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Wirtschaft

Stand: September 2016

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Mit einer Bevölkerung von 9,5 Mio. und einem BIP 2015 von rund 33,8 Mrd. Euro (pro Kopf ca. 3900 Euro) zählt Jordanien zu den sogenannten „upper middle income“ Ländern. Der Reichtum im Land ist jedoch ungleich verteilt. Weltbank-Angaben zufolge lebt ca. ein Drittel der Bevölkerung für mindestens ein Quartal im Jahr in Armut. Die Arbeitslosenquote liegt 2016 bei 14,6%. Insbesondere die steigende  Jugendarbeitslosigkeit (ca. 38% bei den 15-24-Jährigen) stellt Jordanien vor massive Probleme.

Der jordanische Staat ist der größte Arbeitgeber, gefolgt von UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten). 56% der in Beschäftigung stehenden jordanischen Arbeitskräfte sind im formalen Sektor tätig (34% im öffentlichen Bereich und 22% in der Privatwirtschaft). 44% der jordanischen Arbeitskräfte arbeiten im informellen Sektor (vor allem Einzelhandel, Handwerk, Dienstleistungen, , Bau, Landwirtschaft).

Jordanien ist ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe und industrielle Basis. Es ist zudem eines der wasserärmsten Länder der Welt. Zu den vorhandenen Ressourcen und Hauptexportgütern zählen Kali und Phosphat. Darüber hinaus gibt es Ölschiefer- und Uranvorkommen, die verstärkt zur Energieerzeugung genutzt werden sollen. Jordanien ist zu ca. 97% von Energieimporten. Den Wegfall der ägyptischen Gaslieferungen zu Vorzugspreisen - 2011 kam es zur Unterbrechung durch terroristischen Angriffen auf die Sinai-Pipeline – musste Jordanien durch Zukäufe von Erdölprodukten zu damals sehr hohen Weltmarktpreisen kompensieren, was zu einem schnell steigenden Defizit beim  staatlichen Elektrizitätsversorger NEPCO führte. Dies hat wesentlich zum weiteren Ansteigen der öffentlichen Verschuldung (Prognose für 2016: 94% des BIP) beigetragen.

Die jordanische Wirtschaft ist stark dienstleistungslastig (Anteil am BIP 67,4% - hauptsächlich Tourismus, Banken/Finanzdienstleistungen, IT) mit deutlichem Abstand gefolgt vom produzierenden Gewerbe (Anteil am BIP 29,3% - vor allem Textilindustrie, Bau, Chemie) sowie der Landwirtschaft (Anteil am BIP 3,2%). Das produzierende Gewerbe ist lediglich bei Textilien sowie in chemischen und pharmazeutischen Nischenmärkten regional von Bedeutung. Der Export nach Europa scheitert oft an der Nichteinhaltung der EU-Standards. Kennzeichnend für alle Sektoren ist, dass Klein- und mittelständische Unternehmen die Masse der Wirtschaftsleistung im Privatsektor erbringen. Das produzierende Gewerbe steht für 90% der jordanischen Exporte und ist vorwiegend in einer Reihe von Industriezonen bzw. Freihandelszonen ansässig. Hauptabsatzgebiete sind Saudi Arabien, Irak, Indien sowie die USA.

Jordanien ist seit dem Jahr 2000 Mitglied der WTO (Welthandelsorganisation). Einige Freihandelsabkommen, beispielsweise mit den USA (September 2001), den Ländern des Golf-Kooperationsrates (Greater Arab Free Trade Area - GAFTA – Januar 1998), Kanada (Oktober 2012) und nicht zuletzt das Assoziierungsabkommen mit der EU (Mai 2002) setzten wichtige wirtschaftliche Akzente. Ende Oktober 2010 wurde der Partnerschaft ein „fortgeschrittener Status“ zuerkannt. Damit werden die Bereiche der Zusammenarbeit zwischen Jordanien und der EU erweitert und neue Möglichkeiten in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen eröffnet. Seit August 2010 besteht ein Investitionsförder- und -schutzabkommen zwischen Deutschland und Jordanien, das die Wirtschaftsbeziehungen weiter verbessern wird. Im Juli wurden die EU-Herkunftsregeln  für  50 Produktgruppen in 18 Sonderwirtschaftszonen erleichtert für Unternehmen, die einen Mindestanteil syrische Flüchtlinge beschäftigen (15 Prozent im ersten Jahr, 25 Prozent ab dem dritten). (Mehr dazu finden Sie hier:  www.auswaertiges-amt.de  ). So sollen Exporte aus Jordanien in die EU erleichtert und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. 

Die jordanische Wirtschaft hängt stark von ausländischen Zuwendungen und den Rücküberweisungen von Auslandsjordaniern sowie ausländischen Direktinvestitionen ab. Aufgrund ihrer Struktur ist sie anfällig für externe Schocks und wird dies auch auf absehbare Zeit so bleiben.

Umweltpolitik

Ein Umweltbewusstsein ist in Jordanien kaum vorhanden. Mehrere Initiativen wie beispielsweise die Queen Alia Competition oder die Königliche Naturschutzgesellschaft versuchen dieses insbesondere in Schulen und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche zu etablieren.

Das jordanische Umweltministerium wurde im Jahr 2003 gegründet. Das Umweltschutzgesetz datiert aus dem Jahr 2006, eine überarbeitet Fassung ist gegenwärtig im Gesetzgebungsprozess. Hauptaufgabe des Umweltministeriums ist die Erarbeitung und Durchsetzung von gesetzlichen Regeln, etwa zu Schadstoffausstoß, Gewässerqualität oder Abfallbehandlung. Darüber hinaus koordiniert das Umweltministerium als UNFCCC Focal Point die klimapolitischen Maßnahmen Jordaniens. 2008 wurde eine dem Innenministerium unterstellte Umweltpolizei („Ranger“) als Überwachungs- und Kontrollinstrument eingerichtet. Deutschland unterstützt sowohl das Ministerium, als auch die Umweltpolizei im Rahmen mehrere Projekte.

Die 1966 gegründete Königliche Naturschutzgesellschaft (RSCN) arbeitet erfolgreich an der Einrichtung und Ausweitung von Schutzgebieten. Bisher existieren in Jordanien sieben ausgewiesene Naturschutzgebiete: Dana, Wadi Mujib, Azraq, Shaumari, Dibeen, Ajloun und Wadi Rum, die eine Gesamtfläche von 1200 Quadratkilometer umfassen. Ein weiteres Schutzgebiet soll in absehbarer Zeit in Burqu entstehen. In den kommenden Jahren sollen auch in Fifa, Qatar, Jabal Masauda und Yarmouk Schutzgebiete ausgewiesen werden.

Die RSCN ist vom jordanischen Landwirtschaftsministerium beauftragt, die Einhaltung der Bestimmungen des „Wildlife Protection Act“ in enger Kooperation mit der Umweltpolizei zu überwachen. Darüber hinaus wurde die RSCN auch als zuständige jordanische Durchführungs- und Aufsichtsbehörde für die Umsetzung Washingtoner Artenschutzabkommens bestimmt.

Das Interesse an erneuerbaren Energien ,insbesondere Windenergie und  Solarthermie, ist in Jordanien seit 2012 deutlich gestiegen. Als eines der ersten Länder in der Region Nahost und Maghreb wurden in Jordanien die rechtlichen Rahmenbedingungen für Einspeisetarife und das Net-Metering-Konzept eingeführt. Ein Erneuerbare Energie- und Energieeffizienzgesetz trat im April 2012 in Kraft, ergänzt um Ausführungsbestimmungen, die die Einspeisetarife für erneuerbare Energie in das jordanische Stromnetz regeln. Hierdurch wurde die Grundlage für eine stärkere Beteiligung der Privatwirtschaft an Investitionen in diesem Bereich gelegt, wodurch sich auch Chancen für die deutsche Erneuerbare-Energien-Industrie bieten. Seit Inkrafttreten des Gesetzes und der entsprechender Ausführungsbestimmungen sind von der jordanischen Regierung in bisher zwei Bieterrunden verschiedene erneuerbare Energieprojekte ausgeschrieben worden. Insgesamt wird derzeit eine Kapazität von 1000 MW an Projekten entwickelt. Eine dritte Bieterrunde soll in Kürze erfolgen. Ziel der jordanischen Regierung ist es, bis zum Jahr 2020 20 Prozent der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen zu realisieren.

Auf Grundlage des Gesetzes wurde 2012 auch ein Renewable Energy and Energy Efficiency Fund geschaffen, der Energieeffizienzprogramme, Medienkampagnen sowie Aus- und Fortbildungsmaßnahmen in diesem Bereich finanziell unterstützen soll.

Bisher kaum berücksichtigt sind die Aspekte Energieeffizienz sowie Recycling. Weder öffentliche noch private Gebäude entsprechen modernen Effizienzgesichtspunkten. Mülltrennung und Recycling sind bis auf wenige Pilotprojekte beinahe unbekannt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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