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Irland

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: Oktober 2016

Bildungssystem

Der Bildungsetat Irlands beträgt 2017 ca. 9,5 Mrd. Euro. Für die nächsten Jahre soll das Budget nur geringfügig steigen. Um im laufenden und den kommenden Jahren die steigende Anzahl an Schülern mit ausreichend Lehrern zu versorgen, sollen im Jahre 2017 2.400 zusätzliche Lehrer eingestellt werden..

Das irische Bildungssystem ist dreistufig angelegt: Primary School (Grundschule), Secondary School (Weiterführende Schule) und Higher – „third level“ – Education).

Die zum großen Teil unter Trägerschaft der katholischen Kirche stehenden öffentlichen Primarschulen sind schulgeldfrei. Privatschulen, deren Zahl in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat, erheben zum Teil beträchtliche Schulgebühren. Allerdings werden die dort beschäftigten Lehrkräfte vom irischen Staat bezahlt. Eine Initiative der Regierung, sukzessive Schulen aus der Trägerschaft der katholischen Kirche herauszulösen und ihre Umwandlung in nicht- oder multikonfessionelle Einrichtungen zu betreiben, kommt nur schleppend voran. Gleichzeitig wächst der öffentliche Druck von Eltern, die große Schwierigkeiten haben, für nicht katholisch getaufte Kinder in zumutbarer Entfernung eine Schule zu finden.

Die Ergebnisse der zentralen staatlichen Abschlussprüfung („leaving certificate“) entscheiden über den Zugang zu den Hochschulen des Landes. 2015 bestritten 56.587 Schüler die Abschlussprüfung. Von diesen bewarben sich 47.654 auf Studienplätze. Der von der OECD zwischen 2000 und 2009 festgestellte starke Leistungsabfall in den schulischen Grundfertigkeiten konnte zwischenzeitlich gestoppt werden. Die letzte PISA-Studie zeigt für Irland wieder einen leichten Aufwärtstrend. Irland befindet sich im Vergleich zu  den europäischen Partnerländern im Mittelfeld. Ursächlich hierfür ist die Vergabe von Bonuspunkten für Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer.

Zu den Hauptzielen der Regierung gehört eine umfassende Reform des irischen Bildungssystems. Hierzu sollen zunächst die Anforderungen für das „junior certificate“ (Sekundarschulabschluss I) und das „leaving certificate“ (Sekundarschulabschluss II) geändert werden. Ein weiterer Schritt auf diesem Wege ist die Reform des Zulassungssystems für die Universitäten. Es wurde ein neues Punktesystem für die Vergabe von Studienplätzen eingerichtet. Es soll für den Abschlussjahrgang 2017 erstmalig Anwendung finden. Anreize für Schülerinnen und Schüler, die sich bei der Fächerwahl für das Ansammeln benötigter Punktzahlen in eher leichteren Fächer entschieden, anstatt ihren Neigungen nachzugehen und auf beruflich benötigte Qualifikationen zu achten, sollen damit aufgehoben werden.

Traditionell haben Gewerkschaften einen erheblichen Einfluss auf die Ausgestaltung und die Fortentwicklung des Schulsystems. Allein die Primar- und Sekundarschullehrer sind in drei, Universitätsprofessoren und Dozenten in zwei verschiedenen Gewerkschaften organisiert. Die Reform des „junior certificate“ wird von einer großen Lehrergewerkschaft abgelehnt. Die Gewerkschaftsmitglieder boykottieren die für 2016 geplante Umsetzung. Sie wenden sich vor allem gegen den für Irland neuen Ansatz, dass Lehrer ihre eigenen Schüler prüfungsrelevant bewerten sollen.

Fremdsprachenunterricht

Irland liegt bei der Fremdsprachenausbildung im europäischen Vergleich zurück. Bislang gibt es keine ausformulierte Fremdsprachenpolitik. Nur 5 Prozent der irischen Studentinnen und Studenten sprechen zwei Fremdsprachen (EU: 20 Prozent). Unterrichtssprache ist Englisch, in der Schule ist die lt. Verfassung erste Amtssprache Irisch/Gälisch Pflichtfach. Als  Fremdsprachen werden bevorzugt Französisch oder Deutsch, zunehmend auch Spanisch, angeboten. Deutsch rangiert hinter Französisch auf Platz 2 vor Spanisch und Italienisch. Die Bildungsreform klammert die Förderung der modernen Fremdsprachen als Priorität aus.

Wissenschaft

Irland hat sieben Universitäten: drei in Dublin – darunter das renommierte Trinity College - und jeweils eine in Cork, Galway (mit Irisch und Englisch die einzige zweisprachige Uni), Limerick und Maynooth. Daneben gibt es 14 „Institutes of Technology“ (IoT) - vergleichbar der deutschen Fachhochschule. Durch Zusammenlegung einiger IoT oder Verschmelzung mit den Universitäten des Landes wird eine Reduzierung der Gesamtzahl der Hochschulen angestrebt. Hierdurch sollen einerseits Synergieeffekte, andererseits eine Entlastung des Bildungsetats erzielt werden. Das Niveau von Lehre und Forschung gilt trotz rückläufiger staatlicher Unterstützung im internationalen Vergleich als sehr gut, auch wenn die irischen Universitäten in den jüngsten internationalen Rankings weiterhinan Boden verloren haben. Das Trinity College belegte als am besten bewertete Universität 2016 Platz 98 im Quacquarelli Symonds (QS)-Ranking, während es 2015 noch den 78. Platz belegt hatte. Das University College Dublin belegt 2016 im QS-Ranking Platz 176 im Vergleich zu Platz 154 in 2015. Für die dennoch hohe Qualität spricht unter anderem die Tatsache, dass es in Irland rund 80 Alumni der Alexander von Humboldt-Stiftung gibt. Alle Universitäten verfügen über einen hohen Anteil an ausländischen Professoren, Dozenten und akademischem Personal. Die Vernetzung mit ausländischen Universitäten ist hervorragend, insbesondere im Rahmen internationaler Förderprogramme wie z. B. Erasmus.

Kulturpolitik

Die Iren sind eine Kulturnation westeuropäischer Prägung mit starken amerikanischen Einflüssen. Vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen Anbindung an Großbritannien gibt es einen parteiübergreifenden Konsens, die eigene Kultur und den Gebrauch der irischen Sprache mit besonderem Engagement zu fördern. Das Interesse der irischen Diaspora, vor allem in den USA, und vieler ausländischer Irlandliebhaber an irischer Kultur kommt dem entgegen. Irisch, offiziell die erste Landessprache, ist zwar an allen öffentlichen Schulen Pflichtfach (s.o.), wird jedoch nur von rund 77.000 Menschen in den "Gaeltachts" (irische "Sprachinseln" im Westen und Süden des Landes) und anderen Landesteilen täglich außerhalb des Bildungssystems benutzt (Quelle: Census 2011).

Die Förderung von Kunst erfolgt hauptsächlich über den Arts Council, einem von der Regierung ernannten Gremium mit der Aufgabe, irische Kunst zu entwickeln, zu fördern und zu bewerben. Für 2016 stehen ihm 60,1 Millionen Euro an staatlichen Mitteln zur Verfügung. Hiermit wurde der Kunstetat im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht, er verbleibt jedoch weit unter dem Budget von 83 Millionen Euro, das ihm 2007 und somit vor der Wirtschaftskrise zur Verfügung stand. Hinzu kommen Mittel zur Förderung von Filmprojekten. Die Regierung hofft, internationale Filmstudios in Irland ansiedeln zu können. Besondere Förderung erhalten 2016 die Gedenkfeierlichkeiten zum 100jährigen Jubiläum des Osteraufstandes von 1916.

Das kulturelle Leben ist vielfältig und durch eine bunte Reihe namhafter internationaler Festivals vor allem in den Bereichen Film, Theater und Literatur gekennzeichnet. Das bevölkerungsmäßig kleine Land hat viele bekannte Schriftsteller hervorgebracht, darunter allein vier Nobelpreisträger: William Butler Yeats 1923, George Bernard Shaw 1925, Samuel Beckett 1969 und Seamus Heaney 1995. Letzterer ist im Sommer 2013 verstorben.

Medien

In Irland spielen Radio und Printmedien eine vergleichsweise große Rolle. Die Berichterstattung ist weitgehend frei von staatlichen und kirchlichen Einflüssen. Reporter ohne Grenzen sah Irland 2016 auf Platz 9 der Rangliste der Pressefreiheit. Es dominieren nationale Themen bzw. Themen aus dem englischsprachigen Ausland. Vor allem international interessierte Iren greifen häufig auf Medien des UK zurück.

a. Radio
Nach Angaben der staatlichen Radioanstalt RTE hören 83% der irischen Bevölkerung täglich Radio. Der größte und halb-staatliche Sender RTE bietet drei englischsprachige und ein irischsprachiges Programm an.  Daneben bieten auch die privaten Anbieter Newstalk 106 und Today FM ein nationales Radioprogramm an. Es gibt zahlreiche örtliche Radiosender.

b. Fernsehen
Neben den staatlichen Anbietern RTE 1, RTE 2 und TG 4 (irischsprachig) gibt es mehrere private irische Sender, der größte davon TV3. Daneben werden britische Sender viel gesehen, v.a. BBC Northern Ireland.

c. Zeitungen
Nach Angaben des irischen  Zeitungsverbandes lesen 83% der 4,6 Millionen Iren regelmäßig Zeitung. Von den großen politischen Tageszeitungen kommt nach Angaben des Audit Bureau of Circulations der Irish Independent im ersten Halbjahr 2016 auf eine Auflage von 102,537, die Irish Times auf 72.011 Printexemplare sowie 9.875 in der digitalen Version  und der Herald auf 44.085 Exemplare. Die Regenbogenpresse dominieren der Daily Star mit 46.524 Exemplaren und die Irish Sun (Ableger der UK Sun) mit 59,813 Exemplaren. Beachtlich ist die Auflage der Wochenzeitungen Sunday Independent mit 199,210 und Sunday World mit 162,938 Exemplaren. Die Irish Times hat als einzige irische Zeitung einen Deutschlandkorrespondenten und widmet aktuellen Entwicklungen in Deutschland regelmäßig Aufmerksamkeit.

d. Soziale Medien
Das junge Durchschnittsalter in Irland von 35 Jahren schlägt sich auch in der Nutzung sozialer Medien nieder. 60 % der Bevölkerung sind Mitglied bei Facebook, 72 % davon täglich aktiv. 26% der Iren nutzen Twitter, davon 35% täglich.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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