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Indonesien

Wirtschaftspolitik

Stand: März 2014

Wirtschaftsstruktur

Das Schwellenland Indonesien – ein Inselarchipel mit rd. 17.000 Inseln und rd. 250 Mio. Einwohnern, davon rd. 50% unter 30 Jahren- ist das ökonomische Schwergewicht der ASEAN Staaten (Association of South East Asian Nations).

Die wirtschaftlich bedeutendste der rd. 6000 bewohnten Inseln ist Java. Hier leben rund  60% der Bevölkerung des Landes auf knapp 7% der Landfläche und erwirtschaften rund 57,5% des Bruttoinlandprodukts. Wichtige Wirtschaftsregionen sind der Großraum Jakarta, Bogor, Tangerang und Bekasi in Westjava sowie Surabaya in Ostjava, Medan in Nordsumatra (Anteil Sumatra am BIP rund 24%), Bali (Anteil BIP 2,5%), Kalimantan (Anteil BIP rund 9%) und Makassar in Süd-Sulawesi (Anteil Sulawesi am BIP rd. 5%). Obwohl nur rund 9 Mio. Einwohner, stellt die chinesisch-stämmige Minderheit die wirtschaftlich erfolgreichste Bevölkerungsgruppe.

Die indonesische. Wirtschaft konnte – u.a. aufgrund starken Inlandskonsums (2013: rd. 55% BIP) und hoher Erlöse für seine exportierten Rohstoffe - die weltweiten negativen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gut überstehen.

Indonesie ist reich an mineralischen Rohstoffen und unter den weltweiten Hauptexporteuren von Kohle, Zinn, Nickel, Kupfer, Bauxit und Gold. Im Hinblick auf seine Gas- und Kohlevorkommen ist Indonesien Nettoenergieexporteur; aufgrund der seit 1995 sinkenden Erdölförderung muss das ehemalige OPEC-Land aber seit Ende 2004 zunehmend Öl importieren. Daneben besitzt Indonesien große Holzvorkommen und exportiert Agrarprodukte wie Palmöl, Kautschuk, Kakao, Tee, Kaffee und Tabak. Wichtig sind zudem die personalintensive Textil-, Bekleidungs- und Schuh- sowie die Möbelindustrie. Bei den Grundnahrungsmitteln Reis, Mais und Soja sowie Zucker ist Indonesien auf Importe angewiesen.

Die prozentualen Anteile einzelner Wirtschaftssektoren am BIP 2013 : Industrielle Fertigung rund 25%, Handel/Hotels/ Restaurants 18%, Land­wirtschaft, Forsten und Fischerei 12%, Transport und Kommunikation rund 11%, Finanz/Immobilien  und Geschäfts-Dienstleis­tungen 10%, sonstige Dienstleistungen 9%, Bergbau/Steinbruch sowie Bauwirtschaft jeweils 7%.

In Kernbereichen der Wirtschaft hält der Staat noch bedeutende Monopole oder konkurriert mit dem Privatsektor mit z.Z. noch über 100 eigenen Unternehmen – z.B. im Transportsektor, bei der Telekommunikation, der Energieversorgung, im Bausektor oder in der Finanzwirtschaft.

2013 standen rund 120 Mio. Indonesier dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Der Anteil der im informellen Sektor tätigen Arbeitnehmer beträgt etwa 60% – dort werden über 50% der Wirtschaftsleistung erbracht. Fast 40 Mio. Menschen waren im Bereich Landwirtschaft, Forsten und Fischerei beschäftigt, 25 Mio. in Handel, Hotels und Restaurants. Im Hinblick auf den Arbeitsmarkt ist Indonesien eine ausgeprägte Dienstleistungs- und Agrarwirtschaft mit einem relativ kleinen Anteil industrieller Produktion. Die offizielle Arbeitslosenquote lag 2013 bei 6,3%. Nach Angaben der Statistikbehörde leben landesweit ca.  11,5% der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze von im Schnitt ca. 25 USD/Monat.

Wirtschaftslage

Die indonesische Wirtschaft zeigte sich gegenüber den weltweiten negativen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 sehr robust.

Das BIP lag 2013 bei knapp 900 Mrd. USD, das nominelle BIP/Kopf bei rund 3.500 USD.

Nach Wachstumszahlen von zuletzt über 6% brachte das Jahr 2013 allerdings eine leichte Eintrübung auf 5,78% BIP-Wachstum. Ein Grund dafür war u.a. ein Handelsbilanzdefizit von über 4 Mrd. US-Dollar und ein Leistungsbilanzdefizit von 3,3% des BIP.

Bei sinkenden Exporten aufgrund der Folgen der Wirtschaftskrise in den USA und der EU sowie leicht zurückgehender Nachfrage nach Rohstoffen in die Hauptempfängerländer China, Indien und ASEAN (Association of South East Asian Nations) verharrten die Importe  auf hohem Niveau. Insbesondere die Ölimporte für die sich immer weiter motorisierende Bevölkerung bereiten der Zahlungsbilanz Schwierigkeiten.

Im Vergleich zum BIP Wachstum von 5,78% wuchsen insbesondere die Sektoren Transport und Kommunikation mit +10%, Finanzdienstleistungen mit +7,5% sowie die Bauwirtschaft mit +6,5% überdurchschnittlich, der Sektor Bergbau und Steinbruch mit +1,3% besonders unterdurchschnittlich, insbesondere bei Öl und Gas.

Befürchtungen, dass in Folge der anziehenden Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank Kapital aus Schwellenländern abzieht, setzte – wie auch in anderen „emerging markets“ - die Landeswährung unter Druck, die 2013 um über 20% gegenüber US-Dollar und Euro nachgab.

Nach einem Einbruch des Jakarta Aktienindex JCI in der zweiten Jahreshälfte 2013 haben sich die Kurse Anfang 2014 wieder etwa auf Vorjahresniveau bei ca. 4600 Punkten gefangen.

Die Zentralbankzinsen wurden 2013 in mehreren Schritten auf 7,5% erhöht. Die Zentralbank versuchte damit –erfolgreich- den Kursverlust der Rupiah zu stoppen. Dies kehrte auch den Rückgang der Devisenreserven um, die sich inzwischen wieder auf rd. 100 Mrd. USD erholt haben (entspricht 5,4 Monaten von Importen und Schuldendienst). Die Inflation wurde 2013 durch den Einmaleffekt erhöhter Treibstoffpreise auf über 8% katapultiert. Für 2014 wird mit wieder deutlich niedrigerer Inflation gerechnet.

Die indonesischen Banken gelten weiterhin als stabil. Insbesondere die großen Banken verfügen über ausreichend Liquidität. Die Prozentzahl Not leidender Kredite bleibt gering, die Differenz zwischen Kredit- und Anlagezinsen liegt stabil um die 5,5%.

Umweltpolitik

Das rasche Wirtschaftswachstum der letzten drei Jahrzehnte hat, trotz eines Abflachens während der Asienkrise, die Lebensqualität der meisten Indonesier sowie ihre Grundversorgung Schritt für Schritt verbessert. Eine Reihe von Umweltproblemen bedroht jedoch das nachhaltige Wachstum des Landes.

Indonesien ist mittlerweile einer der weltgrößten CO2-Emittenten,  hervorgerufen vor allem durch die fortschreitende Entwaldung als Folge des Ausbaus der Palmölproduktion, illegalen Holzeinschlags, großflächiger Trockenlegung von Torfgebieten und Brandrodung. Mangelnde Transparenz bei der Umsetzung der Gesetzgebung zum Schutz dieser Ressourcen, mangelnde zentrale Steuerung des Abbaus von natürlichen Ressourcen und das Fehlen eines zentralen Monitoringsystems für die Überwachung von Umweltparametern bilden hier die Schwachstellen. Diese sind von der Regierung erkannt und ihnen wird mit zahlreichen Maßnahmen, wie dem Nationalen Aktionsplan und den Mechanismen im Rahmen von REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation / Senkung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern) begegnet. Durch Bevölkerungswanderung in die Ballungsräume - und damit weiteres Wachstum insbesondere der Megastädte wie Jakarta - ist auch die so genannte urbane Verschmutzung zu einem zentralen Problem für die Umwelt Indonesiens geworden. Zugleich wächst das Bewusstsein, dass Wachstum und Wohlstand in Zukunft immer mit verstärkten Anstrengungen zum Klimaschutz, z.B. in Form von Erneuerbarer Energie, Energieeffizienz und Reduzierung des CO2-Ausstoßes, einhergehen muss.

Bei der Weltklimakonferenz in Bali 2007 hat sich Indonesien zu den Befürwortern international verbindlicher Klimaschutzziele gesellt. Die Senkung von Emissionen aus Entwaldung spielt für Indonesien und viele Entwicklungsländer eine wichtige Rolle. Zur Umsetzung seiner Klimaschutzziele hat Indonesien in den Folgejahren einige Institutionen reformiert. Eine koordinierende Rolle hat der Nationalen Rat für Klimawandel (National Council for Climate Change), der dem Präsidenten direkt berichtet. Inzwischen haben viele Fachministerien mit der Umsetzung von Klimaaktionsplänen begonnen, die Provinzen haben vergleichbare Orientierungen entwickelt. Diese Pläne stellen noch für einige Jahre erhebliche Mess- und Methodenprobleme.

Auf dem G20-Gipfel in Pittsburgh im Sept. 2009 hat Präsident Susilo Bambang Yudhoyono eine Verminderung der Treibhausgas-Emissionen von 26 Prozent bis 2020 vom „Business As Usual“-Niveau angekündigt und 41 Prozent bei entsprechender internationaler Hilfe. Er setzt dabei vor allem auf die Verringerung der Wald- und Torfgebietsverluste, sowie Effizienzsteigerung des Palmölanbaus, der 2014 rund 11 Mio. ha umfasst. Im Mai 2010 haben Indonesien und Norwegen einen Letter of Intent zu REDD+ unterzeichnet: Indonesien verpflichtet sich zu einem 2-jährigen Moratorium zum Stopp von Lizenzen für weitere Abholzung, Norwegen stellt im Gegenzug 1 Milliarde US-Dollar für Waldschutzmaßnahmen zur Verfügung. Das Moratorium ist seit Mai 2011 in Kraft und wurde inzwischen bis Mai 2015 verlängert. Sein Kerngehalt ist ein Umwandlungsverbot von 55 Millionen ha Primarwald und 17 Millionen ha Torfflächen. Eine REDD+-Agentur, die dem Präsidenten direkt untersteht, ist im Aufbau und soll die Fortschritte des Waldschutzes messen und begleiten, sowie einen Finanzierungsmechanismus zur Verfügung stellen.

Die deutsch-indonesische Entwicklungszusammenarbeit zum Klimaschutz wird im Kapitel Beziehungen zwischen Deutschland und Indonesien näher erläutert.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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