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Chile

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2012

Kulturpolitik

Das kulturelle Leben Chiles konzentriert sich nach wie vor auf die Hauptstadt Santiago de Chile. In dieser hat sich in den letzten zwanzig Jahren ein sehr heterogenes und pluralistisches kulturelles Angebot entwickelt. Hier sind die wichtigsten Museen des Landes konzentriert und Kulturinteressierte finden ein breites Angebot, sei es Straßentheater, literarische Lesungen oder – wenn auch in begrenztem Umfang – Autorenkino. Im Bereich der klassischen Musik hat das erst am 06.11.2010 eingeweihte Konzerthaus „Teatro del Lago“, das am Llanquihue-See im idyllischen Städtchen Frutillar (knapp 1000 km südlich von Santiago) gelegen ist, auch über Chile hinaus Bedeutung erlangt. Bemerkenswert ist, dass die „Bamberger Symphoniker“ auf ihrer Südamerika-Tournee im Mai 2011 in Frutillar und nicht in Santiago gastierten.

Die staatliche chilenische Kulturpolitik hat sich zum Ziel gesetzt, das kulturelle Angebot auch in den Regionen zu stärken. Landesweit sollen bis zum Jahr 2014 fünf neue Theater und 51 neue Kulturinstitute entstehen.

Die staatliche Kulturförderung wird insbesondere durch den 2003 als ministerielles Ressort geschaffenen Nationalen Rat der Kultur und der Künste (Consejo Nacional de la Cultura y las Artes) gestaltet. Ihm nachgeordnet sind der Rat des Buches, der Musikrat und der Rat für audiovisuelle Kunst. Der Kunstfonds (Fondart) stellt jährlich Mittel für ungefähr 2000 Projekte aus allen Bereichen der Kunst zur Verfügung. Der Nationale Kulturrat ist über Zweigstellen in allen 15 Regionen des Landes vertreten. Das Budget des Kulturrates (inkl. der vier Fonds für Buch, Musik, audiovisuelle Kunst sowie Kunst allgemein) ist in den Jahren von 2006 bis 2010 um nahezu 60% auf 62,7 Mio. Pesos (2010) angestiegen. Im Haushaltsjahr 2012 stehen der Institution 66,75 Mio Pesos zur Verfügung. Förderschwerpunkte der staatlichen chilenischen Kulturpolitik sind der Kulturaustausch, die Stärkung der kulturellen Infrastruktur, die Verbesserung eines gleichberechtigten Zugangs zu Kulturgütern, der Schutz des kulturellen Erbes sowie die Förderung chilenischer Nachwuchskünstler.

Staatspräsident Piñera kündigte in seiner Rede an die Nation vom 21. Mai 2011 an, ein neues Kulturministerium schaffen zu wollen, welches die bisherige nationale Kulturbehörde (Consejo Nacional de la Cultura y de las Artes), die Behörde für Bibliotheken, Archive und Museen (DIBAM = Dirección de Bibliotecas, Archivos y Museos) sowie die Denkmalschutzbehörde (CMN = Consejo de Monumentos Nacionales) unter einem Dach vereinen soll.


Bildungspolitik

Die Regierung von Staatspräsident Piñera hat die Modernisierung des Bildungssektors zu einem ihrer vordringlichsten Ziele erklärt, damit mittelfristig der Übergang Chiles in eine Wissensgesellschaft sichergestellt werden kann. Die Bildungspolitik rückte 2011 auch innenpolitisch in das Zentrum der Aufmerksamkeit, da Studierende, Schüler der Sekundarstufe und Dozenten landesweit gegen diese protestierten. Es kam zu zahlreichen Instituts- und Schulbesetzungen. Die Demonstrationen in der Hauptstadt Santiago de Chile zählten im August 2011 über 100.000 Teilnehmer. Zentrale Forderungen der Protestbewegung sind die Abschaffung der – in Chile sehr hohen – Studiengebühren und eine Stärkung der staatlichen Universitäten, zu Lasten der privaten Hochschulen.

Staatspräsident Piñera hatte im Juli selbst die Initiative in diesem Politikbereich ergriffen und in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache am 04.07.2011 u.a. die Schaffung eines Bildungsfonds in Höhe von 4 Milliarden USD angekündigt. Auch in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 23.09.2011 ging Staatspräsident Piñera auf die innenpolitische Auseinandersetzung um die Bildungspolitik in Chile ein und kennzeichnete die Motive der Protestbewegung als „nobel und gut“. Die Regierung Piñera hat im zweiten Halbjahr 2011 verschiedene Gesetzentwürfe auf den Weg gebracht. Diese betreffen etwa die Senkung der Zinsen für Studienkredite, die Schaffung einer neuen Aufsichtsbehörde („Superintendencia de Educación“) , die für mehr Transparenz im Bildungswesen sorgen soll, und die „Entkommunalisierung“ des Schulbereichs. Der Gesetzentwurf der Regierung sieht die Schaffung einer „Agentur“ vor, die die Verwaltung eines Großteils der öffentlichen Schulen übernehmen soll.

In der Schulpolitik hatte der Vorvorgänger von Bildungsminister Beyer, Joaquín Lavín, in 2010 bereits wichtige Weichen gestellt. Am 22.12.2010 verabschiedete das chilenische Parlament mit geringfügigen Änderungen das vom Erziehungsministerium vorgelegte „Gesetz zur Bildungsqualität und -gleichheit“. Kennzeichnend für das Reformpaket ist die Einführung von Instrumenten, die die Effizienz der Lehrtätigkeit sicherstellen und fördern sollen, u.a. durch ein Concours-System zur Besetzung von Schulleiterposten. Mit diesen Maßnahmen will die Regierung insbesondere das erhebliche Leistungsgefälle überwinden, das seit vielen Jahren zwischen öffentlichen – meist kommunalen - Schulen und staatlich subventionierten Privatschulen auf der einen und kostenpflichtigen Privatschulen auf der anderen Seite besteht. Dieses ist am standardisierten Sekundar­schul-Abschlusstest PSU messbar: mit Ausnahme von wenigen staatlichen Schulen kommen die leistungsstärksten Schüler derzeit alle von Privatschulen. Die Regierung will dieses Problem im Sekundarbereich unter anderem durch eine Initiative zur Schaffung von 50 Exzellenzschulen („liceos bicentenarios“) angehen. Muster ist die staatliche Eliteschule „Instituto Nacional“ in Santiago, die seit 2009 auch eine der fünf von der Bundesregierung über das Goethe-Institut geförderten „FIT-PASCH-Schulen“ ist. Bislang wurden im Ergebnis einer ersten Ausschreibung 30 neue „Exzellenzschulen“ durch das chilenische Erziehungsministerium ausgewählt (darunter neben dem „Instituto Nacional“ als zweite FIT-PASCH-Schule auch „San Nicolas“). Sie erhalten seit März 2011 deutlich mehr Mittel aus dem Bildungshaushalt und haben die Zielvorgabe, im Sekundarschul-Abschlusstest unter den besten 5 % zu rangieren.

Im Hochschulbereich hatte Chile die Zahl der Auslandsstipendien für Postgraduierte in den letzten Jahren zwar sukzessiv auf 3.300 Stipendien im Jahr 2010 erhöht, für 2011 gibt es – zumindest im Ergebnis der in 2010 durchgeführten Auswahlverfahren – jedoch wieder weniger Stipendien. Auch für Studenten der „centros de formación técnica de nivel superior“ (entspricht in etwa den deutschen Berufsakademien) werden Auslandsstipendien zur Verfügung gestellt. Die Stipendien werden über das zentrale Stipendienportal „Becas Chile“ vergeben.

Die insgesamt 61 Universitäten Chiles lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

  • die 36 privaten Universitäten
  • die 25 Mitglieder der chilenischen Rektorenkonferenz CRUCH („Consejo de Rectores de las Universidades Chilenas“), in der 16 staatliche und 9 traditionelle Privatuniversitäten vertreten sind.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.