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Kolumbien

Wirtschaftspolitik

Stand: März 2012

Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftslage

Seit Beginn der 90er Jahre hat Kolumbien konsequent eine Wirtschaftspolitik verfolgt, die sich an marktwirtschaftlichen Grundsätzen orientiert, protektionistischen Tendenzen eine Absage erteilt und sich aktiv bemüht, ausländische Investitionen ins Land zu holen.

Das Bruttoinlandsprodukt Kolumbiens betrug 2011 ca 321 Mrd. USD.

Kolumbiens Wirtschaft wuchs zwischen 2004 und 2007 durchschnittlich um 6,2%,. Im Zuge der internationalen Wirtschaftskrise sank das Wachstum 2008 auf 2,5, im Jahre 2009 auf 0,4 %. 2010 konnte sich die kolumbianische Wirtschaft wieder erholen und ein kräftiges Wachstum von 4,4 % erreichen; auch 2011 wuchs die Wirtschaft mit 4,9 % kräftig. Insgesamt ist Kolumbien auch im regionalen Vergleich gut durch die Krise gekommen.

Motoren der Wirtschaft waren die Inlandsnachfrage und die hohen ausländischen Direktinvestitionen. Über mehrere Jahre hinweg belebten überdies steigende Rohstoffpreise das Wachstum. Starke Zuwächse verzeichneten die Industrieproduktion, der Bausektor, Transport und Telekommunikation, Handel und Tourismus.

Mittelfristig benötigt Kolumbien als Schwellenland mit nach wie vor großen sozialen Verwerfungen Wachstumsraten von wenigstens 5 %, um eine nachhaltige soziale Entwicklung zu gewährleisten. Die offizielle Arbeitslosenquote ist im Oktober 2011 – zum ersten Mal seit drei Jahren – wieder auf einen einstelligen Wert (9,7 %) gefallen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass ein erheblicher Teil der Beschäftigten – Schätzungen zufolge über 50 % - im informellen Sektor tätig sind; die Unterbeschäftigung wird auf über 30 % geschätzt. Das Defizit des Gesamthaushaltes verringerte sich 2010 auf 2,5 % des BIP.

Der IWF geht davon aus, dass Kolumbien gut gerüstet ist, um externe Schocks abzufangen. Nach mehreren Jahren starken Wachstums und solider Wirtschafts- und Fiskalpolitik verfüge das Land nicht nur über stabile öffentliche Finanzen. Laut IWF hat es v.a. einen gesunden Privatsektor; die meisten Unternehmen seien ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet, verfügten über genügend Liquidität und seien dank Produktivitätssteigerungen in den vergangenen Jahren profitabler geworden.

Die Regierung verfolgt - gemessen an den großangelegten Konjunkturbelebungsprogrammen anderer Länder in der Region - eine „Politik der ruhigen Hand“. Bisher beschränkte sie sich im Wesentlichen auf Maßnahmen zur Anziehung ausländischen Kapitals sowie Kredite zur Unterstützung exportorientierter Branchen und zur Belebung der Inlandsnachfrage. Die Regierung Santos hat verstärkte öffentliche Investitionen insbesondere im Infrastrukturbereich angekündigt. Die Regierung setzt v.a. auf die Diversifizierung der Exportmärkte und die konjunkturbelebende Wirkung ehrgeiziger Infrastrukturprojekte (insgesamt sollen in den kommenden Jahren 50 Mrd. USD öffentliche und private Mittel investiert werden).

Die Inflationsrate erreichte 2011 einen auch im regionalen Vergleich niedrigen Wert von 3,3 %.

Wichtige Wirtschaftszweige

Wichtige Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft und Industrie, Öl- und Erdgasförderung sowie Bergbau, ferner Finanzwesen und Versicherungen, Handel und Gastgewerbe, Transport und Nachrichtenwesen sowie sonstige Dienstleistungen. In der relativen Gewichtung haben in den vergangenen Jahren v.a. Industrie, Öl- und Erdgasförderung sowie Bergbau stark an Gewicht gewonnen.

Außenhandel

Die Ausfuhren Kolumbiens betrugen 2010 39,82 Mrd. USD, die Einfuhren 40,683 Mrd. USD. Sowohl Ex- wie Import nahmen 2010 damit deutlich zu (21,2 bzw. 23,7 %)

Wichtigste Ausfuhrgüter Kolumbiens sind Erdöl und Erdölderivate, Steinkohle, Kaffee, Schnittblumen und Bananen, Wichtigste Einfuhrgüter sind Maschinen, Kraftfahrzeuge, Telekommunikationsausrüstung und elektrische Geräte, chemische Produkte und Eisen- und Stahlprodukte.

Bedeutendster Handelspartner sind traditionell die USA (rd. 42% des kolumbianischen Exports), gefolgt von der EU (rd. 13%). Der Handel mit China gewinnt rasch an Bedeutung (2010 4,9 % der kolumbianischen Exporte und 13,5 % der Importe). Damit ist China inzwischen zweitwichtigster bilateraler Exportmarkt nach den USA. Weitere wichtige Partner sind die Länder des Mercosur (5,9 %) und der Andengemeinschaft (5,8%). Bis 2008 war Venezuela der drittwichtigste Handelspartner und der zweitwichtigste Exportmarkt Kolumbiens, hat diese Rolle inzwischen aber infolge politisch motivierter, einseitiger handelsbeschränkender Maßnahmen, die Venezuela eingeführt hatte, verloren. Deutschland ist innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner Kolumbiens (Exporte nach Deutschland 2010: 0,935 Mrd. Euro; Importe aus Deutschland 2010 1,200 Mrd. Euro).

Die 2004 begonnenen Verhandlungen über ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA wurden am 27. Februar 2006 abgeschlossen. Die Ratifizierung durch den US-Kongress erfolgte im Oktober 2010, so dass das Abkommen voraussichtlich im Laufe des Jahres in Kraft treten kann.

Nachdem die Verhandlungen der Andengemeinschaft mit der EU über ein Assoziationsabkommen wegen Differenzen innerhalb der Andengemeinschaft zum Stillstand gekommen sind, verhandelte  Kolumbien gemeinsam mit Peru seit Februar 2009 mit der EU über ein Freihandelsabkommen. Die technischen Verhandlungen wurden im März 2010 abgeschlossen. Damit steht nunmehr die Befassung durch das kolumbianische bzw. das Europäische Parlament an, die für das erste Halbjahr 2012 erwartet wird.

Mitgliedschaft in regionalen und internationalen Wirtschaftsorganisationen

Kolumbien ist Mitglied in den regionalen Wirtschaftsgemeinschaften ALADI und der Andengemeinschaft (CAN). Kolumbien ist außerdem Mitglied der Weltbank, der WTO, der IDB und des IWF. Mit der OECD unterhält Kolumbien Arbeitsbeziehungen und strebt die Vollmitgliedschaft an.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.