengeren Maßstab an: Nach einem multidimensionalen Armutsindex, der neben dem verfügbaren Einkommen auch den Zugang zu sozialen Grundrechten (Gesundheit, Bildung, Unterkunft, etc.) misst, galten nach der letzten Erhebung aus dem Jahr 2014 46,2 % der mexikanischen Bevölkerung (55,3 Mio.) als arm; nach dieser Berechnungsmethode leben 9,5 % (11,4 Mio.) sogar in extremer Armut. Durch die verschiedenen Sozialtransferprogramme der Regierung konnte lediglich die extreme Armut leicht zurückgedrängt werden, während die Zahl der in Armut lebenden oder armutsgefährdeten Personen insgesamt zunimmt. Aufgrund der Schwäche des MEX Pesos gegenüber dem USD und einem im Vergleich zu den Vorjahren stärkeren Anstiegs der Verbraucherpreise, ist auch in diesem Jahr kein wesentlicher Rückgang der Armutszahlen zu erwarten. Weiterhin prägend sind eine hohe Ungleichheit in der Einkommensverteilung mit starken regionalen Disparitäten und der mangelnde Zugang zu Basisdienstleistungen insbesondere im ländlichen Raum. Besonders brisant ist die Situation weiterhin in den südlichen Bundesstaaten Chiapas, Oaxaca, Guerrero und Veracruz, in denen die Armutsrate nach wie vor am höchsten ist. Zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in diesen Bundesstaaten wurde ein Gesetz zur Schaffung von Sonderwirtschaftszonen verabschiedet. 


Wirtschaftsklima und aktuelle Wirtschaftsentwicklung

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1.144 Mrd. US-Dollar (rund 20 Billionen MXN Pesos) verzeichnete Mexiko im Jahr 2016 die zweitgrößte Wirtschaftsleistung Lateinamerikas (zweitgrößte Bevölkerung, drittgrößtes Territorium der Region), was einem Anstieg des BIP um 2,3% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das BIP pro Kopf betrug 2016 etwa  8.623 US-Dollar. Der Ausgang der US-Wahl hat den Peso-Kurs stark unter Druck gesetzt. Die MEX Zentralbank hat reagiert und   den Zinssatz mehrfach angehoben, um der Abwertung des Peso entgegenzuwirken, zuletzt im Februar 2017 von 5,75% auf 6,25%. Problematisch ist zudem die aufgrund der Benzinpreiserhöhung stark angestiegene Inflation, die im Januar 2017 bei 4,72% lag und damit den höchsten Wert seit September 2012 erreichte. 

Die Devisenreserven belaufen sich auf ca. 175 Mrd .USD.  

Nach Verabschiedung der Durchführungsgesetze im Energiebereich im Sommer 2014 sind in diesem Sektor die Rahmenbedingungen für in- wie ausländische Privatinvestitionen gesetzt. In der Erdölwirtschaft haben die ersten Bieterrunden stattgefunden, erste Zuschläge sind erfolgt. Die interessanteste Runde, bei der ertragreiche Tiefseevorkommen ausgelobt werden, hat im Dezember 2016 stattgefunden; dem Energieministerium zufolge ist das Interesse der großen internationalen Erdölfirmen ungebrochen. Allerdings haben die Rückgänge der Einnahmen aus dem Erdölexport aufgrund des Preisverfalls seit Juni 2014 Haushaltskürzungen für 2016 und 2017 erzwungen. Mexiko verfolgt weiter den Weg solider Haushaltsführung. Ende Oktober 2016 hat das mexikanische Parlament den Haushaltsentwurf der Regierung angenommen, der teils empfindliche Kürzungen von rund 13 Mrd. USD vorsieht.

Unverändert hoch ist mit noch immer über 55 % der Anteil des informellen Sektors am Arbeitsmarkt. Einerseits fungiert er als Ventil für die Aufnahme von jährlich etwa 1 Million Jugendlichen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, andererseits ist er aber auch strukturell für die niedrige Arbeitsproduktivität verantwortlich, die das Wachstum der mexikanischen Wirtschaft seit Jahrzehnten bremst. Um diese zu steigern, ist nicht zuletzt auch eine bessere Grund- und Berufsausbildung notwendig. Dies hat die mexikanische Regierung erkannt und arbeitet mit Nachdruck an der Umsetzung der 2013 beschlossenen Reform des Schulsystems, die bei der Lehrerschaft aber auf erbitterten Widerstand stößt. Streiks und Proteste gegen die Reform lähmten Teile des Landes im Sommer 2016.  

Wichtig für die Behebung des Fachkräftemangels ist die Einführung dualer Elemente in die mittlere Berufsbildung. Deutschland unterstützt die mexikanische Regierung bei der  Einführung einer Dualen Berufsausbildung nach deutschem Modell (MMFD). Bisher nehmen daran rund 300 Unternehmen in 15 Bundesstaaten teil.  

Motor des Wirtschaftswachstums ist der Export: Vor allem die Kfz-Industrie und deren Zulieferer haben 2016 mit der Herstellung von 3,46 Mio. Fahrzeugen (+1,8 % gegenüber 2015) nach 2015 ein weiteres Rekordergebnis eingefahren. 

In dieser Logik liegen die Investitionsentscheidungen von Daimler und BMW zugunsten von neuen Werken in Mexiko, Volkswagens Erweiterung des Stammwerkes in Puebla sowie die Eröffnung eines neuen Werkes durch Audi im September 2016. Auch der Zustrom von Automobilzulieferern und der Ausbau von Fertigungsanlagen der bereits in Mexiko tätigen Firmen halten weiter an. Darüber hinaus befinden sich der Luft- und Raumfahrtsektor, die Pharma- und Medizintechniksparte, die Bergbauindustrie, die Elektroindustrie sowie der Transportsektor im Aufschwung. Bemerkenswert ist die dynamische Entwicklung beim Export von Agrargütern (Exporterlöse 2016: 14,74 Mrd. USD).

Mit einer vergleichsweise niedrigen Verschuldung des Bundeshaushalts von 54 % des BIP und einem Haushaltsdefizit von 3 % (Prognose für 2017) steht Mexiko im internationalen Vergleich solide da. Sorgen bereiten lediglich die Haushalte der Bundesstaaten: Deren Verschuldung hat sich seit 2006 um 170 % erhöht. Im Februar 2015 hat der Senat die Verfassung geändert, um die Schuldenaufnahme durch die Bundesstaaten und Gemeinden zu reglementieren und ihr Grenzen zu setzen. 


Klima und Umwelt

International nimmt Mexiko bei der Umwelt- und Klimaschutzpolitik eine konstruktive und ambitionierte Haltung ein und hat eine positive Vorreiterrolle unter den Schwellenländern inne. Bei der COP 21 in Paris gehörte Mexiko der Koalition der ambitionierten Länder an. Die Ernennung der bisherigen mexikanischen Botschafterin in Deutschland, Patricia Espinosa, zur Generalsekretärin des Uno-Klimasekretariats kann Mexiko zu Recht auch als Geste der Anerkennung seiner eigenen Klimapolitik bewerten.

National hat sich Mexiko mit einem Klimaschutzgesetz und einer nationalen Klimaschutzstrategie auf langfristige Minderungsziele selbst verpflichtet: Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 30 % bis 2020 sowie um 50 % bis 2050 gegenüber 2000. Ein Regierungsprogramm zur Förderung erneuerbarer Energien soll die gesetzliche Vorgabe umsetzen, den Anteil 'sauberer' Energie (erneuerbare plus Kernenergie) bis 2024 auf 35 % zu erhöhen. Im März 2015 hat Mexiko als erstes Schwellenland seinen freiwilligen Minderungsbeitrag (INDC) zur Begrenzung der globalen Erwärmung zur Vorbereitung eines internationalen Klimaschutzabkommens eingereicht; im Dezember 2015 wurde ein Energiewendegesetz verabschiedet, das den Ausbau der erneuerbaren Energien mit konkreten Ausbauzielen festschreibt.

Mexiko setzt sich als eines der artenreichsten Länder der Welt ebenso für ambitionierte Ziele zum Erhalt der Biodiversität ein und hat im Dezember 2016 in Cancún die 13. VN-Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention ausgerichtet. Damit übt es für zwei Jahre den CBD-Vorsitz aus.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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