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Kirgisistan

Wirtschaft

Stand: März 2017

Wirtschaftsstruktur

Für 2015 weist die Weltbank ein Bruttoinlandsprodukt von nominal 6,57 Mrd. USD (2015) aus, wobei der Norden tendenziell wohlhabender als der Süden ist.

Die Wirtschaft des Landes ist wenig diversifiziert. Zu den wichtigsten Sektoren gehört der Bergbausektor und Gold ist das wichtigste Einzelexportgut (teilwiese über 50% der Gesamtausfuhren). Kirgisistan ist stark abhängig von der mit Abstand größten ausländischen Investition, der Goldmine Kumtor. Diese hat einen erheblichen Anteil am BIP (2014: 8%) und an der Industrieproduktion (2014: 43%). Kirgisistan verfügt daneben über weitere Rohstoffe, etwa Kupfer und Kohle. Die Gas- und Erdölvorkommen Kirgisistans sind dagegen eher unbedeutend.

Von erheblicher Bedeutung für die Wirtschaft sind die Überweisungen kirgisischer Gastarbeiter aus dem Ausland, insbesondere aus Russland in der Größenordnung von etwa 2 Mrd. US-Dollar. Diese Überweisungen sind im Zuge der Wirtschaftskrise in Russland stark zurückgegangen.

Zahlreiche Arbeitsplätze hängen vom Handel mit China, Russland und Kasachstan ab. Waren, die überwiegend aus China stammen, werden in Kirgisistan umgeschlagen und vor allem in die Nachbarländer und Russland exportiert.

Dagegen findet Wertschöpfung in Kirgisistan nur in beschränktem Umfang statt; das Land verfügt nur in Maßen über eigene Produktion. In der verarbeitenden Industrie sind vor allem die Hersteller von Baustoffen (Zement, Glas, Ziegelsteine) und die Textil- und Bekleidungsindustrie von einiger Bedeutung.

Die Landwirtschaft bleibt ein wichtiger Wirtschaftszweig mit einem Anteil am BIP von 14% und einer Absorptionskraft von ca. 30% aller Arbeitnehmer. Vor allem in den ländlichen Regionen und im Süden des Landes ist sie Existenzgrundlage für viele Familien. Aufgrund der kleinen Betriebsgrößen und der geringen Kapitalausstattung sind die Investitionen in der Landwirtschaft gering. Die Folgen sind ein geringer Mechanisierungsgrad und das Fehlen einer verarbeitenden Industrie im Agrarbereich. Hinzu kommen Engpässe bei Qualitätssicherung und Standardisierung zur Förderung des Agrarexports.


Außenhandel

Kirgisistan hat ein Handelsbilanzdefizit von 2,39 Mrd. USD in 2015. Importen von hauptsächlich Erdöl, Maschinen, Ausrüstungen, Kraftfahrzeugen und Lebensmitteln in Höhe von 4,07 Mrd. USD stehen Exporte von in erster Linie Gold (davon ca. ein Drittel in die Schweiz) sowie Nahrungsmitteln, mineralischen Produkten und Textilien in Höhe von 1,68 Mrd. USD gegenüber.

Die wichtigsten Lieferländer sind Russland (2014: 33,1%), China (2014: 21,3%) und Kasachstan (2014: 10,3%), weiterhin Deutschland, Japan, die USA und die Türkei. Weitere Abnehmer waren Kasachstan (23,4%), VAE (7,9%), Usbekistan (7,3%) und Russland (7,9%).

Hinzu kommen große Warenströme insbesondere aus China, die Kirgisistan auf dem Weg zu ihren Zielmärkten in Russland und Kasachstan durchqueren. Der Anteil des inoffiziellen Handels in Kirgisistan liegt laut Regierungsangaben bei bis zu 70%.

Der Handel mit Deutschland entspricht den vorstehend beschriebenen Grundlinien des kirgisischen Außenhandels und weist ein deutliches Ungleichgewicht zugunsten deutscher Exporte nach Kirgisistan auf. Vornehmlich Kraftfahrzeuge, Maschinen und Chemieprodukte werden aus Deutschland importiert, Kupfer, Eisen, Stahl, Tabak sowie Obst und Gemüse nach Deutschland exportiert. Importe nach Kirgisistan in Höhe von 51 Mio. Euro in 2015 stehen dabei Exporte in Höhe von lediglich 12,8 Mio. Euro gegenüber.

Kirgisistan ist im Juli 2015 der Eurasischen Wirtschaftsunion (Russland, Belarus, Armenien, Kasachstan) beigetreten. Dies erschwert den Handel mit China tendenziell, während das Potenzial für den Austausch mit den EAWU-Partnern noch nicht vollständig realisiert ist.

Ausländische Direktinvestitionen in Kirgisistan werden für 2014 mit 608 Mio. US-Dollar angegeben (-37%), wobei China an erster Stelle (33,2%, Vorjahr 22%) stand. Kanada lagen aufgrund der Verflechtung mit der Goldmine Kumtor an zweiter Stelle (13,5%; Vorjahr 22,1%). Es folgen Großbritannien (9,2%) und die Türkei (4,5%). 

Die deutsche Wirtschaft ist nur wenig mit eigener Produktion in Kirgisistan vertreten, ganz überwiegend werden Geräte und Anlagen geliefert. Ausnahmen sind die Schmidt Group sowie die Glasfabrik Steinert Interglass mit über 20 Mio. Euro Investitionsvolumen. Kirgisistan ist stark auf Kredite und Zuschüsse aus dem Ausland angewiesen. Die Brutto-Auslandsverschuldung lag im März 2016 bei 3,65 Mrd. US-Dollar. Wichtige Infrastrukturprojekte, Sanierungen und Modernisierungen können nur mit Hilfe ausländischer Gelder finanziert werden. Dies erhöht die Bedeutung von Schuldenumwandlungen als wichtiges Element der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.


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