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Kenia

Wirtschaftspolitik

Stand: September 2011

Allgemeine Wirtschaftslage

Kenia ist ein typisches Entwicklungsland in Subsahara-Afrika, nimmt aber eine herausragende Stellung innerhalb Ostafrikas ein. Kenia ist die leistungsfähigste Volkswirtschaft in der EAC (Ostafrikanischen Gemeinschaft) mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 32 Milliarden USD. Damit ist seine Volkswirtschaft genauso groß wie die der übrigen EAC-Mitglieder Tansania, Uganda, Burundi und Ruanda zusammen. Kenias Vorteile sind seine zentrale Lage und eine liberale Wirtschaftsordnung mit gut entwickeltem Privatsektor. Für 2011 wird ein Wirtschaftswachstum von ca. 5,5 Prozent erwartet. Knapp 60 Prozent der Bevölkerung leben allerdings unterhalb der Armutsgrenze, ca. 25 Prozent haben weniger als 1 US-Dollar pro Tag. 60 Prozent der Bevölkerung in der Hauptstadt Nairobi leben in Slums. Kenias Budget ist zu 90 Prozent unabhängig von der internationalen Entwicklungshilfe. Das Haushaltsdefizit und die Auslandsverschuldung stiegen auch 2010 weiter an. Der aktuelle Haushaltsplan sieht eine weitere Verschuldung vor.

Kenias Wirtschaft verfügt über einen modernen formellen Sektor (Teile der Landwirtschaft, Tourismus, Dienstleistung) mit starker Exportorientierung (Tee, Kaffee, Schnittblumen und Gartenbau) und einem wachsenden informellen Sektor (ca. 40 Prozent der Beschäftigten).

Die politische Krise nach den Wahlen im Dezember 2007 hat die wirtschaftliche Fortentwicklung Kenias 2008 stark gehemmt, Auswirkungen waren insbesondere im Tourismus und in der Schnittblumenindustrie erkennbar. Trotz Wirtschaftskrise und Dürre erholte sich die Wirtschaft 2009 zunehmend, die positive Entwicklung setzte sich 2010 fort. Die Einnahmen, v.a. in der Tourismus- und Blumenindustrie, stiegen 2010 wieder deutlich an. Die Wirtschaftsaussichten für 2011 und 2012 werden optimistisch eingeschätzt.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Der wichtigste Wirtschaftssektor Kenias ist nach wie vor die Landwirtschaft (inklusive Fischerei und Forstwirtschaft), in der ca. 25 Prozent des BIP erwirtschaftet werden. Landwirtschaftliche Produkte (Gartenbau, Tee, Kaffee) sind Hauptexportgüter, wobei Tee wichtigstes Exportprodukt ist. Rund 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig im Dienstleistungssektor ist die Tourismusbranche, die neben der Tee- und Schnittblumenindustrie auch die Hauptdeviseneinnahmequelle des Landes ist. Der starke Einbruch im Tourismus 2008 konnte gestoppt werden, der Tourismussektor war 2010 wieder auf Wachstumskurs. Für das Jahr 2011 werden erneut Rekordzahlen erwartet.

Außenhandel

Kenias Exporte haben sich in den letzten fünf Jahren nahezu verdoppelt und lagen 2010 bei knapp 5 Milliarden USD. Kenias Exporte gehen zu 31 Prozent in COMESA-Länder und zu 26 Prozent in die EU. Deutschland hat mit einem Anteil von 94,9 Millionen USD keine dominierende Rolle. Gartenbau, Tee, Kaffee und Re-Exporte auf Erdölbasis bilden die Hauptexportprodukte. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Großbritannien, Japan, Indien, Südafrika, Ägypten und zunehmend China sind Kenias Hauptimportländer. Importiert werden besonders Erdöl, Autos, Maschinen und Chemikalien.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Kenia ist Gründungsmitglied der COMESA (1993) und auch der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC). Die EAC wurde 2005 zunächst von Kenia zusammen mit Uganda und Tansania gegründet, im Juli 2007 traten Burundi und Ruanda bei. Mit Inkrafttreten des "Common Market Protocol" am 01.07.2010 wurde ein gemeinsamer Binnenmarkt für ca. 130 Millionen Bürger aus den EAC-Staaten mit freiem Waren- und Personenverkehr ohne Grenzen und Beschränkungen eingeführt.

Umweltschutz

Kenia hat 2010 mit der Annahme der neuen Verfassung das "Recht auf saubere und gesunde Umwelt" als Grundrecht verankert. Die Verfassung enthält außerdem ein eigenes Kapitel Umwelt und natürliche Ressourcen. Kenia betreibt eine aktive Umweltpolitik. In der Vision 2030 hat die Regierung Umweltziele festgelegt, um zu erreichen, dass Kenia ein Land mit sauberer, sicherer und nachhaltiger Umwelt wird. Bis 2012 soll u.a. die Waldfläche vergrößert sowie von negativen Umwelteinflüssen ausgelöste Krankheitsfälle halbiert werden. Kenia ist zudem IRENA (Internationale Agentur für erneuerbare Energien) beigetreten.

Die größten Umweltprobleme stellen die Luftverschmutzung, Abfallbeseitigung und -verbrennung, Bodenschutz sowie der illegale Holzeinschlag dar. Der Waldbestand des Landes ist mittlerweile auf 1,7 Prozent der Gesamtfläche geschrumpft, in besonders dramatischer Weise etwa im Mau Forest in Zentral-Kenia. Dieser Entwicklung versucht die Regierung mit einem Umsiedlungs- und Wiederaufforstungsprogramm entgegenzuwirken. Auch das "Green Belt Movement" der 2011 verstorbenen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai engagiert sich hier. Um die zunehmenden Umweltprobleme angehen zu können, wurde 1999 die National Environmental Management Authority (NEMA) gegründet.

Der Schutz der natürlichen Umwelt ist für Kenia von großer wirtschaftlicher Bedeutung, besonders für den Tourismus. Das Land verfügt weltweit über die höchste Dichte von Nationalparks (59). Die Erlöse aus den recht hohen Parkeintrittsgebühren werden dazu eingesetzt, mit Hilfe von Parkwächtern die Nationalparks zu schützen und den Wildtierbestand zu erhalten. Gleichwohl berufen sich einige Nomaden (Massai) auf traditionelle Nutzungs- und Weiderechte und dringen deshalb immer wieder in einzelne Nationalparks ein.

Kenia ist Sitzstaat des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und regelmäßig Gastgeber internationaler Umweltkonferenzen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.