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Bulgarien

Wirtschaft

Stand: Oktober 2017

Bis Ende der 1990er Jahre war Bulgarien ein Beispiel weitgehend erfolgloser Transformation in Politik und Wirtschaft. Seit Anfang des Jahrtausends und insbesondere seit Erlangung der EU-Mitgliedschaft 2007 erfuhr das Land einen allgemeinen Aufwärtstrend. Korruption in der Administration, ein schwaches Justizsystem und oligarchische Strukturen sind weiterhin ein Problem und schwächen das Investitionsklima und ökonomische Möglichkeiten.

Die Wirtschaft Bulgariens ist vor allem im Süden des Landes konzentriert. Die am stärksten entwickelten Regionen sind Sofia, Burgas, Plovdiv, Stara Zagora sowie in Nordostbulgarien Varna. Die Region Nordwestbulgarien ist die wirtschaftlich am wenigsten entwickelte Region des Landes. Bulgarien selbst weist das niedrigste BIP pro Kopf (6.630 €; EU: 28.000 €, BIP-Wachstum für 2016 lag bei 3,4%) sowie eine der höchsten Armutsquoten (21,8%) innerhalb der EU auf. Gestützt ist die bulgarische Wirtschaft vor allem durch den Dienstleistungssektor (67,3% des BIP). Hohe Einkommens-Disparitäten prägen das Bild. Bulgarien lag laut Eurostat mit 4,40 Euro Lohn-und Lohnnebenkosten pro Stunde im Jahr 2016 an letzter Stelle in der EU. Bulgariens Arbeitsmarkt generiert eine niedrige Arbeits-und Innovationskraft. Auswanderung und eine schrumpfende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter stellen ein langfristiges Risiko für das Wachstumspotenzial der Wirtschaft dar (IWF: 2015: 7,2 Mio. Einwohner, davon 20% im Alter über 65; Prognose 2060: 5,5 Mio. Einwohner, davon 32% im Alter über 65).

Eine niedrige Erwerbsbeteiligung und Fehlqualifizierungen deuten laut EU-Kommission weiterhin auf beträchtliche strukturelle Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Bildungspolitik hin. Die guten Fremdsprachenkenntnisse der Bevölkerung kombiniert mit dem geringen Lohnniveau machen Bulgarien zu einem attraktiven Outsourcing-Standort für Kundenservicecenter, Call Center und IT–Dienstleistungen (weitere Schwerpunkte: Automobilzulieferindustrie, Nahrungsmittelindustrie, Metallindustrie, Maschinenbau, Bergbau, Tourismus, Software-Entwicklung, Pharmaindustrie, Textil- und Bekleidungsindustrie, Landwirtschaft). Für viele Investoren bleibt das Land jedoch weitgehend unbekannt. Eines der wirtschaftspolitischen Ziele ist es, durch Verfahrensvereinfachungen das Anbieten von Dienstleistungen zu beschleunigen. Damit sollen Hindernisse für Investoren überwunden werden.

Traditionell hängt Bulgarien sehr stark von russischen Energielieferungen ab (95% Gas, 58% Öl). Bulgarien strebt eine Diversifizierung des ausländischen Gasbezugs an. Für regenerative Energien existiert noch kein Markt. Die EU-Klima-Kommissarin bescheinigt Bulgarien die schlechteste Energieeffizienz in der EU (4-5mal schlechter als EU-Durchschnitt). In letzter Zeit wurden Maßnahmen zur Reduzierung der Energieverluste ergriffen, z.B. Verabschiedung des „Nationalen Programms für Energieeffizienz von Wohngebäuden“. Neben dem Energiesektor sind weitere staatliche Unternehmen wie die Bahn und Krankenhäuser stark verschuldet. 80% der Investitionen im Land werden über EU-Mittel finanziert. Die möglichen EU-Förderungen werden allerdings noch nicht voll ausgeschöpft.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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