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Kuba

Beziehungen zwischen Kuba und Deutschland

Stand: Mai 2016

Politik

Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten fügen sich in jene zwischen der EU und Kuba ein. Die EU und Kuba befinden sich in Verhandlungen über ein Abkommen über Zusammenarbeit und politischen Dialog. Deutschland begrüßt die im Dezember 2014 eingeleitete Wiederannäherung zwischen den USA und Kuba und die wirtschaftlichen Reformbemühungen in Kuba und steht einer Intensivierung seiner eigenen Beziehungen mit Kuba aufgeschlossen gegenüber. Deutschland berücksichtigt bei der weiteren Gestaltung der bilateralen Beziehungen insbesondere auch die Entwicklung der Menschenrechtslage.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier reiste vom 16. bis 17. Juli 2015 nach Kuba; es war der erste Besuch eines bundesdeutschen Außenministers in Kuba überhaupt. Der Reformprozess Kubas und die künftige Ausgestaltung der deutsch-kubanischen Beziehungen waren wichtige Themen während des Aufenthalts, bei dem Steinmeier auch mit dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro zusammentraf. Im Februar 2016 fanden die bei Steinmeiers Besuch vereinbarten regelmäßigen politischen Konsultationen in Havanna erstmals statt.


Wirtschaft

Die deutschen Warenausfuhren nach Kuba betrugen im Jahre 2015 etwa 258 (Vorjahr etwa 191) Mio. EUR, die kubanischen Exporte nach Deutschland 35 Mio. EUR (Vorjahr etwa 33 Mio.). Deutschland lieferte vor allem Getreide, Maschinen, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Kunststofferzeugnisse,  Medizintechnik, Kraftfahrzeuge und Ersatzteile; Kuba exportierte alkoholische Getränke, Tabakwaren, Honig sowie Obst- und Gemüsesäfte nach Deutschland.

Ein weiteres wichtiges Element der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen ist der deutsche Tourismus nach Kuba. Seit 2011 nimmt dieser wieder zu. Im Jahr 2015 lag die Zahl der deutschen Besucher bei knapp 175.000 von insgesamt 3,5 Millionen Auslandstouristen. Dies entspricht einem Anstieg von etwa 25%. Nach Kanada und den USA (einschließlich der 'Exilkubaner') stand Deutschland damit an dritter Stelle der Herkunftsländer.

Die kubanische Verschuldung gegenüber Deutschland wurde im Jahr 2000 durch ein bilaterales Umschuldungsabkommen geregelt. Dies ermöglichte auch die Wiederaufnahme der Gewährung von Hermes-Ausfuhrbürgschaften.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel besuchte Kuba im Januar 2016 mit einer großen Wirtschaftsdelegation.


Entwicklungszusammenarbeit

Die bilaterale staatliche Entwicklungszusammenarbeit ist auf kubanisches Betreiben seit 2003 eingestellt. Seither gibt es weder Technische Zusammenarbeit (TZ) noch Finanzielle Zusammenarbeit (FZ).

Die Botschaft Havanna fördert allerdings mehrere Kleinstprojekte pro Jahr, die zumeist mit kirchlichen Organisationen durchgeführt werden.

Mehrere deutsche Nichtregierungsorganisationen sind in Kuba engagiert: Seit 1993 ist die Deutsche Welthungerhilfe in Kuba aktiv. Sie konzentriert sich vor allem auf die Ernährungssicherung sowie auf Projekte der Nothilfe, z.B. nach dem Wirbelsturm Sandy Ende Oktober 2012. Ferner führte sie in den Jahren 2011-2014 das Regionalprogramm Armutsbekämpfung und Ressourcenschutz in Randzonen von Schutzgebieten durch. Die Deutsche Welthungerhilfe führt in oben angeführten Bereichen auch Projekte mit EU-Mitteln durch.

Ebenfalls seit mehreren Jahren fördert die deutsche Nichtregierungsorganisation KarEn e.V. (Karibik Energie) Projekte in Kuba. Diese zielen vor allem auf eine verbesserte Strom- und Wasserversorgung für Mensch und Tier mit Hilfe erneuerbarer Energien. Der Deutsche Volkshochschulverband ist im Bereich der Erwachsenenbildung tätig. Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband hat eine Zusammenarbeit bei der Beratung des zunehmend an Bedeutung gewinnenden Genossenschaftswesens aufgenommen.


Kultur und Bildung

Der kulturelle Austausch, die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung sowie der akademische Austausch bilden eine wichtige Säule der bilateralen Beziehungen. Ein  bereits 2003 ausgehandeltes Kulturabkommen zwischen Deutschland und Kuba ist seither nicht zustande gekommen. Auch gibt es bisher kein Goethe-Institut, jedoch eine DAAD-Repräsentantin und ein privatrechtlich organisiertes Sprachlernzentrum. Dessen ungeachtet beteiligt sich Deutschland an den großen internationalen Kulturereignissen auf Kuba wie der Buchmesse Havanna mit einem Stand der Frankfurter Buchmesse und Lesungen deutscher Autoren, der Ausrichtung deutscher Theaterwochen, sowie der Etablierung einer Deutschen Reihe innerhalb des Internationalen Festivals des neuen Lateinamerikanischen Films. Wichtig sind vor allem der Austausch und die praktische Vernetzung kubanischer Kulturschaffender mit der deutschen Kulturszene. Junge Dramatiker und Regisseure aus Kuba konnten Hospitanzen an deutschen Theatern wahrnehmen, Filmemacher wurden zur Berlinale und zum angegliederten Talentcampus eingeladen. Das Interesse auf deutscher Seite am Dialog mit Kuba ist hoch. Gleiches gilt für Gastspiele in den Bereichen Theater, Kino und Musik.

Einen wichtigen Träger des kulturellen Austausches stellen die schätzungsweise 30.000 Kubaner dar, die in Deutschland – vor allem in der ehemaligen DDR – studiert oder gearbeitet haben. Wichtigster kubanischer Partner im Sprachbereich ist der kubanische Deutschlehrerverband. Das Interesse an Deutsch als Fremdsprache übersteigt nach wie vor das Angebot. Die seit 2011 erlaubte Einrichtung privater Sprachschulen wurde seitens Deutschlands aufgegriffen (siehe oben). In jedem Jahr kann eine kleine Zahl kubanischer Deutschlehrer und Germanisten Fortbildungsangebote (Stipendien) in Deutschland wahrnehmen.

Die Ludwig-Stiftung unterhält ein Büro in Havanna, das vor allem im Bereich des künstlerischen Austausches tätig ist. Von erheblicher Bedeutung ist die Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Bereich, die durch ein Stipendiatenprogramm der Alexander-von-Humboldt-Stiftung vor allem für Naturwissenschaftler sowie die Zusammenarbeit mehrerer deutscher und kubanischer Hochschulen geprägt ist.

Die Repräsentantin des DAAD unterhält in Havanna ein Lektoratsbüro, das sich vor allem mit der Zusammenarbeit von ca. 50 kubanischen und deutschen Hochschulen befasst sowie Deutschunterricht an der Fremdsprachlichen Fakultät der Universität Havanna organisiert. Im September 2015 fand zum 13. Mal die wirtschaftswissenschaftliche Sommerschule in Zusammenarbeit zwischen der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Havanna statt, die durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und die Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt wurde.


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