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Außenpolitik
Stand: Januar 2012
Beziehungen Iraks zu den USA
Die Beziehungen zwischen Irak und den USA unterliegen einem deutlichen Wandel. Mit dem Abzug der letzten Kampfbrigade im August 2010 wurde offiziell die „Operation Iraqi Freedom“ beendet. Die restlichen Soldaten, die zur Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte, zur Unterstützung bei Anti-Terroreinsätzen und zum Schutz der US-Einrichtungen im Land verblieben waren, haben Irak am 18.12.2011 verlassen. Dieser Abzug war in dem „Agreement between the USA and the Republic of Iraq on the Withdrawal of US Forces from Iraq and the organization of their acitivities during their temporary presence in Iraq“ festgeschrieben, das zum 1. Januar 2009 in Kraft trat.
Beziehungen Iraks zu seinen Nachbarstaaten
Unter seinen Nachbarstaaten unterhält Irak volle diplomatische Beziehungen derzeit zur Türkei, Jordanien, Iran, Syrien und Kuwait. Am 13. Februar 2007 wurde die irakische Botschaft in Riad wiedereröffnet; Saudi-Arabien hat bis heute allerdings keinen Botschafter nach Bagdad entsandt.
Das Verhältnis Iraks zu anderen arabischen Staaten verbessert sich zusehends, dies nachdem zahlreiche arabische Diplomaten nach 2003 Opfer von Gewalt in Bagdad geworden waren. So entsandte Kairo im Juni 2009 wieder einen Botschafter nach Bagdad und im November 2010 einen Generalkonsul nach Erbil.
Das Verhältnis zu Syrien ist derzeit von den gewaltätigen Auseinandersetzungen im Nachbarstaat überschattet. Noch im Jahr 2009 war es zuVerstimmungen zwischen den beiden Ländern gekommen, nachdem Bagdad den Vorwurf erhoben hatte, Damaskus würde ehemaligen Kadern der Baath-Partei Unterschlupf gewähren, die an den Anschlägen vom 19. August 2009 in Bagdad (u.a. gegen das Außenministerium) beteiligt gewesen seien. Die irakische Regierung ist mittlerweile von dieser Behauptung abgerückt .
Die Beziehungen zur Türkei haben sich seit 2008 deutlich verbessert, der Handel zwischen beiden Ländern wächst rapide. Allein die Aktivitäten der "Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK) im Nordirak haben immer wieder den Einsatz türkischer Streitkräfte im Grenzgebiet zu Folge; dies hat allerdings kaum Auswirkung auf die irakisch-türkischen Beziehungen. Auch die Beziehungen zwischen der kurdischen Regionalregierung und der Türkei haben sich stark verbessert. Die Türkei hat dort im Frühjahr 2010 ein Generalkonsulat eröffnet. Die Türkei sieht sich nach wie vor in einer Schutzmachtrolle für die turkmenische Minderheit in Irak.
Besondere Beziehungen unterhält Irak zu seinem nördlichen Nachbarn Iran, die durch eine wechselhafte Geschichte gekennzeichnet werden. Trotz des verlustreichen Krieges zwischen den beiden Staaten in den achtziger Jahren sind die Beziehungen historisch sehr eng. Sowohl auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene wie auch zwischen den Regierungen bestehen vielfältige, von sehr unterschiedlichen Interessen getragene Verbindungen. Tausende iranischer Pilger reisen jedes Jahr zu den heiligen Orten der Schiiten in Irak, u.a. nach Kerbela und Najaf.
Beziehungen der Region Kurdistan-Irak
Die Region Kurdistan-Irak unterhält intensive internationale Kontakte unterhalb der diplomatischen Ebene. Rund 15 Staaten, darunter Deutschland, Frankreich, die USA, Russland, Türkei, Iran und Ägypten sind mit Generalkonsulaten, Verbindungsbüros oder Honorarkonsuln in Erbil vertreten. Die Kurdische Regionalregierung hat Vertretungsbüros in 12 Hauptstädten außerhalb Iraks, darunter Berlin, Paris, London, Rom und Washington.
Nachbarstaatenprozess
Der multilaterale Ansatz zur Lösung der innerirakischen Fragen begann 2007 mit einer Außenministerkonferenz im ägyptischen Scharm-El Scheikh. Auf der erweiterten Nachbarstaaten-Konferenz, an der neben Irak und dessen Nachbarn (Jordanien, Syrien, Türkei, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien) die fünf ständigen Mitglieder des VN-Sicherheitsrates, die G8-Staaten (darunter Deutschland) sowie Ägypten und Bahrain ebenso wie Vertreter der Vereinten Nationen, der Arabische Liga und der Organisation der Islamischen Konferenz vertreten waren, bekannten sich die Teilnehmer zur gemeinsamen Verantwortung für die Sicherheit in Irak. Nach mehreren Folgekonferenzen und der Einrichtung von Arbeitsgruppen hat der Nachbarstaatenprozess seit einiger Zeit an Dynamik verloren. Irak setzt seither in der Außenpolitik wieder stärker auf bilaterale Kontakte.
Die Vereinten Nationen und Irak
Die VN-Unterstützungsmission UNAMI (United Nations Assistance Mission for Iraq) wurde am 14. August 2003 durch Resolution 1500 des VN-Sicherheitsrats geschaffen. Das Mandat wurde im Juli 2011 mit Resolution 2011 einstimmig bis zum 31. Juli 2012 verlängert. UNAMI hat derzeit über 1000 Mitarbeiter, davon sind zirka 800 ziviles und zirka 230 militärisches Personal. Insgesamt sind ca. 16 VN-Organisationen in Irak aktiv, die von UNAMI koordiniert werden. Leiter der Mission ist seit Oktober 2011 der deutsche Diplomat Martin Kobler. UNAMI legt dem Generalsekretär der Vereinten Nationen vierteljährlich einen Bericht über ihre Aktivitäten vor; zusätzlich erscheint alle sechs Monate ein Bericht über die Menschenrechtslage in Irak.
2003 hatten die Vereinten Nationen (VN) ihre Arbeit in Irak aufgenommen. Nach einem schweren Anschlag auf das Gebäude der VN in Bagdad am 19. August 2003, bei dem auch der damalige VN-Sondergesandte de Mello ums Leben kam, sowie weiteren gezielten Anschlägen auf internationale bzw. ausländische Einrichtungen zogen die VN ausländisches Personal Anfang November 2003 vorübergehend aus dem Land ab und steuerten ihre Irak-Aktivitäten v.a. von Amman aus. Die VN blieben jedoch durch lokale Mitarbeiter einzelner Hilfsprogramme ständig in Irak engagiert.
Heute sind die VN durch UNAMI wieder wesentlich stärker im Land selbst präsent. Durch die Resolution 1770 (August 2007) wurde das Mandat erweitert und der Mission verschiedene neue Aufgabenfelder zugewiesen: Lösung von Konflikten über Binnengrenzziehungen, regionaler Dialog, Reintegration ehemaliger Angehöriger illegaler bewaffneter Gruppen, Rückkehr von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen, Geberkoordinierung im Rahmen der "International Reconstruction Fund Facility for Iraq", Wirtschaftsreformen und Kapazitätsaufbau sowie Verfassungsreform und Verfassungsimplementierung. In den Vordergrund rückten auch die bereits im ursprünglichen Mandat aus Resolution 1546/2004 enthaltenen Aufgabenbereiche nationale Aussöhnung und humanitäre Hilfe.
Die EU und Irak
Die EU baut ihren politischen Dialog mit der irakischen Regierung seit Herbst 2005 stetig aus. Die EU-Kommission ist seit Mitte 2006 mit einem Delegationsbüro in Bagdad vertreten.Büros in anderen Regionen sind im Aufbau befindlich. Im Januar 2010 wurde durch EU-Kommissar Piebalgs ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Energiekooperation zwischen der EU und Irak unterzeichnet. Ein umfassendes „Partnerschafts- und Kooperationsabkommen“ wurde bereits ausgehandelt und ist von den meisten Mitgliedstaaten der EU unterzeichnet worden.
Seit 2003 hat die Europäische Union Irak Hilfeleistungen von übereiner Milliarde Euro gewährt, dies in den Bereichen Stabilisierung und Wiederaufbau und humanitäre Hilfe. Deutschland finanziert die EU-Ausgaben zu rund 20 Prozent. Schwerpunktbereiche sind die Unterstützung der Irakischen Wahlkommission bei der Durchführung von Wahlen, der Rechtsstaatsbereich (v.a. EU-Rechtsstaatsmission EUJUST-LEX) sowie die Unterstützung von irakischen Flüchtlingen. Darüber hinaus ist die EU verstärkt engagiert in der Unterstützung des irakischen Gesundheitssektors, der juristischen Ausbildungseinrichtungen und zivilgesellschaftlicher Strukturen.
Externer Link, öffnet in neuem FensterUnterstützung der EU für Stabilisierung und Wiederaufbau
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
Stand 13.01.2012
