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Marokko

Innenpolitik

Stand: November 2015

Verfassung und Staatsaufbau

Marokko ist ein zentralistisch geprägter Staat, seit einer Gebietsreform im Jahr 2015 unterteilt in 12 Regionen, die ihrerseits in 62 Provinzen und 13 Präfekturen ("Wilayas") unterteilt sind. Unter dem Stichwort "weitreichende Regionalisierung" wird schrittweise eine Dezentralisierung umgesetzt.

Das Land ist eine Monarchie mit dem König als weltlichem und geistigem Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und "Anführer der Gläubigen" (direkter Nachkomme des Propheten Mohammed).

Das höchste Gericht ist der Kassationsgerichtshof.

Hauptakteure der Exekutive sind die Minister, der Regierungschef und der König, der über einen Kreis hochrangiger Fachberater verfügt ("Kronrat"). Der König ist Vorsitzender des Ministerrates, hat Richtlinienkompetenz und ernennt nach Art. 47 der Verfassung von 2011 den Regierungschef aus der Partei, die bei den Wahlen als Sieger hervorgeht. Marokko verfügt seit der Unabhängigkeit über ein Mehrparteiensystem. Das Wahlrecht macht es schwierig für eine Partei, eine deutliche Mehrheit zu erringen; Koalitionen sind deshalb die Regel.

Parlament und Regierung

Im Parlament sind zur Zeit achtzehn Parteien vertreten, von denen acht über Fraktionsstatus verfügen. Zehn weitere Parteien stellen zwischen ein und vier Abgeordneten. Die vier Regierungsparteien sind die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung ("Parti de la Justice et du Développement", PJD), die Nationale Versammlung der Unabhängigen ("Rassemblement National des Indépendants", RNI – seit 2013), die Volksbewegung ("Mouvement Populaire") und die Partei für Fortschritt und Sozialismus, PPS. Regierungschef Benkirane von der Partei Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) amtiert seit den letzten Parlamentswahlen am 25.11.2011. Er ist der erste Regierungschef Marokkos, der einer Partei des politischen Islam angehört. Die großen Oppositionsparteien sind die Partei Authentizität und Modernität ( PAM), die Istiqlal-("Unabhängigkeits-") Partei (bis 2013 Teil der Regierungskoalition), , die sozialdemokratische Union Socialiste des Forces Populaires (USFP) und die Union Constitutionelle (Verfassungsunion, UC).

Im Unterhaus des Parlaments sitzen 67 Frauen (von insgesamt 395 Abgeordneten), von denen 60 über die für Frauen reservierten Listen gewählt wurden. Von den 305 in den Wahlkreisen vergebenen Mandaten wurden infolge der Aufstellung weniger weiblicher Kandidaten durch die Parteien nur 7 von Frauen gewonnen.

Innenpolitik

König Mohammed VI. hat seit seinem Amtsantritt 1999 einen Kurs der schrittweisen Modernisierung eingeschlagen. In einem sich sicherheitspolitisch verschlechternden regionalen Umfeld wächst die auf Stabilität und Ausgleich setzende Bedeutung Marokkos.

Im Zusammenhang mit den Protestbewegungen in Nordafrika im Frühjahr 2011 und Kundgebungen der marokkanischen "Bewegung 20. Februar" leitete der König 2011 eine Verfassungsreform und vorgezogene Neuwahlen ein. Die in Marokko überwiegend auf ökonomisch-soziale Verbesserungen, aber nicht auf "Regimewechsel" gerichteten Proteste wurden so aufgefangen.

Neben von der Verfassung vorgegebenen institutionellen und demokratischen Reformen wendet sich die Regierung auch sozialen und wirtschaftlichen Fragen zu (Subventionsabbau, Vereinheitlichung der Pensionskassen und Erweiterung der Sozialversicherung, Reformen im Bildungswesen, Krankenversicherung, eine moderne Migrationspolitik, Justizreformen). Die vom König angestoßene "Nationale Initiative für menschliche Entwicklung" (INDH) soll Armut und soziale Ausgrenzung in den ärmsten ländlichen Gebieten und städtischen Armenvierteln bekämpfen. 

In der Frage der kontrovers diskutierten, für die Modernisierung der Gesellschaft wichtigen Reform des Familienrechts (Moudawana) spielte Mohammed VI. die zentrale Rolle. Im Februar 2004 trat das neue Familiengesetzbuch in Kraft. Das Gesetz sieht die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe, ein rechtsförmliches Scheidungsverfahren mit Antragsrecht beider Partner, die gleichmäßige Aufteilung der in der Ehe erworbenen Güter auf beide Ehepartner bei Scheidung, die Stärkung der Rechte der Kinder und die Schaffung einer selbständigen Familiengerichtsbarkeit vor. Trotz fortbestehender Defizite in der Umsetzung des Gesetzeswerks stellt dies einen erheblichen Fortschritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Frau in Marokko dar. Mit deutscher Hilfe wurde 2013 ein Regierungsplan zur weiteren Umsetzung der Gleichberechtigung erarbeitet.

Trotz intensiver staatlicher Überwachung, der Betonung eines religionsübergreifenden Kulturerbes und der durch den König als "Anführer der Gläubigen" gesteuerten Imam-Ausbildung gibt es auch in Marokko radikal-islamische, der Al Qaida im islamischen Maghreb (AQM) und dem IS nahestehende Kräfte. Im April 2011 kam es zu einem Bombenattentat in einem vorwiegend von ausländischen Touristen besuchten Café in Marrakesch, das 17 Todesopfer forderte, 23 Personen wurden verletzt. Über die Ausbildung der Imame für ebenfalls malikitisch sunnitisch ausgerichtete Nachbarstaaten wie Tunesien und Mali will Marokko zum Abbau  von Sicherheitsproblemen durch auf religiösen Extremismus beitragen.

Menschenrechte

In den letzten Jahren ist Marokko auf dem Gebiet der bürgerlichen Freiheitsrechte, der Meinungs- und Pressefreiheit und bei der Aufarbeitung vergangenen Unrechts vorangekommen. Der 2012 aus dem Beirat für Menschenrechte gegründete Nationalrat für Menschenrechte (CNDH) agiert unabhängig und hat gegenüber dem König ein Vorschlagsrecht für Menschenrechtsverbesserungen, das er aktiv ausübt.

Die Verfassung von 2011 stärkt die Menschenrechte; auch in der Praxis lassen sich beim Schutz der Menschenrechte Verbesserungen feststellen. Durch die weitgehend freie Diskussion von Menschenrechtsfragen ist die Sensibilität der Öffentlichkeit gewachsen. Die Kommission "Instance Equité et Réconciliation" (IER) hat die Menschenrechtsverletzungen zwischen 1956 (Unabhängigkeit) und 1999 (Tod König Hassans II.) während der so genannten "bleiernen Jahre" untersucht. Vor allem die öffentliche Anhörung der Opfer und die Festsetzung von Entschädigungszahlungen brachte eine breite gesellschaftliche Diskussion in Gang.

Die Todesstrafe wird in Marokko zwar weiter verhängt, aber seit 1993 nicht mehr vollstreckt. Eine Formalisierung dieser Praxis ist bislang nicht erfolgt.

Für 2014 bis 2016 wurde Marokko in den VN-Menschenrechtsrat gewählt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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