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Mazedonien, ehemalige jugoslawische Republik

Wirtschaft

*VN-Mitgliedschaft unter der Bezeichnung "ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien". Der Staatenname ist zwischen der griechischen und der mazedonischen Regierung umstritten. Es laufen Vermittlungsbemühungen unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen.

Stand: April 2016

Wirtschaftslage

Die ehemalige jugoslawische Republik (ejR) Mazedonien hat seit der Unabhängigkeit 1991 im Transformationsprozess erhebliche Anstrengungen unternommen. Schon im Vorgriff auf einen späteren EU-Beitritt muss das Land im Rahmen des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der EU Zollsenkungen vornehmen und sich einem verstärkten Wettbewerb stellen.

Für einen echten Aufholprozess müssten die Wachstumsraten nach Einschätzung von internationalen Experten jährlich zwischen 6 und 9 Prozent liegen. Hauptziel der Regierung ist daher die Förderung von Auslandsinvestitionen und die Steigerung des Wirtschaftswachstums, vornehmlich durch staatliche Investitionen in Infrastruktur. Von Seiten potenzieller internationaler Investoren wird allerdings eine Festigung rechtsstaatlicher Strukturen und eine Effizienz- und Transparenz-Steigerung der öffentlichen Verwaltung sowie bei der Durchführung öffentlicher Ausschreibungen gefordert. Während Ausschreibungen weiterhin nur in Teilen transparent verlaufen, hat die mazedonische Regierung in den vergangenen Jahren die öffentliche Verwaltung erheblich ausgebaut, jedoch ohne Effizienz oder Servicecharakter erkennbar zu verbessern. Korruption ist weiterhin ein Problem. Ausländische Beobachter kritisieren ferner, dass viele der öffentlichen Ausgaben einen unproduktiven Charakter haben (Prestigebauten, Monumente).

Nach einem Rückgang der wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2012 (-0,3%) zog die Wirtschaft 2013 (2,9%) und 2014 (3,8%) wieder an. Für 2015 geht GTAI (Germany Trade and Invest) von einem Wachstum von 3,2 Prozent aus. Die offiziellen Zahlen der Regierung werden hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit von vielen Beobachtern angezweifelt.  Die Arbeitslosenquote in der ejR Mazedonien war in den letzten Jahren weiterhin außerordentlich hoch (ca. 28 %). Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 50%. Die Quote der unfreiwillig Nichtbeschäftigten dürfte tatsächlich jedoch niedriger liegen, da die informelle Wirtschaft zahlreiche Einkommensmöglichkeiten bietet. Experten gehen insofern von einer "realistischen" Arbeitslosenquote von circa 20 bis 25 Prozent aus. Gleichzeitig stagniert die Beschäftigungsquote seit Jahren bei ungefähr 40 Prozent. Männer sind zu knapp über 50% beschäftigt, Frauen nur zu knapp über 30 Prozent. Nach Schätzungen von GTAI lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf im Jahr 2015 bei rund 4.270 Euro.

Das Durchschnittsnettogehalt eines Berufstätigen beträgt nach offiziellen Angaben 345 Euro im Monat, dies entspricht etwa 35 Prozent des EU-Durchschnitts. Nach Weltbank-Schätzungen leben mehr als 20% der Bevölkerung in Armut.

Die Inflationsrate betrug 2015 0,1 Prozent. Für das Jahr 2016 wird von 1,3 Prozent ausgegangen.

Außenhandel

Die ejR Mazedonien kann als klassisches Beispiel einer kleinen offenen Volkswirtschaft angesehen werden. Bei einem begrenzten Markt von rund zwei Millionen Menschen mit geringer Kaufkraft lohnt eine eigenständige Produktion in vielen Bereichen nicht.

Aufgrund der hohen Abhängigkeit des Landes und der Wirtschaft von Importgütern, die sich praktisch über das gesamte Bedarfsspektrum erstrecken, weist das Außenhandelssaldo seit Jahren ein Defizit auf. Hauptimportgüter sind Ölprodukte und Energierohstoffe, Fahrzeuge- und Maschinen aller Art, Metalle und Elektroenergie. Mazedonische Hauptexportprodukte sind Kfz-Zulieferprodukte, Eisen und Stahl verschiedener Verarbeitungsstufen, Textilien aller Art, Tabak und Wein.

Die mazedonischen Importe betrugen 2015 5,777 Mrd. EUR die Exporte 4,051 Mrd. EUR. Das starke Handelsdefizit wird jedoch durch Überweisungen von Auslands-Mazedoniern, Transferzahlungen im Rahmen internationaler Hilfe und Ausgabe von Staatsanleihen an ausländische Investoren sowie ausländische Direktinvestitionen und private Devisentransaktionen ausgeglichen.

Deutschland ist vor Serbien größter Handelspartner des Landes. 2015 betrugen die mazedonischen Importe aus Deutschland 731 Millionen €, die mazedonischen Exporte nach Deutschland hingegen 1,795 Milliarden €. Maßgebend für den hohen mazedonischen Handelsüberschuss ggü. Deutschland sind lohnarbeitsgefertigte Kfz-Zulieferprodukte (Katalysatoren, elektronische Anzeigeinstrumente, Kabelbäume) sowie Textil-Lohnarbeitsfertigung (Import von Textil-Vorprodukten; Export der Textil-Fertigprodukte nach Deutschland).

Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Land- und Forstwirtschaft ist weiterhin ein Schlüsselsektor der mazedonischen Wirtschaft. Als landwirtschaftliche Nutzfläche werden 1,32 Millionen Hektar (51 Prozent der Gesamtfläche) angesehen. Etwa 17 Prozent der Gesamtbeschäftigung erfolgt in der Landwirtschaft, die 11 Prozent zum BIP beiträgt. Beinahe 40 Prozent der Bevölkerung leben im ländlichen Raum und betreiben Landwirtschaft häufig zur Eigenversorgung.

Industrie und Bergbau haben seit 1991 nahezu kontinuierlich an Bedeutung verloren. Machte 1991 der Anteil dieses Bereichs noch 38,7 Prozent der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung aus, so trug der Industriesektor 2012 mit 26 Prozent und der Bergbau mit 1,1 Prozent zur BIP-Entstehung bei.

Der Anteil des Dienstleistungsbereichs an der BIP-Entstehung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt bei ca. 63 Prozent. Im Dienstleistungsbereich sind 57 Prozent der Beschäftigten zu finden. Auch im Bereich touristischer Dienstleistungen wird der ejR Mazedonien Wachstumspotenzial bescheinigt, allerdings fehlt es bisher an einer Gesamtstrategie.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt 2016 sieht Gesamteinnahmen von umgerechnet 2,889 Mrd. Euro und Ausgaben von 3,199 Mrd. Euro vor. Das Defizit beträgt 309 Mio. Euro oder 3,2 Prozent des für 2016 erwarteten Bruttoinlandsproduktes.

Die Weltbank, die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) unterstützen durch Kredite die infrastrukturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsgruppierungen

Zugehörigkeit zu regionalen (Wirtschafts-)Gruppierungen: Southeast European Cooperation Process (SEECP), Central European Initiative (CEI), Europäische Energiegemeinschaft. Im August 2006 erfolgte der Beitritt zum Zentraleuropäischen Freihandelsabkommen (CEFTA), das zum 1. Januar 2007 in Kraft trat. Darüber hinaus hat die ejR Mazedonien Freihandelsabkommen mit der Türkei und der Ukraine geschlossen.

Die ejR Mazedonien wurde im April 2003 146. Mitglied der WTO (Welthandelsorganisation).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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