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China

Beziehungen zu Deutschland

Stand: April 2017

Politik

Die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China haben 1972 diplomatische Beziehungen aufgenommen.

In den zurückliegenden über 40 Jahren haben sich diese Beziehungen zu großer Vielfalt, beachtlicher Dichte und zunehmender politischer Substanz entwickelt - sie sind freundschaftlich und gut. Deutschland vertritt ebenso wie alle EU-Partner eine Ein-China-Politik. China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Angesichts der wachsenden Unsicherheitsfaktoren in der Welt und den noch nicht bewältigten Folgen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise kommt der Zusammenarbeit und Abstimmung der beiden strategischen Partner Deutschland und China eine immer größere Bedeutung zu. China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als seinen Schlüsselpartner in Europa. Regelmäßige hochrangige politische Abstimmung und dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, kultur- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit prägen die Beziehungen.

Seit 2004 werden die deutsch-chinesischen Beziehungen daher als "Strategische Partnerschaft in globaler Verantwortung" bezeichnet, die mit dem Staatsbesuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Deutschland Ende März 2014 zu einer 'umfassenden strategischen Partnerschaft' angehoben wurden. Seit 2011 finden regelmäßige Regierungskonsultationen statt, zuletzt im Juni 2016, an der die beiden Kabinette unter Leitung der Regierungschefs zusammenkommen.

Darüber hinaus gibt es insgesamt über 60 Dialogmechanismen, davon viele auf hoher Regierungsebene, zwischen Fachministern, Staatssekretären und Leitern von Regierungsbehörden. Wichtige neue Abstimmungsformate sind die strategischen außenpolitischen und sicherheitspolitischen Dialoge der Außenminister und der hochrangige finanzpolitische Dialog der Finanzminister und Notenbankchefs.

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung unserer bilateralen Beziehungen bestehen weiterhin grundsätzliche Meinungsunterschiede im Bereich der Menschenrechte, insbesondere zu den persönlichen Freiheitsrechten. Es bleibt ein wichtiges Interesse Deutschlands, dass China sich innenpolitisch weiterentwickelt, rechtsstaatliche Strukturen und Sozialsysteme entwickelt, mehr politische und ökonomische Gerechtigkeit, vor allem auch grundlegende Freiheitsrechte zulässt und Minderheitenfragen friedlich löst. Ein wichtiges Kooperationsinstrument zur Entwicklung von mehr Rechtsstaatlichkeit ist der Rechtsstaatsdialog. Ebenso wichtig ist der jährliche bilaterale Menschenrechtsdialog.


Rechtsstaatsdialog und Menschenrechtsdialog

Der deutsch-chinesische Rechtsstaatsdialog geht auf eine Vereinbarung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji vom November 1999 zurück. Er soll für den Aufbau eines Rechtsstaats und die Durchsetzung der Menschenrechte in China einen langfristigen Ansatz bieten. Koordinatoren des Rechtsstaatsdialogs sind auf deutscher Seite das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz auf chinesischer Seite das Rechtsamt des Staatsrats.

Einmal im Jahr findet ein Symposium statt, bei dem deutsche und chinesische Regierungsvertreter und Experten über ein aktuelles rechtliches Thema debattieren. Das jüngste deutsch-chinesische Rechtsstaatssymposium fand unter Leitung von Bundesjustizminister Maas und dem Leiter des chinesischen Rechtsamts des Staatsrats, Minister Song, im Juli 2016 in Deutschland zum Thema „Regelungssysteme und Mechanismen zum Schutz von Verbraucherrechten im Internet Zeitalter“ statt.

Die aus diesem Dialog herrührenden Erkenntnisse und Anregungen haben Einfluss auf die Ausgestaltung von Rechtsnormen in China gehabt und unterstützen damit auch die Bestrebungen der chinesischen Regierung, Rechtsnormen in bestimmten Bereichen durchzusetzen.

Der jüngste Menschenrechtsdialog fand vom 6.-9. November 2016 in Berlin und Traunstein statt. Im Vordergrund der Gespräche standen die Umsetzung von Rechtsstaatlichkeit, insbesondere der Zugang zu Rechtsanwälten und die Rechte von Anwälten sowie Beschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit, der Einsatz von Folter sowie die Menschenrechtslage in Tibet, einschließlich Einzelfälle.


Wirtschaft

Mit einem Handelsvolumen von 169,9 Mrd. Euro wurde China 2016 der wichtigste Handelspartner Deutschlands vor Frankreich (167,2 Mrd. EURO) und den Vereinigten Staaten (164,7 Mrd. EURO)  Nach einem moderaten Rückgang der deutschen Exporte nach China im Vorjahr hat sich der Export wieder stabilisiert. So steigen die  Ausfuhren in die Volksrepublik gegenüber 2015 um rund 6,9 Prozent auf gut 76,1 Milliarden Euro, die Importe aus China wuchsen im selben Zeitraum um 2,5% auf über 93,8 Mrd. Euro (Quelle: destatis).

Der Umbau der bisher exportgetriebenen chinesischen Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen, innovationsgetriebenen Wachstum und einer Stärkung des Binnenkonsums bietet für die deutsche Wirtschaft große Chancen. Im Januar 2014 wurde in Berlin die erste chinesische Handelskammer in Europa eröffnet, die den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und Investitionen weiter fördern soll. Zudem war China 2015 Partnerland bei der CEBIT und dort mit zahlreichen Unternehmen vertreten.

China ist (nach Frankreich, USA und Großbritannien) der viertgrößte Abnehmer deutscher Exportprodukte und der weltweit wichtigste Absatzmarkt für deutsche Maschinen. In der Volksrepublik werden, nach den USA und Großbritannien, die meisten deutschen Kraftfahrzeuge verkauft. Allein die Volkswagengruppe verkaufte 2016 in China 3,98 Mio. Fahrzeuge. In keinem anderen Land werden mehr deutsche Kraftfahrzeugteile abgesetzt als in China. Die deutschen Elektrotechnik-Ausfuhren nach China  betrugen 2015 10,4 Mrd. Euro, Maschinen wurden in demselben Jahr im Wert von 16,3 Mrd. Euro verkauft und der Export von Kraftfahrzeugen/ Landfahrzeugen lag bei 17,7 Mrd. Euro. Die Exporte deutscher Nahrungs- und Genussmittel nach China (Fleisch, Milcherzeugnisse, Getränke) stiegen 2015 auf etwa 1,1 Mrd Euro. Damit bleibt China einer der wichtigsten Auslandsmärkte für die deutsche Agrar- und Ernährungsindustrie.


Investitionen

Die deutsche Wirtschaft engagiert sich bis heute deutlich stärker in China als China in Deutschland, was nicht zuletzt den unterschiedlichen Entwicklungsstand beider Volkswirtschaften widerspiegelt. Derzeit sind in Deutschland rund 900 chinesische Unternehmen tätig. Dem stehen über 5.000 deutsche Unternehmen in China gegenüber. Insgesamt haben deutsche Unternehmen bis heute um ein Vielfaches mehr in China investiert als umgekehrt, allerdings sind stark gestiegene chinesische Aktivitäten feststellbar, auch aufgrund der globalen Investitionsstrategie der chinesischen Regierung („Going-Global-Strategie“), die ausländische Investitionen der chinesischen Wirtschaft ermutigt und flankiert. Im Jahr 2015 haben chinesische Übernahmen in Europa mit einem geschätzten Volumen von 20 Mrd. Euro stattgefunden. Erste Schätzungen für das Jahr 2016 gehen von einer erneuten Rekordzahl aus: 35 Mrd. Euro chinesischer Investitionen in der EU. Davon wurden etwa 11 Mrd. EURO (31%) in Deutschland investiert.

Schwerpunkte des chinesischen Engagements in Deutschland sind die Bereiche Maschinenbau, Elektronik, Konsumgüter und Informations- und Kommunikationstechnologie. Herausragende Übernahmen waren z.B. die Käufe des Roboterherstellers KUKA (4,4 Mrd. EURO), des Abfallkonzerns EEW (1,4 Mrd. EURO) und nicht zuletzt die Übernahme des Maschinenbauers  Krauss Maffei (925 Mio. EURO).

China hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich ausländische Direktinvestitionen eingeworben, gleichwohl müssen noch immer Transparenz und Investitionssicherheit erhöht werden, um den Investitionsstandort besonders für mittelständische Unternehmen attraktiv zu halten. Investoren erwarten mehr Vertragsfreiheit und gleiche Marktzugangsbedingungen, insbesondere denselben Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen wie chinesische Unternehmen. Vor allem auch im bisher stark reglementierten, aber stark wachsenden Dienstleistungssektor (Banken, Versicherungen, Logistik und Handel) wird sich zeigen, ob die Reformpläne der chinesischen Regierung eine Verbesserung bringen. Bislang ist ausländischen Unternehmen der Zugang zu vielen interessanten Tätigkeitsfeldern rechtlich verschlossen und/oder faktisch nicht möglich.

In China regelt bis heute ein ausführlicher Investitionskatalog für ausländische Unternehmen für jedes Marktsegment, ob und in welcher Form ausländische Investitionen willkommen sind. Er enthält eine ausführliche Liste von Sektoren, die in drei Kategorien eingeordnet werden können und danach entweder 1. verboten sind, 2. eingeschränkt zulässig sind, 3. gefördert werden. Nicht aufgezählte Vorhaben sind grundsätzlich erlaubt. Allerdings enthält der Katalog keine gesetzlich verbindlichen und zudem auch keine abschließenden Vorgaben. Ab April 2015 gilt ein revidierter, jedoch keine neuen signifikanten Öffnungen enthaltender Katalog. Im Dezember 2016 haben die Nationale Reform- und Entwicklungskommission (NDRC) und das Handelsministerium (MOFCOM) einen neuen Entwurf für eine Revision des Investitionskataloges für ausländische Investitionen (Foreign Investment Industrial Guidance Catalogue) veröffentlicht. Allerdings blieben auch dort signifikante Verbesserungen für ausländische Investoren aus. Die Marktzugangsbeschränkungen in China im Vergleich zu denen in der EU bleiben asymmetrisch zum Nachteil ausländischer Investoren ausgestaltet.

Seit 2005 gibt es ein bilaterales deutsch-chinesisches Investitionsschutzabkommen, das die Rahmenbedingungen für beiderseitige Investitionen regelt und eine gleichberechtigte Investitionslage herstellen soll. Zwischen der EU und China wurden im November 2013 Verhandlungen über ein umfassendes Investitionsabkommen aufgenommen, das neben Regelungen zum Investitionsschutz auch Verbesserungen im Marktzugang erhalten soll. Die Verhandlungen darüber dauern auch im Jahr 2017 noch an.


Außenwirtschaftsförderung

Im Rahmen der Förderung deutscher Außenwirtschaftsinteressen in China sind neben der Deutschen Botschaft Peking und den Generalkonsulaten in Hongkong, Shanghai, Guangzhou (Kanton), Chengdu und Shenyang auch Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft (unter dem Dach des Auslandskammerwesens des Deutschen Industrie- und Handelskammertags - DIHK) tätig, ferner Auslandsmitarbeiter von 'Germany Trade and Invest' (gtai) für den Außenwirtschaftsbereich in Peking, Shanghai und Hongkong sowie für den Investitionsförderbereich in Peking und Shanghai. Delegiertenbüros und die Büros von 'Germany Trade and Invest' arbeiten eng mit der Deutschen Botschaft in Peking und den deutschen Generalkonsulaten zusammen. Deutsche Unternehmen in (Festland-) China haben sich in einer Kammer organisiert, deren Geschäftsführung in Personalunion von den Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Peking wahrgenommen wird. In Hongkong besteht eine 'German Business Association'.


Energie, Umwelt und Klima

Der Aufbau einer „ökologischen Zivilisation“ ist ein Leitbild der aktuellen Führung unter Xi Jinping und Li Keqiang. Diese soll wirtschaftliche Entwicklung und Modernisierung, Industrie, Landwirtschaft, Urbanisierung und Ökologie besser als bislang miteinander verbinden. Zentrale Fragen, denen sich die Volksrepublik China daher stärker widmet, sind Maßnahmen zum Klimaschutz, (Maßnahmen zur Emissionsreduzierung sowie zur Anpassung an den Klimawandel), die Modernisierung der Umweltpolitik, eine umweltfreundlichere Energiepolitik einschließlich des Ausbaus nicht-fossiler Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen und die Bewältigung der aus dem nach wie vor hohen Urbanisierungsdruck innerhalb Chinas resultierenden gravierenden Probleme. Der Zustand von Umweltgütern macht diese Notwendigkeit deutlich: anhaltend hohe Luftverschmutzung in weiten Teilen Chinas, zunehmend sichtbare Probleme der Wasserverfügbarkeit und -qualität und deren negativer Einfluss auf die Landwirtschaft sowie schlechte Bodenqualitäten. Der absehbar in den nächsten Jahren steigende Energieverbrauch verstärkt den Handlungsdruck.

Durch die Vorreiterrolle, die Deutschland in vielen Bereichen des Klima- und Umweltschutzes sowie der alternativen Energien und der Energieeffizienz eingenommen hat, ergibt sich eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für eine Partnerschaft mit China. Deutschland hat ein ehrgeiziges Energiekonzept verabschiedet, mit dem das Auslaufen der Kernenergie und der Ausbau erneuerbarer Energien beschlossen worden ist. Die chinesische Zentralregierung setzt in ihrem aktuellen Fünf-Jahresplan auf vermehrt qualitativ nachhaltiges statt auf rein quantitatives Wachstum.

Mit der Internationalen Klimainitiative unterstützt die Bundesregierung zahlreiche Klimaschutzprojekte. Dies umfasst unter anderem die Beratung Chinas zur Einführung eines Emissionshandelssystems, zum Aufbau karbonarmer Transportsysteme, kohlenstoffarmer Landnutzung sowie Fortbildungsmaßnahmen für Entscheidungsträger. Im Rahmen einer jährlich stattfindenden Arbeitsgruppe zum Klimaschutz tauschen sich beide Länder intensiv über aktuelle Entwicklungen und Maßnahmen aus. Grundlage ist ein zwischen beiden Ländern 2009 vereinbartes 'Memorandum of Understanding' über eine Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Klimaänderungen.

Seit 2013 besteht eine bilaterale Urbanisierungspartnerschaft, um den Urbanisierungsprozess in China über konkrete Projekte nachhaltig zu gestalten. Hieraus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte und Chancen für die Wirtschaft.


Entwicklungszusammenarbeit

Die Volksrepublik China hat nach der 1978 eingeleiteten Öffnungspolitik und den schrittweisen Wirtschaftsreformen eine schnelle Entwicklung durchlaufen und über 500 Mio. Menschen aus der Armut befreit. Arm ist in China, wer weniger als 2300 RMB (ca. 325 Euro) pro Jahr zur Verfügung hat. Im 13. Fünfjahresplan hat China sich verpflichtet, bis 2020 auch die noch verbliebenen rund 43 Mio. Chinesen aus der Armut zu befreien. Sollte dies gelingen, würde China dieses zentrale Entwicklungsziel zehn Jahre früher erreichen als in der 2015 von den VN verabschiedeten Agenda 2030 vorgesehen. 

Die Bundesregierung beschloss 2009, die traditionelle Entwicklungszusammenarbeit mit China zu beenden und hat seitdem keine neuen finanziellen Zusagen an China gemacht. Alle verbliebenen Programme werden im Laufe der nächsten Jahre zu Ende geführt. In Zukunft kommt es vielmehr darauf an, dass China stärker in die Lösung globaler Entwicklungsfragen und in internationale Verantwortungssysteme eingebunden wird. Dies gilt insbesondere für seine Rolle als neuer Geber. Die Bundesregierung will mit China verstärkt in Dialoge über globale Entwicklungsfragen eintreten und neue Formen der Zusammenarbeit, etwa trilaterale Kooperationen, im Rahmen der strategischen Partnerschaft entwickeln. Zu diesem Zweck ist die Einrichtung eines gemeinsamen Zentrums für nachhaltige Entwicklung in Peking geplant.


Wissenschaft und Technologie

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit besteht bereits seit über 30 Jahren und wird stets weiter ausgebaut und intensiviert. Deutschland und China sind zu Partnern auf Augenhöhe geworden. Auch in der akademischen und beruflichen Bildung besteht seit Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Mit Vorstellung einer eigenen China-Strategie bis 2020 im Oktober 2015 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und durch die Deutschland-Strategie des chinesischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie im Herbst 2016 vertieften beide Seiten den strategischen Dialog und ihre Partnerschaft. Dabei ist insbesondere die bilaterale Kooperation von Forschungsinstituten seit vielen Jahren sehr eng. Die gemeinsame Wissenschaftsförderung wird neben der Kooperation der Ministerien auch über das Deutsch-Chinesischen Zentrum für Wissenschaftsförderung, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft  gemeinsam mit der National Natural Science Foundation of China in Peking betreibt, gepflegt. Ebenso unterhalten die deutschen Forschungsorganisationen  wie die Max-Planck-Gesellschaft, die Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz, die Helmholtz-Gemeinschaft  und die Fraunhofer Gesellschaft und seit Februar 2017 auch die Max Weber Stiftung eigene, intensive und zum Teil auch gemeinsame institutionelle Kooperationen in vielen verschiedenen Forschungsbereichen. 

Für die nachhaltige Restrukturierung der Wirtschaft hat die chinesische Regierung die Rolle der Innovation ins Zentrum gestellt. Passend dazu steigen die Gelder, die für F&E aufgewendet werden kontinuierlich und zahlreiche staatliche Initiativen geben mit ambitionierten Zielen den Weg vor. Hierzu zählen die sogenannten Mega-Projekte, die Made in China 2025-Strategie, und die Einrichtung bzw. Vergrößerung von Innovationszonen- und Clustern. Deutschland ist in diesen Bereichen häufig Präferenzpartner. Die 2014 beschlossenen und 2016 verlängerte strategische Partnerschaft im Bereich Innovation visiert mit der Deutsch-Chinesischen Plattform Innovation den Erfahrungsaustausch von Experten sowie die Identifizierung gemeinsamer Ziele in Innovationsforschung- und politik. Durch die Zeichnung der Gemeinsamen Absichtserklärung über die 'Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit in der intelligenten Fertigung (Industrie 4.0) und Smart Services' im Januar 2016 wurde eine Zusammenarbeit im Bereich Digitalisierung von Produktion und Wirtschaft angestoßen. Eine Intensivierung der gemeinsamen Projektförderung wird seit den 4. Regierungskonsultationen beabsichtigt.

Gemeinsame Erklärungen bilden den Rahmen der engen bilateralen Zusammenarbeit in vielen weiteren Wissenschaftsbereichen, wie z.B.  Lebenswissenschaften, LED-Technologie, Sauberes Wasser, Meeres- und Polarforschung, Berufsbildungsallianz, Biomaterialien, Forschungsförderung und vertiefte Zusammenarbeit im Bildungsbereich.


Ernährung und Landwirtschaft

China ist seit 2011 der weltgrößte Markt für Lebensmittel vor den USA. Seit 2004 ist China auch zunehmend auf Importe angewiesen und vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur von Agrar- und Nahrungsmittelprodukten geworden. Vor allem Getreide und Soja als Futtermittel für die Erzeugung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs wurden verstärkt importiert, aber in immer größerem Umfang auch verarbeitete Lebensmittel selbst. Der chinesische Markt blieb auch 2016 für die Land- und Ernährungswirtschaft ein attraktiver Absatzmarkt. Über alle Produkte betrug der Zuwachs bei den Importen auf Wertebasis 30% gegenüber dem Vorjahr Die wichtigsten Exportfelder für Deutschland waren Erzeugnisse tierischen Ursprungs (1,2 Mrd. €, + 40%), hierunter  insbesondere Fleisch und Fleischwaren (887 Mio. EUR, +65%), Milch und Milcherzeugnisse (258 Mio. EUR, -8%), aber auch Backwaren (166 Mio. EUR, +25%), sowie Bier (173 Mio. EUR; + 14%). Auf Volumenbasis lagen die Zuwachsraten sogar noch darüber. Entsprechend hat sich der Handel der Agrar- und Ernährungswirtschaft mit China in den letzten vier Jahren bis 2016 auf 1,764 Mrd. EUR knapp verdoppelt. Die bilaterale Handelsbilanz der Agrar- und Ernährungsbranche Deutschlands ist insgesamt und zunehmend negativ. Dies nicht zuletzt durch eine zunehmend strengere Auslegung und Verschärfung der chinesischen Importvorschriften für zahlreiche Importprodukte.

Seit vielen Jahren gibt es zudem gemeinsame erfolgreiche Agrarforschungs- aktivitäten und Projekte in den Bereichen Pflanzenbau, Tierzucht, Forsten sowie Bioenergie, in deren Rahmen ein reger Wissensaustausch auch unter Einbeziehung von Partnern relevanter Industriezweige stattfindet.


Kultur

Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik hat sich China schrittweise auch für ausländische Kultur geöffnet. Gleichzeitig engagiert sich die chinesische Regierung seit einigen Jahren verstärkt dafür, die eigene Sprache und Kultur im Ausland zu verbreiten; sie sieht hierin einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Verbesserung des China-Bildes im Ausland. Diese Aufgabe nehmen sowohl staatliche Kulturinstitute ('Kulturzentren') als auch die meist als Universitätskooperationen organisierten Konfuzius-Institute wahr.

Der privat organisierte Kulturaustausch gewinnt zunehmend an Bedeutung: So sind im Bereich der darstellenden kunst zahlreiche hervorragende deutsche Orchester, Opern und Ballettcompagnien in den letzten Jahren auf Tournee in China gewesen. Gleiches gilt für die bildende Kunst; neben großen Ausstellungen mit staatlicher Unterstützung leisten private Galerien und Kunstmessen einen wichtigen Beitrag.

Deutschland richtet in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik besondere Aufmerksamkeit auf China. Zahlreiche deutsche Kultur- und Bildungsmittler sind in China vertreten, darunter das Goethe-Institut in Peking und Shanghai sowie acht Goethe-Sprachlernzentren als Kooperationen zwischen dem Goethe-Institut und chinesischen Bildungseinrichtungen, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Deutsche Archäologische Institut, das Buchinformationszentrum, die Akademische Prüfstelle sowie verschiedene private Stiftungen.


Bildung

Die Initiative 'Schulen: Partner der Zukunft' (PASCH) wird in China sehr erfolgreich umgesetzt. Gegenwärtig werden über 120 chinesische Schulen mit verstärktem Deutschunterricht vom Goethe-Institut und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen mit eigenen Fachkräften vor Ort betreut. Der Pädagogische Austauschdienst der Kultusministerkonferenz unterstützt diese Initiative durch jährlichen Schüleraustausch und Lehrerfortbildungen.

Auch das deutschsprachige Unterrichtsangebot für Schülerinnen und Schüler ist vielfältig: In Peking, Shanghai, Changchun und Hongkong gibt es von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen zertifizierte Deutsche Auslandsschulen. Hinzu kommen deutsche Schulzweige oder deutschsprachige Unterrichtsangebote in zahlreichen größeren Städten des Landes.

Im Hochschulbereich verzeichnet der Hochschulkompass der Hochschulrektoren- konferenz derzeit über 1.200 bilaterale Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Hochschulen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) koordiniert und unterstützt den wissenschaftlichen Austausch in beide Richtungen unter anderem mit Stipendien und Beratung für Studierende und Wissenschaftler. Der DAAD ist in China mit einer Außenstelle in Peking, drei Informationszentren sowie mehr als dreißig Lektoren und Sprachassistenten vertreten. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Stipendien an hochbegabte Wissenschaftler vergibt, unterhält in China ein Netzwerk von mehr als 1350 Humboldtianern. Laut Statistik des chinesischen Bildungsministeriums studierten im Jahr 2015 rund 7.500 Deutsche in China. Dem stehen über 30.000 Chinesinnen und Chinesen gegenüber, die 2015 als Bildungsausländer an deutschen Hochschulen studierten.


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