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Malawi

Wirtschaft und Umwelt

Stand: April 2017

Grundlagen

Malawi ist ein Agrarland mit dominierender Subsistenzwirtschaft sowie dem Staat als bedeutendstem wirtschaftlichen Akteur. Es weist daher viele Elemente eines Staatshandelslands auf. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2015 bei 372 US-Dollar (Quelle: Weltbank). Beim Index der menschlichen Entwicklung (HDI) der Vereinten Nationen wird  Malawi auf Rang 170 (von insgesamt 188 Staaten) geführt. Damit gehört Malawi zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Die Armut trifft vor allem die Menschen auf dem Land. Unterernährung ist weit verbreitet. Dürreperioden sowie Überflutungen führen immer wieder zu Nahrungsmittelknappheit. Als ressourcenarmes, infrastrukturell unterentwickeltes und bildungsschwaches Land ist Malawi in außerordentlich hohem Umfang auf ausländische Hilfe angewiesen.

Die Wirtschaftspolitik ist entwicklungsorientiert. Die Regierung verfolgt eine weitgehend marktwirtschaftliche Politik und setzt Bemühungen zur Liberalisierung und Privatisierung der Wirtschaft fort. Prioritäre Ziele sind die Bekämpfung von Armut, die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums durch Förderung von Privatinvestitionen und Fortschritte bei der Entwicklung des Landes in allen Bereichen (Infrastruktur, Bildung und Ausbildung, Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur). Allerdings erweist sich die Umsetzung als schwierig. Der öffentliche Dienst ist dabei eines der Hauptentwicklungshindernisse. Das ist auch der Regierung bewusst, doch alle Reformversuche waren bislang wenig erfolgreich.  Ein Ausbrechen aus dem gesellschaftlichen Konsens und ein individueller wirtschaftlicher Erfolg werden in aller Regel nicht geschätzt und stellen, ebenso wie der weit verbreitete Glaube an Hexerei, ein Entwicklungshemmnis dar.

Die Bevölkerung wächst jährlich um 3,1 Prozent. Setzt sich dieser Trend fort, wird sich die Bevölkerung von derzeit etwa 17,5 Millionen Menschen in 25 Jahren verdoppelt haben. Das Bevölkerungswachstum stellt daher eine zentrale übergreifende Herausforderung für das Land dar, insbesondere für die Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, aber beispielsweise auch für die Umwelt. Der Bevölkerungsdruck hat zu einer weitgehenden Entwaldung (Feuerholzgewinnung) mit negativen Umweltkonsequenzen geführt. Zur Finanzierung von Umweltprojekten ist das Land auf externe Hilfe angewiesen. Die Alphabetisierungsquote liegt bei 65,8 Prozent, die Kindersterblichkeit bei 4,3 Prozent.


Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die Sicherstellung einer ausreichenden Ernährung der Bevölkerung steht seit jeher im Zentrum der malawischen Wirtschaftspolitik. Mit Hilfe eines Subventionsprogramm vermochte die Regierung seit 2005 die Produktion des Grundnahrungsmittels Mais zunächst zu steigern. Die fortdauernde Subventionspolitik führte jedoch mittelfristig zu Marktfehlverhalten und vermochte auch nicht, die Zahl der Armen zu reduzieren. Gleichzeitig blockierte sie große Teile des Staatsbudgets, so dass für andere Maßnahmen kaum Spielraum blieb. Eine 2016 erfolgte Straffung und Neuausrichtung des Subventionsprogramms soll dieser Problematik entgegenwirken.

In den letzten Jahren gab es mehrere, maßgeblich durch das El Nino-Phänomen verursachte schlechte Ernten hintereinander. Die Anzahl der auf Nahrungsmittelhilfe angewiesenen Menschen stieg Anfang 2017 bis auf einen historischen Höchststand von 6,7 Millionen, etwa 40% der Bevölkerung. Die jetzt einsetzende, offenbar gute Ernte  dürfte die Situation jedoch deutlich entspannen. Sorge bereit jedoch die zunehmende Verbreitung eines Pflanzenschädlings, des amerikanischen Heerwurms,  der zumindest im Norden Malawis  Ernteverluste verursachen wird.

Zu einem weiteren Entwicklungshemmnis hat sich die zunehmende Wasserknappheit entwickelt. Da ein Großteil des Stroms durch Wasserkraft erzeugt wird, wirkt sich diese auch unmittelbar auf die – ohnehin geringe – Stromversorgung aus, gerade in Produktionsstätten.

Eine andauernde Herausforderung für die Regierung ist die grundlegende Reform des öffentlichen Finanzwesens nach dem großen Finanzskandal von 2013 (lokal als „Cashgate“ bezeichnet). Cashgate  hatte das Vertrauen in die staatlichen Institutionen nachhaltig erschüttert und die internationalen Geber veranlasst, zwar nicht die Entwicklungszusammenarbeit insgesamt, wohl aber Budgethilfezahlungen einzufrieren. Die Resultate bei der Aufklärung von Cashgate und bei der Umsetzung der nötigen Reformen, zum Beispiel im Beschaffungswesen, sind bislang noch bescheiden.   

Das Wirtschaftswachstum (derzeit 2,5%) vermag mit dem aktuellen Bevölkerungswachstum (3,1%) nicht Schritt zu halten.

Die Inflationsrate schwankte in den letzten Jahren um  20 Prozent; seit Mitte 2016 lässt sich eine leichte Verbesserung verzeichnen.


Wirtschaftssektoren

Malawi zeigt keinerlei Anzeichen für einen Strukturwandel von einer ländlich geprägten zu einer Industriegesellschaft. Die Landwirtschaft dominiert mit einem statistisch erfassten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von 39 Prozent (der tatsächliche Beitrag dürfte wegen der Subsistenzwirtschaft jedoch erheblich darüber liegen); über 80% der Bevölkerung leben von ihr. Wirtschaftszweige wie Dienstleistungen, Bau, verarbeitende Industrie etc. tragen nur in geringem Umfang zum Bruttoinlandsprodukt bei. Zu den Hindernissen privatwirtschaftlicher Entwicklung zählt die schwache Infrastruktur, zum Beispiel bei der Stromversorgung (nur 8% der Bevölkerung haben Zugang zu Strom), was vor allem die Entstehung kleiner und mittlerer Produktionsfirmen hemmt. Wechselkursschwankungen, Steuern, mangelnder Zugang zu Finanzen sowie Korruption sind weitere Ursachen mangelnder wirtschaftlicher Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit


Außenhandel

Die Außenwirtschaft ist gekennzeichnet durch strukturelle Defizite in Handels- und Leistungsbilanz und eine relativ hohe Auslandsverschuldung. Tabak ist das wichtigste Exportgut und erbrachte in den letzten zehn Jahren etwa durchschnittlich etwa 50 Prozent der Exporterlöse. Andere Exportgüter sind Tee, Kaffee, Sojabohnen und Zucker. Wichtigste Abnehmer sind Südafrika, die USA, Großbritannien, Deutschland und Japan. Die große Abhängigkeit von wenigen und zudem kaum veredelten Exportprodukten macht die Wirtschaft anfällig für äußere Einflüsse wie Dürreperioden oder Preisschwankungen auf dem Weltmarkt. Dies zeigt sich insbesondere im malawischen Tabaksektor, der durch sinkende Weltmarktpreise, ungünstige Witterung und zudem sinkende Produktqualität in eine ernste Krise geraten ist.

Die Einfuhr besteht in erster Linie aus Kapitalgütern, gefolgt von Energieträgern (vor allem Kraftstoffe) und Lebensmitteln. Wichtigster Lieferant ist Südafrika, gefolgt von Sambia, Indien, China und Tansania.


Klima und Umwelt

Klimaschutz und Umweltmanagement gehören theoretisch zu den prioritären Themen der  malawischen Entwicklungspolitik. Die Regierung versucht Aspekte des Klimawandels in den Bereichen Landwirtschaft, Ressourcenschutz und Wassermanagement aufzugreifen. Nach dem Pariser Klimagipfel hat Malawi erstmals eine nationale Klimastrategie verabschiedet.

Malawi verfügt über ein breites Spektrum an Naturschätzen. An vorderster Stelle ist dabei der 560 Kilometer lange Malawi-See zu nennen, der Heimat ist für über 450 Arten endemischer Buntbarsche, in Deutschland beliebt als Aquarienfische. Die Hochplateaus Nyika (im Norden) und Zomba (im Süden) sind weitere Regionen mit besonderer Flora und Fauna.


Umweltschutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Bezüglich des bis 2015 zu erreichenden "Millennium Development Goals" zum Umweltschutz ergibt sich bei Malawi eine gemischte Bilanz. Fortschritte waren insbesondere zu verzeichnen beim Zugang der Bevölkerung zu verbesserter Trinkwasserversorgung (81 Prozent, Ziel übererfüllt) und verbesserten sanitären Einrichtungen (93 Prozent, Ziel übererfüllt).

Alarmierend stellt sich Lage jedoch bezüglich der fortschreitenden Entwaldung dar. Von 41 Prozent Waldfläche im Jahr 1990 verbleiben gegenwärtig ca. 36 Prozent, das Ziel der Aufforstung auf 50 Prozent wurde daher deutlich verfehlt. Ebenso verharrte der Anteil der Bevölkerung, der fossile Brennstoffe nutzt, bei annähernd 100 Prozent.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Malawi ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Nähere Informationen hierzu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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