Hauptinhalt
Beziehungen zwischen Indonesien und Deutschland
Stand: März 2012
Politische Beziehungen
Die Beziehungen zwischen Indonesien und Deutschland sind traditionell gut und vertrauensvoll. Indonesien spielt bei der Entwicklung der europäisch-asiatischen Beziehungen eine zunehmend wichtige Rolle.
Deutschland hat in Indonesien einen guten Ruf, muss sich jedoch gegen eine starke regionale "Konkurrenz" im Wettbewerb bilateraler Beziehungen behaupten. Neue Akzente hat hierbei der Staatsbesuch des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff vom 30. November bis 2. Dezember 2011 gesetzt.
Präsident Yudhoyono war im Dezember 2009 zu Besuch in Deutschland und führte Gespräche mit dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er wurde u.a. von Außenminister Natalegawa begleitet, der auch bilateral mit Bundesminister Guido Westerwelle zusammentraf. Außenminister Natalegawa nahm zudem an der Afghanistan-Konferenz am 05. Dezember 2011 in Bonn teil. Der Besucheraustausch auf parlamentarischer Ebene nahm seitdem kräftig zu. U.a. besuchten Volker Kauder und der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, sowie Delegationen mehrerer Bundestagsausschüsse 2011 Indonesien.
Deutschland wird von Indonesien sowohl bilateral als auch in den Beziehungen zur Europäischen Union zunehmend als wichtiger Partner gesehen.
Die große Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung bei der Bewältigung der Tsunami-Katastrophe in Aceh wird von den Indonesiern nicht vergessen und zeigt positive Nachwirkungen. Die Ende 2007 erfolgreich abgeschlossenen Projekte der sog. Partnerschaftsinitiative privater Spender aus Deutschland runden das Bild deutscher Hilfe in der Not ab. Auch die nach dem Erdbeben 2009 geleistete Hilfe fand einen positiven Widerhall.
Deutschland unterstützt den Reformprozess in Indonesien durch vielfältige Projekte in den Bereichen guter Regierungsführung und Aufbau bzw. Stärkung der Verwaltungsstrukturen.
Als Land mit der größten muslimischen Bevölkerungsgruppe der Welt ist Indonesien ein wichtiger Partner Deutschlands für den Dialog über Religionsfragen. Der zweite deutsch-indonesische „inter-faith-Dialogue“ mit Vertretern der Regierungen beider Länder und zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen fand im Oktober 2011 in Berlin statt und ist Ausdruck des besonderen Engagements beider Länder, einen breiten Austausch über das Zusammenleben der Religionen zu führen. 2012 wird der dritte bilaterale „inter-faith dialogue“ in Makassar/Südsulawesi stattfinden.
Auf das 60jährige Jubiläum der bilateralen diplomatischen Beziehungen im Juni 2012 führt seit Oktober 2011 die Veranstaltungsreihe „JERIN-Jerman dan Indonesia“ hin. JERIN ist mit über 60 Auftritten in 15 indonesischen Städten präsent und ist eine Plattform zur Intensivierung der bilateralen Beziehungen in Politik, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
Wirtschaftsbeziehungen
Zur Zeit sind rund 250 deutsche Unternehmen in Indonesien vertreten, neben den "global players" zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen, die ein breites Spektrum der deutschen Wirtschaft abdecken - davon viele mit eigenen Produktionsanlagen.
Die deutsch-indonesische Industrie- und Handelskammer (AHK Indonesien / EKONID) repräsentiert die Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen und fördert den bilateralen Handel und Investitionen zwischen Indonesien und Deutschland. Die AHK berät, deutsche und indonesische Unternehmen bei der Markterschließung unterstützt bei der Anbahnung von Geschäftsbeziehungen und arbeitet intensiv mit Partnerorganisationen aus Indonesien und Europa zusammen (www.indonesien.ahk.de).
Die Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland; ihre Aufgabe ist das Marketing für den Wirtschafts-, Investitions- und Technologiestandort Deutschland einschließlich der Investorenanwerbung. Die Gesellschaft berät indonesische Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit auf den deutschen Markt ausdehnen wollen und unterstützt deutsche Unternehmen, die den indonesischen Markt erschließen will, mit Außenwirtschaftsinformationen (www.gtai.de).
Das Deutsche Industrie- und Handelszentrum (German Centre Indonesia) in Serpong (www.germancentre.co.id) leistet mittelständischen Firmen Starthilfe bei ihrem Markteintritt in Indonesien, es bietet Produktions- und Büroflächen mit kompletter Infrastruktur und einer modernen Medienanbindung.
Weiterhin sind die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Deutsche Entwicklungsbank in Indonesien vertreten.
Die Deutsche Botschaft steht im engen Kontakt mit diesen Institutionen und vermittelt gerne entsprechende Kontakte.
Im Zeitraum 2011 hat die Botschaft Delegationen des Wirtschaftsausschusses und des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, des Landwirtschaftsministeriums, des Auswärtigen Amtes, des Verkehrsministeriums und Wirtschaftsdelegationen aus Bayern, Baden-Württemberg und dem Saarland bei wirtschaftspolitischen Gesprächen mit relevanten Institutionen und Behörden in Indonesien begleitet.
Deutsch-Indonesischer Handel
Die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 hatte zu einer deutlichen Verringerung der Im-und Exporte im Verhältnis zu Indonesien um rund 10 Prozent geführt; 2010 konnte jedoch ein deutliches Anziehen des Gesamthandels - wenn auch auf niedrigem Niveau - verzeichnet werden. Die Exporte nach Indonesien legten um 26 Prozent auf rund 3 Milliarden USD zu (2009: 2,36 Milliarden USD); die Importe aus Indonesien um 28 Prozent auf gleichfalls rund 3 Milliarden USD (2009: 2,3 Milliarden USD). 2011 setzte sich dieser Trend fort - das Gesamthandelsvolumen konnte um rd. 12 Prozent auf 6,7 Mrd. EUR gesteigert werden – davon Exporte nach IDN 3,4 Mrd. EURO (+ 12 Prozent) und Importe nach Deutschland 3,3 Mrd. EURO (+9,7 Prozent)
Hauptausfuhrgüter waren Maschinen, Chemische Vor- und Enderzeugnisse, Nachrichtentechnik, Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung, elektronische Bauelemente, Metalle, Kraftfahrzeuge, und Pharmazeutische Erzeugnisse.
Haupteinfuhrgüter waren Nahrungs- und Futtermittel (hier: pflanzliche Öle und Fette), Textilien, landwirtschaftliche Erzeugnisse, elektronische Geräte, Schuhe und Erze.
Engagements deutscher Unternehmen in Indonesien
Die tief greifende Rezession der indonesischen Wirtschaft in den Jahren 1997/1998 hatte die Präsenz deutscher Unternehmen nur unwesentlich berührt. Obwohl in nahezu allen Branchen - der Anlagenbau und die Bauwirtschaft waren besonders betroffen - zahlreiche Firmen Umsatzrückgänge hinnehmen mussten, haben sich deutsche Firmen - mit wenigen Ausnahmen - nicht vom indonesischen Markt zurückgezogen. Als deutsche Firmen sind u.a. Siemens, aus dem Chemiebereich BASF, Bayer/Schering, Beiersdorf, Merck, Henkel und Südchemie in Indonesien aktiv. Ferner sind zu nennen die Allianz AG und die Deutsche Bank im Finanz- und Versicherungsbereich, die DHL, Schenker und Lufthansa im Transportsektor sowie Heidelberger Zement, Fuchs Oil und die Schott AG. Daimler/Mercedes-Benz und BMW assemblieren Autos in Indonesien und wollen ihre Produktion ausweiten.
Unternehmen wie die Siemens AG und die LINDE AG planen den Ausbau ihrer Aktivitäten im Energiesektor. Schott-Solar hat im Januar 2011 seine Aktivitäten in Indonesien wieder aufgenommen. Die deutsch-indonesische Handelskammer EKONID verzeichnet ein verstärktes Interesse deutscher Unternehmen am indonesischen Markt. Die deutschen Direktinvestitionen beliefen sich 2011 auf 159 Mio. Euro (2010: 157,6 Mio. Euro).
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit (EZ)
Indonesien ist ein Schwerpunktland für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Die deutsch-indonesische Zusammenarbeit besteht bereits seit den 1950er Jahren. Das bilaterale Portfolio konzentriert sich auf die drei Schwerpunkte Privatwirtschaft, Gute Regierungsführung sowie Klimawandel und nachhaltige Entwicklung. Deutschland ist mit Leistungen von insgesamt rund 3,35 Mrd. Euro viertgrößter bilateraler Partner Indonesiens nach Japan, Australien und den USA. Über multilaterale Institutionen wie Vereinte Nationen, Weltbank, ADB und den Entwicklungsfonds der Europäischen Union unterstützt Deutschland mit weiteren bedeutenden Beiträgen Entwicklungsprogramme in Indonesien.
Nach Regierungszusagen 2010 über neue Mittel in Höhe von 327 Mio. Euro erfolgten 2011 Zusagen über 158 Millionen Euro für die Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) und 31 Millionen Euro für die Technische Zusammenarbeit (TZ).
Innerhalb des Schwerpunkts Gute Regierungsführung/Dezentralisierung unterstützt Deutschland den Reformprozess in Indonesien durch vielfältige Projekte in den Bereichen guter Regierungsführung und Aufbau bzw. Stärkung der Verwaltungsstrukturen.
Indonesien bedient sich der deutschen Beratung (BMZ/GIZ) u. a. für die Umsetzung des indonesischen Ziels, die Treibhausgasemissionen um 26 Prozent (41 Prozent mit Hilfe der Entwicklungspartner) zu reduzieren. Die Klimaschutzvorhaben werden im Auftrag des BMZ und (seit 2008) des BMU durchgeführt.
Zur Zeit bestehen rund 30 Vorhaben der Finanziellen Zusammenarbeit (FZ) und der Technischen Zusammenarbeit (TZ). Darin sind ca. 70 Langzeitfachkräfte tätig. Hinzu kommen 11 Integrierte Fachkräfte, die durch CIM vermittelt werden.
Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ)
Indonesien ist zudem eines der Schwerpunktländer für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Asien.
Ein bilaterales Abkommen zur Zusammenarbeit in der WTZ zwischen beiden Ländern wurde 1979 abgeschlossen. Seitdem hat sich diese Zusammenarbeit erfolgreich und vertrauensvoll entwickelt. Von Bedeutung ist auch, dass die Bundesregierung 2008 die Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit in Forschung und Technologie beschlossen hat, wobei Asien und darunter auch Indonesien ein besonderes Gewicht haben sollen. Die Zusammenarbeitsgebiete sind vielfältig und werden ständig erweitert.
Das umfangreichste Projekt in den letzten Jahren war der Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems, das kurz nach dem Tsunami von 2004 in einer entsprechenden Vereinbarung beschlossen wurde. Dafür wurden von deutscher Seite ca 53 Mio Euro zur Verfügung gestellt. Auf deutscher wie auf indonesischer Seite sind eine Vielzahl an Einrichtungen beteiligt. Federführend auf deutscher Seite ist das Geo-Forschungszentrum in Potsdam und auf indonesischer Seite die Behörde für Meteorologie, Klimatologie und Geophysik. Der Aufbau des Systems ist weitgehend abgeschlossen; es soll im März 2011 endgültig an die indonesische Seite übergeben. Im Nachfolgeprojekt PROTECTS werden allerdings noch Maßnahmen zum Capacity Building und zur nachhaltigen Sicherung des Systems durchgeführt
Ein weiterer Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit ist der von Indonesien gewünschte Aufbau eines nationalen Innovationssystems. Dazu hat die deutsche Seite bereits vor vielen Jahren durch die Vorlage einer Studie zur Wissenschaftslandschaft Indonesiens beigetragen. Die Umsetzung der dort gemachten Vorschläge bildet einen wesentlichen Bestandteil des neu entstehenden Wissenschaftssystems. Die Verbindung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft soll dafür auch in Indonesien gestärkt werden. Dazu wird der Aufbau von Business-Technology Zentren von deutscher Seite durch die Entsendung eines CIM-Experten gefördert.
Für den Bereich der Geothermie-Forschung wurde im April 2010 ein Abkommen zwischen den Wissenschaftsministerien geschlossen. Es sieht gemeinsame Arbeiten u.a. für die Bereiche der Exploration, der Bohrtechnologie, der Nachhaltigkeit der Ressourcen Nutzung und bei Sicherheitsfragen vor. Von Seiten der Bundesrepublik werden dafür bis zu 9 Mio. Euro bereitgestellt. Die Arbeiten zum Aufbau eines binären Geothermiekraftwerks in Nord-Sulawesi haben begonnen.
In der Biotechnologie wird die erfolgreiche Arbeit fortgesetzt, soll aber im Bereich Biodiversität um die Zusammenarbeit deutscher und indonesischer Forschungssammlungen erweitert werden. Indonesien bietet ein unerschöpfliches Reservoir an Artenvielfalt. Die Planungen für einen erneuten Sonderforschungsbereich der DFG zur ökologischen und sozio-ökonomischen Funktion des Tropenwaldes sowie zur Analyse von Monokulturen sind abgeschlossen. Der Sonderforschungsbereich mit Schwerpunkt in Jambi, Sumatra beginnt mit einem Eröffnungsworkshop im Juni 2012.
In der Meeresforschung wird die langjährige Arbeit durch Beginn des Projektes SPICE III im September 2012 fortgeführt werden. Dabei liegen die Forschungsschwerpunkte bei Mariner Biodiversität, Klimawandel, Korallenriffe - und Mangroven Ökologie
Bedingt durch eine rege akademische Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten, unter der seit der Gründung der Republik Indonesien rund 25.000 Wissenschaftler und Ingenieure aus Indonesien in Deutschland ausgebildet wurden, konnte die Kooperation fortlaufend ausgebaut und intensiviert werden. Einige Deutschland-Alumni, von denen ein hoher Anteil mit Stipendien des DAAD ausgebildet wurden, gehören zur wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Elite des Landes.
Kultur- und Bildungszusammenarbeit
Indonesien und Deutschland verbindet gerade auch auf dem kulturellen Gebiet eine lange Beziehung, die auf zahlreiche im damaligen Niederländisch-Indien lebende Deutsche zurückgeht. Indonesien spielte in der deutschen Literatur- und Kunstszene des 19. Jahrhunderts eine unübersehbare Rolle. So prägte der indonesische Maler Raden Saleh (1807-1880) maßgeblich die Dresdner Spätromantik. Deutsche Schriftsteller wie Theodor Fontane (1819-1898) und Hermann Hesse (1877-1962) beschäftigten sich in ihren Werken mit Indonesien. Der preußische Geograph Franz-Wilhelm Junghuhn wird als der „Humboldt Javas“ beschrieben. Und der deutsche Maler und Musiker Walter Spies (1895-1942) ließ sich auf der Insel Bali nieder und hatte dort entscheidenden Einfluss auf die Kunst und Musik. Heute werden diese Beziehungen von vielen Partnern fortgeführt. Dazu gehört in erster Linie das Goethe-Institut, das in Jakarta, Bandung und Surabaya präsent ist.
Die engen Beziehungen zu Deutschland werden auch in der Bildung deutlich. Circa 30.000 Indonesier studierten nach der indonesischen Unabhängigkeit in der Bundesrepublik. Insgesamt lernen über 150.000 Indonesier allein an Schulen Deutsch, wobei Deutsch als Fremdsprache zunehmend mit Mandarin und auch Japanisch konkurriert.
In Indonesien sind 28 Partnerschulen mit etwa 15.000 Deutschlernern (u.a. auch die Deutsche Internationale Schule) Mitglieder der 2008 begonnenen Partnerschulinitiative (PASCH) des Auswärtigen Amts. Durch PASCH werden Lehrer und Schüler mit dem Ziel fort- und ausgebildet, weiterreichende Ausbildungsmöglichkeiten für Schüler zu schaffen und im Schulalltag im Ausland Deutschland erfahrbar zu machen.
Der DAAD und das Studienkolleg Indonesien in Jakarta bieten dem an Deutschland interessierten akademischen Nachwuchs die Möglichkeit in Deutschland zu studieren bzw. sich über ein Studium beraten zu lassen. Derzeit studieren insgesamt ca. 2500 Indonesier in Deutschland. An den 13 Germanistik- bzw. Deutsch-Lehrstühlen in Indonesien sind etwa 2.500 Studenten eingeschrieben, von denen ein Großteil zu Deutschlehrern ausgebildet wird.
Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Deutschland und Indonesien haben die Intensivierung ihrer Zusammenarbeit auf den Feldern Sicherheits- und Verteidigungsstrategie, Ausbildung, Forschung&Entwicklung sowie humanitäre und Katastrophenhilfe vereinbart. Die Zusammenarbeit soll durch die Einrichtung eines indonesisch-deutschen Verteidigungsdialogs konkretisiert werden.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
