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Großbritannien Vereinigtes Königreich

Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: März 2012

Kulturpolitik

Großbritannien verfügt über eine dichte und vielfältige Kulturlandschaft mit Zentrum in London. Die beachtlichen kulturellen Ambitionen der Regionen (so Cardiff in Wales, Edinburgh und Glasgow in Schottland) und einzelner urbaner Zentren (Manchester oder die europäische Kulturhauptstadt 2008 Liverpool) können die Anziehungskraft Londons nicht erreichen. Die geschickt vermarktete Kunstmesse "Frieze Art" (seit 2004) ist zu einem internationalen Magneten für den Verkauf moderner Kunst geworden, aber auch alle anderen Sparten (Musik, Film, Theater, Tanz, Kreativwirtschaft) sind auf höchstem Niveau vertreten.

Das Kulturfördersystem Großbritanniens beruht in hohem Maße auf privater Initiative, ist oft projektgebunden und durch zahlreiche private oder halbprivate Stiftungen charakterisiert. Viele der zahlreichen Kulturinstitutionen - wie fast alle Londoner Theater und Museen – finanzieren sich überwiegend kommerziell. "Public Private Partnerships" sind wichtige Elemente der britischen Kulturfinanzierung, die im Lichte der jüngsten, drastischen Einschnitte im Kulturbudget vom Frühjahr 2011 (Kulturministerium hat die Mittel des Arts Council England, der insgesamt 695 Kultureinrichtungen mitfinanziert, um rund 30 Prozent gekürzt) noch an Bedeutung gewonnen haben.

Die Vorbereitung der Olympischen Spiele 2012 liegt nach hiesigem Eindruck logistisch und finanziell im Plan und rückt zunehmend stärker ins öffentliche Bewusstsein.

Department for Culture, Olympics, Media and Sport


Bildungspolitik

Das Bildungswesen in England, Wales, Nordirland und Schottland ist zum Teil sehr unterschiedlich organisiert. Wenn nicht anders gekennzeichnet, beziehen sich die folgenden Ausführungen auf das englische Bildungssystem.

In Großbritannien besteht zwischen dem 5. und dem 16. Lebensjahr Schulpflicht, die Vorschule beginnt ab dem 3. Lebensjahr und teilweise früher. Die Primarschulausbildung umfasst sechs Jahre, vom 5. bis 11. Lebensjahr (Key Stage 1 and 2). Der Übergang von Primar- auf Sekundarstufe vollzieht sich im 12. Lebensjahr eines britischen Schülers und schließt mit dem „General Certificate of Secondary Education“ (GCSE) mit 16 Jahren ab (Key Stage 3 and 4). Dieses Zertifikat kann mit dem deutschen Haupt- bzw. Realschulabschluss gleichgesetzt werden und wird von der Anzahl der geprüften Fächer, für die sich der Schüler entscheidet, sowie den Prüfungsergebnissen abhängig gemacht. Eine hohe Anzahl von Prüfungsfächern mit guten Ergebnissen gestattet es dem Schüler, die Schule zwei weitere Jahre zu besuchen und sich auf den höchsten britischen Schulabschluss, die A-levels, vorzubereiten. Mit dem erfolgreichen Abschluss der A-level-Prüfung hat der Schüler die Hochschulreife erreicht. Die Wiederholung eines Schuljahres durch Nichterreichen des Klassenziels kennt das britische Schulsystem nicht.

Circa sieben Prozent der englischen Schüler besuchen Privatschulen, die Gebühren von 5.000 bis 40.000 GPB pro Jahr erheben und aufgrund kleiner Klassen und individueller Fördermöglichkeiten häufig eine sehr gute Ausbildung anbieten können. Als neue Schultypen sind in den letzten Jahren „academies“ und „free schools“ hinzugekommen. Sie bekommen zwar staatliche Förderung, sind aber sonst von vielen Vorgaben, die für staatliche Schulen gelten, befreit.

Es existiert bisher kein mit Deutschland vergleichbares Berufsausbildungsangebot (duales System). Betriebe bilden je nach Eigenbedarf aus, die Lehrlingsausbildung in handwerklichen Betrieben ist weitgehend unbekannt.

An der Spitze der derzeit 115 universitären Einrichtungen stehen die „G 5“ – bestehend aus Oxford, Cambridge, London School of Economic (LSE), Imperial College London und University College London. „Undergraduates“ aus Großbritannien und anderen EU-Ländern zahlen zur zeit noch Studiengebühren von maximal 3.225 GBP pro Jahr für das Grundstudium (bachelor). Ab 1. September 2012 tritt die neue gesetzliche Regelung in Kraft, nach der Universitäten bis zu 9.000 GPB verlangen können, Studierende aus Drittländern zahlen ein Vielfaches. An schottischen Universitäten werden für schottische und EU-Studenten weiterhin keine Gebühren für das Grundstudium erhoben.

Fremdsprachenunterricht an staatlichen englischen Schulen ist im Alter von 11 bis 14 Jahren verpflichtend. Die Zahl der Fremdsprachenlerner an englischen Schulen hat sich für Französisch und Deutsch in den letzten 10 Jahren halbiert. Ein immer kleinerer Anteil der Schüler wählt Deutsch für die GCSE und A-levels-Prüfungen (60.000 bzw. 5.600 im Jahr 2011).

Department for Education (England)


Medien

Print-/Onlinemedien: In Großbritannien wird in allen Schichten der Bevölkerung intensiv Zeitung gelesen. Es gibt eine Vielzahl an überregionalen Qualitäts- und Boulevardzeitungen, die die verschiedenen Lesersegmente bedienen. Am meisten gelesen werden die Boulevardzeitungen, allen voran die Zeitungen Sun und Daily Mail. Aber auch Qualitätsblätter wie Telegraph , Guardian, Financial Times, Independent, Times u. a. sind sehr populär. International verbreitet werden vor allem das Wochenmagazin The Economist und die lachsfarbene Financial Times (Tageszeitung).

Wie andernorts geht in Großbritannien der Trend zu einer verstärkten Nutzung von Online-Medien, so dass die Zeitungen auch hier mit deutlichen Auflagenrückgängen und weniger Anzeigengeschäft zu kämpfen haben. Infolgedessen sind britische Zeitungen sehr aktiv dabei, Versionen ihrer Printausgaben für Smartphones und Tabletcomputer zu entwickeln. Nahezu jede Qualitätszeitung verfügt inzwischen über ein solches Angebot. Das populärste Onlineangebot bieten die Nachrichtenwebsites der BBC, die auch international großen Anklang finden. Allerdings sind auch die Internetseiten der Zeitungen Daily Mail und Guardian sehr populär.

Fernsehen/Radio: Bei den öffentlich-rechtlichen, allein durch Gebühren finanzierten Anbietern dominiert die BBC mit großem Abstand. Die durch Werbung finanzierten privaten Sendeanstalten sind allerdings auf dem Vormarsch, vor allem im weit ausgebauten digitalen Kabelnetz. Zur Zeit erfolgt die Umstellung der Grundversorgung auf DVB-T (terrestrisch digitales Radio und Fernsehen), das bis Sommer 2012 landesweit eingeführt sein soll. Der rasante Ausbau von Internetangeboten und der Video- und Podcasts, vor allem bei der BBC, ist noch keineswegs abgeschlossen.


Wissenschaft und Technologie

Großbritannien zählt zu den führenden Wissenschafts- und Forschungsnationen. Britische Universitäten gehören nach wie vor in internationalen Rankings zur Weltspitze und locken mit attraktiven Bedingungen Hochqualifizierte aus aller Welt. Seit 1990 gingen 27 Nobelpreise nach Großbritannien. Das Land sieht seine ökonomischen Wettbewerbschancen in besonderem Maße in der Wissensgesellschaft und der Förderung von Innovation. Die Schwerpunkte liegen hierbei besonders auf den Bereichen Pharmazie, Gentechnik, Biotechnologie, Medizinforschung sowie in der Luft- und Raumfahrt. Ziel der Wissenschaftsförderung der Regierung ist die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Zudem soll es im Rahmen einer vorausschauenden Wohlstandssicherungspolitik einen Übergang zur „grünen Technologie- und Dienstleistungsgesellschaft“ geben. Die staatlichen Forschungsausgaben liegen gegenwärtig bei rund 4,6 Milliarden GBP jährlich.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.