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Kirgisistan

Wirtschaftspolitik

Stand: Februar 2012

Kurzcharakterisierung der Wirtschaft

Kirgisistan ist ein Transformationsland. Die Liberalisierung der Wirtschaft und der Transformationsprozess kamen mit großzügiger internationaler Geberhilfe relativ schnell voran. Heute ist die Wirtschaft mit der Ausnahme einiger strategischer Sektoren wie etwa der Elektrizitäts- und Wasserversorgung weitgehend auf marktwirtschaftliche Strukturen umgestellt.

Kirgisistan ist im Vergleich zu anderen Ländern in der Region Zentralasien rohstoffarm. Es gibt nur unbedeutende Gas- und Erdölvorkommen, die selbst bei voller Erschließung den einheimischen Bedarf nicht decken könnten. Einziger in nennenswertem Umfang abgebauter Rohstoff ist Gold. Goldvorkommen werden von zumeist ausländischen Unternehmen erschlossen und genutzt. Kirgisistan verfügt über bedeutende Wasserressourcen, von denen auch die Landwirtschaft der Unterlieger Usbekistan und Kasachstan abhängen. Die öffentliche Diskussion über eine effiziente und nachhaltige Bewirtschaftung dieser Ressource hat gerade erst begonnen.

Mit einem BIP pro Kopf von nach offiziellen Angaben ca. 1057 US-Dollar ist Kirgisistan ein armes Land. Dabei gibt es ein starkes Nord-Süd-Gefälle, wobei der Norden reicher als der Süden ist. Durch einen Regierungsumsturz im April 2010 und interethnische Auseinandersetzungen im Süden des Landes im Juni 2010 hat die kirgisische Volkswirtschaft hohe Schäden erlitten.


Struktur der Wirtschaft

Den mit nach offiziellen Angaben 46% weitaus größten Beitrag zum BIP leistet in Kirgisistan der Handels- und Dienstleistungssektor. Auch aufgrund seiner WTO-Mitgliedschaft ist es dem Land gelungen, sich als regionales Handelszentrum zu etablieren. Waren, die überwiegend aus China stammen, werden in Kirgisistan umgeschlagen und in die Nachbarländer und Russland exportiert.

Der relative Beitrag der Industrieproduktion zum Bruttoinlandsprodukt soll ca. 19% betragen. In der verarbeitenden Industrie sind vor allem die Hersteller von Baustoffen (Zement, Glas, Ziegelsteine) und die Textil- und Bekleidungsindustrie von einiger Bedeutung.

Mit einem Beitrag von offiziell 18,5% zum BIP ist die Landwirtschaft noch immer ein bedeutender Wirtschaftszweig in Kirgisistan. Aufgrund der kleinen Betriebsgrößen und deren geringer Kapitalausstattung sind die Investitionen in der Landwirtschaft jedoch gering. Die Finanzierung notwendiger Investitionen durch Kredite wird durch eine restriktive Gesetzgebung erschwert, die nur eingeschränkt zulässt, Grundbesitz als Sicherheit einzubringen. Die Folge ist ein geringer Mechanisierungsgrad und das Fehlen einer verarbeitenden Industrie im Agrarbereich, die auch im Ausland wettbewerbsfähige Produkte mit höherer inländischer Wertschöpfung anbieten könnte.

Strategisch wichtig ist die Erzeugung von Elektroenergie, überwiegend auf der Basis von Wasserkraft. Veraltete Anlagen, zu geringe Neuinvestitionen und Einnahmeausfälle durch Diebstahl haben jedoch dazu geführt, dass Kirgisistan seinen Strombedarf nicht mehr selbständig abdecken kann. Stromabschaltungen und -ausfälle behindern die wirtschaftliche Entwicklung.

Der Bergbau ist durch die Exporte der Goldmine „Kumtor“ als Devisenbeschaffer bedeutsam und trägt überproportional zum Steueraufkommen des Landes bei. Kumtor ist dabei gleichzeitig die größte ausländische Investition im Land; größte europäische Investition ist der Zigarettenhersteller Reemtsma Kirgisistan. Es gibt Bestrebungen eines kanadischen Unternehmens, die Mine Kutessay II, die zu sowjetischen Zeiten ein wichtiger Lieferant von seltenen Erden war, wiederzueröffnen.


Wirtschaftsklima

Die Verbesserung des Investitionsklimas gehörte zu den erklärten Zielen der Übergangsregierung und nun auch der im Dezember 2011 formierten neuen Regierung. Ein sichtbares Zeichen hierfür ist die Gründung des Business Development and Investment Councils im August 2010. Die tatsächlichen Auswirkungen dieser Maßnahme sind jedoch noch nicht spürbar. Es fehlt insbesondere am hinreichenden Schutz des Eigentums. Dieses ist zwar gesetzlich garantiert, tatsächlich allerdings nur eingeschränkt gewährleistet.

Unternehmer beklagen weiterhin Rechtsunsicherheit, Korruption, häufige Steuer-, Zoll- und andere Inspektionen, fehlende Vertragstreue und Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Der Korruptions-Wahrnehmungsindex von Transparency International stuft Kirgisistan 2010 auf Platz 164 von 178 weltweit ein.

Grundsätzlich können sich auch ausländische Unternehmen in Kirgisistan niederlassen. Der Erwerb von Grund und Boden ist für Ausländer jedoch nicht möglich, was die dingliche Absicherung von Krediten erschwert. In der Privatwirtschaft erfolgt die Preisfindung nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Lediglich bei den wenigen verbliebenen staatlichen Betrieben werden staatlich festgelegte Preise gefordert. Dies betrifft insbesondere den Energiesektor.

Ausländische Direktinvestitionen, die die Zentralbank 2009 noch mit 189,4 Mio. USD angegeben hatte, sollen 2010 um 45% zurückgegangen sein und 2011 nunmehr 56,1 Mio. USD betragen, was insbesondere auf rückläufige Investitionszahlen aus Kasachstan zurückzuführen sein dürfte.


Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Kirgisistan ist es gelungen, sich als regionales Handelszentrum zu etablieren. Große, offiziell nur zum Teil erfasste Warenströme durchqueren das Land auf dem Weg zu ihren Zielmärkten in Russland und Kasachstan.

Die Gründung der Zollunion zwischen Russland, Weißrussland und Kasachstan könnte insbesondere durch verstärkte Außenkontrollen an der Zollgrenze Kasachstans die Funktion Kirgisistans als regionales Handelszentrum und damit auch zahlreiche Arbeitsplätze gefährden. Kirgisistan strebt den Beitritt zur Zollunion an. Die wirtschaftlichen Vor- und Nachteile eines Beitritts sind nur schwer abzuschätzen, Russland ist wichtigster Handelspartner Kirgisistans, gefolgt von China und Kasachstan. Vor allem rückläufige Zahlen beim Import von Gebrauchtwagen aus Deutschland haben zu einem Rückgang des Handelsumsatzes zwischen beiden Ländern geführt Verglichen mit den Haupthandelspartnern liegt die EU weiterhin zurück.

Insgesamt exportierte Kirgisistan 2011 nach offiziellen Angaben Waren im Wert von 1794,6 Mio. USD. Dem standen Importe im Wert von 3781,7 Mio. USD gegenüber. Das Außenhandelsdefizit stieg damit auf 1987,1 Mio. USD – eine Entwicklung, die insbesondere vor dem Hintergrund der Unruhen von Juni 2010 und ihren Folgen zu sehen sein dürfte.

Die Landeswährung Som ist frei konvertierbar und relativ stabil. Es bestehen keine Restriktionen im internationalen Geldtransfer.

Kirgisistan ist Mitglied der Weltbank-Gruppe (Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Internationale Finanz-Corporation-Weltbank, Internationale Entwicklungsorganisation-Weltbank), MIGA (Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur), (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit), EAEC (Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft), (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) und (Asiatische Entwicklungsbank).


Aktuelle Wirtschaftsentwicklung

Nachdem die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise relativ mild für Kirgisistan waren, ist durch den gewaltsamen Regierungsumsturz im April 2010 und die Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der kirgisischen und usbekischen Volksgruppen im Süden des Landes im Juni 2010 hoher volkswirtschaftlicher Schaden entstanden. Während das reale BIP-Wachstum 2009 noch 2,3% betrug, ist es amtlichen Berechnungen zufolge in der Folge der Ereignisse 2010 zu einem Rückgang des realen BIP um 1,4% gekommen. 2011 haben offizielle kirgisische Statistiken ein Wachstum von 5,7% verzeichnet.

Insbesondere die Landwirtschaft im Süden des Landes hatte unter den Unruhen im Juni 2010 gelitten. Dazu kam die teilweise immer noch andauernde Schließung der Grenzen zu den Nachbarländern Kasachstan und Usbekistan , welche für erhebliche Einbußen beim Handel sorgte. Der Tourismussektor des Landes, der insbesondere in der östlichen Region Issyk-Kul in den letzten Jahren zum Wachstum beigetragen hatte, musste ebenfalls hohe Einbußen hinnehmen und hat sich hiervon noch nicht vollständig wieder erholt.

Nach wie vor ist der Anteil der Schattenwirtschaft in Kirgisistan hoch. Die Arbeitslosigkeit wird offiziell mit 3,3% angegeben, dürfte aber real deutlich darüber liegen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.