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Frankreich

Kultur und Bildung

Stand: Juni 2017

Frankreich gehört zu den führenden Kulturnationen der Welt. Kunst und Kultur genießen hohe Wertschätzung und werden mit erheblichen öffentlichen Beträgen unterstützt. In Paris wie in den Regionen ist das Angebot überwältigend. Dies gilt für traditionelle Ausdrucksformen ebenso wie für zeitgenössische Beiträge. Besonderes Augenmerk gilt auch dem Erhalt des reichen kulturellen Erbes, zahlreiche historische Bauten sind vorbildlich renoviert. In internationalen Gremien verfolgt Frankreich ein Konzept der kulturellen Vielfalt: Kultur ist keine Ware, die allein Marktgesetzen gehorchen darf. Frankreich vertritt diese Position mit Nachdruck in der Diskussion um die kulturelle Ausnahme im Rahmen des transatlantischen Freihandelsabkommen sowie um den verstärkten Schutz von Urheberrechten und geistigen Eigentums im digitalen Raum. Daneben bleibt die weltweite Förderung der französischen Sprache ein zentrales Anliegen.

Der kulturelle Austausch mit dem Ausland, insbesondere mit Deutschland, ist rege. Viele junge französische Künstler finden den Weg v.a. in die vielfältige Szene Berlins.

Bildungswesen

Ein unentgeltliches öffentliches Bildungswesen ist in Frankreich verfassungsmäßig verankert. Traditionell dominiert ein ganztägiges Gesamtschulsystem, das vom Bildungsministerium in Paris zentral gesteuert wird. Daneben behaupten sich Privatschulen mit Erfolg. Diese stehen zum Großteil zwar unter konfessioneller Trägerschaft, verfolgen in ihren Lehrplänen jedoch ebenfalls das Prinzip des Laizismus. Die Schulpflicht besteht in Frankreich bis zum 16. Lebensjahr.

Ab dem dritten Lebensjahr gibt es in Frankreich die staatliche Vorschule (école maternelle). Mit sechs Jahren beginnt verpflichtend die Grundschule (école primaire oder élémentaire, 5 Jahre), gefolgt von einer einheitlichen Mittelstufe (collège, 4 Jahre). Danach besteht die Wahl zwischen berufsbildenden Schulen (lycée professionnel, 2-4 Jahre) oder dem allgemeinbildenden Gymnasium (lycée, 3 Jahre). Mit der Abschlussprüfung des Gymnasiums (baccalauréat) nach 12 Jahren wird in Frankreich die allgemeine Hochschulreife erworben. Die Abiturquote (einschließlich berufsbildender und technischer Gymnasien) liegt bei etwa 71 Prozent.

Im September 2013 trat ein neues Gesetz in Kraft, mit dem die Parti Socialiste insbesondere die Unterrichtszeiten an den Schulen reformierte. Mit der Reform wurde die 24 Stunden-Woche eingeführt, aufgeteilt auf viereinhalb Tage pro Woche. Als Ausgleich zum Unterricht soll den Schülern zudem ein ausgiebiges Nachmittags-Programm mit diversen Aktivitäten angeboten werden.

Für die berufliche Bildung sind in erster Linie die berufsbildenden Gymnasien (lycée professionnel) zuständig, die in den mehr als 300 anerkannten Berufen ausbilden. Unterricht und praktische Ausbildungsteile von einigen Wochen wechseln sich ab. Der Abschluss erfolgt nach zwei Jahren mit einem brevet d'études professionnelles (BEP), das Kenntnisse in einer Berufssparte bescheinigt, oder nach drei Jahren mit einem certificat d'aptitude professionnelle (CAP) in einem Ausbildungsberuf. Diese Abschlüsse können ergänzt werden durch einen weiteren Ausbildungsgang mit viermonatigem betrieblichen Praktikum hin zu einem Berufsabitur (baccalauréat professionnel), das zur Aufnahme eines Studiums berechtigt. Neben diesen Ausbildungsgängen wird auch ein duales zwei- bis dreijähriges Ausbildungssystem (vergleichbar einer Lehre im deutschen Berufschulwesen) mit einer Kombination von theoretischem Unterricht in speziellen Ausbildungszentren (centres de formation d'apprentis - CFA) und praktischer Ausbildung in Betrieben angeboten, das ebenfalls zu einem CAP-Abschluss führt. Dieser Weg wird aktuell besonders im Rahmen von Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit gefördert.

Das französische Hochschulsystem bleibt von Auslese und Elitenbildung geprägt. Der Zugang zum Vorstudium (classes préparatoires), das auf die so genannten Grandes Écoles vorbereitet (Elitehochschulen mit fünfjährigen Ausbildungen), erfolgt über anspruchsvolle Auswahlwettbewerbe (concours). Die Führungseliten des Landes in Politik, Wirtschaft und Verwaltung rekrutieren sich immer noch weitgehend aus diesen Grandes Écoles. Die finanzielle Ausstattung von regulären Universitäten und Grandes Écoles wird teilweise angeglichen und der Zugang zu den Vorbereitungsklasse für die leistungsstärksten Schüler aller Gesellschaftsschichten auch über Stipendien weiter erleichtert. Der Übergang zwischen Grandes Écoles und den Universitäten soll einfacher werden. Derzeit studieren rund 2,4 Millionen Studierende an französischen Hochschulen - so viele wie nie zuvor.


Hochschule und Forschung

Seit Juli 2013 hat Frankreich ein neues Hochschul- und Forschungsgesetz, das v.a. in zwei Bereichen Verbesserungen bringen soll. Zum einen sollen mehr junge Menschen eines Jahrgangs erfolgreich ein Hochschulstudium durchlaufen und die Abbrecherquoten bei Bachelorstudiengängen reduziert werden. Hierzu ist geplant, bereits in den letzten drei Jahren des Gymnasiums die Schüler gezielt auf ein Studium vorzubereiten. Lehrinhalte sollen verstärkt nach dem Vorbild der englischsprachigen Länder (z.B. massive open online courses) online vermittelt werden. Hierzu wurde eigens eine neue Organisation und Website gegründet: France Université Numérique.

Außerdem sieht das Gesetz einen neuen Strategierat für Forschung und Innovation beim Premierminister sowie die Erarbeitung einer Forschungsstrategie, die sich eng am europäischen Rahmenprogramm Horizon 2020 orientiert, und einer Hochschulstrategie vor. Beide nationalen Strategien liegen mittlerweile vor. Die erst vor einigen Jahren geschaffene Agentur zur Evaluierung von Universitäten und Forschungseinrichtungen wurde aufgelöst und durch einen neuen Evaluierungsrat ersetzt. Viel zusätzliches Geld für Forschung konnte in den letzten Jahren über das Zukunftsinvestitionsprogramm generiert werden, das momentan in der zweiten Version ausgeschrieben wird. Eine dritte Welle ist bereits geplant.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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