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Hongkong

Wirtschaft

Stand: April 2017

Volkswirtschaft

Die Wirtschaft Hongkongs gehört zu den am weitesten entwickelten und reichsten Volkswirtschaften weltweit. Mit Platz 12 auf der weltweiten HDI-Rangliste und einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf zu Kaufkraftparitäten von PPP-USD 56.719 (Weltbank 2015) nimmt es in den internationalen Wohlfahrtsstatistiken Spitzenplätze ein. Allerdings ist dieser Wohlstand im internationalen Vergleich sehr ungleichmäßig unter der Bevölkerung verteilt.

Angesichts eines kleinen Binnenmarktes von sieben Millionen Einwohnern und einer nahezu vollständig nach Festlandchina abgewanderten Produktionsbasis ist Hongkong in hohem Maß vom Außenhandel und damit verbundenen Dienstleistungen abhängig. Traditionell trägt Hongkong dieser Situation durch eine weitgehend offene Außenwirtschaftspolitik und eine zurückhaltende Regulierung des Wirtschaftssystems Rechnung.

Gleichzeitig spielt Hongkong eine wichtige Rolle als Brücke sowohl für die finanz- wie auch realwirtschaftlichen Ströme von und nach Festlandchina. Während die sehr liberale Marktordnung vor allem der außenwirtschaftlichen Verflechtung Hongkongs zugutekommt, ergeben sich auf dem Binnenmarkt gleichwohl in einigen Sektoren hohe Markteintrittsbarrieren insbesondere aus der geringen Größe des Marktes, der marktbeherrschenden Stellung weniger lokaler Oligopol-Unternehmen in einigen Branchen und den hohen Immobilienpreisen. Der hohe Grad der Rechtssicherheit, die geringe Steuerlast und die erfolgreiche Bekämpfung von Korruption sind entscheidende positive Standortfaktoren.

Der Souveränitätsübergang an die Volksrepublik China am 1. Juli 1997 hatte keine negativen Rückwirkungen auf die Hongkonger Wirtschaft. Die Stellung der chinesischen Sonderver­waltungsregion als autonomes Zoll- und Steuergebiet, die marktwirtschaftliche Finanz- und Wirtschaftsordnung, die Haushaltsautonomie sowie das unabhängige Währungssystem sind bis 2047 festgeschrieben. Hongkong ist weiterhin eigenständiges Mitglied bei GATT/WTO und APEC, ist bei ESCAP assoziiert, gehört der Asian Development Bank an und spielt eine anerkannte Rolle im Financial Stability Forum.


Dienstleistungsorientierte Wirtschaftsstruktur

Hongkong wurde für den Handel gegründet. Diese Tatsache ist bis zum heutigen Tag der wesentliche Schlüssel zum Verständnis von Wirtschaft und Gesellschaft Hongkongs. Heute ist jeder zweite Arbeitnehmer Hongkongs im Bereich Handel und den damit verbundenen Dienstleistungen wie Finanzen, Logistik und sonstige kommerzielle Serviceleistungen beschäftigt. Insbesondere die Bedeutung der Bereiche Finanzen und Tourismus für die Wirtschaft allgemein hat in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Der Dienstleistungssektor trägt insgesamt 90% zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Hongkong ist eines der weltweit bedeutendsten Finanzzentren. Über 70 der 100 weltweit größten Banken sind in Hongkong tätig; mit 195 zugelassenen Banken und 54 Vertretungsbüros hat es eine der größten Angebotsdichten im Finanzbereich weltweit. Die Hongkonger Börse ist die achtgrößte Börse der Welt und die viertgrößte in Asien. Sie hat im Dezember 2012 mit der LME (London Metal Exchange) eine der wichtigsten Rohstoffbörsen übernommen, ist Joint-Venture Partner der Börsen in Shanghai und Shenzhen und hat im Dezember 2013 eine Kooperationsvereinbarung mit der Börse in Singapur unterzeichnet. Hongkong ist ferner das zweitgrößte Private Equity Zentrum in Asien.

Rund 57 Millionen Besucher machten Hongkong trotz einem leichten Rückgang auch 2016 wieder zu einer der wichtigsten Tourismusdestinationen Asiens. Rund dreiviertel der Besucher kommen aus Festlandchina.

Hongkongs Wirtschaft hat einhergehend mit der wirtschaftlichen Öffnung Festlandchinas seit den 80er Jahren einen tief greifenden Strukturwandel durchgemacht. Die auf die Herstellung von Konsumgütern konzentrierten Produktionskapazitäten wurden weitgehend in das angrenzende Perlfluss-Delta verlegt und durch Dienstleistungen ersetzt. Heute trägt das verarbeitende Gewerbe nur noch 3,1% zum Bruttoinlandsprodukt bei, während Groß- und Einzelhandel, Im- und Export, Gastronomie und Hotellerie 32% beisteuern, Finanz- und Geschäftsdienstleistungen, Versicherungen und Immobiliengeschäfte 14% ausmachen und knapp 19% im sozial-administrativen und persönlichen Service-Sektor erbracht werden. Die lokale Güterherstellung beschränkt sich nunmehr auf wenige hochqualitative Nischenpro­duktionen (zum Beispiel forschungssensible und kapitalintensive Elektronik). Marktchancen bestehen inzwischen vielmehr in den Bereichen Kultur und Kunst, Innovation und Technologie, Zertifizierungsdienstleistungen und Umwelttechnologie.

Parallel dazu hat sich auch die Marktstruktur der Hongkonger Wirtschaft im Verlauf der letzten 40 Jahre gewandelt. Die traditionellen britisch geprägten Konglomerate aus der Kolonialzeit wurden nach und nach von chinesischen Familienunternehmen über­nommen. Vor allem der Immobiliensektor, der sowohl als wichtige Einkommensquelle der Regierung als auch für die Entwicklung in vielen anderen Branchen (insbesondere dem Einzelhandel) von entscheidender Bedeutung ist, wird von wenigen auf Familienver­bindungen beruhenden Konzernen beherrscht.


Brückenkopf für das Chinageschäft

Neben der Rolle als führendes Handels- und Finanzzentrum ergibt sich Hongkongs wirt­schaftliche Bedeutung vor allem aus seiner Stellung als Brücke für den wirtschaftlichen Austausch Festlandchinas mit dem Rest der Welt. Die Motive für die Handelspartner zur Nutzung Hongkongs liegen dabei vor allem in geringeren Informationskosten, Rechtssicherheit, der Ausnutzung von Steuer- und Abgabenvorteilen, der guten internationalen Vernetzung und dem hohen technischen Know-how. Hongkonger Unternehmer gehörten nach der wirtschaftlichen Öffnung Festlandchinas zu den Pionieren des Investitionsengagements in den Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eingerichteten Sonderwirtschaftszonen des Perflussdeltas. Heute haben fast 90% aller Auslandsinvestitionen im Perlflussdelta ihren Ursprung in Hongkong. Der weitaus überwiegende Teil dieser Unternehmen ist als Original Equipment Manufacturer (OEM) für ausländische Markenunternehmen oder im Bereich der Lohnveredelung tätig. Begünstigt wird die wirtschaftliche Integration zwischen Hongkong und dem Perlflussdelta durch das 2003 geschlossene erste Freihandelsabkommen Festlandchinas (CEPA - Closer Economic Partnership Agreement), das mittlerweile durch zwölf Zusatzabkommen (zuletzt ein Abkommen über Dienstleistungen am 27.11.2015) auf nahezu den gesamten Warenverkehr und zahlreiche Dienstleistungsbereiche ausgeweitet wurde. Am 01. März 2015 trat ein Handelsabkommen zwischen der Provinz Kanton und Hongkong in Kraft, das eine weitgehende Liberalisierung des gegenseitigen Handels regelt.

Auch als Finanzintermediär spielt Hongkong eine herausragende Rolle für Festlandchina. Hongkong ist die größte Quelle ausländischer Direktinvestitionen in China. Angesicht der in Festlandchina bestehenden Kapitalkontrollmechanismen bietet Hongkong festland­chinesischen Unternehmen Zugang zu internationalem Kapital und ausländischen Kapitalgebern eine Möglichkeit des finanziellen Engagements in China. Die finanzwirtschaftliche Verflechtung Hongkongs mit Festlandchina wird zunehmend enger. Zum Zeitpunkt der Einführung 2004 war Hongkong weltweit der erste Offshore-Markt für RMB. In den vergangenen Jahren ist das Angebot an RMB-Produkten stetig ausgeweitet worden und Hongkong hat sich als Zentrum etabliert und behauptet. Im Verhältnis zu den anderen Offshore-Zentren, die in den vergangenen Jahren neu hinzugekommen sind, profitiert Hongkong zudem noch von seiner mehr als zehnjährigen Erfahrung und seiner engen Verflechtung mit dem chinesischen Festland. Die weitere Liberalisierung des RMB-Handels bis hin zur völlig freien Konvertierbarkeit des Yuan könnte Hongkongs Bedeutung als RMB offshore Zentrum in den nächsten Jahren schmälern. Über 95% des in Yuan abgewickelten festlandchinesischen Außenhandels läuft jedoch über Hongkonger Banken. Seit der Einführung des Stock Connect mit Shanghai im November 2014 und mit Shenzhen im Jahr 2016 können ausländische Investoren außerdem auch in Anleihen und Aktien der Shanghaier und Shenzhener Börse investieren.Umgekehrt haben Investoren aus Festlandchina direkten Zugang zur Hongkonger Börse, woraus sich neue Möglichkeiten bei der grenzüberschreitenden RMB-Nutzung ergeben haben. Hongkong sieht sich im Übrigen als erfahrenen Finanzplatz, der - trotz historischer Börsentiefs im Jahr 2016 - die in Festlandchina verursachten Turbulenzen gut verkraftet.


Integration in die Weltwirtschaft

Wenige andere Volkswirtschaften sind so intensiv in die Weltwirtschaft eingebunden und damit gleichzeitig so anfällig für externe wirtschaftliche Einflüsse wie Hongkong. 98% der Exporte Hongkongs sind Re-Exporte, mehr als die Hälfte davon nach Festlandchina. 2016 betrug das gesamte Hongkonger Handelsvolumen 7.596 Milliarden HKD (920 Milliarden Euro), ein Minus von 0,7% zum Vorjahr. Neben China sind die USA, die EU, Japan, Singapur und Taiwan die wichtigsten Handelspartner, innerhalb der EU ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Hongkongs. Insgesamt steigt die relative Bedeutung der Länder Ostasiens als Handelspartner seit einigen Jahren kontinuierlich zu Lasten der USA und Europa.

Hongkong ist 2016 laut UNCTAD World Investment Report sowohl der zweitgrößte Zielmarkt als auch die drittgrößte Quelle für ausländische Direktinvestitionen weltweit. Dies spiegelt die zunehmende Wichtigkeit wieder, die Festlandchina Hongkong als globaler Investitions-Plattform zuschreibt.

Im Jahr 1983 wurde ein festes Wechselkursregime im Verhältnis zum US-Dollar eingeführt (Currency Board), seitdem bewegt sich der Wechselkurs des HK- zum US-Dollar stabil bei rund 7,8. Eine Lösung vom US-Dollar ist in naher Zukunft nicht geplant.


Aktuelle Wirtschaftslage

Im Jahr 2016 wuchs die Hongkonger Wirtschaft nur moderat um 1,9%. Verantwortlich hierfür sind im Wesentlichen geringere Touristenzahlen, damit sinkender Umsatz im Einzelhandel, sowie eine Abschwächung des globalen Wachstums. Treibende Wachstumskraft blieb auch im Jahr 2016, dank einer stabilen Einkommenssituation der Hongkonger Bürger sowie nicht nachlassenden Bauaktivitäten und Infrastrukturmaßnahmen, die Binnennachfrage. Auf dem Arbeitsmarkt herrscht 2016 mit einer Arbeitslosenquote von 3,4% weiterhin nahezu Vollbeschäftigung. Die Inflation schwächte sich 2016 weiter auf 2,4% ab.

Die Hongkonger Exporte sind nach Angaben des Hongkonger Statistikamts 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,5% gesunken.  Vor allen Dingen die Exporte nach Japan und Festlandchina litten, während die Exporte in die USA (+5,8%), ASEAN (+2,7%) und in die EU (+1,4%) wieder einen Zuwachs verzeichnen konnten. Die Exporte nach Indien boomen mit einem Plus von 22,2%.

Die Hongkonger Regierung sagt unter diesen Voraussetzungen für 2017 Wachstum von 2-3% voraus. Hongkong setzt auf Wachstumschancen im Rahmen der chinesischen "Belt and Road" (Seidenstraßen) Initiative. Infrastruktur-, Finanz und Beratungsdienstleistungen sollen entlang der Seidenstraße in Zukunft am besten vom international erfahrenen, gut vernetzten und volkswirtschaftlich freien Hongkong angeboten werden. Mittel- und langfristig leitet die Regierung insgesamt eindeutig positive Aussichten für die Wirtschaft Hongkongs aus der zunehmenden Bedeutung Asiens in der Weltwirtschaft und der Vertiefung der wirtschaftlichen Integration mit Festlandchina insbesondere dem der Region um das Perlflussdelta ab. Dabei will man sich weiterhin auf die Bereiche Logistik (Hafen und Flughafen) sowie E-Commerce konzentrieren. Wachstumschancen erhofft man sich auch durch die weitere Liberalisierung des RMB-Handels sowie des Anleihenmarktes zwischen Festlandchina und Hongkong.  


Umweltpolitik

Neben den hohen Immobilienpreisen wird vor allem die kritische Umweltsituation – hier insbesondere die zunehmende Luftverschmutzung – in Hongkong immer wieder als einer der maßgeblichen negativen Standortfaktoren genannt. Ein Teil der Umwelt- und Luftverschmutzung stammt aus den benachbarten Industrieregionen des Perlflussdeltas, andererseits verursachen jedoch auch der Straßen- und Schiffsverkehr in Hongkong erhebliche Emissionen. Das Thema Umwelt- und Klimaschutz ist in den letzten Jahren daher verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Regierung beschloss Anfang 2014 umfassende Maßnahmen zur Verbesserung der örtlichen Luftqualität an. Ein weiterer Schwerpunkt der Hongkonger Umweltpolitik ist derzeit die Umsetzung eines Konzepts zur Abfallentsorgung und -vermeidung sowie einer klimafreundlichen Energiemarktreform.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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