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Griechenland

Wirtschaft

Stand: Januar 2014

Wirtschaftspolitik

Die griechische Wirtschaft schrumpft seit 2009. 2010 betrug der (reale) Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) -4,9 Prozent, 2011 -7,1 Prozent, 2012 -6,4 Prozent. Für 2013 rechnen die griechische Regierung und die Troika aus EU-Kommission, IWF und EZB mit einem Rückgang um -4,2 Prozent, die griechische Zentralbank jedoch mit einem weiteren Einbruch der Wirtschaftsleistung um -4,6 Prozent. Für 2014 prognostizieren Troika und griechische Regierung ein leichtes Wachstum von 0,6 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit lag nach Angaben der Statistikbehörde EL.STAT im September 2013 bei 27,1 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei 59 Prozent (EU-Höchstwert).

Nachdem 2010 die Inflationsrate auf einen Höchstwert von 4,7 Prozent kletterte, ist sie aufgrund der wegbrechenden Binnennachfrage wieder gesunken (2012: 1,0 Prozent) und mittlerweile ist bereits eine leichte Deflation (-0,8 Prozent) zu verzeichnen, eine Folge der sog. „Realanpassung“ der Wirtschaft. Die Haushaltslage hat sich in den letzten Jahren erkennbar verbessert: Das Haushaltsdefizit sank von -9,4 Prozent in 2011 auf -6,3 Prozent im Jahr 2012. Für 2013 werden noch -4,1 Prozent erwartet. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Entlastungswirkung des PSI (Private Sector Involvement). Das Primärdefizit ist ebenfalls von -2,3 Prozent in 2011 auf -1,3 Prozent in 2012 gesunken und für 2013 planen Troika und griechische Regierung einen ausgeglichenen Primärhaushalt, in den Folgejahren sogar einen Primärüberschuss. Der Schuldenstand ist weiterhin beachtlich mit 175,5 Prozent des BIP.

Griechenland hat einen weiterhin hohen Anteil von Staatsbediensteten an der Gesamterwerbsbevölkerung, der allerdings im Rahmen der Vereinbarungen mit der Troika bereits verringert worden ist. Seine Industrie erarbeitet lediglich 12 Prozent des BIP, der Tourismus trägt mit ca. 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Für 2013 zeichnet sich in der Tourismusbranche ein Zuwachs ab (voraussichtlich über 17 Millionen Besucher und geschätzt 11,5 Milliarden Euro direkte Einnahmen). Der Inlandstourismus ist allerdings um 50 Prozent eingebrochen. Grundsätzlich sind die Einnahmen aus dem Tourismus zurückgegangen von 10,18 Mrd. Euro im Jahr 2011 auf 9,77 Mrd. im Jahr 2012. Die griechischen Exporteure konnten 2012 ihre Ausfuhrerlöse von 20,2 Mrd. Euro im Jahr 2011 auf 22 Mrd. Euro im Jahr 2012 steigern, was allerdings bei der geringen Exportorientierung der griechischen Wirtschaft nur wenig gesamtwirtschaftliche Effekte erzeugte. Das Leistungsbilanzdefizit betrug 2012 ca. 20,6 Mrd. Euro. Die Leistungsbilanz ist bereits seit über 30 Jahren negativ, allerdings verringerte sich das Leistungsbilanzdefizit im Krisenverlauf deutlich (vor allem durch Verbesserung der Handelsbilanz, insbesondere durch deutlich weniger Importe und etwas mehr Exporte sowie durch den Rückgang des Einkommensbilanzdefizites).

Die griechische Wirtschaft ist geprägt durch kleine und mittelständische Betriebe, es gibt nur wenige Großunternehmen. Die Landwirtschaft, deren Anteil am BIP in den letzten Jahren stetig gesunken ist (2011: 2,75 Prozent), verzeichnet bei der Produktion und Verarbeitung von regionalen Produkten wie Olivenöl, Käse und Zuchtfisch wieder leichten Zuwachs. Ehemals traditionelle Produkte wie Tabak, Baumwolle und Zuckerrüben spielen kaum noch eine Rolle. Einen hohen Stellenwert im produzierenden Gewerbe haben pharmazeutische Produkte und Halbzeuge („Halbfabrikate“) aus Aluminium und Geräte zur Elektrizitätserzeugung. Einst starke Bereiche wie die Textilindustrie sind abgewandert.

Die Regierung Samaras versucht durch Verbesserung der Investitionsbedingungen und Privatisierung von staatlichem Eigentum vor allem ausländisches Kapital nach Griechenland zu bringen. Weitere Strukturreformen sind beschlossen und werden durchgeführt, so vor allem der Abbau von bürokratischen Hemmnissen für die Exportwirtschaft und Erleichterungen bei Firmengründungen.


Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von 6,4 Mrd. Euro (2012) neben Italien einer der wichtigsten Handelspartner Griechenlands. Der deutsche Export nach Griechenland ist allerdings seit 2008 (ca. 8 Mrd. Euro) kontinuierlich zurückgegangen und betrug 2012 nur noch 4,6 Mrd. Euro. Dies liegt im Trend der Entwicklung der Exporte anderer EU-Länder nach Griechenland. Ursächlich dafür dürfte sowohl die im Zuge der griechischen Finanzkrise zurückgegangene griechische Nachfrage sein als auch eine stärkere Zurückhaltung der deutschen Exportindustrie bei Griechenlandgeschäften. Deutsche Hauptausfuhrgüter sind Maschinen und Fahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Produkte. 2012 importierte Deutschland Güter im Wert von ca. 1,8 Mrd. Euro aus Griechenland. In der Länderrangliste des deutschen Außenhandels belegt Griechenland bei deutschen Exporten Platz 39, bei Importen nach Deutschland Platz 47 (Zahlen für 2012). Aus Deutschland kamen zwischen Januar und Juli 2013 rund 704.000 Besucher, ein Zuwachs von 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Quelle: Bank of Greece).

Deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigsten ausländischen Investoren. Die Deutsche Telekom hat sukzessive einen 40-prozentigen Anteil am ehemaligen staatlichen Telekommunikationskonzern OTE erworben. Neben den seit vielen Jahren in Griechenland tätigen Unternehmen wie Siemens, Bayer, Hochtief und anderen sind Einzelhandelsunternehmen wie Lidl und Mediamarkt etabliert. Wichtige Infrastrukturprojekte, wie die Athener U-Bahn und der Athener Flughafen wurden mit Hilfe deutscher Unternehmen ausgeführt. Die 153 in Griechenland ansässigen deutschen Unternehmen stellen ca. 33.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften ca. 8,2 Mrd. Euro (April 2011, Quelle: Deutsche Bundesbank, Stand: April 2013).

Griechenland bemüht sich, künftig eine wichtige Rolle als regionale "Drehscheibe" der Versorgung mit Energie und Energierohstoffen zu spielen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist der Ende Juni 2013 offiziell angekündigte Bau der Trans Adriatic Pipeline (TAP), die auch durch Griechenland verlaufen wird und durch die ein direkter Zugang von Erdgas aus dem Kaspischen Raum zu den europäischen Märkten geschaffen wird.


Umweltpolitik

Die griechische Regierung will durch bessere rechtliche Rahmenbedingungen und Förderprogramme den Einsatz von erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft) ausbauen. Dabei unterstützt sie die Bundesregierung durch strategische Beratung.

Ein weiteres Feld der Zusammenarbeit bildet die Abfallwirtschaft. Die Abfallverwaltung gehört zu den größten Umweltproblemen zahlreicher griechischer Regionen. Fortschritte werden durch Änderungen in der Gesetzgebung und im Rahmen von Ausschreibungen für Abfalldeponien angestrebt.

Zur Verbesserung der Luftqualität verfolgt die Stadt Athen weiterhin Maßnahmen, z. B. zur Beschränkung des Autoverkehrs in der Innenstadt und den Einsatz gasbetriebener Busse. Zurückgehender Individualverkehr, auch infolge der Wirtschaftslage, trägt vor allem in den Ballungsräumen Athen und Thessaloniki, in denen die Hälfte der griechischen Bevölkerung lebt, zu einer etwas sinkenden Belastung durch Autoabgase bei. Die Zahl von Neuzulassungen von Pkw im Vergleichszeitraum 2011/2012 (jeweils Januar bis August) ist um 40,3 Prozent zurückgegangen. 2013 erfolgte ein nochmaliger Rückgang im Vergleich zu 2012 um weitere 3 Prozent. Ein verstärkter Einsatz von Brennholz zu Heizzwecken, ebenfalls infolge gestiegener Heizölpreise, führt besonders in den Wintermonaten, zu einer erheblichen Belastung der Luftqualität in den Ballungsräumen. Damit einher ging eine verstärkte Rodung von Wäldern, insbesondere in Nordgriechenland.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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