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Griechenland

Wirtschaft

Stand: Juni 2016

Wirtschaftspolitik

Im Zeitraum von 2009 bis 2015 ist das griechische BIP (Bruttoinlandsprodukt) um 25% zurückgegangen. Nach einer erstmaligen leichten Erholung 2014, ist die griechische Wirtschaft 2015 wieder in die Rezession zurückgefallen. Der BIP-Rückgang um 0,2% ist dabei bedeutend geringer ausgefallen als angesichts der politischen Entwicklungen mit zwei Neuwahlen 2015 und Unwägbarkeiten um den Abschluss eines weiteren Hilfsprogramms zunächst erwartet. Eine erneut positive Entwicklung des Tourismus 2015 hat dazu wesentlich beigetragen. Private Verbraucher und Unternehmen haben zudem eine große Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit im Umgang mit den seit Ende Juni 2015 geltenden Kapitalverkehrskontrollen gezeigt. Die Europäische Kommission prognostiziert für 2016 eine anhaltende leichte Rezession (-0,3% BIP).  Die Arbeitslosigkeit verbleibt mit 24,4 % im 4. Quartal 2015 und einer  Jugendarbeitslosigkeit von 49 % weiterhin auf einem hohen Niveau.

Nachdem 2010 die Inflationsrate auf einen Höchstwert von 4,7 % geklettert war, ist sie aufgrund der wegbrechenden Binnennachfrage wieder gesunken. Die Verbraucherpreise bewegen sich seit 2013 im deflationären Bereich (2013 -0,9 %, 2014 -1,4). Nach Einschätzung der Europäischen Kommission (Mai 2016) dürften die Verbraucherpreise  2016 weiter leicht sinken und erst im Jahr 2017 (parallel zu einem erwarteten Anstieg der Wirtschaftsleistung) wieder steigen.

Die Haushaltslage in Griechenland spiegelt die realwirtschaftlichen Entwicklungen wieder. Dennoch konnte nach jüngsten Daten auch im Jahr 2015 ein leicht positiver Primärsaldo (öffentlicher Gesamthaushalt, ohne Zinszahlungen) erreicht werden. Beigetragen haben dazu Maßnahmen wie Steuererhöhungen, die im Rahmen des dritten Anpassungsprogramms seit Sommer 2015 eingeführt wurden. Im Mai 2016 hat das griechische Parlament ein weiteres Paket von Maßnahmen im Renten- und Steuerbereich verabschiedet, das in den kommenden Jahren einen Konsolidierungsbeitrag von 3% des BIP bringen und damit den für die Zeit ab 2018 vereinbarten positiven Primärsaldo von 3,5% des BIP gewährleisten sollen. Für den Fall, dass sich in der Zwischenzeit abzeichnet, dass der vereinbarte Anpassungspfad nicht erreicht wird, wurde im Mai 2016 ein Anpassungsmechanismus beschlossen, der erforderliche fiskalische Einsparungen vorsieht.  Die gesamtstaatliche Verschuldung Griechenlands liegt derzeit bei über 175 Mrd. EUR. Um Einnahmen zur Rückführung von Schulden zu generieren, wird Griechenland einen Privatisierungsfonds einrichten.

Die Industrie in Griechenland erarbeitet 16,5 % des BIP, der Tourismus trägt mit 16,4 % zur Wirtschaftsleistung bei (2014). 2015 besuchten knapp 24 Mio. Touristen Griechenland, eine Rekordbesucherzahl. Den größten Anteil stellten Besucher aus Deutschland (2,8 Mio., +14,3% gegenüber 2014). Die Einnahmen aus dem Tourismus beliefen sich auf etwa 14,2 Mrd. Euro. Der griechische Tourismusverband erwartet für 2016 bis zu 26 Mio. Besucher.

Der Export gilt neben dem Tourismus als einer der wichtigsten Wachstumsmotoren in Griechenland. Er trägt mit 15,2% zum BIP bei (2013). Die wichtigsten Exportprodukte sind Öl- und Raffinerie- sowie chemische Produkte. Traditionell bilden zudem landwirtschaftliche Produkte einen wichtigen Anteil am griechischen Export (2015: 15,1%). Nach einem kontinuierlichen Aufwärtstrend seit 2009 stagnierte seit 2013 der Wert der griechischen Exporte bzw. entwickelte sich rückläufig. Seit Ende 2014 bis Juni 2015 zeigte sich infolge der Eurokursentwicklung ein Anstieg der Ausfuhrwerte. Seit Ende Juni 2015 wirken sich die am 29. Juni eingeführten Kapitalverkehrskontrollen auf den Export, besonders aber auch auf den Import aus. Durch schrittweise Erleichterungen der Kapitalverkehrskontrollen verfolgt die Regierung, die Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu mindern. Der Import ist 2015 um 6,9% zurückgegangen, Exporte sind um 3,8% gesunken bei einem Plus des Güterexports von 3,2%. Im Ergebnis hat sich das Handelsbilanzdefizit darüber unter Einbeziehung von Öl- und Raffinerieprodukten im Jahresvergleich um 15.1% reduziert, ohne Öl- und Raffiniereiprodukte um 7,3%. Das Leistungsbilanzdefizit betrug 2015 17,24 Mrd. Euro. Die Leistungsbilanz ist bereits seit über 30 Jahren negativ. Das Defizit hat sich im Krisenverlauf durch eine Verbesserung der Handelsbilanz verringert. Die griechische Wirtschaft ist geprägt durch kleine und mittelständische Betriebe; es gibt nur wenige Großunternehmen. Die Landwirtschaft, deren Anteil am BIP in den letzten Jahren gesunken ist (2014: 3,81 Prozent), verzeichnet bei der Produktion und Verarbeitung von regionalen Produkten wie Olivenöl, Käse und Zuchtfisch wieder leichten Zuwachs. Ehemals traditionelle Produkte wie Tabak, Baumwolle und Zuckerrüben spielen kaum noch eine Rolle. Einen hohen Stellenwert im produzierenden Gewerbe haben pharmazeutische Produkte und Halbzeuge („Halbfabrikate“) aus Aluminium und Geräte zur Elektrizitätserzeugung. Einst starke Bereiche wie die Textilindustrie sind abgewandert.


Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland  war 2015 nach Eurostat mit einem Handelsvolumen von 6,6 Mrd. Euro  der größte Handelspartner Griechenlands mit einem Anteil von rund 9,5%. Bei den Exporten ist Deutschland 2015 auf den zweiten Platz nach Italien und vor der Türkei aufgerückt. Der deutsche Export nach Griechenland ist allerdings seit 2008 (ca. 8 Mrd. Euro) kontinuierlich zurückgegangen und betrug 2015 noch 4,7 Mrd. Euro. Dies liegt im Trend der Entwicklung der Exporte anderer EU-Länder nach Griechenland. Ursächlich dafür dürfte sowohl die im Zuge der griechischen Finanzkrise zurückgegangene griechische Nachfrage als auch eine stärkere Zurückhaltung der deutschen Exportindustrie bei Griechenlandgeschäften sein.

Deutsche Hauptausfuhrgüter sind Maschinen und Fahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Produkte. 2015 importierte Deutschland Güter im Wert von ca. 1,9 Mrd. Euro aus Griechenland. In der Länderrangliste des deutschen Außenhandels belegt Griechenland als Handelspartner Deutschlands Platz 42 mit einem Anteil von 0,4% an den deutschen Exporten und 0,2% an den Importen. Deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigsten ausländischen Investoren. Die Deutsche Telekom hat sukzessive einen 40-prozentigen Anteil am ehemaligen staatlichen Telekommunikationskonzern OTE erworben. Neben den seit vielen Jahren in Griechenland tätigen Unternehmen wie Siemens, Bayer, Hochtief und anderen sind Einzelhandelsunternehmen wie Lidl und Mediamarkt etabliert. Wichtige Infrastrukturprojekte, wie die Athener U-Bahn und der Athener Flughafen wurden mit Hilfe deutscher Unternehmen ausgeführt. Eine Tochtergesellschaft des Flughafenbetreibers Fraport soll künftig in Griechenland 14 bislang staatliche Regionalflughäfen betreiben und weiterentwickeln. Ein entsprechender Konzessionsvertrag wurde im Dezember 2015 gezeichnet. Die Konzessionen sind zunächst auf einen Zeitraum von 40 Jahren angelegt. Die Konzessionsübernahme wird bis Ende 2016 angestrebt. 121 in Griechenland ansässige deutschen Unternehmen stellen ca. 29.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften ca. 7,3 Mrd. Euro (Stand April 2016 bezogen auf 2014, Quelle: Deutsche Bundesbank).

Griechenland strebt eine Rolle als regionale "Drehscheibe" der Versorgung mit Energie und Energierohstoffen an. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist der im Mai 2016 aufgenommene Bau der Trans Adriatic Pipeline (TAP), die auch durch Griechenland verlaufen wird. Durch sie soll ein direkter Zugang von Erdgas aus dem Kaspischen Raum zu den europäischen Märkten geschaffen werden.


Umweltpolitik

Die griechische Regierung will den Einsatz von erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft) ausbauen.

Die Abfallverwaltung gehört zu den größten Umweltproblemen zahlreicher griechischer Regionen. Fortschritte werden durch Änderungen in der Gesetzgebung und im Rahmen von Ausschreibungen für Abfalldeponien angestrebt.

Zur Verbesserung der Luftqualität verfolgt die Stadt Athen weiterhin Maßnahmen, z.B. zur Beschränkung des Autoverkehrs in der Innenstadt und den Einsatz gasbetriebener Busse. Der infolge der Wirtschaftslage über Jahre zurückgegangene Individualverkehr hat vor allem in den Ballungsräumen Athen und Thessaloniki, in denen die Hälfte der griechischen Bevölkerung lebt, zu einer etwas sinkenden Belastung durch Autoabgase beigetragen. Bei der Zahl von Neuzulassungen von Pkw war 2014 erstmals seit Beginn der Krise wieder ein Zuwachs zu verzeichnen, der sich 2015 fortgesetzt hat (+9% Zulassungen gegenüber 2014). Zuvor waren 2011/2012 (jeweils Januar bis August) die Zulassungen um 40,3 Prozent zurückgegangen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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