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Indien

Kultur, Bildung, Medien

Stand: September 2016

Kultur

Indien weist eine unermessliche kulturelle und religiöse Vielfalt auf, wobei die hinduistische Tradition im öffentlichen Erscheinungsbild vorherrschend ist. Rund 80% der Inder sind Hindus, etwa 13,4% Muslime, 2,3% Christen, 1,9% Sikhs; ferner gibt es Buddhisten, Jains, Parsen und Bahai. Ein herausragendes Merkmal ist auch die sprachliche Vielfalt Indiens. Nach dem indischen Grundgesetz gilt Hindi, in der Devanagari Schrift geschrieben, als die offizielle Sprache Indiens, 22 weitere Regionalsprachen sind offiziell anerkannt. Zusätzlich ist Englisch eine landesweit übliche und anerkannte Sprache. Es besteht ein weit verbreitetes Selbstverständnis von Indien als einem demokratischen, säkularen und toleranten Vielvölkerstaat.

Die staatliche Förderung von Kultur konzentriert sich auf einen Kernbereich in den Akademien für Literatur (Sahitya Akademi), bildende Kunst (Lalit Kala Akademi) und darstellende Künste (Sangit Natak Akademi, für Musik, Tanz, Theater, Film). Die meisten Museen für alte und zeitgenössische Kunst Indiens sind in staatlichen Händen. Befördert durch den florierenden Kunstmarkt für moderne und zeitgenössische indische Kunst hat sich die Szene durch das Aufkommen zahlreicher privater Galerien und der Gründung einiger privater Museen verändert. Zusätzlich fördert das Kulturministerium den Aufbau und Erhalt kleinerer privater, regionaler Museen. Volkskunst, Kunsthandwerk und volkstümliche Traditionen werden von der indischen Regierung durch verschiedene Programme gefördert, die nicht dem Kultusministerium unterstehen, sondern anderen Ministerien, wie dem Ministry of Textiles. Einen hohen Stellenwert in der indischen Kulturpolitik nimmt die Denkmalpflege und die Bewahrung von kulturellem Erbe und Traditionen ein, gefördert von dem staatlichen "Archaeological Survey of India" und der eigenständigen Organisation "Indian National Trust for Art and Cultural Heritage" (INTACH).


Bildung

Das von der britischen Kolonialmacht eingeführte Bildungssystem ist auch nach der indischen Unabhängigkeit in seiner Struktur im Wesentlichen erhalten geblieben: Nach 12 Jahren der Grund- und Sekundarschulbildung kann ein Schulabschluss (sogenannter "10 plus 2") erreicht werden, der den Hochschulzugang ermöglicht. Laut der zentralen indischen Behörde für Universitäten (University Grants Commission, UGC) gibt es insgesamt 757 Universitäten (Stand: 2016), davon 46 der Zentralregierung, 353 der Bundesstaaten, 130 universitätsgleiche Institutionen und 228 private (mit fast 38.000 assoziierten Colleges). Hierzu gehören herausragende Einrichtungen wie etwa die Indian Institutes of Technology (IIT), deren Netz zukünftig weiter ausgebaut werden soll, das Indian Institute of Science und die Indian Institutes of Management. Die indische Regierung hält an dem Ziel fest, die Zahl der Studienplätze landesweit von 14 Millionen im Jahre 2009 auf 40 Millionen bis 2020 auszubauen. Laut All India Survey on Higher Education 2014/15 wird die Zahl der  Studierenden an indischen Hochschulen und Universitäten auf etwa 33,3 Millionen geschätzt. . Die indische Regierung plant für die nächsten Jahre auch eine erhebliche Erweiterung der Zahl indischer Hochschulen. Seit 2012 arbeitet die indische Regierung an einem Gesetzentwurf, der ausländischen Universitäten die Gründung von Ablegern in Indien erlauben soll (Foreign University Bill).

Die indische Regierung bemüht sich durch zahlreiche Programme, insbesondere im Grundschulsektor, dem Bevölkerungswachstum gerecht zu werden und sozialen und regionalen Ungleichheiten entgegen zu wirken. Das in der Verfassung verankerte Ziel der "Erziehung für alle" hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Nach der offiziellen Statistik Indiens von 2011 wird der Prozentsatz der Lese- und Schreibkundigen mit 78% der Gesamtbevölkerung angegeben (86% männlich und 68% weiblich). Die Qualität der Bildungseinrichtungen - von Grundschulen bis Universitäten - weist enorme Unterschiede auf. Privat geführte Institutionen (im Schul- wie im Hochschulbereich) haben sich in den letzten Jahren drastisch vermehrt, verlangen allerdings hohe Schul- bzw. Studiengebühren. Hauptgründe für die überwiegend geringe Qualität der staatlichen Schulen (Grund- und Sekundarstufe) sind das Fehlen einer fundierten und modernen Lehrerausbildung und die oft schwache finanzielle, personelle und materielle Ausstattung der Schulen. Am 1. April 2010 trat der "Right of Children to Free and Compulsory Education Act" (RTE Act) in Kraft, der erstmals das Recht eines jeden Kindes im Alter von 6 bis 14 Jahren auf staatlich geförderte Bildung gesetzlich festschreibt. Im Zuge dieses RTE Acts ist die Einschulungsquote gestiegen. Allerdings brechen 33% der Mädchen und mehr als 39% der Jungen die Schule ab, bevor sie die 8. Klasse abschließen. 20% beenden ihre Grundschulausbildung nicht.

Ein besonderer Fokus wird auf die Lehreraus- und -fortbildung sowie die Einrichtung virtueller Klassenräume gelegt. Neben der Schulbildung hat es sich die Regierung zum Ziel gesetzt, die berufliche Bildung einer großen Anzahl junger Menschen zu ermöglichen: Ziel ist es, bis 2022 400 Millionen Menschen beruflich zu qualifizieren. Zu diesem Zweck wurde ein neues Ministerium für Berufsbildung gegründet. Deutsche Bildungseinrichtungen sind an der Ausbildung indischer Berufsschullehrer beteiligt.

Laut Schulministerium wurde inzwischen das Ziel erreicht, getrennte Toiletten (mehr als 425.000) für alle Jungen und Mädchen an indischen Schulen einzurichten. Über den Standard der sanitären Anlagen wurde in Zeitungsartikeln kritisch berichtet.


Medien

Die Pressefreiheit ist wesentlicher Bestandteil der indischen Demokratie. Indien hat eine besonders lebendige und selbstbewusste Medienlandschaft.

Zu den umsatzstärksten indischen Medienkonzernen gehören BCCL (unter anderem Times of India Group), HTML (unter anderem Hindustan Times), ABP (unter anderem Ananda Bazaar Patrika, The Telegraph), Dainik Bhaskar, die südindischen Malayala Manorama- und Eenadu-Gruppen sowie The Hindu Group, außerdem The Indian Express Group und Living Media (unter anderem India Today Group). Die meisten Medienhäuser besitzen neben den Printmedien inzwischen auch TV- und Radiosender sowie Internetdienste.

Die gegenwärtige Anzahl der indischen Haushalte mit Fernseher liegt bei etwa 200 Millionen. Das staatliche Fernsehen Doordarshan (DD) wird heute von etwa einem Drittel dieser Haushalte gesehen. Noch bis Anfang der neunziger Jahre hatte DD eine Monopolstellung. Das dann eingeführte private Satelliten- und Kabelfernsehen weist aber hohe Wachstumsraten zulasten DD auf. Nutzten 1992 erst 1,2 Millionen Haushalte Kabel- und Satellitenfernsehen, so sind es inzwischen etwa 113 Millionen. Neben den indischen Fernsehsendern werden unter anderem DW-TV, BBC World Service, CNN, NHK und TV5 von den meisten Kabelbetreibern eingespeist. Die Zusammenarbeit mit DW ermöglicht es Doordashan seit Januar 2015 sein Auslandsfernsehen (DD India) unter anderem in Europa und teilweise Australien und im übrigen Asien auszustrahlen. Insgesamt gibt es in Indien über 826 TV-Sender, mehr als die Hälfte davon sind Nachrichtensender (Stand: Juni 2015).

Die Anzahl der TV-Nachrichtensender (zum Beispiel NDTV, TV Today, ABP News, India TV, Zee News, Eenadu, Times Now und News X) steigt kontinuierlich. Die Sender stehen in starkem Wettbewerb zueinander und erreichen vorwiegend die urbanen Eliten. NDTV, TV Today Group und ETV Group senden ihre Programme in jeweils einem englisch- (NDTV 24x7, TV Today und CNN-IBN) und einem hindi-sprachigen Kanal (NDTV India, AajTak und IBN 7). Darüber hinaus gibt es auch im Bereich der Privatsender eine Vielzahl von regionalen Nachrichten- und lokalen Programmen in verschiedenen Landessprachen.

Das staatliche Radio "All India Radio" erreicht laut Broadcasting Authority of India etwa 99% der indischen Bevölkerung und fast 92% der Fläche des Landes. Insbesondere in den Metropolen Delhi, Kolkata, Mumbai und Chennai und Großstädten wie Pune, Jaipur, Chandigarh und Nagpur gibt es zudem auf UKW sendende erfolgreiche private Radiosender, die allerdings bisher keine Lizenz für Nachrichtensendungen haben: Sie dürfen nur die Schlagzeilen des Tages senden.

Indiens Internetmarkt entwickelt sich rasant. Laut den letzten Statistiken hat sich die Zahl der Internetnutzer von 5 Millionen (2000) auf etwa 158 Millionen (2015) erhöht. Damit hat Indien Japan als drittgrößten Internetnutzer überholt und rangiert weltweit hinter China und den USA. Die Zahl der Social Media-Nutzer liegt bei 66 Millionen und ist gemessen an der Bevölkerungsgröße noch recht gering, verzeichnet dafür mit über 30% im Vergleich zum Vorjahr eine sehr hohe Wachstumsrate, und diese Zahl der Nutzer steigt kontinuierlich.

Printmedien sind in Indien zahlreich und in vielen Fällen qualitativ hochwertig. Englischsprachige Tageszeitungen haben einen Anteil von 17% an der Gesamtauflage aller Zeitungen, Hindi-Zeitungen nehmen mit 36% den größten Anteil ein, der Rest teilt sich in Regionalsprachen auf. Insgesamt gibt es über 97.000 registrierte Zeitungen bzw. Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von 350 Millionen (Stand: August 2015).

Die auflagenstärksten englischsprachigen Tageszeitungen sind Times of India (4 Millionen), Hindustan Times (3 Millionen), The Hindu (1,4 Millionen) und The Indian Express (670.000), die größten landessprachigen Publikationen sind Dainik Bhaskar (2,7 Millionen), Dainik Jagran (2,4 Millionen), Malayala Manorama (2,1 Millionen), Amar Ujala (1,3 Millionen) und Gujarat Samachar (1,3 Millionen). Wichtige politische Magazine sind India Today (1,2 Millionen Gesamtauflage in Englisch und 6 indischen Sprachen), Outlook (475.000 in Englisch und Hindi), Tehelka (240.000), The Week (285.000) und Frontline (130.000).


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