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Georgien

Wirtschaft

Stand: März 2017

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Georgien ist ein kleiner Wirtschaftsraum (3,6 Mio. Einwohner). Die Wirtschaft ist traditionell auf Landwirtschaft ausgerichtet, in der etwa 50% der Erwerbstätigen beschäftigt sind. Sie besteht überwiegend aus Subsistenzwirtschaft und trägt weniger als 10% zum BIP bei. Die Industrie hat einen niedrigen technologischen Stand und erwirtschaftet ebenfalls ca. 10% des BIP. 2015/16 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage: Die Landeswährung verlor bis Anfang 2017 über 30% zum USD, Außenhandelsdefizit (2016: 65%) und Auslandsverschuldung (über 100% des BIP) stiegen an, die Staatseinnahmen sanken. Das Wachstum lag 2016 bei ca. 2,7%, die Inflationsrate bei 1,8%, die Arbeitslosigkeit bei offiziell 12 % (in ländlichen Gebieten geschätzt auf ca. 40%).

Hauptursache dieser Entwicklung war die wirtschaftliche Krise wichtiger Handelspartner Georgiens im früheren sowjetischen Raum (Russland, Ukraine, Aserbaidschan, Armenien, Kasachstan) u.a. infolge des gefallenen Ölpreises. Dadurch sanken die georgischen Exporte in diese Länder und die Geldüberweisungen von Georgiern von dort (vor allem aus RUS) nach Georgien. Weitere Ursache waren gesunkene Weltmarktpreise für einige Hauptexportgüter (z.B. Haselnüsse: reale Exporte in die EU +27%, Erlöse -10%).

Zurzeit ist die georgische Wirtschaft auf niedrigem Niveau stabil. Georgien konnte die negativen Auswirkungen der Krise in einigen Nachbarländern durch seine Währungspolitik und den Aufbau neuer Handelsbeziehungen (z.B. China) begrenzen. Der hohe Anteil privater Kredite in USD, deren Bedienung für die georgischen Kreditnehmer sehr teuer geworden ist, hatte bisher keine wesentlichen Folgen.

Die Prognosen für 2017 deuten auf eine positive Entwicklung: Wirtschaftswachstum (3,5%) und Auslandsüberweisungen nehmen wieder zu. Georgiens Wirtschaft hat aber eine Reihe struktureller Probleme, die gelöst werden müssen, wenn Georgien seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und internationale Konkurrenzfähigkeit nachhaltig verbessern will.


Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Die georgische Regierung verfolgt ihre Anfang 2016 formulierten und weiter ausgearbeiteten vier Hauptziele für den Zeitraum 2016-2020 weiter. Dabei geht es vor allem um Reformen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Raumordnung und öffentliche Verwaltung.

Die georgische Regierung gestaltet bereits seit mehreren Jahren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gezielt unternehmensfreundlich, um vor allem Investitionen aus dem Ausland anzuziehen. Die Steuersätze für Unternehmen sind niedrig, Verfahren zur Gründung von Unternehmen einfach und die Aufenthaltsregelungen für Ausländer sehr großzügig. 2017 erreichte Georgien in der internationalen Rangliste der Wirtschaftsfreundlichkeit der World Bank Group den 16. Platz. Georgien erwarb sich außerdem durch die erfolgreiche Bekämpfung der weit verbreiteten Korruption im Staatsapparat einen sehr guten Ruf.

2016 beschloss die Regierung eine Steuerreform, wonach Unternehmensgewinne erst besteuert werden, wenn sie verteilt werden (Estnisches Modell). Gleichzeitig nahm sie weitere Reformmaßnahmen in Angriff (z.B. Rentensystem, Insolvenzrecht, Liegenschaftskataster) Mit dem IWF hat Georgien Anfang 2017 ein neues Hilfsprogramm (i.H.v. 285 Mio. USD) vereinbart. Die angestrebte Bildungsreform hat u.a. eine duale Berufsausbildung zum Ziel.

Eine Priorität der Regierung ist es, die geografische Lage Georgiens zu nutzen, um es zu einem leistungsfähigen Transportkorridor zwischen China bzw. Zentralasien und der Türkei und Europa machen. Georgien baut deshalb seine Verkehrswege in Ost-West-Richtung aus. Die wichtigsten Projekte sind die Eisenbahnlinie Baku-Tiflis-Kars (BTK), die 2017 eröffnet werden soll, die Autobahn Tiflis-Batumi und der neue Seehafen Anaklia am Schwarzen Meer.

Der Ausbau der Infrastruktur soll auch die Entwicklung der Bergregionen fördern und Georgien für ausländische Touristen und als Ort internationaler Veranstaltungen im Südkaukasus attraktiv machen. Tourismus und Bauwirtschaft gehören bereits jetzt zu den Wachstumsbranchen der georgischen Wirtschaft.

Georgien hat sich politisch und wirtschaftlich auf die EU und die USA ausgerichtet und wird deshalb beim Kapazitätsaufbau in vielen Bereichen (z.B. Recht, Wirtschaft, Verwaltung) von der EU, ihren Mitgliedstaaten und den USA stark unterstützt. Ein zentrales Element ist das 2014 mit der EU abgeschlossene Assoziierungsabkommen, das ein vertieftes  Freihandelsabkommen (DCFTA) umfasst. Es verpflichtet Georgien, seine Gesetzgebung in den vielen Bereichen (z.B. Wettbewerbspolitik, technische Handelsbeschränkungen, gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Maßnahmen, Schutz des geistigen Eigentums) an europäische Standards anzupassen. Im Gegenzug erhalten in Georgien erzeugte Güter freien Zugang zum europäischen Markt.


Außenhandel

Georgien hat eine chronisch negative Außenhandels- (2016: -65%) und Leistungsbilanz (Defizit ca. 12 % des BIP). Der Umsatz des Außenhandels sank 2016 gegenüber dem Vorjahr leicht auf 9,3 Mrd. USD. Importen im Wert von 7,2 Mrd. USD standen Exporte von 2,1 Mrd. USD gegenüber. Das Land ist auf den Import der meisten Industriegüter sowie Erdgas und Erdöl angewiesen. Ausgeführt werden vor allem Metalle (z.B. Kupfererze, Eisenlegierungen), Nüsse, Kfz und Wein. Der Handel mit gebrauchten Kfz nimmt eine führende Position ein. 

Die Handelsbilanz Georgiens mit der EU (einschl. Deutschland) wies 2016 ein Defizit von 2,4 Mrd. USD auf. Die größten Handelspartner 2016 waren Kanada, Türkei, Russland, Irland, China und Aserbaidschan. Deutschland lag mit einem Umsatz von ca. 500 Mio. USD auf dem 7. Platz. Georgien ist sehr bestrebt, die wirtschaftlichen Beziehungen mit China auszubauen. 2016 schlossen beide Länder ein Freihandelsabkommen. Mit der Türkei besteht ein Freihandelsabkommen seit 2007. 

Hindernisse für die Verbesserung der Exportstruktur sind die geringe Zahl und Bandbreite der Exportprodukte, ihre starke Abhängigkeit von schwankenden Weltmarktpreisen, der hohe Anteil des Handels mit Ländern der ehemaligen Sowjetunion, fehlende Qualitätskontrollen und geringe Konkurrenzfähigkeit im EU-Raum (Verhältnis von Menge, Preis und Qualität).


Ausländische Direktinvestitionen

Wegen des begrenzten regionalen Marktes sind ausländische Investoren in Georgien trotz starker investitionsfördernder Anreize der Regierung zurückhaltend. Größte Investoren 2016 waren Aserbaidschan, Türkei und Großbritannien. Die wichtigsten Sektoren für ausländische direkte Investitionen sind: Transport/Kommunikation, Energie und Bauwesen.

Zu den besonderen wirtschaftlichen Chancen Georgiens gehört ein großes Potenzial an Wasserkraft. Es könnte neben der Stromversorgung des Landes und dem Stromexport auch ein Standortfaktor für die Ansiedlung energieintensiver Industriebetriebe sein. Um die Möglichkeiten zu nutzen, ist Georgien auf weitere ausländische Investitionen angewiesen.

Strategisch wichtige Investitionsprojekte bleiben die Leitungen für Gas und Öl vom Kaspischen Meer durch Georgien nach Europa.


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