Hauptinhalt

Bolivien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: März 2017

Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen sind gut: Seit dem Besuch von Präsident Evo Morales in Berlin und Hamburg mit einer bedeutenden Ministerriege im November 2015 herrscht ein relativ reger Austausch zwischen beiden Ländern. Im Januar 2016 und März 2017 reiste Staatssekretär Bomba (BMVI) mit einer großen Unternehmerdelegation nach Bolivien, im Mai 2016 besuchte die "Freundesgruppe Südamerika" des Deutschen Bundestages, das Land. Auf der anderen Seite reisten Planungsminister René Orellana im Juli 2016, und Bauminister Milton Claros im Januar 2017 zu Gesprächen nach Berlin. Deutschland wird von Bolivien als wichtiger Partner bei der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes angesehen, insbesondere im Infrastruktur- und Energiebereich, sowie im Bergbau (Lithium).


Wirtschaft

Bolivien exportiert überwiegend mineralische Rohstoffe (Blei-, Zinn-, Silbererze) und landwirtschaftliche Produkte (Nüsse, Kaffee, Sojaprodukte, Quinua und Hirse) sowie Leder- und Textilwaren nach Deutschland und importiert Maschinen, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische und pharmazeutische Produkte, Elektrotechnik sowie Mess- und Regeltechnik aus Deutschland. Das Investitionsschutzabkommen von 1997 wurde von Bolivien im Mai 2013 einseitig gekündigt, die Schutzwirkungen für bestehende Investitionen gelten allerdings noch 20 Jahre fort. Dennoch existieren in Bolivien für die deutsche Wirtschaft interessante Investitionsmöglichkeiten, vor allem im Infrastrukturbereich (Schiene und Straße), Energiesektor (herkömmlich und erneuerbar), Gesundheitssektor und Bergbau (Lithium). Präsident Morales ist an qualitativ hochwertiger Technologie und an Technologietransfer sowie Berufsbildungsexport interessiert und betrachtet Deutschland als wichtigen Partner für die Modernisierung des Landes.

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Bolivien betrug im Jahr 2015 rund 277 Mio. EUR. Bolivianische Exporte nach Deutschland lagen bei 118 Mio. EUR; bolivianische Importe aus Deutschland bei 159 Mio. EUR. Importiert wurden aus Deutschland v.a. Maschinen, Kraftfahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische Erzeugnisse, sowie Mess-, Regel- und Elektrotechnik. Im 1. Halbjahr 2016 konnte ein deutlicher Anstieg der bolivianischen Exporte nach Deutschland (+68,3%) sowie ein Rückgang deutscher Importe nach Bolivien (-20,1%)  beobachtet werden. Die deutsch-bolivianische Handelskammer ist die größte bilaterale Handelskammer vor Ort, sie feierte 2015 ihr 60-jähriges Bestehen.


Entwicklungszusammenarbeit

Bolivien - das bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen ärmste Land Südamerikas - ist als Schwerpunktland derzeit einer der größten Pro-Kopf-Empfänger deutscher bilateraler Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in Südamerika. Die Gesamtleistung der deutschen EZ seit Beginn der 1960er Jahre beläuft sich auf über eine Milliarde Euro. Bei den letzten Regierungsverhandlungen  konnten Neuzusagen in Höhe von 43 Millionen Euro gemacht werden. Die nächsten Regierungsverhandlungen sind für Mai 2017 geplant.

Die drei Schwerpunkte der EZ sind Energie, Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung mit Fokus auf Stadtrandgebiete sowie nachhaltige ländliche Entwicklung. Dezentralisierung, Umweltschutz, Anpassung an und Vermeidung des Klimawandels, Gender- und Indigenenorientierung sowie Interkulturalität sind wichtige Querschnittsthemen. Die Begleitung Boliviens bei der Umsetzung der Agenda 2030 ist Leitmotiv der bilateralen EZ. Über die drei Schwerpunkte hinaus verfügt die deutsche EZ über ein breites Spektrum an Instrumenten zur Zusammenarbeit mit nicht-staatlichen Akteuren und der Privatwirtschaft. Zudem verfügt die Botschaft über einen Fonds zur Finanzierung von Kleinstprojekten sowie über Mittel zur Finanzierung von kleinen Klimaschutzprojekten.

Die deutsche EZ ist auf mittel- und langfristige Strukturwirkungen auf Grundlage der Verfassung von 2009 angelegt. Partnerorientierung und die Förderung demokratischer und rechtstaatlicher Strukturen sind handlungsleitend für die deutsche EZ. Deutschland unterstützt insbesondere die Bemühungen der bolivianischen Regierung, Armut zu bekämpfen, die politische, wirtschaftliche und soziale Teilhabe zu stärken und wesentliche Verbesserungen in der Ernährungssicherheit - insbesondere angesichts des Bolivien stark betreffenden Klimawandels - sowie in der Qualität und dem Deckungsgrad von Basisdienstleistungen zu erreichen.

Ab März 2017 wird sich die deutsche EZ in eine gemeinsame Strategie der EU und ihrer in Bolivien aktiven Mitgliedsländer inkl. der Schweiz einfügen (EU-Joint-Strategy), wodurch die Effizienz und Kohärenz sowie die politische Wirksamkeit der europäischen Entwicklungszusammenarbeit weiter optimiert werden soll.


Kultur und Bildung

Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Bolivien gehen zurück auf die erste große Migrationswelle deutscher Kaufleute und Handwerker Mitte des neunzehnten Jahrhunderts.  Im Jahr 2014 feierte die Deutsche Kulturgemeinschaft (Centro Cultural Alemán) 100-jähriges Bestehen, das Goethe-Institut seine 60-jährige Präsenz in Bolivien und die PASCH-Schule Ave Maria in La Paz den 50. Jahrestag ihrer Gründung. 2015 feierte die bilaterale Handelskammer ihren 60. Geburtstag. Zwischen der Hauptstad La Paz und der Bundesstadt Bonn besteht eine sehr aktive Städtepartnerschaft.

Die Kulturbeziehungen mit Bolivien werden von den deutschen Schulen in La Paz und Santa Cruz, dem Goethe-Institut in La Paz und den deutsch-bolivianischen Kulturgesellschaften in Santa Cruz, Cochabamba und Sucre gefördert. Eine Unterstützung zum Deutschunterricht im Rahmen der PASCH-Initiative (Schulen Partner der Zukunft) erhalten daneben noch weitere Schulen in La Paz, Oruro, Sucre und Cochabamba. Die Duale Ausbildung zum Außenhandels- oder Industriekaufmann, die die Deutsche Schule La Paz und die deutsch-bolivianische Industrie- und Handelskammer gemeinsam anbieten, besteht seit 25 Jahren. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) unterstützen die Zusammenarbeit im universitären Bereich. 2013 wurde ein DAAD-Lektorat in La Paz eingerichtet.

Deutschland leistet maßgebliche Unterstützung beim Erhalt und der Restaurierung des kulturhistorischen Erbes des Landes aus Mitteln des Programms "Kulturerhalt". In den letzten Jahren wurden aus diesen Mitteln die Wandgemälde im Konvent Santa Clara in Sucre restauriert und die Renovierung der Kirche Yunguyo finanziert. Weiterhin wurden Projekte zum Erhalt der Guaraní-Kultur und einer archäologischen Stätte bei Peñas gefördert. 2016 wurden mit Mitteln des Auswärtigen Amts die Digitalisierung historischer Fotographien aus Bolivien aus dem Archiv des Leibniz-Institutes für Länderkunde in Leipzig ermöglicht. 2017 sollen sie gemeinsam mit dem  nationalen Ethnografie – und Folkloremuseum Boliviens ausgestellt werden.

Daneben unterstützen die deutsche Botschaft in La Paz und das Goethe-Institut eine Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen in Bolivien in den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Kunstausstellungen und Film und tragen finanziell und organisatorisch zu den großen Festivals bei, die in Bolivien in regelmäßigen Abständen abgehalten werden. 2017 ist Deutschland offizielles Gastland der Buchmesse von Santa Cruz de la Sierra.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise und Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere