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Mexiko

Wirtschaft

Stand: November 2016

Struktur der Volkswirtschaft

Als fortgeschrittenes Schwllenland steht Mexiko an fünfzehnter Stelle der größten Volkswirtschaften der Erde. Als Exportnation belegt es den 12. Platz der Weltrangliste und ist die Nr. 10 unter den Importländern der Erde. Mexiko ist die Nummer zehn unter den ölexportierenden Staaten der Welt, siebtgrößter Automobilproduzent und viertgrößte Exportnation im Automobilsektor. Die mexikanische Volkswirtschaft erwirtschaftet ihr BIP schwerpunktmäßig in den Bereichen Dienstleistungen, Industrie und Handel.

Mexiko ist ein sog. "upper middle income country". Es ist Mitglied der OECD und stellt seit Juni 2006 deren Generalsekretär Angel Gurría – eine Tatsache, die Mexikos Selbstverständnis als Industrienation unterstreicht. Mexiko ist Mitglied der G20, deren Präsidentschaft es 2012 ausgeübt hat. Ein System von 11 Freihandelsabkommen mit 46 Ländern (mit insgesamt über 1,55 Mrd. Konsumenten) soll durch die Trans-Pacific Partnership (TPP) ergänzt werden. Mit TPP würde sich das Netz von Freihandelsabkommen Mexikos um sechs weitere Länder erweitern (Australien, Neuseeland, Singapur, Vietnam, Malaysia, Brunei). Allerdings hat der neugewählte US-Präsident den Rückzug der USA angekündigt, die Zukunft der TPP ist ungewiss.

Von zentraler Bedeutung für die Modernisierung der mexikanischen Volkswirtschaft in den letzten beiden Jahrzehnten war das 1994 in Kraft getretene Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA), das einen Modernisierungsschub nach sich gezogen und die wirtschaftliche Liberalisierung Mexikos eingeleitet hat und nach wie vor die wesentlichen Handelsströme Mexikos abbildet. Denn der mit Abstand wichtigste Handelspartner Mexikos sind sowohl export- als auch importseitig die USA. 80% der mexikanischen Gesamtausfuhren und knapp 50% der mexikanischen Importe werden mit den USA abgewickelt. Daher ist die Frage nach dem zukünftigen wirtschafts- und handeslpolitischen Kurs der USA nach der US-Wahl in Mexiko besonders bedeutsam.

Mexiko strebt eine Diversifizierung seiner Außenhandelsstruktur an. U.a. hat es mit Kolumbien, Peru und Chile die Pazifikallianz gegründet. Die Wirtschaftsbeziehungen zu China sollen vertieft und das hohe Handelsbilanzdefizit perspektivisch abgebaut werden; China ist daran interessiert, in Schlüsselsektoren der mexik. Wirtschaft zu investieren. Derzeit wird zudem die Aktualisierung des Handelsteils des EU-Mexiko-Globalabkommens vorbereitet, bei der nicht-tarifäre Handelshemmnisse, Ursprungsregeln, Öffentliches Beschaffungswesen und der Schutz Geistigen Eigentums auf der Agenda stehen.

Trotz der Liberalisierung der Wirtschaft gibt es in Schlüsselsektoren wie der Energiewirtschaft, der Telekommunikation oder dem Bankensektor noch immer Oligopole und Monopole, die den Wettbewerb in Mexiko behindern und der Wirtschaft hohe Kosten verursachen. Allerdings hat die Regierung Peña Nieto in ihrer bisherigen Amtszeit erfolgreich Reformgesetze auf den Weg gebracht, die diese Strukturen aufbrechen und damit die Öffnung der Wirtschaft in zentralen Bereichen angestoßen. Vor allem der Umbau der mexikanischen Energiewirtschaft, der die Jahrzehnte alte Monopolstellung der staatlichen Erdölgesellschaft PEMEX beendet und die Erdölindustrie für Investitionen öffnet und auch den staatlichen Energieerzeuger CFE in ein privatwirtschaftliches Unternehmen umwandelt, soll erhebliche Wachstumsimpulse für die mexikanische Volkswirtschaft setzen. Die Implementierung der Reformen hat begonnen. Allerdings findet die Öffnung der Erdölwirtschaft für private Investoren angesichts des weltweiten Verfalls der Rohölpreise zu einem für Mexiko außerordentlich ungünstigen Zeitpunkt statt. Der Ausbau der Energieversorgung durch erneuerbare Energien nimmt nach Verabschiedung des Energiewendegesetzes (Dezember 2015) und der Liberalisierung des Strommarkts seit Anfang 2016 Form an und bietet erhebliche Chancen für deutsche Technologieanbieter.


Außenhandel

Die mexikanischen Exporte entfallen vor allem auf Industrieerzeugnisse (insbesondere Fahrzeuge und Fahrzeugteile (50%), elektrische und elektronische Geräte (13%) und Maschinen (13%). Vor dem Hintergrund des Einbruchs der Erdölexporte hat in jüngster Zeit der Export verarbeiteter landwirtschaftlicher Produkte signifikant an Bedeutung gewonnen; zwischen 2014 und 2015 hat sich der Beitrag des Sektors an den Exporten verdoppelt und beträgt nun 4%. Die Einnahmen aus dem Export von Agrargütern liegen derzeit in der Wert-Betrachtung vor den Erdöleinnahmen und den Einnahmen aus dem Tourismus. Insgesamt ist Verzahnung mit den USA weiterhin ungebrochen; 80% der mexikanischen Exporte gehen in die USA. Deren konjunkturelle und politische Entwicklung bestimmt unverändert stark das mexikanische Wachstum.


Armut

Beim Erreichen des ersten Millenniumsentwicklungsziels (Beseitigung von extremer Armut und Hunger) ergibt sich ein gemischtes Bild: Gegenüber 1990 hat der Anteil der Menschen, die über weniger als 1,25 USD am Tag verfügen, um mehr als die Hälfte abgenommen und betraf 2014 lediglich 3,7% der Bevölkerung. Die mexikanische Regierung legt jedoch einen strengeren Maßstab an: Nach einem multidimensionalen Armutsindex, der neben dem verfügbaren Einkommen auch den Zugang zu sozialen Grundrechten (Gesundheit, Bildung, Unterkunft, etc.) misst, galten nach der letzten Erhebung aus dem Jahr 2014 46,2% der mexikanischen Bevölkerung (55,3 Mio.) als arm; nach dieser Berechnungsmethode leben 9,5% (11,4 Mio.) sogar in extremer Armut. Durch die verschiedenen Sozialtransferprogramme der Regierung konnte lediglich die extreme Armut leicht zurückgedrängt werden, während die Zahl der in Armut lebenden oder armutsgefährdeten Personen insgesamt zunimmt. Weiterhin prägend sind eine hohe Ungleichheit in der Einkommensverteilung mit starken regionalen Disparitäten und der mangelnde Zugang zu Basisdienstleistungen insbesondere im ländlichen Raum. Besonders brisant ist die Situation weiterhin in den südlichen Bundesstaaten Chiapas, Oaxaca, Guerrero und Veracruz, in denen die Armutsrate nach wie vor am höchsten ist Zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in diesen Bundesstaaten wurde jüngst ein Gesetz zur Schaffung von Sonderwirtschaftszonen verabschiedet.


Wirtschaftsklima und aktuelle Wirtschaftsentwicklung

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1.144 Mrd US-Dollar verzeichnete Mexiko im Jahr 2015 die zweitgrößte Wirtschaftsleistung Lateinamerikas (zweitgrößte Bevölkerung, drittgrößtes Territorium der Region). Das Pro-Kopf-Einkommen betrug 2015 etwa 9.330 US-Dollar. Das mexikanische Bruttoinlandsprodukt ist 2015 um 2,5% gewachsen. Es wuchs von August bis September 2016 um 2 %, die Erwartungen für das gesamte Jahr dürften in einer ähnlichen Größenordnung liegen. Für 2016 wird eine Inflationsrate von 3 bis 4 % erwartet. Allerdings hat der Ausgang der US-Wahl  den Pesokurs stark unter Druck gesetzt. Der Peso hat seit der US-Wahl rund 12 % an Wert verloren und liegt zurzeit bei ca. 21 Pesos pro USD, einem historischen Tief. Die MEX Zentralbank hat reagiert und am 17.11. den Zinssatz von 4,75 auf 5,25% angehoben um der Abwertung des Peso entgegenzuwirken.

Die Devisenreserven beliefen sich zum 30.04.2016 auf 178 Mrd USD.

Nach Verabschiedung der Durchführungsgesetze im Energiebereich im Sommer 2014 sind in diesem Sektor die Rahmenbedingungen für in- wie ausländische Privatinvestitionen gesetzt. In der Erdölwirtschaft haben die ersten Bieterrunden stattgefunden, erste Zuschläge sind erfolgt. Die interessanteste Runde, bei der ertragreiche Tiefseevorkommen ausgelobt werden, wird im Dezember 2016 stattfinden; dem Energieministerium zufolge ist das Interesse der großen internationalen Erdölfirmen ungebrochen. Allerdings haben die Rückgänge der Einnahmen aus dem Erdölexport aufgrund des Preisverfalls seit Juni 2014 Haushaltskürzungen für 2016 und 2017 erzwungen. Mexiko verfolgt   weiter den Weg hat solider Haushaltsführung. Ende Oktober hat das mexikanische Parlament den Haushaltsentwurf der Regierung mit wenigen Veränderungen angenommen, der teils empfindliche Kürzungen von rund 13 Mrd. USD vorsieht, machen Ressorts müssten Kürzungen bis 30% hinnehmen (z.B. Wirtschaft oder Umwelt; Verkehr und Forschung jeweils -14%).

Unverändert hoch ist mit noch immer über 55% der Anteil des informellen Sektors am Arbeitsmarkt. Einerseits fungiert er als Ventil für die Aufnahme von jährlich etwa 1 Million Jugendlicher, die auf den Arbeitsmarkt drängen, andererseits ist er aber auch strukturell für die niedrige Arbeitsproduktivität verantwortlich, die das Wachstum der mexikanischen Wirtschaft seit Jahrzehnten lähmt. Um diese zu steigern, ist nicht zuletzt auch eine bessere Grund- und Berufsausbildung notwendig. Dies hat die mexikanische Regierung erkannt und arbeitet mit Nachdruck an der Umsetzung der 2013 beschlossenen Reform des Schulsystems, die bei der Lehrerschaft aber auf erbitterten Widerstand stößt. Streiks und Proteste  gegen die Reform lähmten Teile des Landes im Sommer 2016.

Wichtig für die Behebung des Fachkräftemangels ist die Einführung dualer Elemente in die mittlere Berufsbildung. Deutschland unterstützt die mexikanische Regierung bei der  Einführung einer Dualen Berufsausbildung nach deutschem Modell (MMFD). Bisher nehmen daran rund 300 Unternehmen in 15 Bundesstaaten teil.

Motor des Wirtschaftswachstums ist der Export: Vor allem die Kfz-Industrie und deren Zulieferer haben 2015 mit der Herstellung von 3,4 Mio. Fahrzeugen (+5,6% gegenüber 2014) ein Rekordergebnis eingefahren; allerdings scheint sich das Tempo 2016 zu verlangsamen. Der Export von Fahrzeugen ist im ersten Quartal 2016 deutlich zurückgegangen (-5%)  und konnte nur teilweise durch  höhere Binnennachfrage kompensiert werden. Gleichwohl gibt es keinerlei Zweifel daran, dass die Automobilindustrie auf absehbare Zeit das Zugpferd des mexikanischen Wirtschaftsmodells bleiben wird. Der nationale Automobilverband hält für 2020 eine Größenordnung von 5 Mio. Fahrzeugen als Produktionsziel für realistisch.

In dieser Logik liegen die Investitionsentscheidungen von Daimler und BMW zugunsten von neuen Werken in Mexiko und die im Frühjahr 2015 bekanntgegebene Entscheidung von Volkswagen zur Erweiterung des Stammwerkes in Puebla. Auch der Zustrom von Automobilzulieferern und der Ausbau von Fertigungsanlagen der bereits in Mexiko tätigen Firmen halten weiter an. Darüber hinaus befinden sich der Luft- und Raumfahrtsektor, die Pharma- und Medizintechniksparte, die Bergbauindustrie, die Elektroindustrie sowie der Transportsektor im Aufschwung. Bemerkenswert ist die dynamische Entwicklung beim Export von Agrargütern (Exporterlöse 2015: 12,9 Mrd USD).

Mit einer vergleichsweise niedrigen Verschuldung des Bundeshaushalts von 45% des BIP und einem Haushaltsdefizit von 3,5% (Prognose für 2016) steht Mexiko im internationalen Vergleich solide da. Sorgen bereiten lediglich die Haushalte der Bundesstaaten: Deren Verschuldung hat sich seit 2006 um 170% erhöht. Im Februar 2015 hat der Senat die Verfassung geändert, um die Schuldenaufnahme durch die Bundesstaaten und Gemeinden zu reglementieren und ihr Grenzen zu setzen.


Klima und Umwelt

International nimmt Mexiko bei der Klimaschutzpolitik eine ambitionierte Haltung ein. Es übernimmt eine positive Vorreiterrolle unter den Schwellenländern. Insbesondere seit Ausrichtung der sehr erfolgreich verlaufenen UN-Klima-Vertragsstaaten-Konferenz in Cancún 2010 unter mexikanischer Präsidentschaft profiliert sich Mexiko zunehmend als Partner internationaler Klimaschutzpolitik. Die Ernennung der bisherigen mexikanischen Botschafterin in Deutschland, Patricia Espinosa, zur neuen Generalsekretärin des Uno-Klimasekretariats kann Mexiko zu Recht auch als Geste der Anerkennung seiner eigenen Klimapolitik bewerten.

National hat sich Mexiko mit einem Klimaschutzgesetz und einer nationalen Klimaschutzstrategie auf langfristige Minderungsziele selbst verpflichtet: Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 30% bis 2020 sowie um 50% bis 2050 gegenüber 2000. Ein Regierungsprogramm zur Förderung erneuerbarer Energien soll die gesetzliche Vorgabe umsetzen, den Anteil 'sauberer' Energie (erneuerbare plus Kernenergie) bis 2024 auf 35% zu erhöhen. Im März 2015 hat Mexiko als erstes Schwellenland seinen freiwilligen Minderungsbeitrag (INDC) zur Begrenzung der globalen Erwärmung zur Vorbereitung eines internationalen Klimaschutzabkommens eingereicht; im Dezember 2015 wurde ein Energiewendegesetz verabschiedet, das den Ausbau der erneuerbaren Energien mit konkreten Ausbauzielen festschreibt.

Mexiko setzt sich als eines der artenreichsten Länder der Welt ebenso für ambitionierte Ziele zum Erhalt der Biodiversität ein und hat im Dezember 2016 in Cancún die 13. VN-Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention ausgerichtet.


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