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Mexiko

Wirtschaft

Stand: Mai 2016

Struktur der Volkswirtschaft

Als 'upper middle income country' steht Mexiko an fünfzehnter Stelle der größten Volkswirtschaften der Erde. Als Exportnation belegt es den 12. Platz der Weltrangliste und ist die Nr. 10 unter den Importländern der Erde. Mexiko ist die Nummer zehn unter den ölexportierenden Staaten der Welt, siebtgrößter Automobilproduzent und viertgrößte Exportnation im Automobilsektor. Die mexikanische Volkswirtschaft erwirtschaftet ihr BIP schwerpunktmäßig in den Bereichen Dienstleistungen, Industrie und Handel.

Mexiko ist ein fortgeschrittenes Schwellenland. Es ist Mitglied der OECD und stellt seit Juni 2006 deren Generalsekretär Angel Gurría – eine Tatsache, die Mexikos Selbstverständnis als Industrienation unterstreicht. Mexiko ist Mitglied der G20, deren Präsidentschaft es 2012 ausgeübt hat. Ein System von 11 Freihandelsabkommen mit 46 Ländern (mit insgesamt über 1,55 Mrd. Konsumenten) wurde unlängst durch die Trans-Pacific Partnership (TPP) ergänzt. Mit TPP erweitert sich das Netz von Freihandelsabkommen Mexikos um sechs weitere Länder (Australien, Neuseeland, Singapur, Vietnam, Malaysia, Brunei).

Von zentraler Bedeutung für die Modernisierung der mexikanischen Volkswirtschaft in den letzten beiden Jahrzehnten war das 1994 in Kraft getretene Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA), das einen Modernisierungsschub nach sich gezogen und die wirtschaftliche Liberalisierung Mexikos eingeleitet hat und nach wie vor die wesentlichen Handelsströme Mexikos abbildet. Denn der mit Abstand wichtigste Handelspartner Mexikos sind sowohl export- als auch importseitig die USA. 80% der mexikanischen Gesamtausfuhren und knapp 50% der mexikanischen Importe werden mit den USA abgewickelt.

Mexiko strebt eine Diversifizierung seiner Außenhandelsstruktur und dabei dezidiert eine Annäherung an den Pazifischen Raum an. Es hatte sich hierzu den Verhandlungen der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) angeschlossen, die im Oktober 2015 abgeschlossen wurden. Zudem hat es mit Kolumbien, Peru und Chile die Pazifikallianz gegründet. Die Wirtschaftsbeziehungen zu China sollen vertieft und das hohe Handelsbilanzdefizit perspektivisch abgebaut werden; China ist daran interessiert, in Schlüsselsektoren der mexik. Wirtschaft zu investieren. Derzeit wird die Aktualisierung des Handelsteils des EU-Mexiko-Globalabkommens vorbereitet, bei der nicht-tarifäre Handelshemmnisse, Ursprungsregeln, Öffentliches Beschaffungswesen und der Schutz Geistigen Eigentums auf der Agenda stehen sollen.

Trotz der Liberalisierung der Wirtschaft gibt es in Schlüsselsektoren wie der Energiewirtschaft, der Telekommunikation oder dem Bankensektor noch immer Oligopole und Monopole, die den Wettbewerb in Mexiko behindern und der Wirtschaft hohe Kosten verursachen. Allerdings hat die Regierung Peña Nieto in ihrer bisherigen Amtszeit erfolgreich Reformen auf den Weg gebracht, die diese Strukturen aufbrechen und damit die Öffnung der Wirtschaft in zentralen Bereichen angestoßen. Vor allem der Umbau der mexikanischen Energiewirtschaft, der die Jahrzehnte alte Monopolstellung der staatlichen Erdölgesellschaft PEMEX beendet und die Erdölindustrie für Investitionen öffnet und auch den staatlichen Energieerzeuger CFE in ein privatwirtschaftliches Unternehmen umwandelt, soll erhebliche Wachstumsimpulse für die mexikanische Volkswirtschaft setzen. Die Implementierung der Reformen hat begonnen. Allerdings findet die Öffnung der Erdölwirtschaft für private Investoren angesichts des weltweiten Verfalls der Rohölpreise zu einem für Mexiko außerordentlich ungünstigen Zeitpunkt statt. Der Ausbau der Energieversorgung durch erneuerbare Energien nimmt nach Verabschiedung des Energiewendegesetzes (Dezember 2015) und der Liberalisierung des Strommarkts seit Anfang 2016 Form an und bietet erhebliche Chancen für deutsche Technologieanbieter.


Außenhandel

Die mexikanischen Exporte entfallen vor allem auf Industrieerzeugnisse (insbesondere Fahrzeuge und Fahrzeugteile (50%), elektrische und elektronische Geräte (13%) und Maschinen (13%). Vor dem Hintergrund des Einbruchs der Erdölexporte hat in jüngster Zeit der Export verarbeiteter landwirtschaftlicher Produkte signifikant an Bedeutung gewonnen; zwischen 2014 und 2015 hat sich der Beitrag des Sektors an den Exporten verdoppelt und beträgt nun 4%. Die Einnahmen aus dem Export von Agrargütern liegen derzeit in der Wert-Betrachtung vor den Erdöleinnahmen und den Einnahmen aus dem Tourismus. Insgesamt ist die Abhängigkeit von den USA weiterhin ungebrochen; 80% der mexikanischen Exporte gehen in die USA. Deren konjunkturelle Entwicklung, insbesondere die Nachfrage des industriellen Sektors, bestimmt unverändert stark das mexikanische Wachstum.


Armut

Beim Erreichen des ersten Millenniumsentwicklungsziels (Beseitigung von extremer Armut und Hunger) ergibt sich ein gemischtes Bild: Gegenüber 1990 hat der Anteil der Menschen, die über weniger als 1,25 USD am Tag verfügen, um mehr als die Hälfte abgenommen und betraf 2014 lediglich 3,7% der Bevölkerung. Die mexikanische Regierung legt jedoch einen strengeren Maßstab an: Nach einem multidimensionalen Armutsindex, der neben dem verfügbaren Einkommen auch den Zugang zu sozialen Grundrechten (Gesundheit, Bildung, Unterkunft, etc.) misst, galten nach der letzten Erhebung aus dem Jahr 2014 46,2% der mexikanischen Bevölkerung (55,3 Mio.) als arm; nach dieser Berechnungsmethode leben 9,5% (11,4 Mio.) sogar in extremer Armut. Durch die verschiedenen Sozialtransferprogramme der Regierung konnte lediglich die extreme Armut leicht zurückgedrängt werden, während die Zahl der in Armut lebenden oder armutsgefährdeten Personen insgesamt zunimmt. Weiterhin prägend sind eine hohe Ungleichheit in der Einkommensverteilung mit starken regionalen Disparitäten und der mangelnde Zugang zu Basisdienstleistungen insbesondere im ländlichen Raum. Besonders brisant ist die Situation weiterhin in den südlichen Bundesstaaten Chiapas, Oaxaca, Guerrero und Veracruz, in denen die Armutsrate nach wie vor am höchsten ist Zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in diesen Bundesstaaten wurde jüngst ein Gesetz zur Schaffung von Sonderwirtschaftszonen verabschiedet.


Wirtschaftsklima und aktuelle Wirtschaftsentwicklung

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1.144 Mrd US-Dollar verzeichnete Mexiko im Jahr 2015 die zweitgrößte Wirtschaftsleistung Lateinamerikas (zweitgrößte Bevölkerung, drittgrößtes Territorium der Region). Das Pro-Kopf-Einkommen betrug 2015 etwa 9.330 US-Dollar. Das mexikanische  BIP ist 2015 um 2,5% gewachsen. Sein Rückgang in absoluten Zahlen ist auf die Umrechnung in Dollar vor dem Hintergrund einer 20%igen Abwertung des Peso gegenüber dem Dollar im Jahresdurchschnitt zurückzuführen. Die Regierung rechnet für 2016 mit einem Wachstum zwischen 2 und 3%, der IWF mit 2,4% und Experten mit 2,5%. Im Zuge von Erdölpreisverfall und einer 20%igen Peso-Abwertung gegenüber dem US-Dollar im Jahresverlauf 2015 ist in der ersten Februarhälfte 2016 erstmals seit 2008 die Inflation wieder angestiegen. Die Zentralbank hat darauf am 17.02.2016 überraschend mit einer Erhöhung des Leitzinses um 50 Basispunkte auf 3,75% reagiert. Sie hat zudem angekündigt, die seit 14 Monaten praktizierten Devisenmarkt-Interventionen zurück zu fahren, die Devisenabflüsse in Höhe von über 30 Mrd. US-Dollar nach sich gezogen hatten. Zum 30.04.2016 beliefen sich die Devisenreserven auf 178 Mrd USD. Der Peso, eine der weltweit liquidesten Schwellenlandwährungen, bleibt dennoch weiter sehr volatil. Experten halten eine weitere Leitzinserhöhung in den nächsten Wochen für durchaus möglich.

Nach Verabschiedung der Durchführungsgesetze im Energiebereich im Sommer 2014 sind in diesem Sektor die Rahmenbedingungen für in- wie ausländische Privatinvestitionen gesetzt. In der Erdölwirtschaft haben die ersten Bieterrunden stattgefunden, erste Zuschläge sind erfolgt. Die interessanteste Runde, bei der ertragreiche Tiefseevorkommen ausgelobt werden, soll trotz des anhaltenden Preisverfalls im Dezember 2016 stattfinden; dem Energieministerium zufolge ist das Interesse der großen internationalen Erdölfirmen ungebrochen. PEMEX bereitet sich dem Vernehmen nach auch auf Joint-ventures mit Firmen wie Exxon und Statoil vor. Aus der Erdölprivatisierung resultierende Kapitalzuflüsse sollten nach Einschätzung der Regierung bis 2018 ein Wachstum in der Größenordnung von bis zu 5% möglich machen. Allerdings haben die Rückgänge der Einnahmen aus dem Erdölexport aufgrund des Preisverfalls seit Juni 2014 bereits einen Sparhaushalt für 2016 erzwungen. Mitte Februar 2016 hat das Finanzministerium weitere Einsparungen in Höhe von 7,2 Mrd. US-Dollar (0,7% des BIP) verordnet. Das Finanzministerium hat PEMEX Mitte April dieses Jahres mit einer Finanzspritze in Höhe von USD 4,2 Mrd. Luft verschafft. Nach einem Rekordverlust von über USD 30 Mrd. im Jahr 2015 war Voraussetzung hierfür, dass die neue PEMEX-Führung Ende Februar ein Sanierungskonzept vorgelegt hatte.

Unverändert hoch ist mit noch immer über 55% der Anteil des informellen Sektors am Arbeitsmarkt. Einerseits fungiert er als Ventil für die Aufnahme von jährlich etwa 1 Million Jugendlicher, die auf den Arbeitsmarkt drängen, andererseits ist er aber auch strukturell für die niedrige Arbeitsproduktivität verantwortlich, die das Wachstum der mexikanischen Wirtschaft seit Jahrzehnten lähmt. Um diese zu steigern, ist nicht zuletzt auch eine bessere Grund- und Berufsausbildung notwendig. Dies hat die mexikanische Regierung erkannt und arbeitet mit Nachdruck an der Umsetzung der 2013 beschlossenen Reform des Schulsystems, die bei der Lehrerschaft auf erbitterten Widerstand stößt. Auch die Einführung dualer Elemente in die mittlere Schulbildung bis hin zur Verbreiterung der schon laufenden Dualen Berufsausbildung nach deutschem Modell (MMFD) ist auf gutem Wege.

Motor des Wirtschaftswachstums bleibt der Export: Vor allem die Kfz-Industrie und deren Zulieferer haben 2015 mit der Herstellung von 3,4 Mio. Fahrzeugen (+5,6% gegenüber 2014) ein Rekordergebnis eingefahren; allerdings scheint sich das Tempo 2016 zu verlangsamen. Der Export von Fahrzeugen ist im ersten Quartal 2016 deutlich zurückgegangen (-5%)  und konnte nur teilweise durch  höhere Binnennachfrage kompensiert werden. Gleichwohl gibt es keinerlei Zweifel daran, dass die Automobilindustrie auf absehbare Zeit das Zugpferd des mexikanischen Wirtschaftsmodells bleiben wird. Der nationale Automobilverband hält für 2020 eine Größenordnung von 5 Mio. Fahrzeugen als Produktionsziel für realistisch.

In dieser Logik liegen die Investitionsentscheidungen von Daimler und BMW zugunsten von Werken in Mexiko im Sommer 2014 und die im Frühjahr 2015 bekanntgegebene Entscheidung von Volkswagen zur Erweiterung des Stammwerkes in Puebla. Auch der Zustrom von Automobilzuliefereren und der Ausbau von Fertigungsanlagen der bereits in Mexiko tätigen Firmen halten weiter an. Darüber hinaus befinden sich der Luft- und Raumfahrtsektor, die Pharma- und Medizintechniksparte, die Bergbauindustrie, die Elektroindustrie sowie der Transportsektor im Aufschwung. Bemerkenswert ist die dynamische Entwicklung beim Export von Agrargütern (Exporterlöse 2015: 12,9 Mrd USD).

Mit einer vergleichsweise niedrigen Verschuldung des Bundeshaushalts von 45% des BIP und einem Haushaltsdefizit von 3,5% (Prognose für 2016) steht Mexiko im internationalen Vergleich solide da. Sorgen bereiten lediglich die Haushalte der Bundesstaaten: Deren Verschuldung hat sich seit 2006 um 170% erhöht. Im Februar 2015 hat der Senat die Verfassung geändert, um die Schuldenaufnahme durch die Bundesstaaten und Gemeinden zu reglementieren und ihr Grenzen zu setzen.


Klima und Umwelt

International nimmt Mexiko bei der Klimaschutzpolitik eine ambitionierte Haltung ein. Es übernimmt eine positive Vorreiterrolle unter den Schwellenländern. Insbesondere seit Ausrichtung der sehr erfolgreich verlaufenen UN-Klima-Vertragsstaaten-Konferenz in Cancún 2010 unter mexikanischer Präsidentschaft profiliert sich Mexiko zunehmend als Partner internationaler Klimaschutzpolitik. Die Ernennung der bisherigen mexikanischen Botschafterin in Deutschland, Patricia Espinosa, zur neuen Generalsekretärin des Uno-Klimasekretariats kann Mexiko zu Recht auch als Geste der Anerkennung seiner eigenen Klimapolitik bewerten.

National hat sich Mexiko mit einem Klimaschutzgesetz und einer nationalen Klimaschutzstrategie auf langfristige Minderungsziele selbst verpflichtet: Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 30% bis 2020 sowie um 50% bis 2050 gegenüber 2000. Ein Regierungsprogramm zur Förderung erneuerbarer Energien soll die gesetzliche Vorgabe umsetzen, den Anteil 'sauberer' Energie (erneuerbare plus Kernenergie) bis 2024 auf 35% zu erhöhen. Im März 2015 hat Mexiko als erstes Schwellenland seinen freiwilligen Minderungsbeitrag (INDC) zur Begrenzung der globalen Erwärmung zur Vorbereitung eines internationalen Klimaschutzabkommens eingereicht; im Dezember 2015 wurde ein Energiewendegesetz verabschiedet, das den Ausbau der erneuerbaren Energien mit konkreten Ausbauzielen festschreibt.

Mexiko setzt sich als eines der artenreichsten Länder der Welt ebenso für ambitionierte Ziele zum Erhalt der Biodiversität ein und wird im Dezember 2016 in Cancún die 13. VN-Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention ausrichten.


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