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Griechenland

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2016

Viele Griechen fühlen sich trotz schlimmer Erinnerungen an die Leiden des griechischen Volkes unter der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs mit Deutschland und der deutschen Kultur eng verbunden: Hunderttausende Griechen sind nach Jahren, die sie in Deutschland als Arbeitnehmer oder Studenten verbracht haben, von dort mit guten Erinnerungen in die Heimat zurückgekehrt. Gegenwärtig leben in Deutschland mehr als  300.000 Menschen griechischer Herkunft, die sich gut in die deutsche Gesellschaft integriert haben. Aufgrund der Wirtschaftskrise in Griechenland nimmt die Anzahl derjenigen, die nach Deutschland kommen, wieder zu.

Viele Griechen, darunter auch eine Reihe prominenter Politiker und Wissenschaftler, erinnern sich auch dankbar daran, in der Zeit der Obristendiktatur (1967-1974) Zuflucht und Unterstützung in Deutschland gefunden zu haben. Hervorzuheben sind die engen Kontakte zwischen den Juristen beider Länder, die darauf zurückzuführen sind, dass Griechenland nach der Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert das deutsche Zivilrecht übernommen hat und viele griechische Juristen in Deutschland studiert haben. Aber auch viele Ingenieure und Ärzte haben eine deutsche Ausbildung erhalten. Viele griechische Akademiker, bis hin zu führenden Persönlichkeiten in Staat und Gesellschaft, sprechen gut Deutsch.

Politische Beziehungen

Die politischen Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland waren über viele Jahre von großer Übereinstimmung in internationalen Fragen (Rolle der Vereinten Nationen, Nahostpolitik, Wiederaufbau Afghanistans) und in den Grundsatzfragen der Europäischen Union geprägt. Die Wirtschaftskrise, aber auch die Flüchtlingsfrage haben sich auf die bilateralen Beziehungen stark ausgewirkt. Dabei wird Deutschland als ein entscheidender Akteur in Europa gesehen, ohne dessen maßgebliche Unterstützung die Herausforderungen in Griechenland nicht bewältigt werden können.

Bundespräsident Joachim Gauck war vom 5. bis 7. März 2014 zu einem Staatsbesuch in Athen. Der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos hielt sich am 18. Januar 2016 zu Gesprächen mit Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel in Berlin auf. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kam am 24. April 2015 zu einem Antrittsbesuch nach Berlin. Mit Bundeskanzlerin Merkel, die zuletzt am 11. April 2014 Athen besuchte, ist er häufig in telefonischem Kontakt. Regierungschefs und Minister treffen sich auch regelmäßig im EU-Rahmen. Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier besuchte Athen am 9./10. Januar 2014. Der neue griechische Außenminister Nikos Kotzias war am 10. Februar 2015 zu einem Antrittsbesuch in Berlin sowie erneut zu Gesprächen mit Bundesaußenminister Steinmeier am 22. Januar 2016. Bundeswirtschaftsminister Gabriel besuchte Griechenland mit einer 40-köpfigen Delegation aus Unternehmen, Verbänden sowie Abgeordneten des Deutschen Bundestags am 30. Juni / 1. Juli 2016.

Im März 2010 vereinbarten beide Regierungen die Gründung einer „Deutsch-Griechischen Partnerschaft“ (DGP). In diesem Rahmen bestehen zahlreiche Kooperationsprojekte, z.B. ein deutsch-griechisches Forschungsprogramm, Zusammenarbeit im Bereich berufliche Bildung sowie Unterstützung bei der Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen.  Deutschland unterstützt  den Reformprozess in Griechenland auch im europäischen Rahmen.  Deutsche Experten waren bislang vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, Reform der Lokalverwaltung und Erneuerbare Energien und Energieeffizienz tätig und sollen künftig auch bei der Exportförderung helfen. Aktuell unterstützen deutsche Experten die griechische Regierung vor allem auch im Asylverfahrensbereich, bei der Koordinierung der Flüchtlingshilfe und der Bekämpfung der Schlepperkriminalität.

Die Kooperation der Kommunen und Regionen wird im Rahmen der „Deutsch-Griechischen Versammlung“ (DGV) ausgebaut. Als Koordinator für die DGV hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel ernannt. Seit 2012 haben sich mehr als 300 Kontakte zwischen Kommunen entwickelt und eine Reihe von gemeinsamen Konferenzen stattgefunden, um Know-how-Partnerschaften zu vertiefen. Das fünfte Treffen der DGV fand vom 4. bis 6. November 2015 in Berlin statt. Die nächste Versammlung ist vom 3. bis 5 .November 2016 im griechischen Nafplio geplant.  

Die Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg und die dabei von der Wehrmacht begangenen Verbrechen sind im Bewusstsein vieler Griechen noch sehr präsent und werden auch von der  Regierungskoalition aus SYRIZA und ANEL thematisiert. Viele Opfergemeinden haben in den letzten Jahren deutsche Repräsentanten zu den Gedenkfeiern und anderen Anlässen eingeladen.

Um die gemeinsame Aufarbeitung dieser Vergangenheit zu fördern und gezielt denjenigen Opfergemeinden zu helfen, die besonders unter Gräueltaten während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg gelitten haben, wurde 2014 der Deutsch-Griechische Zukunftsfonds ins Leben gerufen. Darüber hinaus haben beide Regierungen anlässlich des Besuchs des griechischen Staatspräsidenten Papoulias am 12. September 2014 die Schaffung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks als gemeinsames Ziel erklärt. Dadurch soll der Austausch der Jugendlichen aus beiden Ländern und deren Verständnis für einander sowie die Versöhnung beider Völker gefördert werden.

In Deutschland haben sich rund 50 deutsch-griechische Gesellschaften im Dachverband "Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften" zusammengeschlossen.


Schuldenkrise und öffentliche Meinung

Die seit 2010 in Medien und Öffentlichkeit beider Länder teilweise heftig und kontrovers geführte Diskussion um die Schuldenkrise und über den "richtigen" Weg zu deren Überwindung ist mittlerweile in den Hintergrund gerückt - insbesondere aufgrund der enormen Belastung Griechenlands durch die Flüchtlingskrise, bei der Deutschland von der griechischen Seite als ein besonders hilfreicher Partner wahrgenommen wird.  

Die Bundesregierung fördert  durch zahlreiche Gesprächsforen und Reisen den Dialog zwischen beiden Seiten. Dazu leisten auch die deutschen Politischen Stiftungen, die seit 2012 wieder in Griechenland vertreten sind, einen wichtigen Beitrag.


Wirtschaftsbeziehungen

Deutsche Unternehmen sind in Griechenland vor allem in Einzelhandel, Pharmaindustrie und Infrastrukturprojekten engagiert. Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von 6,6 Mrd. Euro Griechenlands wichtigster Handelspartner (2015). Deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigsten ausländischen Investoren. Die Deutsche Telekom besitzt einen 40-prozentigen Anteil am halbstaatlichen griechischen Telekommunikationskonzern OTE. Neben den seit vielen Jahren in Griechenland tätigen Unternehmen wie Siemens, Bayer, Hochtief u.a. haben sich Einzelhandelsunternehmen wie Lidl und Media-Saturn in Griechenland etabliert. Wichtige Infrastrukturprojekte - wie die Athener U-Bahn und der Athener Flughafen - wurden mit Hilfe deutscher Unternehmen ausgeführt. Eine Tochtergesellschaft des Flughafenbetreibers Fraport soll künftig in Griechenland 14 bislang staatliche Regionalflughäfen betreiben und weiterentwickeln. Ein entsprechender Konzessionsvertrag wurde im Dezember 2015 gezeichnet.


Kulturelle Beziehungen

Enge kulturelle Verbindungen zwischen Griechenland und Deutschland bestehen seit dem Freiheitskampf der Griechen gegen die Osmanenherrschaft, der von den Philhellenen in Deutschland unterstützt wurde. Unter der Herrschaft von König Otto aus dem Hause Wittelsbach (1833-62) kamen zahlreiche deutsche – besonders bayerische - Wissenschaftler und Verwaltungsfachleute ins Land. Durch die bahnbrechenden Forschungen deutscher Altertumswissenschaftler, die Tätigkeit deutscher Ingenieure für die Entwicklung des Landes und die teilweise Orientierung am deutschen Recht ergaben sich auf wissenschaftlichem Gebiet starke Bindungen, die auch beide Weltkriege überdauert haben. Rund 40.000 Griechen haben ihre Berufsausbildung ganz oder teilweise in Deutschland absolviert. Jeder zehnte Grieche hat im Laufe seines Lebens einmal längere Zeit in Deutschland gelebt.

Die Zweigstellen des Goethe-Instituts in Athen und Thessaloniki bereichern das kulturelle Angebot in den beiden Ballungszentren des Landes. Die Goethe-Institute in Griechenland nehmen weltweit die meisten Sprachprüfungen ab.

Die Deutsche Schule in Athen mit deutscher und griechischer Abteilung (mehr als 1.000 Schüler) blickt auf eine über 110-jährige Tradition zurück und genießt einen ausgezeichneten Ruf. Dasselbe gilt für die noch ältere Deutsche Schule in Thessaloniki. Gleichzeitig tragen auch mehrere griechische Privatschulen  zur Verbreitung der deutschen Sprache bei.

Die 1874 gegründete Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Athen betreut bedeutende Ausgrabungen in Olympia, auf dem Kerameikos-Friedhof in Athen, in Kalapodi, auf der Insel Samos, in Tiryns (Peloponnes) sowie auf Aegina. Sie verfügt über eine umfangreiche Bibliothek sowie ein großes Photo-Archiv.und Photothek.

Die germanistischen Abteilungen an den Universitäten Athen und Thessaloniki werden durch die Entsendung von drei Lektoren gefördert. Auch der DAAD unterhält in Athen seit 2004 ein eigenes Informationszentrum. Mehr als 2.500 Griechinnen und Griechen haben bislang DAAD-Stipendien erhalten (vor allem Masterstudium und Promotion), über 300 Humboldt-Forschungsstipendien sind vergeben worden. Rund 7.000 Griechen (ohne Erasmus-Programm) studieren in Deutschland, davon 3.800 Bildungsinländer und 3.200 Bildungsausländer (Stand: Wintersemester 2015/2016).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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