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Griechenland

Wirtschaft

Stand: September 2015

Wirtschaftspolitik

Im Zeitraum von 2009 bis 2011 ist das griechische BIP um über 20% zurückgegangen. Nach einer erstmaligen leichten Erholung, hat die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für 2015 im Laufe des Jahres von +2,9 % auf -2,3 % korrigiert. In den ersten beiden Quartalen 2015 hat Griechenland ein leichtes Wachstum erzielt (+ 1,4 % im 2. Quartal 2015 gegenüber 2014). Unter anderem infolge der Ende Juni 2015 eingeführten Kapitalverkehrskontrollen wird für das 2. Halbjahr 2015 ein erneuter BIP-Rückgang erwartet. Die Arbeitslosigkeit verbleibt mit 24,6 % im 2. Quartal 2015 und einer  Jugendarbeitslosigkeit von 49,5 % weiterhin auf einem hohen Niveau.

Nachdem 2010 die Inflationsrate auf einen Höchstwert von 4,7 % kletterte, ist sie aufgrund der wegbrechenden Binnennachfrage wieder gesunken (2013 -0,9 %). Seit Mitte 2013 ist eine leichte Deflation zu verzeichnen. Von August 2014 bis August 2015 sind die Preise durchschnittlich um 0,4% gesunken. Besonders hoch der Rückgang bei Kleidung und Mieten.

Die Haushaltslage hatte sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert. 2015 hingegen spiegeln sich die politischen Unsicherheiten und realwirtschaftlichen Probleme im Haushalt wider. In den Jahren 2013 und 2014 erzielte Griechenland noch einen Primärüberschuss. (öffentl. Gesamthaushalt, ohne Zinszahlungen). Mittlerweile hat sich die Einnahmesituation deutlich verschlechtert. Es ist angestrebt, 2015 den Primärsaldo auf ein Minus von 0,25% zu begrenzen. Erst für die Folgejahre ist die Rückkehr zu einem positiven Primärsaldo  angestrebt. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Griechenland mit seinen Gläubigern u.a. vereinbart, Strukturreformen durchzuführen sowie durch Maßnahmen im Steuer- und Privatisierungsbereich zusätzliche Einnahmen zu generieren. Der Schuldenstand beträgt rd. 177 % des BIP (2014).

Die Industrie in Griechenland erarbeitet 16,5 % des BIP, der Tourismus trägt mit 16,4 % zur Wirtschaftsleistung bei. 2014 besuchten über 22  Mio. Touristen Griechenland (und ca. 2,5 Mio. Kreuzfahrtbesucher), eine Rekordbesucherzahl. Den größten Anteil stellten Besucher aus Deutschland (knapp 2,45 Mio., +8,5% gegenüber 2013). Die Einnahmen aus dem Tourismus beliefen sich auf über 13,4 Mrd. Euro. Der griechische Tourismusverband erwartet für 2015 bis zu  26 Mio. Besucher.

Der Export gilt neben dem Tourismus als einer der wichtigsten Wachstumsmotoren in Griechenland. Er trägt mit 15,2% zum BIP bei (2013). Die wichtigsten Exportprodukte sind Öl- und Raffinerie- sowie chemische Produkte. Traditionell bilden zudem landwirtschaftliche Produkte einen wichtigen Anteil am griechischen Export (2012: 16,6%). Nach einem kontinuierlichen Aufwärtstrend seit 2009 stagnierte seit 2013 der Wert der griechischen Exporte bzw. entwickelte sich rückläufig. Seit Ende 2014 bis Juni 2015 zeigte sich infolge der Eurokursentwicklung ein Anstieg der Ausfuhrwerte. Seit Ende Juni 2015 wirken sich die am 29. Juni eingeführten Kapitalverkehrskontrollen auf den Export, besonders aber auch auf den Import aus. Allein im Juli 2015 ging der Exportwert um -8% zurück. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Wert der Importe im Juli 2015 um -32%. Durch schrittweise Erleichterungen der Kapitalverkehrskontrollen verfolgt die Regierung die Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu mindern. Das Leistungsbilanzdefizit betrug 2012  17,9 Mrd. Euro. Die Leistungsbilanz ist bereits seit über 30 Jahren negativ. Das Defizit hat sich im Krisenverlauf durch eine Verbesserung der Handelsbilanz verringert. Das Handelsbilanzdefizit ist dabei 2014 gewachsen (-6,4% im Vergleich zu 2013). Im 1. Halbjahr 2015 war ein Rückgang um -19,5% zu verzeichnen (Januar 2015 – Juli 2015). Die griechische Wirtschaft ist geprägt durch kleine und mittelständische Betriebe; es gibt nur wenige Großunternehmen. Die Landwirtschaft, deren Anteil am BIP in den letzten Jahren gesunken ist (2013: 3,7 Prozent), verzeichnet bei der Produktion und Verarbeitung von regionalen Produkten wie Olivenöl, Käse und Zuchtfisch wieder leichten Zuwachs. Ehemals traditionelle Produkte wie Tabak, Baumwolle und Zuckerrüben spielen kaum noch eine Rolle. Einen hohen Stellenwert im produzierenden Gewerbe haben pharmazeutische Produkte und Halbzeuge („Halbfabrikate“) aus Aluminium und Geräte zur Elektrizitätserzeugung. Einst starke Bereiche wie die Textilindustrie sind abgewandert.


Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von 6,6 Mrd. Euro (2014) neben der Türkei und Italien einer der wichtigsten Handelspartner Griechenlands. Der deutsche Export nach Griechenland ist allerdings seit 2008 (ca. 8 Mrd. Euro) kontinuierlich zurückgegangen und betrug 2014 noch 4,9 Mrd. Euro. Dies liegt im Trend der Entwicklung der Exporte anderer EU-Länder nach Griechenland. Ursächlich dafür dürfte sowohl die im Zuge der griechischen Finanzkrise zurückgegangene griechische Nachfrage als auch eine stärkere Zurückhaltung der deutschen Exportindustrie bei Griechenlandgeschäften sein. Deutsche Hauptausfuhrgüter sind Maschinen und Fahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Produkte. 2013 importierte Deutschland Güter im Wert von ca. 1,7 Mrd. Euro aus Griechenland. In der Länderrangliste des deutschen Außenhandels belegt Griechenland bei deutschen Exporten Platz 40, bei Importen nach Deutschland Platz 43 (Zahlen für 2013). Deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigsten ausländischen Investoren. Die Deutsche Telekom hat sukzessive einen 40-prozentigen Anteil am ehemaligen staatlichen Telekommunikationskonzern OTE erworben. Neben den seit vielen Jahren in Griechenland tätigen Unternehmen wie Siemens, Bayer, Hochtief und anderen sind Einzelhandelsunternehmen wie Lidl und Mediamarkt etabliert. Wichtige Infrastrukturprojekte, wie die Athener U-Bahn und der Athener Flughafen wurden mit Hilfe deutscher Unternehmen ausgeführt. 119 in Griechenland ansässige deutschen Unternehmen stellen ca. 29.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften ca. 7 Mrd. Euro (Stand April 2015 bezogen auf 2013, Quelle: Deutsche Bundesbank).

Griechenland strebt eine Rolle als regionale "Drehscheibe" der Versorgung mit Energie und Energierohstoffen an. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist der Ende Juni 2013 offiziell angekündigte Bau der Trans Adriatic Pipeline (TAP), die auch durch Griechenland verlaufen wird. Durch sie soll ein direkter Zugang von Erdgas aus dem Kaspischen Raum zu den europäischen Märkten geschaffen werden.


Umweltpolitik

Die griechische Regierung will den Einsatz von erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft) ausbauen.

Die Abfallverwaltung gehört zu den größten Umweltproblemen zahlreicher griechischer Regionen. Fortschritte werden durch Änderungen in der Gesetzgebung und im Rahmen von Ausschreibungen für Abfalldeponien angestrebt.

Zur Verbesserung der Luftqualität verfolgt die Stadt Athen weiterhin Maßnahmen, z.B. zur Beschränkung des Autoverkehrs in der Innenstadt und den Einsatz gasbetriebener Busse. Der infolge der Wirtschaftslage zurückgegangene Individualverkehr hat vor allem in den Ballungsräumen Athen und Thessaloniki, in denen die Hälfte der griechischen Bevölkerung lebt, zu einer etwas sinkenden Belastung durch Autoabgase beigetragen. Bei der Zahl von Neuzulassungen von Pkw war 2014 erstmals seit Beginn der Krise wieder ein Zuwachs zu verzeichnen, der sich 2015 fortgesetzt hat. Zuvor waren 2011/2012 (jeweils Januar bis August) die Zulassungen um -40,3 Prozent zurückgegangen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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