Hauptinhalt
Wirtschaft
Stand: Juni 2011
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Libanon hat eine lange Tradition als Handelsnation. Dabei kommt dem Land eine liberale Wirtschaftsordnung ebenso zustatten wie die vielfältigen Verbindungen ins Ausland – vor allem aufgrund der zahlreichen Auslandslibanesen. Der Bürgerkrieg hat erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht und die Rolle des Landes als Drehscheibe für Handel und Dienstleistungen im Nahen Osten nachhaltig beeinträchtigt. Die Nachkriegswirtschaft (seit 1991) stand ganz im Zeichen des Wiederaufbaus, wobei insbesondere die Innenstadt von Beirut so wieder hergestellt wurde, dass heute Kriegszerstörungen kaum noch sichtbar sind. Noch nicht gelungen ist es, eine gleichmäßige und störungsfreie Stromversorgung im ganzen Land sicherzustellen.
2010 wuchs das BIP nach Schätzungen um 7 bis 8 Prozent, unter anderem weil die Tourismussaison 2010 alle Erwartungen übertraf. 2011 wird das Wirtschaftswachstum auf etwas niedrigerem Niveau (Schätzungen: 3 bis 5 Prozent) prognostiziert. Sollte die Regierung strukturelle Reformen – insbesondere im Infrastruktur- und Energiesektor – und Privatisierungen mit Nachdruck angehen, könnte mittelfristig ein noch höheres Wirtschaftswachstum erzielt werden. Die hohe Staatsverschuldung belastet auch die Kreditvergabe an die Privatwirtschaft. Ausländische Investitionen fließen hauptsächlich in Immobilien (vornehmlich Investoren aus den Golfstaaten) und in den Erwerb von Anleihen und Wertpapieren.
Haushalt
Eines der größten Probleme für die Wirtschaft des Landes ist die Staatsverschuldung, die Ende 2010 einen Umfang von rund 52,6 Milliarden US-Dollar erreicht hat. Davon sind knapp die Hälfte Auslands-, der Rest Inlandsschulden. Der Haushalt 2010 betrug 10,95 Milliarden US-Dollar. Der Entwurf eines Staatshaushalts für 2011 wurde bislang nicht vorgelegt. Bisher ist nicht abzusehen, dass der Libanon das strukturelle Haushaltsdefizit von circa 11,1 Prozent des BIP nachhaltig verringern wird. Der Schuldendienst machte 2010 annähernd 38,9 Prozent der Staatsausgaben aus, die Staatsverschuldung entsprach 150,70 Prozent des BIP. Der libanesische Staat hat dennoch gegenwärtig keine Probleme, seine Schulden zu refinanzieren. So konnte Anfang März 2010 ein Eurobond über 1,2 Milliarden US-Dollar platziert werden.
2002 wurde zur Erhöhung der Einnahmen eine Mehrwertsteuer von 10 Prozent eingeführt. Bemühungen um höhere Effizienz beim Steuereinzug, und um Personalabbau im Öffentlichen Dienst konnten das Haushaltsdefizit bisher nicht reduzieren. Mehrfach angekündigte Privatisierungen, deren Erlös ausschließlich zum Schuldenabbau eingesetzt werden soll - in erster Linie in den Bereichen Telekommunikation und Elektrizität - wurden immer wieder verschoben. Eine Sanierung des staatlichen Stromversorgers EDL, der seit Jahren den Staatshaushalt durch Transferzahlungen erheblich belastet, ist weiterhin nicht abzusehen.
Die Pariser Gläubigerkonferenz hatte im Dezember 2002 zum Zufluss öffentlichen und privaten Kapitals in erheblichem Umfang, zu einer Verbesserung der Bonität des libanesischen Staates und einem starken Rückgang der Zinsen sowie zu einer weitgehenden Umstrukturierung der Staatsschulden, einer spürbaren Erleichterung des Schuldendienstes und einem Rekordstand an Devisenreserven bei der Zentralbank geführt.
Außenhandel
Der Libanon erzielt seit Jahren hohe Handelsbilanzdefizite, eine Änderung ist auch in den kommenden Jahren nicht zu erwarten. Das Handelsbilanzdefizit betrug im Jahr 2009 12,76 Milliarden US-Dollar, im Jahr 2010 13,71 Milliarden US-Dollar. Dabei stiegen die Exporte von 3,48 Milliarden US-Dollar in 2009 auf 4,25 Milliarden US-Dollar in 2010. Die Einfuhren stiegen von 16,24 Milliarden US-Dollar 2009 geringfügig auf 17,96 Milliarden US-Dollar in 2010. Wichtigste Einfuhrgüter sind nach wie vor Öl, Maschinen, Chemikalien und Kraftfahrzeuge; exportiert werden vor allem Vorprodukte der Schmuckindustrie.
Wichtigste Lieferanten 2010 waren USA, China, Italien, Deutschland und Frankreich. Zu den wichtigsten Abnehmerländern zählen die Schweiz, die Vereinigten Arabischen Emirate, Frankreich, Irak und Saudiarabien
Neben Kapitalzuflüssen spielt der Tourismussektor eine entscheidende Rolle beim Ausgleich des Handelsbilanzdefizits. 2010 wurde die Rekordzahl von 2,17 Millionen Touristen (+ 17 Prozent gegenüber 2009) gezählt.
Die libanesische Währung (Libanesisches Pfund, LBP) ist seit 1994 in einem unveränderten Austauschverhältnis an den US-Dollar gekoppelt ( 1.507,50 LBP pro US-Dollar). Libanesische Geschäftsleute spielen eine bedeutende Rolle im Binnen- und Außenhandel anderer arabischer und afrikanischer Staaten.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
