Hauptinhalt

Malawi

Wirtschaft und Umwelt

Stand: April 2015

Grundlagen

Malawi ist ein Agrarland mit dominierender Subsistenzwirtschaft sowie dem Staat als bedeutendstem wirtschaftlichen Akteur. Es weist daher viele Elemente eines Staatshandelslands auf. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013 bei 270 US-Dollar (Quelle: Weltbank). Beim Index der menschlichen Entwicklung (HDI) der Vereinten Nationen wird  Malawi auf Rang 174 (von insgesamt 187 Staaten) geführt. Damit gehört Malawi zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Die Armut trifft vor allem die Menschen auf dem Land. Unterernährung ist weit verbreitet. Dürreperioden sowie Überflutungen führen immer wieder zu Nahrungsmittelknappheit. Als ressourcenarmes, infrastrukturell unterentwickeltes und bildungsschwaches Land ist Malawi in außerordentlich hohem Umfang auf ausländische Hilfe angewiesen.

Die Wirtschaftspolitik ist entwicklungsorientiert. Die Regierung verfolgt eine weitgehend marktwirtschaftliche Politik und setzt Bemühungen zur Liberalisierung und Privatisierung der Wirtschaft fort. Prioritäre Ziele sind die Bekämpfung von Armut, die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums durch Förderung von Privatinvestitionen und Fortschritte bei der Entwicklung des Landes in allen Bereichen (Infrastruktur, Bildung und Ausbildung, Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur). Allerdings ist die Umsetzung schwach. Der öffentliche Dienst ist dabei eines der Hauptentwicklungshindernisse. Das ist auch der Regierung bewusst, doch alle Anläufe einer Reform scheiterten bislang. Ein Ausbrechen aus dem gesellschaftlichen Konsens und ein individueller wirtschaftlicher Erfolg werden in aller Regel nicht geschätzt und stellen, ebenso wie der weit verbreitete Glaube an Hexerei, ein Entwicklungshemmnis dar.

Die Bevölkerung wächst jährlich um rund 2,8 Prozent. Setzt sich dieser Trend fort, wird sich die Bevölkerung von heute etwa 17 Millionen Menschen in 25 Jahren verdoppelt haben. Das Bevölkerungswachstum stellt daher eine zentrale übergreifende Herausforderung für das Land dar, insbesondere für die Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, aber auch für andere Sektoren wie beispielsweise die Umwelt. Der Bevölkerungsdruck hat zu einer weitgehenden Entwaldung (Feuerholzgewinnung) mit negativen Umweltkonsequenzen geführt. Zur Finanzierung von Umweltprojekten ist das Land auf externe Hilfe angewiesen. Die Alphabetisierungsquote liegt bei 74,8 Prozent, die Kindersterblichkeit bei 6,8 Prozent.


Aktuelle wirtschaftliche Lage


Mit Hilfe eines Subventionsprogramm vermochte die Regierung seit 2005 die Produktion des Grundnahrungsmittels Mais zu steigern. Die fortdauernde Subventionspolitik führte jedoch mittelfristig zu Marktfehlverhalten und vermochte auch nicht, die Zahl der Armen zu reduzieren. Gleichzeitig blockiert sie große Teile des Staatsbudgets, so dass für andere Maßnahmen kaum Spielraum bleibt.

Seit geraumer Zeit ist die wirtschaftliche Lage sehr angespannt. Ein wesentlicher Grund hierfür liegt bei einem zeitweiligen Nachfrageeinbruch beim Hauptexportprodukt Tabak, der in der Vergangenheit für 70 Prozent der Exporterlöse verantwortlich zeichnete.

Des weiteren sahen sich verschiedene Geber, unter ihnen auch Deutschland, gezwungen,  Budgethilfezahlungen an die malawische Regierung wegen der (inzwischen wieder aufgehobenen) Einschränkung der Pressefreiheit und Bürgerrechte vorübergehend auszusetzen; gleichzeitig griff die Regierung durch Kontrollen in den Devisenmarkt ein und erzeugte dadurch einen Schwarzmarkt. Die erneute Wechselkursfreigabe durch Präsidentin Banda im Mai 2012 heizte in der Folge die Inflation an. Als die Wirtschaft sich 2013 wieder zu erholen begann, erschütterte ein großer Finanzskandal (lokal als "Cashgate" bezeichnet) das Vertrauen in die staatlichen Institutionen. Die seit Mitte 2014 amtierende, neue Regierung Mutharika behielt die wichtigsten Reformelemente ihrer Vorgängerin bei, konnte der Wirtschaft jedoch noch keine neuen Impulse verleihen. Die verheerenden Überflutungen vom Januar 2015 bedeuten einen weiteren Rückschlag für das Land; die Weltbank schätzt den entstandenen Schaden auf etwa 5,2 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Die Inflationsrate liegt weiterhin über 20 Prozent.


Wirtschaftssektoren

Malawi zeigt keinerlei Anzeichen für einen Strukturwandel von einer ländlich geprägten zu einer Industriegesellschaft. Die Landwirtschaft dominiert mit einem statistisch erfassten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von 39 Prozent (der tatsächliche Beitrag dürfte wegen der Subsistenzwirtschaft jedoch erheblich darüber liegen); über 80% der Bevölkerung leben von ihr. Wirtschaftszweige wie Dienstleistungen, Bau, verarbeitende Industrie etc. tragen nur in geringem Umfang zum Bruttoinlandsprodukt bei. Zu den Hindernissen privatwirtschaftlicher Entwicklung zählt die schwache Infrastruktur, zum Beispiel bei der Stromversorgung (nur 8% der Bevölkerung haben Zugang zu Strom), was vor allem die Entstehung kleiner und mittlerer Produktionsfirmen hemmt. Wechselkursschwankungen, Steuern, mangelnder Zugang zu Finanzen sowie Korruption sind weitere Ursachen mangelnder wirtschaftlicher Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit


Außenhandel

Die Außenwirtschaft ist gekennzeichnet durch strukturelle Defizite in Handels- und Leistungsbilanz und eine relativ hohe Auslandsverschuldung. Tabak ist das wichtigste Exportgut. Andere Exportgüter sind Tee, Kaffee, Sojabohnen und Zucker. Wichtigste Abnehmer sind Südafrika, die USA, Großbritannien, Deutschland und Japan. Die große Abhängigkeit von wenigen und zudem kaum veredelten Exportprodukten macht die Wirtschaft anfällig für äußere Einflüsse wie Dürreperioden oder Preisschwankungen auf dem Weltmarkt.

Die Einfuhr besteht in erster Linie aus Kapitalgütern, gefolgt von Energieträgern (vor allem Kraftstoffe) und Lebensmitteln. Wichtigster Lieferant ist Südafrika, gefolgt von Sambia, Indien, China und Tansania.


Klima und Umwelt

Klimaschutz und Umweltmanagement gehören theoretisch zu den prioritären Themen der neuen Entwicklungsstrategie Malawis (Malawi Growth and Development Strategy 2, 2011-2016). Die Regierung versucht Aspekte des Klimawandels in den Bereichen Landwirtschaft, Ressourcenschutz und Wassermanagement aufzugreifen. Eine Klimapolitik hat Malawi bisher noch nicht ausformuliert.

Malawi verfügt über ein breites Spektrum an Naturschätzen. An vorderster Stelle ist dabei der 560 Kilometer lange Malawi-See zu nennen, der Heimat ist für über 450 Arten endemischer Buntbarsche, in Deutschland beliebt als Aquarienfische. Die Hochplateaus Nyika (im Norden) und Zomba (im Süden) sind weitere Regionen mit besonderer Flora und Fauna.

Beim "Millennium Development Goal" zum Umweltschutz (MDG 7) ergibt sich bei Malawi ein gemischtes Bild.

Umweltschutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Die malawische Regierung sieht das Ziel der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen als erreichbar an. Fortschritte sind insbesondere zu verzeichnen beim Zugang der Bevölkerung zu verbesserter Trinkwasserversorgung (81 Prozent, Ziel übererfüllt) und verbesserten sanitären Einrichtungen (93 Prozent, Ziel übererfüllt).

Alarmierend stellt sich Lage jedoch bezüglich des Entwaldungsproblems dar, denn die Waldrodung schreitet weiter voran. Von 41 Prozent Waldfläche im Jahr 1990 verbleiben gegenwärtig ca. 36 Prozent, das Ziel der Aufforstung auf 50 Prozent wird daher deutlich verfehlt werden. Ebenso verharrt der Anteil der Bevölkerung, der fossile Brennstoffe nutzt, bei annähernd 100 Prozent.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Malawi ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Nähere Informationen hierzu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere