Hauptinhalt

Georgien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Februar 2016

Politik

Deutschland war das erste Land der Europäischen Gemeinschaft, das Georgien nach der Unabhängigkeit 1991 am 23. März 1992 völkerrechtlich anerkannte und am 13. April 1992 diplomatische Beziehungen aufnahm. Deutschland hat 1992 als erster Staat eine Botschaft in Georgien eröffnet. Die engen und vertrauensvollen Beziehungen zwischen Deutschen und Georgiern haben eine fast 200-jährige Tradition, die zurückgeht auf die Einwanderung schwäbischer Bauern ab 1817. In Deutschland bleibt der Anteil des früheren sowjetischen Außenministers und späteren Präsidenten Georgiens Schewardnadse an der deutschen Wiedervereinigung unvergessen. Deutschland wiederum genießt in Georgien Ansehen und Sympathie. Die erheblichen entwicklungspolitischen Leistungen der Bundesregierung ebenso wie auch die vielfältigen kulturellen, akademischen und persönlichen Kontakte werden in der georgischen Gesellschaft sehr geschätzt.

Deutschland zählte zu den ersten Staaten, die Georgien nach Ausbruch des Krieges Hilfe für humanitäre Projekte zugunsten der Opfer und Vertriebenen und zur Unterstützung des Wiederaufbaus im Land leisteten. Deutschland beteiligt sich auch aktiv an der EU-Beobachtermission (EUMM). Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier besuchte 2014 zwei Mal in Georgien.

Im Rahmen der Europäischen Union setzt sich Deutschland für eine Annäherung Georgiens und der Region insgesamt an Europa ein. Deutschland hat die Aufnahme von Georgien, Armenien und Aserbaidschan in die europäische Nachbarschaftspolitik sowie die EU-Entscheidung zur Schaffung einer Östlichen Partnerschaft aktiv unterstützt. Deutschland hat sich zusammen mit Frankreich (gemeinsamer Besuch von Bundesminister Steinmeier und dem französischen Außenminister Fabius Ende April 2014) für die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens durch Georgien stark gemacht.

Die Bundesregierung fördert die Integration der Gesamtregion auch durch die deutsche Kaukasus-Initiative im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.


Wirtschaft

Mit dem Abkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen (in Kraft seit 27.09.1998) und dem Doppelbesteuerungsabkommen (in Kraft seit 21.12.2007) besteht eine gute völkerrechtliche Grundlage für den bilateralen Wirtschaftsaustausch.

Deutschland ist derzeit hinter der Türkei, Aserbaidschan, China, Russland und der Ukraine sechstgrößter Handelspartner Georgiens. Das deutsch-georgische Handelsvolumen lag 2015 bei 454 Mio. Euro (-4,4%), davon 361 Mio. Euro Importe aus Deutschland, vor allem Autos und Auto-Teile, Maschinen, chemische Erzeugnisse, Elektrotechnik und Nahrungsmittel. Georgien exportiert nach Deutschland vor allem Nahrungsmittel (insbesondere Nüsse) und Textilien, wobei die Exporte im Zuge der Implementierung des Freihandelsabkommens mit der EU noch ausbaufähig sind.

Die deutsche Regierung unterstützt Georgien in den Bereichen Privatwirtschaft, Managerfortbildung und Standortmarketing; zudem wird die georgische Regierung in makroökonomischen Fragen beraten.

In Georgien sind etwa 230 deutsche Firmen vor allem mit Vertriebsbüros präsent. Zur Vertiefung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen trägt wesentlich die 2007 gegründete Deutsche Wirtschaftsvereinigung (DWV) bei, der gegenwärtig etwa 130 in Georgien tätige Unternehmen angehören. Die DWV bietet umfangreiche Dienstleistungen für den Markteintritt in Georgien an und wirbt durch Präsentationen in Deutschland für den Investitionsstandort Georgien. Sie ist Partner des weltweiten Netzwerks deutscher Auslandshandelskammern, und ihr steht seit 2008 der Unternehmer und georgische Honorarkonsul in München, Prof. Dr. Claus Hipp, vor. Seit 2013 betreut die DWV auch den armenischen Markt.


Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten der größte bilaterale Partner Georgiens in der Entwicklungszusammenarbeit. Seit 1992 hat Deutschland über 700 Mio. Euro an Unterstützung geleistet, im September 2015 weitere bis zu 150 Mio. Euro zugesagt. Die bilaterale Zusammenarbeit erfolgt im Rahmen der Kaukasus-Initiative der Bundesregierung und konzentriert sich auf die Schwerpunktsektoren Umwelt und Energie, Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sowie Governance – Demokratie, Dezentralisierung und Rechtsstaatlichkeit.

Nicht zuletzt dank der GIZ-Beratung haben inzwischen 70% der Bürger Zugang zu modernen Dienstleistungen ihrer Gemeinden, hat Georgien Programmhaushalte eingeführt und die Qualität der Juristenausbildung verbessert. Leuchtturmprojekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind die Einrichtung von Naturschutzgebieten und die Rehabilitierung der Wasserversorgung und -entsorgung in Batumi.

Vorläufiger Höhepunkt ist der Schwarzmeerenergieverbund, zu dem Deutschland mit einem Finanzierungsbeitrag von 100 Mio. Euro beigetragen hat und der mit einer Umspannstation und einer Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsbrücke in Akhaltsikhe seit 2013 das georgische mit dem türkisch-europäischen Stromnetz verbindet und den Stromexport aus Georgien ermöglicht.


Kultur und Bildung

Die kulturelle Verbundenheit der Georgier mit Deutschland ist historisch gewachsen und eng (etwa 2.300 Georgier studieren in Deutschland, Deutsch ist an manchen georgischen Schulen zweite Fremdsprache).

Historisch hatten Deutsche  im 19. und 20. Jahrhundert Einfluss auf Architektur und Malerei und bekleideten wichtige Funktionen im öffentlichen Leben. Der Geograph und Naturforscher Gustav Radde beispielsweise war 1867 Gründungsdirektor des Kaukasischen Museums, des Vorläufers des heutigen Georgischen Nationalmuseums. Auch der Name Siemens ist eng mit der Geschichte und Entwicklung Georgiens verbunden. Neben London und St. Petersburg befand sich eine dritte Filiale der Firma Siemens in Tiflis. Walter Siemens, der von 1861-62 Konsul des Norddeutschen Bundes in Transkaukasien mit Sitz in Tiflis war, baute um 1860 auch die erste Telegrafenleitung zwischen Tiflis und Kodschori.

Deutsche Einwanderer ließen sich ab 1817 in verschiedenen Regionen Georgiens nieder. Die deutsche Minderheit zählt noch ca. 1.500 meist ältere Personen. Die Interessen der deutschen Minderheit werden durch den Verein „Einung“ vertreten. Ein 2013 gegründeter Verein zur Bewahrung des deutschen Kulturguts im Südkaukasus will das Erbe der deutschen Kolonisten erhalten und die 200-Jahrfeier 2017 mit vorbereiten.

Die Städtepartnerschaft zwischen Tiflis und Saarbrücken (die erste in der damaligen UdSSR) wurde in den 1970er Jahren zur Brücke zwischen Künstlern und Wissenschaftlern beider Länder. Eine weitere aktive Städtepartnerschaft zwischen dem ostgeorgischen Telawi und Biberach a.d. Riß besteht seit 1987.

Zu den aktivsten Kulturgesellschaften, die sich der Pflege der Beziehungen zwischen beiden Ländern verschrieben haben, gehören in Deutschland die „Berliner Georgische Gesellschaft“ und die „Brandenburgisch-Georgische Gesellschaft“ sowie in Georgien die „Georgisch-Deutsche Gesellschaft“ in Tiflis, das „Georgisch-Deutsche-Zentrum“ (GDZ) in Kutaissi sowie das Georgisch-Deutsche-Haus (GDH) in Sugdidi.

Deutschland ist in Georgien mit einer Zweigstelle des Goethe-Instituts in Tiflis und einer Außenstelle in Kutaissi, einem Büro und drei Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (zwei in Tiflis, einer in Kutaissi), Büros von vier politischen Stiftungen (FES, FNS, HBS, KAS) sowie sieben durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen an georgische Schulen vermittelten deutschen Lehrern vertreten. Seit 1999 haben ca. 1.000 Schülerinnen und Schüler erfolgreich das Deutsche Sprachdiplom der Stufe 2 (sprachliche Befähigung zur Aufnahme eines Studiums in Deutschland) abgeschlossen. Es gibt 13 Partnerschulen für Deutsch, das mit derzeit rund 41.800 Lernenden an den georgischen Schulen die drittwichtigste Fremdsprache nach Englisch und Russisch ist. Eine Deutsche Internationale Schule Tbilissi (Tiflis) hat im September 2010 mit Kindergarten, Vorschule und Grundschule den Betrieb aufgenommen und wird jedes Jahr um eine weitere Klasse erweitert. Sie führt seit Beginn des Schuljahres 2014/15 in die Sekundarstufe I. Die georgische Seite stellt der Schule für den Bau eines eigenen Schulgebäudes ein Grundstück zur Verfügung.

Die Evangelisch-lutherische Kirche besteht aus drei kleinen Gemeinden in Tiflis, Bolnisi (ehemals Katharinenfeld) und Suchumi (Abchasien) und wird von einem entsandten deutschen Bischof betreut.


Entwicklungs­zusammenarbeit

Georgien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen regionaler Zusammenarbeit (Kaukasus-Initiative).
Deutschland engagiert sich aktiv für den Wiederaufbau Georgiens und der Region Südkaukasus. Mit der Kaukasus-Initiative leistet Deutschland seit April 2001 einen Beitrag zur regionalen Zusammenarbeit und zur Konfliktprävention zwischen Armenien, Aserbaidschan und Georgien.
Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere