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Jordanien

Wirtschaft

Stand: Februar 2014

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Mit einer Bevölkerung von 6,2 Mio. und einem BIP 2012 i.H.v. rund 24 Mrd. Euro (pro Kopf ca. 3884 Euro) zählt Jordanien zu den sogenannten „upper middle income“ Ländern. Der Reichtum im Land ist jedoch ungleich verteilt. Jüngsten Weltbank-Angaben zufolge lebt ca. ein Drittel der Bevölkerung für mindestens ein Quartal im Jahr in Armut. Die Arbeitslosenquote lag Ende 2012 bei 12,5%, im 3. Quartal 2013 bei 14%. Insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit (offiziell 37,9% bei den 15-19-Jährigen und 34,8% bei den 20-24-Jährigen) stellt Jordanien vor massive Probleme.

Der jordanische Staat ist der größte Arbeitgeber, gefolgt von UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten). 56% der in Beschäftigung stehenden jordanischen Arbeitskräfte sind im formalen Sektor tätig (34% im öffentlichen Bereich und 22% in der Privatwirtschaft). 44% der jordanischen Arbeitskräfte arbeiten im informellen Sektor (vor allem Einzelhandel, Handwerk, Dienstleistungen, Transport, Bau).

Jordanien ist ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe und industrielle Basis. Es ist zudem das viertwasserärmste Land der Welt. Zu den vorhandenen Ressourcen und Hauptexportgütern zählen Kali und Phosphat. Darüber hinaus gibt es Ölschiefer- und Uranvorkommen, die verstärkt zur Energieerzeugung genutzt werden sollen, sowie Erdgasvorkommen an der jordanisch-irakischen Grenze.

Jordanien ist zu ca 97% von Energieimporten abhängig (vor allem Erdgas aus Ägypten, das bisher zu Vorzugspreisen geliefert wurde). Seit Beginn der Anschläge auf die Erdgaspipeline auf dem Sinai Anfang 2011 erfolgen die ägyptischen Erdgaslieferungen sehr eingeschränkt und sind teilweise auch komplett zum Erliegen gekommen. Jordanien ist seither gezwungen die ausbleibenden Lieferungen durch Zukäufe von Schweröl und Diesel aus der Region zu kompensieren. Dies hat wesentlich zum derzeitigen Haushaltsdefizit i.H.v. ca. 1,5 Mrd. Euro (Jan. - Okt. 2013) ohne ausländische Zuwendungen und zum sprunghaften Ansteigen der öffentlichen Verschuldung (2012 ca. 80% des BIP, gesetzliche Obergrenze liegt bei 60%) beigetragen. Berücksichtigt man die ausländischen Zuwendungen, die in den ersten zehn Monaten 2013 ins Land flossen, reduziert sich das Haushaltsdefizit auf ca, 920 Mio. Euro.

Die jordanische Wirtschaft ist stark dienstleistungslastig (66% Anteil am BIP - hauptsächlich Tourismus, Banken/Finanzdienstleistungen, IT) mit deutlichem Abstand gefolgt vom produzierenden Gewerbe (30% Anteil am BIP - vor allem Textilindustrie, Bau, Chemie) sowie der Landwirtschaft (4% Anteil am BIP). Das produzierende Gewerbe ist lediglich bei Textilien sowie in chemischen und pharmazeutischen Nischenmärkten regional von Bedeutung. Der Export nach Europa scheitert oft an der Nichteinhaltung der EU-Standards. Wichtige Elemente wie der Schutz von Eigentumsrechten und deren gerichtliche Durchsetzung sind auf akzeptablem Niveau implementiert.

Kennzeichnend für alle Sektoren ist, dass Klein- und Mittelständische Unternehmen die Masse der Wirtschaftsleistung im Privatsektor erbringen. Das produzierende Gewerbe steht für 90% der jordanischen Exporte und ist vorwiegend in einer Reihe von Industriezonen bzw. Freihandelszonen ansässig. Hauptabsatzgebiete sind Saudi Arabien, Irak, Indien sowie die USA.

Jordanien ist seit dem Jahr 2000 Mitglied der WTO (Welthandelsorganisation). Einige Freihandelsabkommen, beispielsweise mit den USA (September 2001), den Ländern des Golf-Kooperationsrates (Greater Arab Free Trade Area - GAFTA – Januar 1998), Kanada (Oktober 2012) und nicht zuletzt das Assoziierungsabkommen mit der EU (Mai 2002) setzten wichtige wirtschaftliche Akzente. Ende Oktober 2010 verabschiedete der Assoziationsrat EU-Jordanien einen Aktionsplan, der nach dem Willen beider Seiten einen „fortgeschrittenen Status“ der Partnerschaft vorsieht. Damit werden die Bereiche der Zusammenarbeit zwischen Jordanien und der EU erweitert und neue Möglichkeiten in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen eröffnet. Seit August 2010 besteht ein Investitionsförder- und schutzabkommen zwischen Deutschland und Jordanien, das die Wirtschaftsbeziehungen weiter verbessern wird.

Die jordanische Wirtschaft hängt stark von ausländischen Zuwendungen und den Rücküberweisungen von Auslandsjordaniern sowie ausländischen Direktinvestitionen ab. Aufgrund ihrer Struktur ist sie anfällig für externe Schocks und wird dies auch auf absehbare Zeit so bleiben.

Umweltpolitik

Ein Umweltbewusstsein ist in Jordanien kaum vorhanden. Mehrere Initiativen wie beispielsweise die Queen Alia Competition oder die Königliche Naturschutzgesellschaft versuchen dieses insbesondere in Schulen und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche zu etablieren.

Das jordanische Umweltministerium wurde im Jahr 2003 gegründet. Das Umweltschutzgesetz datiert aus dem Jahr 2006. Hauptaufgabe des Umweltministeriums ist die Erarbeitung und Durchsetzung von gesetzlichen Regeln, etwa zu Schadstoffausstoß, Gewässerqualität oder Abfallbehandlung. Ferner wird versucht, die sogenannte „Green Economy“ bekannt zu machen. 2008 wurde eine dem Innenministerium unterstellte Umweltpolizei („Ranger“) als Überwachungs- und Kontrollinstrument eingerichtet. Deutschland unterstützt die Umweltpolizei mit einem Berater.

Die 1966 gegründete Königliche Naturschutzgesellschaft (RSCN) arbeitet erfolgreich an der Einrichtung und Ausweitung von Schutzgebieten. Bisher existieren in Jordanien sieben ausgewiesene Naturschutzgebiete: Dana, Wadi Mujib, Azraq, Shaumari, Dibeen, Ajloun, and Wadi Rum, die eine Gesamtfläche von 1200 km2 umfassen. Ein weiteres Schutzgebiet soll in absehbarer Zeit in Burqu entstehen. In den kommenden Jahren sollen auch in Fifa, Qatar, Jabal Masauda, and Yarmouk Schutzgebiete ausgewiesen werden.

Die RSCN ist vom jordanischen Landwirtschaftsministerium beauftragt, die Einhaltung der Bestimmungen des „Wildlife Protection Act“ in enger Kooperation mit der Umweltpolizei zu überwachen. Darüber hinaus wurde die RSCN auch als zuständige jordanische Durchführungs- und Aufsichtsbehörde für die Umsetzung Washingtoner Artenschutzabkommens bestimmt.

Noch weitgehend ungenutzt ist in Jordanien das Potential für erneuerbare Energien und effiziente Energienutzung, obwohl große Potentiale bei der Windenergie und der Solarthermie bestehen. Der Anteil erneuerbarer Energie am Primärenergieverbrauch Jordaniens im Jahr 2012 betrug lediglich 2%.

Ein Erneuerbare Energie- und Energieeffizienzgesetz trat im April 2012 in Kraft, ergänzt um Ausführungsbestimmungen, die die Einspeisetarife für erneuerbare Energie in das jordanische Stromnetz regeln. Hierdurch wurde die Grundlage für eine stärkere Beteiligung der Privatwirtschaft an Investitionen in diesem Bereich gelegt. Seit Inkrafttreten des Gesetzes und der entsprechender Ausführungsbestimmungen sind von der jordanischen Regierung verschiedene erneuerbare Energieprojekte ausgeschrieben worden. Ziel der jordanischen Regierung ist es, bis zum Jahr 2020 10 Prozent der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen zu realisieren.

Auf Grundlage des Gesetzes wurde 2012 auch ein Renewable Energy and Energy Efficiency Fund geschaffen, der Energieeffizienzprogramme, Medienkampagnen sowie Aus- und Fortbildungsmaßnahmen in diesem Bereich finanziell unterstützen soll.

Bisher kaum berücksichtigt sind die Aspekte Energieeffizienz sowie Recycling. Weder öffentliche noch private Gebäude entsprechen modernen Effizienzgesichtspunkten. Mülltrennung und Recycling sind bis auf wenige Pilotprojekte beinahe unbekannt.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.