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Bolivien

Wirtschaft

Stand: März 2017

Wirtschaftliche Gesamtlage

Obwohl nach wie vor ein klassisches Entwicklungsland, wird Bolivien von der Weltbank mittlerweile in der Gruppe der „low middle income countries“ geführt. Bolivien gehörte in den letzten Jahren zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften Südamerikas. Zwischen 2006 und 2015 erzielte es ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von über 5 %. Regierungsangaben zufolge wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2016 noch um 4,43%. Gegenüber dem Jahr 2015 bedeutet dies einen  Rückgang der Wachstumsquote um ca. 0.4%, was vor allem auf sinkende globale Rohstoffpreise zurückzuführen ist. Das rechnerische Pro-Kopf-Einkommen dürfte nach vorläufiger Schätzung 2016  ca. 3.200 USD betragen, wobei es aufgrund des großen informellen Sektors tatsächlich deutlich darüber liegen dürfte.

Boliviens Wirtschaft bleibt abhängig von Rohstoffexporten, insbesondere Erdgas, Metallen, Mineralien und Exporten landwirtschaftlicher Produkte wie Soja, Holz, Nüssen und Zucker.  Eine Diversifizierungsstrategie in Richtung industrieller Produktion z.B. im Lithiumbereich und in der Energieerzeugung wird von der Regierung vorangetrieben. Internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds gehen für die kommenden Jahre von einem BIP-Wachstum von  etwa 3,5% aus. Tragende Säule dieser Entwicklung soll u.a. ein umfangreiches öffentliches Investitionsprogramm (Plan quinquenal de desarrollo) der Regierung sein, wobei eine Finanzierung aus Devisenreserven aufgrund des massiven Rückgangs (ca. 33% seit 2015) schwieriger wird. Die Auswirkungen der schweren Wasserkrise Ende 2016 sind in aktuellen Prognosen noch nicht berücksichtigt, jedoch dürften sie zu einem noch geringeren Wachstum und Einbußen im Handelsbereich führen.

Unzureichende in- und ausländische Direktinvestitionen in innovative Wirtschaftsbereiche machen sich zunehmend negativ bemerkbar. Neben einem Mangel an staatlichen Anreizen ist verstärkt auch die v.a. im regionalen Bereich als überbewertet geltende Währung verantwortlich dafür, dass derzeit kaum ausländische Firmen und Technologieträger ein Engagement in Bolivien in Betracht ziehen. Mangelnder Investitionsschutz ist ein weiterer Grund für die mangelnde Investitionsbereitschaft des Privatsektors. Die Inflationsrate betrug 2016 nach derzeitigen Schätzungen etwa 4%.  (2015: 2,95%).


Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik der Regierung Morales verfolgt, das Ziel die Rolle des Staates zu stärken. So wurde die staatliche Energiefirma Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos (YPFB) die zentrale Institution zur Gewinnung und beim Vertrieb der bolivianischen Energieressourcen. Die Firma ist der wichtigste Steuerzahler des Landes.

Auch andere wirtschaftliche Schlüsselbereiche (z.B. Elektrizitätswirtschaft, Telekommunikation) wurden verstaatlicht bzw. werden stark reglementiert.  Zuletzt wurden 2012 und 2013 verschiedene europäische Investitionen verstaatlicht (Energieunternehmen, Flughafenbetreiber, Bergwerk). Mit der gegenwärtigen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage sendet die Regierung vermehrt Signale, dass sie eine Stärkung des Privatsektors in bestimmten Bereichen wünscht und bereit ist, hierfür auch auf ausländische Expertise und Finanzierung zu setzen. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Verkehrsinfrastrukur, Bergbau, Energie, Umwelttechnik, Pharmazie und Consulting.


Handel

Wichtigste Handelspartner Boliviens sind Brasilien, Argentinien, China und die USA. Die Hauptausfuhrgüter sind Erdgas und Erdöl, Bergbauerzeugnisse und Agrarprodukte. Eingeführt werden vor allem Maschinen, Chemikalien, pharmazeutische Erzeugnisse, Fahrzeuge, Treibstoffe und Lebensmittel. Vor allem im Vergleich zu regionalen Konkurrenten (Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru) wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes durch negative Faktoren, wie die Abhängigkeit von Vorproduktimporten, hohe Transportkosten, Infrastrukturengpässe, einen stark regulierten Arbeitsmarkt, einen fixierten Wechselkurs zum USD, eine wenig leistungsfähige Verwaltung, Korruption, Rechtsunsicherheit und eine schwache industrielle Basis beeinträchtigt.

2016 verzeichnete Bolivien erneut eine negative Handelsbilanz. Insgesamt ging der Wert der bolivianischen Exporte 2016 in ca. 18% zurück, während sich die Importe um ca. 13,1% verringerten. Maßgeblicher Auslöser dieser Entwicklung ist der Rückgang der Rohstoffpreise, insbesondere des Erdgases.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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