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Griechenland

Wirtschaft

Stand: November 2014

Wirtschaftspolitik

Nach fünfjähriger Rezession prognostizieren die Troika (EU-Kommission, EZB und IWF) und die griechische Regierung für 2014 ein leichtes Wachstum von +0,6 % und für 2015 von +2,9 %. 2010 betrug der (reale) Rückgang des BIP -4,9 %, 2011 -7,1 %, 2012 -6,4 % und 2013 –3,9 %. Im Zeitraum 2009 bis 2011 ist das griechische BIP damit um über 20 % zurückgegangen.

Die Arbeitslosigkeit befindet sich mit 26,6% im 2. Quartal 2014 und die  Jugendarbeitslosigkeit mit 52% weiterhin auf hohem Niveau (weiterhin EU-Höchstwert).

Nachdem 2010 die Inflationsrate auf einen Höchstwert von 4,7 % kletterte, ist sie aufgrund der wegbrechenden Binnennachfrage wieder gesunken (2013 -1,07 %). Seit Mitte 2013 ist eine leichte Deflation zu verzeichnen (-0,2 % im Mai 2014).

Die Haushaltslage hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert: Das Haushaltsdefizit sank von 9,4 % 2011 über 6,3 % 2012 auf 3,9 % 2013. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Entlastungswirkung des PSI (Private Sector Involvement). Das Primärdefizit ist ebenfalls gesunken (-2,3 % 2011, -1,3 % 2012). Für 2013 hat die EU-Kommission einen Primärüberschuss i.H.v. +0,8 % BIP (öffentl. Gesamthaushalt, ohne Bankenrekapitalisierung) angegeben (rd. 1,5 Mrd. Euro). Zielgröße für den Primärüberschuss 2014 ist laut 2. Anpassungsprogramm 1,6 % des BIP (= rd. 180 Mrd. Euro) für den öffentlichen Gesamthaushalt. Der Schuldenstand beträgt rd. 177 % des BIP und stellt sich somit stabil im Vergleich zum Vorjahr dar.

Der hohe Anteil von Staatsbediensteten an der Gesamterwerbsbevölkerung wurde im Rahmen der Vereinbarungen mit der Troika verringert. Weitere Schritte zur Reformierung und Effizienzsteigerung werden unternommen. Die Industrie in Griechenland erarbeitet 12,6 % des BIP, der Tourismus trägt mit 16,4 % zur Wirtschaftsleistung bei. 2013 besuchten 17,9 Mio. Touristen Griechenland, eine Rekordbesucherzahl. Den größten Anteil stellten Besucher aus Deutschland (knapp 2,3 Mio., +12,7% gegenüber 2012). Die Einnahmen aus dem Tourismus beliefen sich auf über 11,7 Mrd. Euro. Der GRC Tourismusverband erwartet für 2014 insgesamt 19 Mio. bis 20 Mio. Besucher. Die griechischen Exporteure konnten  ihre Ausfuhrerlöse von 22 Mrd. Euro im Jahr 2012 auf 22,5 Mrd. Euro im Jahr 2013 steigern, was bei der geringen Exportorientierung der griechischen Wirtschaft aber nur geringe gesamtwirtschaftliche Effekte erzeugte. Das Leistungsbilanzdefizit betrug 2012 ca. 17,2 Mrd. Euro. Die Leistungsbilanz ist bereits seit über 30 Jahren negativ, allerdings verringerte sich das Leistungsbilanzdefizit im Krisenverlauf deutlich (vor allem durch eine Verbesserung der Handelsbilanz, insbesondere durch deutlich weniger Importe und etwas mehr Exporte sowie durch den Rückgang des Einkommensbilanzdefizites).

Die griechische Wirtschaft ist geprägt durch kleine und mittelständische Betriebe; es gibt nur wenige Großunternehmen. Die Landwirtschaft, deren Anteil am BIP in den letzten Jahren stetig gesunken ist (2011: 2,75 Prozent), verzeichnet bei der Produktion und Verarbeitung von regionalen Produkten wie Olivenöl, Käse und Zuchtfisch wieder leichten Zuwachs. Ehemals traditionelle Produkte wie Tabak, Baumwolle und Zuckerrüben spielen kaum noch eine Rolle. Einen hohen Stellenwert im produzierenden Gewerbe haben pharmazeutische Produkte und Halbzeuge („Halbfabrikate“) aus Aluminium und Geräte zur Elektrizitätserzeugung. Einst starke Bereiche wie die Textilindustrie sind abgewandert.

Die Regierung Samaras versucht durch Verbesserung der Investitionsbedingungen und Privatisierung von staatlichem Eigentum ausländisches Kapital nach Griechenland zu bringen. Weitere Strukturreformen sind beschlossen und werden durchgeführt, so vor allem der Abbau von bürokratischen Hemmnissen für die Exportwirtschaft und Erleichterungen bei Firmengründungen.


Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von 6,5 Mrd. Euro (2013) neben Italien einer der wichtigsten Handelspartner Griechenlands. Der deutsche Export nach Griechenland ist allerdings seit 2008 (ca. 8 Mrd. Euro) kontinuierlich zurückgegangen und betrug 2013 nur noch 4,7 Mrd. Euro. Dies liegt im Trend der Entwicklung der Exporte anderer EU-Länder nach Griechenland. Ursächlich dafür dürfte sowohl die im Zuge der griechischen Finanzkrise zurückgegangene griechische Nachfrage als auch eine stärkere Zurückhaltung der deutschen Exportindustrie bei Griechenlandgeschäften sein. Deutsche Hauptausfuhrgüter sind Maschinen und Fahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Produkte. 2013 importierte Deutschland Güter im Wert von ca. 1,7 Mrd. Euro aus Griechenland. In der Länderrangliste des deutschen Außenhandels belegt Griechenland bei deutschen Exporten Platz 40, bei Importen nach Deutschland Platz 43 (Zahlen für 2013). Deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigsten ausländischen Investoren. Die Deutsche Telekom hat sukzessive einen 40-prozentigen Anteil am ehemaligen staatlichen Telekommunikationskonzern OTE erworben. Neben den seit vielen Jahren in Griechenland tätigen Unternehmen wie Siemens, Bayer, Hochtief und anderen sind Einzelhandelsunternehmen wie Lidl und Mediamarkt etabliert. Wichtige Infrastrukturprojekte, wie die Athener U-Bahn und der Athener Flughafen wurden mit Hilfe deutscher Unternehmen ausgeführt. Die 143 in Griechenland ansässigen deutschen Unternehmen stellen ca. 32.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften ca. 7,6 Mrd. Euro (Stand April 2014 bezogen auf 2012, Quelle: Deutsche Bundesbank).

Griechenland bemüht sich, künftig eine wichtige Rolle als regionale "Drehscheibe" der Versorgung mit Energie und Energierohstoffen zu spielen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist der Ende Juni 2013 offiziell angekündigte Bau der Trans Adriatic Pipeline (TAP), die auch durch Griechenland verlaufen wird und durch die ein direkter Zugang von Erdgas aus dem Kaspischen Raum zu den europäischen Märkten geschaffen wird.


Umweltpolitik

Die griechische Regierung will durch bessere rechtliche Rahmenbedingungen und Förderprogramme den Einsatz von erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft) ausbauen. Dabei unterstützt sie die Bundesregierung durch strategische Beratung.

Ein weiteres Feld der Zusammenarbeit bildet die Abfallwirtschaft. Die Abfallverwaltung gehört zu den größten Umweltproblemen zahlreicher griechischer Regionen. Fortschritte werden durch Änderungen in der Gesetzgebung und im Rahmen von Ausschreibungen für Abfalldeponien angestrebt. Auch in diesem Bereich versuchen deutsche Beratungspartner alternative Vewertungsmethoden zu fördern.

Zur Verbesserung der Luftqualität verfolgt die Stadt Athen weiterhin Maßnahmen, z.B. zur Beschränkung des Autoverkehrs in der Innenstadt und den Einsatz gasbetriebener Busse. Zurückgehender Individualverkehr, auch infolge der Wirtschaftslage, trägt vor allem in den Ballungsräumen Athen und Thessaloniki, in denen die Hälfte der griechischen Bevölkerung lebt, zu einer etwas sinkenden Belastung durch Autoabgase bei. Bei der Zahl von Neuzulassungen von Pkw ist 2014 erstmals seit Beginn der Krise wieder leichter Zuwachs zu verzeichnen. Zuvor waren 2011/2012 (jeweils Januar bis August) die Zulassungen um -40,3 Prozent zurückgegangen; 2013 nochmals um -3 Prozent. Ein verstärkter Einsatz von Brennholz zu Heizzwecken, infolge gestiegener Heizölpreise, führt besonders in den Wintermonaten zu einer erheblichen Belastung der Luftqualität in den Ballungsräumen. Damit einher geht eine verstärkte Rodung von Wäldern, insbesondere in Nordgriechenland.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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