Hauptinhalt
Beziehungen zu Deutschland
Stand: März 2012
Politische Beziehungen
Die deutsch-isländischen Beziehungen sind ausgezeichnet und vielfältig: in Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Tourismus. 2012 begehen Deutschland und Island das 60-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Island arbeitet mit Deutschland politisch eng zusammen, vor allem in den Vereinten Nationen (VN) und der NATO. Das Verhältnis ist geprägt durch gemeinsame Werte und Übereinstimmung in vielen aktuellen Fragen der internationalen Politik. Deutschland gehört für Island zu den zentralen Gesprächspartnern in Europa. Bundesregierung und Bundestag unterstützen einhellig den EU-Beitrittsantrag Islands. Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurðardóttir traf bei ihrem offiziellen Besuch am 11. Juli 2011 in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen. Der letzte Besuch des isländischen Außenministers Össur Skarphéðinsson in Deutschland, bei dem er Bundesaußenminister Westerwelle traf, fand anlässlich der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2011 statt, auf der Island Gastland war.
Wirtschaftsbeziehungen
Deutschland und Island sind im Europäischen Wirtschaftsraum verbunden und haben enge Wirtschaftsbeziehungen. Das Handelsvolumen stieg 2011 um 9,2% und erreichte den historischen Rekord von 1,065 Mrd. € (2010: 0,975 Mrd. €). Deutschland importierte aus Island Güter im Wert von 769 Mio. € (2010: 710 Mio. €; Zuwachs 2011: +8,4%, 2010: +36%) und exportierte nach Island Waren im Wert von 295,8 Mio. € (2010: 266 Mio. €; Zunahme +11,4%). Island liefert zu über 80% verarbeitete Produkte, vor allem Aluminium und Fisch. Es erzielte 2011 einen Handelsüberschuss von 473,3 Mio. € (2010: 444 Mio. €), d.h. einen substanziellen Beitrag zu seiner wirtschaftlichen Erholung (ca. 5% seines BIP). Deutschland exportiert hauptsächlich Kfz, Maschinen und Elektrotechnik. Nach dem starken Einbruch wegen der isländischen Finanzkrise und Investitionsschwäche erholen sich die deutschen Ausfuhren nach Island allmählich wieder. Unter den Bestimmungsländern deutscher Ausfuhren belegt Island Platz 93 (von 234) und bei den Ursprungsländern deutscher Einfuhren Platz 69 (Zahlen: Statistisches Bundesamt).
Nach der isländischen Statistik, die die Bestimmungsländer isländischer Exporte weniger genau erfasst, lag Deutschland 2010 an zweiter Stelle der Handelspartner hinter den Niederlanden beim Umsatz und bei isländischen Exporten. Unter den Lieferanten isländischer Importe lag Deutschland an fünfter Stelle nach Norwegen, Brasilien, den Niederlanden und den USA.
Die Fischverarbeitung in Bremerhaven und Cuxhaven ist auf den Import isländischer Frischfische angewiesen; zunehmend werden Frischfisch und Fischereiprodukte per Luftfracht nach Deutschland importiert.
Seit 1993 tagt die Deutsch-Isländische Regierungskommission für EU- und Wirtschaftsfragen jährlich abwechselnd in Island und Deutschland. Die deutsche Auslandshandelskammer Island bildet mit rund 80 Mitgliedsunternehmen aus sämtlichen Branchen in beiden Ländern ein Netzwerk zur Förderung der wirtschaftlichen Kooperation.
Es bestehen zahlreiche Flugverbindungen zwischen Island und deutschen Städten. Mit über 54.000 Islandreisenden pro Jahr sowie im Hinblick auf Aufenthaltsdauer/ Übernachtungszahl in Hotels lag Deutschland 2010 an der Spitze.
Deutsche Anleger bei der zusammengebrochenen isländischen Kaupthing Bank wurden 2009 entschädigt.
Deutsch-Isländische Wirtschaftsvereinigung
Kultureller Austausch
Die deutsch-isländischen Kulturbeziehungen reichen über tausend Jahre bis zur Christianisierung Islands zurück. Island war bis 1103 dem Erzbistum Hamburg-Bremen unterstellt. Der erste isländische Bischof wurde in Bremen geweiht. Mit dem Islandhandel deutscher Hansekaufleute im 16. Jahrhundert kamen auch Buchdruckerkunst (in Hamburg erster Druck einer isländischen Schrift und Verschiffung der ersten Druckpresse nach Island) und Impulse der Reformation nach Island.
Im 19. Jahrhundert gab es enge Kontakte zwischen führenden deutschen Persönlichkeiten der altnordischen Germanistik (Übersetzer der Edda und der Sagas) und Initiatoren der isländischen Unabhängigkeitsbewegung sowie stärkeren literarischen Austauschs (Romantiker). Der Rechtshistoriker Konrad Maurer (1823-1902) genießt in Island wegen seiner pro-isländischen Stellungnahme im damaligen Verfassungsstreit mit Dänemark und seinem vielschichtigen Interesse für das Land (Islandreise 1858, erste Veröffentlichung isländischer Volkssagen in Deutschland) hohes Ansehen. Im 20. Jahrhundert verstärkte sich der Kulturaustausch nicht zuletzt durch zahlreiche prominente isländische Kulturschaffende mit Deutschlanderfahrungen, darunter Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness.
Heute gestaltet sich der Austausch in Literatur/Sprache, bildender und darstellender Kunst, Musik und Wissenschaft sehr rege und vielfältig. Das Jahr 2011 bildet einen besonderen Höhepunkt: Island tritt als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse unter dem Motto "Sagenhaftes Island" auf und präsentiert etwa 200 deutsche Übersetzungen isländischer Bücher, darunter auch eine Neuausgabe der Sagas. Nobelpreisträgerin Herta Müller und andere deutsche Autoren nahmen 2011 am internationalen Literaturfestival Reykjavík teil. Erstmals fand März 2011 ein deutsches Filmfestival in Island statt.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist durch eine an die Universität Island entsandte Deutsch-Lektorin vertreten. Das Goethe-Institut fördert die deutsche Sprache in Island und den deutsch-isländischen Kulturaustausch. Seit der Schließung des Goethe-Instituts Reykjavik 1998 wird Island vom Goethe-Institut in Kopenhagen betreut. Die Bibliothek Hafnarfjörður erhielt die Bestände des Goethe-Instituts und wird von diesem durch regelmäßige Stiftung neuer Bücher/Filme unterstützt. Zu den weiteren Trägern der Kulturbeziehungen gehören die Germanistische Abteilung der Universität Islands, der isländische Deutschlehrerverband (Deutsch ist Wahlfach an Sekundarschulen), die deutsch-isländische Kulturgesellschaft "Germania" in Reykjavík, die aktive Städtepartnerschaft Hafnarfjörður-Cuxhaven, das Deutsch-Isländische Netzwerk in Reykjavik, der Deutsch-Isländische Freundeskreis Südisland in Selfoss, die ehemaligen Humboldt-Stipendiaten in Reykjavík sowie mehrere Deutsch-Isländische Gesellschaften in Deutschland. Mit isländischer Kofinanzierung wurde an der Humboldt Universität Berlin im März 2002 ein Lektorat für Isländisch eingerichtet . Auch andere deutsche Universitäten bieten Isländisch an.
Seit den ersten Islandreisen deutscher Naturwissenschaftler im 19. Jahrhundert wie Robert Bunsen (Islandaufenthalt 1846, Erklärung des Geysir-Phänomens) hat sich die wissenschaftliche Zusammenarbeit stark entwickelt und erstreckt sich heute auf Gebiete von der Meeres- und Arktisforschung bis zur Rechtswissenschaft.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
