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Chile

Bilaterale Beziehungen zu Deutschland

Stand: März 2012

Politische Beziehungen

Seit der Rückkehr Chiles zur Demokratie 1990 wurden die bilateralen Beziehungen in allen Bereichen ausgebaut. Der bilaterale politische Dialog ist eng und vertrauensvoll. Dies kommt u.a. in dem intensiven Besuchsaustausch zum Ausdruck: Staatspräsident Piñera besuchte im Oktober 2010 Deutschland. Außenminister Westerwelle hatte im März 2010 Chile besucht, als erster europäischer Außenminister nach dem verheerenden Erdbeben vom 27. Februar 2010. Er brachte Hilfsgüter und THW-Experten mit und sagte der chilenischen Regierung Solidarität und Unterstützung durch Deutschland zu. Anlässlich der Amtseinführuung von Staatspräsident Piñera reiste der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, MdB, im Auftrag der Bundesregierung nach Chile.

Hinzu kommen zahlreiche Reisen von Parlamentariern und Vertretern beider Regierungen sowie auf deutscher Seite der Bundesländer. Energieminister Alvarez und Arbeitsministerin Matthei waren 2011 in Deutschland, Bundesminister Niebel für wirtschaftliche Zusammenarbeit besuchte im Januar 2012 Chile. Mehrere Ausschüsse des Deutschen Bundestages besuchten innerhalb des vergangenen Jahres Chile, zuletzt der Ausschuss für Wirtschaft und Technologie im Februar 2012.

Zu Deutschland bestehen langjährige enge Bindungen. Die Leistungen deutscher Einwanderer im Süden Chiles (ab 1850) sowie das Engagement deutscher Wissenschaftler, Erzieher, Unternehmer und Experten aller Bereiche haben viel zum Aufbau des Landes beigetragen und finden noch heute Anerkennung.

Chile begegnet deutschen Anliegen grundsätzlich mit Wohlwollen. Im multilateralen Bereich gibt es viele gemeinsame Interessen, bei denen sich beide Regierungen eng abstimmen. Beispiele hierfür sind globale Fragen wie Erneuerbare Energien (Chile ist Gründungsmitglied der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien/IRENA), Umweltschutz, Klimawandel, Abrüstung und Rüstungskontrolle, Menschenrechte sowie Reform und Stärkung der Vereinten Nationen.

Die Arbeit deutscher politischer Stiftungen (Konrad-Adenauer-, Heinrich-Böll-, Friedrich-Ebert- und Hanns-Seidel-Stiftung unterhalten teilweise seit mehreren Jahrzehnten Büros in Chile), die ein breites Spektrum abdecken, ist erfolgreich und wird geschätzt.


Wirtschaftliche Beziehungen

Zwischen Deutschland und Chile bestehen seit vielen Jahren gute und intensive wirtschaftliche Beziehungen.

Deutschland ist der zweitwichtigste Handelspartner Chiles innerhalb der Europäischen Union und steht in der Liste der Ursprungsländer chilenischer Einfuhren weltweit an zehnter Stelle. Die deutschen Ausfuhren nach Chile beliefen sich 2011 auf 2,3 Mrd. EUR (+28 %) und die Einfuhren aus Chile auf 2,0 Mrd EUR (+ 25 %).

Deutschland exportiert nach Chile vornehmlich Luft-, Wasser- und Schienenfahrzeuge sowie Automobile, Anlagen- und Maschinenbauprodukte, Geräte zur Elektrizitätserzeugung und - verteilung, elektrotechnische, medizinische und fotografische Geräte sowie Mess- und Regeltechnik, chemische Erzeugnisse und Waren aus unedlen Metallen.

Auf den vorderen Plätzen der Einfuhren aus Chile stehen nach wie vor Kupfer und damit verwandte Produkte (1,3 Mrd. EUR). In nennenswertem Umfang bezieht Deutschland aus Chile außerdem Obst, Konserven und Säfte, Wein, Fisch und Fischzubereitungen, Fleisch und Nahrungsmittel tierischen Ursprungs, sowie Zellulose, Holz, und chemische Erzeugnisse.

In den letzten Jahren hat sich die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) zwischen Deutschland und Chile stetig verstärkt. Am 01.09.2011 wurde das „Fraunhofer Center for Systems Biotechnology“ in Santiago de Chile eröffnet, das erste Forschungszentrum der Fraunhofer-Gesellschaft dieser Art in der südlichen Hemisphäre. Das Zentrum – das von chilenischer Seite durch die staatliche Wirtschaftsförderungsbehörde CORFO unterstützt wird, konzentriert sich auf die Entwicklung und Optimierung neuer Technologien für Schlüsselbereiche der chilenischen Wirtschaft. Forschungspartner sind das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie (IME) in Aachen sowie die Pontificia Universidad Católica de Valparaiso, die Universidad de Talca sowie die private gemeinnützige Stiftung „Fundación Chile“. Auch die Helmholtz-Gemeinschaft, insbesondere das Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoforschungsZentrum (GFZ), sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) verstärkten 2011 ihre Aktivitäten in Chile. Mit einem großen internationalen Symposium wurde im November 2011 in Punta Arenas das 20jährige Jubiläum der vom DLR und dem Bundesamt für Karthographie und Geodäsie (BKG) gemeinsam betriebenen German Antarctic Receiving Station GARS O'Higgins gefeiert.

Als Zeichen der Solidarität und zur Intensivierung der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung richtete das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) nach dem Erdbeben vom 27.02.2010 einen „Forschungstechnologiefonds Chile“ in Höhe von 1 Million Euro ein. Mit den Geldern leistet die Bundesregierung einen Beitrag zur Wiederherstellung der wissenschaftlichen Arbeitsfähigkeit der geschädigten Einrichtungen und Hochschulen. Aus diesem Fonds wurden zunächst die besonders stark vom Erdbeben betroffenen Universitäten Concepción und Talca unterstützt. 2011 wurde dieser Fonds um weitere 500.000 Euro aufgestockt, die Projekten an mehreren Universitäten zugute kommen.

Zusätzlich zu diesem Fonds für chilenische Antragsteller hatte das BMBF rund 1 Million Euro für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereitgestellt, deren Projekte im Rahmen deutsch-chilenischer Forschungskooperationen vom Erdeben betroffen waren, darunter Projekte der TU Freiberg und der Universität Hannover mit den Universitäten Concepción und Talca.

Darüber hinaus werden bestehende bilaterale Forschungsvorhaben mit chilenischen Universitäten im Rahmen der „Mobilitätsförderung“ unterstützt.


Deutsche Direktinvestitionen in Chile

Die deutschen Direktinvestitionen beliefen sich im Jahr 2010 nach einer Untersuchung des Lateinamerika Vereins e. V. und von Germany Trade & Invest vom Februar 2012 auf 2,1 Mrd. USD. Bei den breit angelegten Privatisierungen und Konzessionsvergaben im Infrastrukturbereich und bei der öffentlichen Versorgung (Strom, Wasser, Telefon etc.) in den neunziger Jahren haben sich deutsche Unternehmen nur wenig beteiligt, in jüngster Zeit aber bei Infrastrukturvorhaben gute Erfolge erzielt.

Umfangreiche deutsche Investitionen wurden darüber hinaus vor allem in der Agroindustrie, beim Abbau von Mineralien und auf dem Immobiliensektor getätigt.


Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Chile ist Mitglied der OECD und positioniert sich selbst als „Gebernation“. Bei diesem Engagement wird Chile von der Bundesregierung unterstützt. Die chilenische Partnerorganisation „Agencia de Cooperación Internacional“ (ACGI) stellt heute mit deutscher Beratung Drittstaaten der Region Konzepte und Erfahrungen aus der eigenen bilateralen technischen Zusammenarbeit zur Verfügung.

Daneben arbeitet die Bundesregierung mit Chile im Rahmen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) im Schwerpunktbereich Erneuerbare Energien / Energieeffizienz zusammen. Im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative fördert die Bundesregierung gleich mehrere Projekte in Chile: Ein Projekt zu Energieeffizienz und Kraft-Wärme-Kopplung in öffentlichen Krankenhäusern, eines zur Entwicklung nationaler Minderungsmaßnahmen (NAMAs) und ein weiteres zur Erstellung einer Ausbaustrategie für netzgebundene Erneuerbare Energien befinden sich in Umsetzung, weitere befinden sich in Vorbereitung. Kürzlich mit Erfolg abgeschlossen wurde ein Projekt zur Nutzung staatlicher Liegenschaften zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Auch in der Finanziellen Zusammenarbeit engagiert sich die Bundesregierung in Chile. Ein in der bilateralen Zusammenarbeit neues Instrument ist die Bereitstellung von zinsgünstigen Darlehen und Zuschüssen für klima- und umweltrelevante Investitionen im Rahmen der von der KfW 2007 im Auftrag des BMZ ins Leben gerufenen Initiative für Klima und Umweltschutz (IKLU). Derzeit sind im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit (TZ) sieben deutsche Langzeitexperten in Chile tätig. Der Einsatz von neun sogenannten „integrierten Experten“ des CIM (Zentrum für Internationale Migration) - vor allem im Umwelt- und Energiebereich – sowie zahlreiche Fortbildungsangebote runden die deutsch-chilenische Zusammenarbeit in diesem Feld ab.

Aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert die Deutsche Botschaft in Chile lokale „Kleinstmaßnahmen“ zur Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Insgesamt zwölf Projekte wurden 2011 ausgewählt. Auch 2012 werden wieder Projekte in verschiedenen Regionen Chiles unterstützt.

Deutschland ist für Chile einer der bedeutendsten Geber. Chile wurden in den vergangenen Jahren von Deutschland rund 450 Mio. EUR zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus fließt pro Jahr ein beträchtlicher Betrag aus Mitteln der Bundesregierung in Entwicklungsprojekte deutscher Nichtregierungsorganisationen und Kirchen.


Kulturelle Beziehungen

Die bilateralen Kulturbeziehungen sind eng und vielseitig. Schwerpunkte sind die wissenschaftlichen Kontakte zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen beider Länder, die Programmarbeit des Goethe-Instituts und anderer Kulturmittler sowie die finanzielle und personelle Förderung der 21 Deutschen Schulen.

Die traditionsreichen Deutschen Schulen genießen in Chile einen exzellenten Ruf. In der jährlich in ganz Chile durchgeführten Universitätszugangsprüfung (PSU) zeichneten sich viele der Deutschen Schulen auch 2011 durch einen der vordersten Plätze im informellen „Schul-Ranking“ aus. Bereits vier Deutsche Schulen (im Oktober 2010 die DS „Carlos Anwandter“ in Valdivia, im Mai 2011 die Deutschen Schulen in Valparaíso und Santiago, im Oktober 2011 die DS Concepción) wurden von einer Bund-Länder-Inspektion (BLI) zertifiziert und erhielten im Ergebnis das vom Bundespräsidenten verliehene Gütesiegel „Exzellente Deutsche Auslandsschule“. Von den 21 geförderten Deutschen Schulen verfügt allerdings nur die Deutsche Schule in Santiago über einen durchgehenden muttersprachlichen Zweig. Die Schule hat im Schuljahr 2007 mit der Einführung eines deutschen Bildungszweigs begonnen, der zur Deutschen Internationalen Abiturprüfung führen wird. Nach dem Abschluss des Aufbaus können 2012 die ersten Abiturzeugnisse vergeben werden. Die übrigen Deutschen Schulen unterrichten Deutsch als Ergänzungs- oder Fremdsprache. Die Deutschen Schulen werden landesweit von rund 15.000 Schülerinnen und Schülern besucht.

Im Rahmen der Initiative des Auswärtigen Amts „Schulen: Partner der Zukunft“ wurden 2009 außerdem fünf neue chilenische Partnerschulen gewonnen, darunter auch das sehr renommierte „Instituto Nacional“, an denen der Deutschunterricht nun gefördert wird. Auch das bestehende Netz der Deutschen Schulen wurde gestärkt. Die Schulen werden ermutigt, neue Abschlüsse mit Hochschulzugangsberechtigung („Gemischtsprachiges Internationales Baccalaureat“) einzuführen. Damit schärfen die Schulen nicht nur ihr deutsches Profil, sondern stärken zudem auch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Deutsche und chilenische Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten in der Regel unmittelbar zusammen. Es gibt ein enges Netz von Kontakten und vertraglichen Vereinbarungen: Die Zahl der Kooperationen ist inzwischen auf 116 angestiegen. Im März 2009 unterzeichnete der DAAD ein Abkommen u.a. mit dem chilenischen Bildungsministerium, das – über einen Zeitraum von insgesamt fünf Jahren – die Kofinanzierung von Deutschland-Stipendien für chilenische Postgraduierte vorsieht. Derzeit verhandeln der DAAD und die chilenische Seite über die Fortführung des Abkommens.

Am 7. September 2009 haben die Hochschulrektorenkonferenz und ihr chilenisches Gegenstück, der „Consejo de Rectores de las Universidades Chilenas“, ein Abkommen zur Errichtung von sechs Promotionskollegs unterzeichnet. Diese Kollegs fördern den wissenschaftlichen Austausch und ermöglichen eine Anerkennung der Titel in beiden Ländern.

Das Heidelberg-Center für Lateinamerika ist im Rahmen der Außenwissenschaftsinitiative des Auswärtigen Amts als eines von weltweit vier Exzellenzzentren ausgewählt worden. In Zusammenarbeit mit der Universidad de Chile und der Pontificia Universidad Católica bietet das Heidelberg Center seit 2010 nun auch die Fächer medizinische Physik, medizinische Informatik sowie Geowissenschaften und Astronomie für Postgraduierte an.

Deutschland ist mit einer Vielzahl kultureller Projekte in Chile präsent. Von der Kritik gefeiert wurde die Aufführung in Chile (01./02.10.2011, Las Condes) des Stückes “Hamlet” in der Inszenierung von Thomas Ostermeier (Schaubühne am Lehniner Platz/Berlin). Sehr beachtet wurde auch der deutsche Beitrag “Titanick”, der im Rahmen des Theaterfestival “Santiago a Mil” (03.-22.01.2012) am 21. und 22.01.2012 unter freiem Himmel vor dem Präsidentenpalast “La Moneda” aufgeführt wurde. Ein Schlüsselprojekt der deutsch-chilenischen Kooperation im Kulturbereich war der Wiederaufbau des durch das Erdbeben im Februar 2010 zerstörten Ausstellungsgebäudes „Quinta Normal“ des Museums für Zeitge­nössische Kunst (MAC) in Santiago; dieser wurde vom Auswärtigen Amt mit insgesamt 250.000 Euro aus dem Kulturerhaltprogramm unterstützt. Das Ausstellungsgebäude wurde in einem feierlichen Akt am 30.03.2011 durch den Rektor der Universität Chile, Pérez, Museumsdirektor Brugnoli und Botschafter Dr. Glotzbach der Öffentlichkeit übergeben.

Das Goethe-Institut Santiago (GI) ist eines der profiliertesten Kulturzentren der chilenischen Hauptstadt, das auch erfolgreich mit anderen europäischen Kulturinstituten kooperiert. Hier ist vor allem das Europäische Dramaturgiefestival in Santiago de Chile zu nennen (zuletzt vom 19.08.-01.09.2011), aber auch das EU-Jazz-Festival (Oktober 2011). Der vom Goethe-Institut in den Wettbewerb des wichtigsten Filmfestivals des Landes (SANFIC-7) gebrachte Film „Das Lied in mir“ des deutschen Regisseurs Florian Cossen gewann im August 2011 den Preis für den besten internationalen Film.

Für Mai 2012 beabsichtigen die in Chile vertretenen Botschaften der EU, erneut ein EU-Filmfestival zu organisieren.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.