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Bosnia and Herzegovina

Wirtschaft

Stand: Oktober 2016

Wirtschaftslage

Bosnien und Herzegowina (BIH) konnte sich von der tiefen Rezession in der ersten Hälfte der Neunziger Jahre zunächst deutlich erholen. Nachdem die weltweite Finanzkrise erneut in die Rezession führte (BIP-Rückgang um 2,9% im Jahr 2009), konnten in den Jahren 2010 und 2011 moderate Wachstumsraten erzielt werden. Da die Wirtschaft des Landes eng mit der Euro-Zone verknüpft ist (u.a. fester Wechselkurs der lokalen Währung zum Euro), führte die Krise im Euro-Raum zu einem erneuten BIP-Einbruch im Jahr 2012. Seither steigt das BIP wieder an: 2013 um 2,5 %; 2014 (beeinträchtigt durch die Flutkatastrophe) um 1,05%; 2015 und 2016 jeweils um 2,8% verzeichnet. In den nächsten Jahren wird ein Wachstum von über 3% erwartet.

Das prognostizierte Wachstum wirkt sich aufgrund struktureller Probleme langsam auf den Arbeitsmarkt aus. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei über 40%. Aufgrund der bedeutenden Rolle des informellen Sektors ist die tatsächliche Quote zwar deutlich geringer, lag 2016 aber noch immer bei 25,4% (nach ILO-Kriterien berechnet unter teilweiser Berücksichtigung des informellen Sektors). Für Jugendliche ist die Lage am Arbeitsmarkt besonders problematisch: Die Jugendarbeitslosigkeit in BIH erreicht auch regional einen Rekordtiefstand von 60%, eine Trendwende ist derzeit nicht in Sicht. Viele junge Menschen zieht es deshalb ins Ausland. Die Durchschnittslöhne liegen weiterhin am unteren Ende im europäischen und regionalen Vergleich (2016: ca. 430 Euro monatlich).

Die Inflationsrate ging seit 2012 zurück. Damals lag sie bei 2,1%, im Jahr 2013 wurde eine leichte Deflation von 0,1 % verzeichnet, 2014 erhöhte sich die Deflation auf 0,9% und erreichte 2015 und 2016 jeweils 1%.

Das Investitionsklima ist weiterhin schwierig. Laut Global Competitiveness Report 2015/2016 des Weltwirtschaftsforums liegt BIH im Vergleich zum Vorjahr unverändert auf dem schwachen Rang 107 von 138 Ländern.


Wirtschaftsstruktur

Das größte Wirtschaftspotential bietet der Energiesektor. Insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energien ist das Potential bei Weitem nicht ausgeschöpft. Das während des Krieges zu rund 60 Prozent zerstörte Stromnetz ist wiederhergestellt. Mittlerweile exportiert BIH wieder Energie. Beide Entitäten streben an, die Stromproduktion (je etwa zur Hälfte Kohle und Wasserkraft) signifikant zu erhöhen, um den Energieexport zu stärken und damit auch das Leistungsbilanzdefizit (2015: 6,5%) weiter zurückzuführen.

Die deutsche Entwicklungspolitische Zusammenarbeit fördert die Entwicklung Erneuerbarer Energien in BIH. So unterstützt die KfW die Finanzierung mehrerer Windparks sowie die Instandsetzung von Wasserkraftwerken in BIH. Die GIZ führt u.a. im Bereich der Energieeffizienz und Erneuerbare Energien Beratungsprojekte durch.

Über komparative Vorteile in der Region verfügt BIH auch im Bereich der Metallverarbeitung.

Die meisten neuen Arbeitsplätze werden weiterhin durch Neugründungen im KMU-Sektor (kleine und mittlere Unternehmen) geschaffen, die stark exportorientiert produzieren, da die Binnennachfrage auch auf mittlere Sicht gering bleiben wird. Viele KMUs sind daher als „Werkbank“ für westeuropäische (auch deutsche) Firmen tätig.

Zu den Erfolgen der Wirtschaftstransformation in Bosnien und Herzegowina zählt der Bankensektor, der zu den stabilsten der Region gehört. Die Privatisierung ist weit­gehend abgeschlossen, rund 90 Prozent des Eigenkapitals liegen in ausländischer Hand.

Die landwirtschaftliche Erzeugung und Verarbeitung sind größtenteils auf einem technisch und qualitativ veralteten Stand. Produkte und Betriebsgröße sind kaum wett­bewerbsfähig, es fehlt an einer Lebensmittelverarbeitungs- und Verpackungsindustrie. Nach längeren Anlaufschwierigkeiten hat BIH nun die phytosanitären EU-Mindeststandards erfüllt und kann daher seit September 2015 Milchprodukte in die EU einführen. Die Holzindustrie hat trotz großen Bedarfs bei weitem nicht das Vorkriegsniveau erreicht. Die wenigen Großbetriebe, die Parkett und ähnliche Fertigprodukte exportieren, erfreuen sich dank hoher Holzqualität großer Nachfrage.

Im Transportsektor stehen erhebliche Investitionen an. Im Rahmen der Konnektivitätsagenda („core network“) haben BIH und die EU folgende Prioritäten definiert: Ausbau des paneuropäischen Bahn- und Straßenkorridors Vc (Nord-Süd-Autobahn durch BIH von Šamac über Doboj, Zenica, Sarajewo, Mostar bis zur kroatischen Grenze nach Ploče), die Route 2a (Straßenverbindung Gradiška-Banja Luka-Lašva-Travnik), den Flughafen Sarajewo und die Binnenhäfen Bosanski Šamac und Brčko.Der Tourismussektor ist im Wachstum begriffen und bietet weiteres Potenzial. Sarajewo erfreut sich bei ausländischen Besuchern steigender Beliebtheit. Auch an die Wintersporttradition wird durch den Ausbau und die Modernisierung entsprechender Infrastruktur angeknüpft. Die olympischen Skigebiete ziehen vor allem Touristen aus den benachbarten Ländern an. Internationaler Massentourismus findet derzeit allenfalls in Form von Tagesausflügen von der kroatischen Küste nach Mostar oder zum katholischen Pilgerort Medjugorje statt. Die nach wie vor bestehende Minengefahr steht einer weiteren Entwicklung etwa im Bereich des Naturtourismus noch im Wege.


Außenwirtschaft

Die BIH-Wirtschaft ist eng insbesondere mit dem regionalen Ausland verknüpft. Sie verfügt über ein traditionell hohes Außenhandelsdefizit, das allerdings seit einigen Jahren rückläufig ist und 2015 bei 3,2 Mrd. Euro lag. BIH profitiert wie viele andere Transformationsländer zudem von umfangreichen Transferleistungen der Diaspora (laut BIH-Zentralbank 14% des BIP in 2015, Auch der Zufluss internationaler Hilfsgelder ist nach wie vor beträchtlich, besonders im Hinblick auf die z.T. noch anhaltenden Wiederaufbaumaßnahmen nach den Überflutungen im Mai und August 2014.

Deutschland war 2016 mit Importen von 756 Mio. Euro aus BIH und Exporten von 1,01 Mrd. Euro wichtigste Handeslpartner von BIH. Für Deutschland steht BIH in der Rangfolge der deutschen Außenhandelspartner auf Platz 74 (2015). Zu den wichtigsten Warengruppen des Exports von BIH gehören Metalle und Metallprodukte sowie Holz und Möbel.

Im November 2007 ist BIH dem Zentraleuropäischen Freihandelsabkommen CEFTA beigetreten, welches die Zölle zwischen den Nicht-EU-Mitgliedsstaaten Südosteuropas abschafft. Am 01.06.2015 trat nach einer langen Übergangsphase das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens (SAA) mit der EU in Kraft, von dem unter der Bedingung fortgesetzter Reformen weitgehende ökonomische Impulse erwartet werden. BIH hat das Luftverkehrsabkommen der Mitgliedstaaten der EU mit Südosteuropa (ECAA-Abkommen) ratifiziert und verhandelt derzeit den WTO-Beitritt. Das Sekretariat des Regional Cooperation Council (RCC), das sich unter anderem auch mit Wirtschaftsfragen befasst, hat seinen Sitz in Sarajewo. Das Investitionsschutzabkommen zwischen Deutschland und Bosnien und Herzegowina ist seit 11.11.2007 in Kraft. BIH ist Mitglied der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und der Weltbank. Mit dem IWF vereinbarte Bosnien und Herzegowina eine neue Kreditfazilität ("Extended Fund Facility") über 550 Mio. Euro, deren dreijährige Laufzeit am 07.09.2016 begann. Das Freihandelsabkommen mit der EFTA trat am 01.01.2015 in Kraft. Es gilt weiterhin das Doppelbesteuerungsabkommen mit Jugoslawien aus dem Jahr 1988.

In BIH besteht eine Delegation der Deutschen Wirtschaft. Die Delegation arbeitet eng mit dem dynamisch wachsenden Wirtschaftsverein BIH zusammen, der derzeit über 130 Mitgliedsunternehmen zählt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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