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Malawi

Wirtschaft und Umwelt

Stand: April 2012

Grundlagen

Strukturelle Defizite in Handels- und Leistungsbilanz, eine relativ hohe Auslandsverschuldung sowie eine minimale Devisenreserve von unter 3 Exportmonaten kennzeichnen die Außenwirtschaft. Exportgüter sind neben Tabak Tee, Zucker und seit Ende 2009 Uran, welches in absehbarer Zeit zweitwichtigstes Exportgut nach Tabak werden wird. Wichtigste Abnehmer sind Deutschland, die USA, Südafrika, Großbritannien und Japan. Die Einfuhr besteht in erster Linie aus Kapitalgütern, gefolgt von Energieträgern (vor allem Kraftstoffe) und Lebensmitteln. Wichtigster Lieferant ist Südafrika, gefolgt von Großbritannien, Deutschland und Japan.

Malawi ist ein Agrarland mit dominierender Subsistenzwirtschaft. Mit circa 350 US-Dollar Pro-Kopf-Einkommen gehört Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt. Ressourcenarm, infrastrukturell unterentwickelt und bildungs- und ausbildungsschwach ist Malawi in extrem hohem Umfang auf ausländische Entwicklungshilfe angewiesen.

Die Wirtschaftspolitik ist entwicklungsorientiert. Die Regierung verfolgt eine weitgehend marktwirtschaftliche Politik und setzt Bemühungen zur Liberalisierung und Privatisierung der Wirtschaft fort. Prioritäre Ziele sind die Bekämpfung von Armut, die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums durch Förderung von Privatinvestitionen und Fortschritte bei der Entwicklung des Landes in allen Bereichen (Infrastruktur, Bildung und Ausbildung, Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur).

Die Bevölkerung wächst jährlich um rund 2,8 Prozent. Die Alphabetisierungsquote liegt bei 64 Prozent, die Kindersterblichkeit bei 12 Prozent. Der Bevölkerungsdruck hat zu einer weitgehenden Entwaldung (Feuerholzgewinnung) mit negativen Umweltkonsequenzen geführt. Bisher kaum vorhandenes Umweltbewusstsein hat sich in den letzten Jahren stärker ausgeprägt. Zur Finanzierung von Umweltprojekten ist das Land auf externe Hilfe angewiesen.

Malawi ist Mitglied der Southern African Development Community (SADC) und des Common Market of Eastern and Southern Africa (COMESA).


Aktuelle wirtschaftliche Lage

Malawi verzeichnete seit 2005 eine stetig positive makroökonomische Entwicklung. Das Wirtschaftswachstum lag durchschnittlich über 7 Prozent. 2008 erreichte das Wachstum den Rekordwert von 9,7 Prozent. 2010 wurden 5,9 Prozent erreicht, während die Inflation einstellig blieb. Die Armutsrate, die 2005 noch bei 65 Prozent gelegen hatte, konnte auf etwa 40 Prozent gesenkt werden. Ursächlich für die hohen Wachstumsraten waren u.a. überdurchschnittliche Getreideernten. Das Land, das bis 2005 ein notorischer Empfänger von Nahrungsmittelhilfe war, erreichte dank eines Subventionsprogramms für Saatgut und Dünger für Kleinbauern in den letzten Jahren sehr gute Maisernten und wurde zum Nahrungsmittelexporteur.

Aktuell ist die wirtschaftliche Lage sehr angespannt, das Land verfügt kaum noch über Devisenreserven („Forex“ – foreign exchange). Dies ist zum einen zurückzuführen auf den Einbruch der Nachfrage beim Hauptexportprodukt Tabak, der in der Vergangenheit für 70 Prozent der Exporterlöse verantwortlich zeichnete. Zum anderen haben verschiedene Geber, unter ihnen auch Deutschland, direkte Budgethilfezahlungen an die malawische Regierung wegen Einschränkung der Pressefreiheit und Bürgerrechte unter dem verstorbenen Präsidenten Mutharika ausgesetzt. Eine Folge der „Forex“-Krise ist ein Devisenschwarzmarkt, auf dem für britische Pfund, Euro oder US-Dollar Wechselkurse geboten werden, die bis zu 50% über den offiziellen Bankkursen liegen. Dies führt zu einer Verteuerung aller aus dem Ausland importierten Waren, die mit harter Währung zu bezahlen sind, welche aber faktisch nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist. Der Internationale Währungsfonds IWF hat der malawischen Regierung dringend eine möglichst schnelle, deutliche Abwertung des im Ausland nicht konvertierbaren malawischen Kwacha (MWK) empfohlen. Bisher steht dieser Schritt wie auch die Liberalisierung des überregulierten Devisenmarktes noch aus. Bei Basislebensmitteln liegt die Inflation unterdessen bei ca. 40 Prozent.


Wirtschaftssektoren

Die Landwirtschaft dominiert mit circa 80 Prozent der Beschäftigten und einem statistisch erfassten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von 39 Prozent (der tatsächliche Beitrag dürfte wegen der Subsistenzwirtschaft jedoch erheblich darüber liegen). Wirtschaftszweige wie Dienstleistungen, Bau, verarbeitende Industrie etc. tragen zunehmend zum Bruttoinlandsprodukt bei, geraten aber aufgrund der Devisen- und Treibstoffknappheit sowie des allgemeinen Preissanstiegs zunehmend unter Druck und in existentielle Bedrängnis.


Außenhandel

Aufgrund seiner Binnenlage ist Malawi bei Ex- und Import auf die umliegenden Transitländer angewiesen. Die damit verbundenen Zusatzkosten sind eine gravierende Benachteiligung auch im internationalen Wettbewerb. Die Verkehrsinfrastruktur ist zur Verbindung der wichtigsten Zentren ausreichend, erschließt aber nur mangelhaft die ländlichen Gegenden und wirkt damit als Entwicklungsengpass.

Das Landeskreditrisiko ist sehr hoch. Die Aussichten für die deutsche Exportwirtschaft sind begrenzt. Aufgrund der Wechselkursbeschränkungen, Devisenknappheit und gestrichenen Kreditlinien stehen inländischen Unternehmen kaum noch Mittel zur Verfügung, um ausländische Produkte zu importieren.

2010 wurde ein deutsch-malawischer Investitionsschutz- und Fördervertrag paraphiert, der noch von der EU-Kommission genehmigt und dann von Deutschland und Malawi ratifiziert werden muss.


Klima und Umwelt

Klimaschutz und Umweltmanagement gehören theoretisch zu den prioritären Themen der neuen Entwicklungsstrategie Malawis (Malawi Growth and Development Strategy 2, 2011-2015). Die Regierung versucht Aspekte des Klimawandels in den Bereichen Landwirtschaft, Ressourcenschutz und Wassermanagement aufzugreifen. Eine Klimapolitik hat Malawi bisher noch nicht ausformuliert.

Malawi verfügt über ein breites Spektrum an Naturschätzen. An vorderster Stelle ist dabei der 560 Kilometer lange Malawi-See zu nennen, der Heimat ist für über 450 Arten endemischer Buntbarsche, in Deutschland beliebt als Aquarienfische. Die Hochplateaus Nyika (im Norden) und Zomba (im Süden) sind weitere Regionen mit besonderer Flora und Fauna.

Bei dem "Millennium Development Goal" zum Umweltschutz (MDG 7) zeichnet sich in Malawi ein gemischtes Bild.

Umweltschutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Die malawische Regierung sieht das Ziel der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen als erreichbar an. Fortschritte sind insbesondere zu verzeichnen beim Zugang der Bevölkerung zu verbesserter Trinkwasserversorgung (2008: 84 Prozent, über Ziel) und verbesserten sanitären Einrichtungen (94 Prozent, über Ziel).

Alarmierend stellt sich Lage jedoch beim Anteil der Waldflächen dar, denn die Waldrodung schreitet weiter voran. Von 41 Prozent Waldfläche im Jahr 1990 verbleiben gegenwärtig ca. 34 Prozent, das Ziel der Aufforstung auf 50 Prozent wird deutlich verfehlt werden. Ebenso verbleibt der Anteil der Bevölkerung, die fossile Brennstoffe nutzt, bei unverändert annähernd 100 Prozent - das Ziel von Null Prozent wird 2015 also nicht erreicht.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.