Hauptinhalt

Griechenland

Wirtschaft

Stand: März 2015

Wirtschaftspolitik

Nach sechsjähriger Rezession hat Griechenland 2014 erstmals wieder ein leichtes Wachstum von 0,75 % erzielt. 2010 betrug der (reale) Rückgang des BIP (Bruttosozialprodukt) -4,9 %, 2011 -7,1 %, 2012 -6,4 % und 2013 –3,9 %. Die Wachstumsprognose für 2015 +2,5% Prognose der EU-Kommission vom Februar 2015) steht unter dem Vorbehalt, dass sich der eingetretene positive Trend fortsetzt und verstärkt. Erstmals seit 2008 wurde ab dem 2. Quartal 2014 ein Beschäftigungsanstieg verzeichnet. Die Arbeitslosigkeit verbleibt allerdings weiterhin mit 25,5% im 3. Quartal 2014 und einer  Jugendarbeitslosigkeit von 49,5% auf einem hohen Niveau.

Nachdem 2010 die Inflationsrate auf einen Höchstwert von 4,7 % kletterte, ist sie aufgrund der wegbrechenden Binnennachfrage wieder gesunken (2013 -0,9 %). Seit Mitte 2013 ist eine leichte Deflation zu verzeichnen zuletzt -2,2%, u.a. wegen deutlich gefallener Energiepreise).

Die Haushaltslage hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert: Das Haushaltsdefizit sank von 9,4 % im Jahr 2011 über 6,1 %  im Jahr 2012 auf 1,6 % im Jahr 2013. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Entlastungswirkung des Schuldenschnitts PSI (Private Sector Involvement). 2013 und 2014 erzielte Griechenland einen Primärüberschuss. (öffentl. Gesamthaushalt, ohne Bankenrekapitalisierung). Der Schuldenstand beträgt rd. 175 % des BIP und stellt sich somit stabil im Vergleich zum Vorjahr dar.

Die Industrie in Griechenland erarbeitet 12,6 % des BIP, der Tourismus trägt mit 16,4 % zur Wirtschaftsleistung bei. 2014 besuchten über 22  Mio. Touristen Griechenland (und ca.2,5 Mio. Kreuzfahrtbesucher), eine Rekordbesucherzahl. Den größten Anteil stellten Besucher aus Deutschland (knapp 2,45 Mio., +8,5% gegenüber 2013). Die Einnahmen aus dem Tourismus beliefen sich auf über 13,4 Mrd. Euro. Der griechische Tourismusverband erwartet für 2015 bis zu  25 Mio. Besucher. Die griechischen Exporteure konnten  ihre Ausfuhrerlöse von 22,5 Mrd. Euro im Jahr 2013 auf 23,6 Mrd. Euro im Jahr 2014 (+4,9%) steigern, was bei der geringen Exportorientierung der griechischen Wirtschaft aber nur geringe gesamtwirtschaftliche Effekte erzeugte. Der Dienstleistungsexport steigerte sich vor allem durch den Tourismus deutlich (+ 11,2%). Zugleich erfolgte 2014 erstmals wieder seit 2008 ein Anstieg der Warenimporte (+4,7%). Im Ergebnis verringerte sich darüber das Außenhandelsbilanzdefizit um 9,2% (-282 Mio. Euro) gegenüber einem Rückgang von 43,1% im Vergleichszeitraum 2013. Das Leistungsbilanzdefizit betrug 2012  17,9 Mrd. Euro. Die Leistungsbilanz ist bereits seit über 30 Jahren negativ, allerdings verringerte sich das Leistungsbilanzdefizit im Krisenverlauf deutlich (vor allem durch eine Verbesserung der Handelsbilanz, insbesondere durch weniger Importe und etwas mehr Exporte sowie durch den Rückgang des Einkommensbilanzdefizites).

Die griechische Wirtschaft ist geprägt durch kleine und mittelständische Betriebe; es gibt nur wenige Großunternehmen. Die Landwirtschaft, deren Anteil am BIP in den letzten Jahren stetig gesunken ist (2012: 2,9 Prozent), verzeichnet bei der Produktion und Verarbeitung von regionalen Produkten wie Olivenöl, Käse und Zuchtfisch wieder leichten Zuwachs. Ehemals traditionelle Produkte wie Tabak, Baumwolle und Zuckerrüben spielen kaum noch eine Rolle. Einen hohen Stellenwert im produzierenden Gewerbe haben pharmazeutische Produkte und Halbzeuge („Halbfabrikate“) aus Aluminium und Geräte zur Elektrizitätserzeugung. Einst starke Bereiche wie die Textilindustrie sind abgewandert.


Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von 6,5 Mrd. Euro (2012) neben der Türkei und Italien einer der wichtigsten Handelspartner Griechenlands. Der deutsche Export nach Griechenland ist allerdings seit 2008 (ca. 8 Mrd. Euro) kontinuierlich zurückgegangen und betrug 2012 nur noch 4,7 Mrd. Euro. Dies liegt im Trend der Entwicklung der Exporte anderer EU-Länder nach Griechenland. Ursächlich dafür dürfte sowohl die im Zuge der griechischen Finanzkrise zurückgegangene griechische Nachfrage als auch eine stärkere Zurückhaltung der deutschen Exportindustrie bei Griechenlandgeschäften sein. Deutsche Hauptausfuhrgüter sind Maschinen und Fahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Produkte. 2013 importierte Deutschland Güter im Wert von ca. 1,7 Mrd. Euro aus Griechenland. In der Länderrangliste des deutschen Außenhandels belegt Griechenland bei deutschen Exporten Platz 40, bei Importen nach Deutschland Platz 43 (Zahlen für 2013). Deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigsten ausländischen Investoren. Die Deutsche Telekom hat sukzessive einen 40-prozentigen Anteil am ehemaligen staatlichen Telekommunikationskonzern OTE erworben. Neben den seit vielen Jahren in Griechenland tätigen Unternehmen wie Siemens, Bayer, Hochtief und anderen sind Einzelhandelsunternehmen wie Lidl und Mediamarkt etabliert. Wichtige Infrastrukturprojekte, wie die Athener U-Bahn und der Athener Flughafen wurden mit Hilfe deutscher Unternehmen ausgeführt. Die 143 in Griechenland ansässigen deutschen Unternehmen stellen ca. 32.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften ca. 7,6 Mrd. Euro (Stand April 2014 bezogen auf 2012, Quelle: Deutsche Bundesbank).

Griechenland strebt eine Rolle als regionale "Drehscheibe" der Versorgung mit Energie und Energierohstoffen an. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist der Ende Juni 2013 offiziell angekündigte Bau der Trans Adriatic Pipeline (TAP), die auch durch Griechenland verlaufen wird.Durch sie soll ein direkter Zugang von Erdgas aus dem Kaspischen Raum zu den europäischen Märkten geschaffen werden.


Umweltpolitik

Die griechische Regierung will den Einsatz von erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft) ausbauen.

Die Abfallverwaltung gehört zu den größten Umweltproblemen zahlreicher griechischer Regionen. Fortschritte werden durch Änderungen in der Gesetzgebung und im Rahmen von Ausschreibungen für Abfalldeponien angestrebt.

Zur Verbesserung der Luftqualität verfolgt die Stadt Athen weiterhin Maßnahmen, z.B. zur Beschränkung des Autoverkehrs in der Innenstadt und den Einsatz gasbetriebener Busse. Der infolge der Wirtschaftslage zurückgegangene Individualverkehr hat vor allem in den Ballungsräumen Athen und Thessaloniki, in denen die Hälfte der griechischen Bevölkerung lebt, zu einer etwas sinkenden Belastung durch Autoabgase beigetragen. Bei der Zahl von Neuzulassungen von Pkw war 2014 erstmals seit Beginn der Krise wieder ein Zuwachs zu verzeichnen. Zuvor waren 2011/2012 (jeweils Januar bis August) die Zulassungen um -40,3 Prozent zurückgegangen; Ein verstärkter Einsatz von Brennholz zu Heizzweckenführte besonders in den Wintermonaten zu einer erheblichen Belastung der Luftqualität in den Ballungsräumen. Damit einher ging eine verstärkte Rodung von Wäldern, insbesondere in Nordgriechenland. Gesunkene Heizölpreise haben 2014 zu einer Senkung dieser Belastung beigetragen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere