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Bolivien

Beziehungen zwischen Bolivien und Deutschland

Stand: März 2016

Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen sind durch eine Vielzahl von langjährigen Verbindungen geprägt, an denen Regierungen, Parlamente und die Zivilgesellschaften mitwirken: Der bolivianische Planungsminister Orellana besuchte im Mai 2015 Deutschland. Dabei nahm er am Petersberger Klimadialog teil und leitete die bolivianische Delegation bei den Regierungsverhandlungen für die Entwicklungszusammenarbeit in Berlin. Im November 2015 war Präsident Evo Morales in Begleitung einer großen Ministerdelegation in Berlin und Hamburg zu Gast. Im Januar 2016 besuchte Staatssekretär Bomba (BMVI) mit einer Unternehmerdelegation Bolivien. Geschäfte konnten in den Bereichen Infrastruktur, Energie und Bergbau angebahnt werden.


Wirtschaft

Bolivien exportiert überwiegend mineralische Rohstoffe (Blei-, Zinn-, Silbererze) und landwirtschaftliche Produkte (Nüsse, Kaffee, Sojaprodukte, Quinoa und Hirse) sowie Leder- und Textilwaren nach Deutschland und importiert Maschinen, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische und pharmazeutische Produkte, Elektrotechnik sowie Mess- und Regeltechnik aus Deutschland. Ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht seit 1992 (in Kraft seit 1995), das Investitionsschutzabkommen von 1997 wurde von Bolivien im Mai 2013 einseitig gekündigt, die Schutzwirkungen für bestehende Investitionen gelten allerdings noch 20 Jahre fort.

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Bolivien betrug im Jahr 2014 rund 302 Millionen US-Dollar. Bolivianische Exporte nach Deutschland lagen bei 136 Millionen US-Dollar; bolivianische Importe aus Deutschland bei 166,3 Millionen US-Dollar (die deutschen und bolivianischen Statistiken zu den Handelszahlen weichen stark ab. Hier sind jeweils die Importzahlen der deutschen und bolivianischen Statistikämter zugrunde gelegt worden).

Importiert wurden aus Deutschland 42% Maschinen, 12% Kraftfahrzeuge und Fahrzeugteile, 8% chemische Erzeugnisse, 9% Mess-, Regel- und Elektrotechnik.

Die deutsch-bolivianische Handelskammer ist die größte bilaterale Handelskammer vor Ort. Sie feierte 2015 ihr 60-jähriges Bestehen.


Entwicklungszusammenarbeit

Bolivien - das bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen nach Paraguay ärmste Land Südamerikas - ist als Schwerpunktland derzeit einer der größten Pro-Kopf-Empfänger deutscher bilateraler Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in Südamerika. Die Gesamtleistung der deutschen EZ seit Beginn der 1960er Jahre beläuft sich auf über eine Milliarde Euro. Bei den letzten Regierungsverhandlungen  konnten Neuzusagen in Höhe von 43 Mio. Euro gemacht werden. Die nächsten Regierungsverhandlungen sind für  2017 geplant.

Die drei Schwerpunkte der EZ sind Staatsmodernisierung mit den Themen Dezentralisierung und Journalistenausbildung, Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung mit Fokus auf Stadtrandgebiete sowie nachhaltige ländliche Entwicklung. Umweltschutz, Anpassung an und Vermeidung des Klimawandels, Gender- und Indigenenorientierung sowie Interkulturalität sind wichtige Querschnittsthemen. Über die drei Schwerpunkte hinaus setzt die deutsche EZ im so genannten Gestaltungsspielraum Programme u.a. im Bereich Erneuerbare Energien / Energieeffizienz um. Zudem verfügt die Botschaft über einen Fonds zur Finanzierung von Kleinstprojekten sowie über Mittel zur Finanzierung von kleinen Klimaschutzprojekten.

Die deutsche EZ ist auf mittel- und langfristige Strukturwirkungen auf Grundlage der Verfassung von 2009 angelegt. Partnerorientierung und die Förderung demokratischer und rechtstaatlicher Strukturen sind handlungsleitend für die deutsche EZ. Deutschland unterstützt insbesondere die Bemühungen der bolivianischen Regierung, Armut zu bekämpfen, die politische, wirtschaftliche und soziale Teilhabe zu stärken und wesentliche Verbesserungen in der Ernährungssicherheit - insbesondere angesichts des Bolivien stark betreffenden Klimawandels - sowie in der Qualität und dem Deckungsgrad von Basisdienstleistungen zu erreichen.

Ab 2017 wird sich die deutsche EZ in eine gemeinsame Programmierung der EZ der EU und ihrer in Bolivien aktiven Mitgliedsländer inkl. der Schweiz einfügen (EU-Joint-Programming), wodurch die Effizienz und Kohärenz sowie die politische Wirksamkeit der europäischen Entwicklungszusammenarbeit weiter optimiert werden soll.


Kultur und Bildung

Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Bolivien standen im Jahr 2014 unter dem besonderen Zeichen wichtiger Jubiläen. So feierte die Deutsche Kulturgemeinschaft (Centro Cultural Alemán) 100-jähriges Bestehen, das Goethe-Institut seine 60-jährige Präsenz in Bolivien und die PASCH-Schule Ave Maria in La Paz den 50. Jahrestag ihrer Gründung. Es fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, mit denen der traditionell sehr gute Austausch zwischen beiden Kulturen gewürdigt wurde. Ein Höhepunkt war der Besuch des Bonner Oberbürgermeisters in der Partnerstadt La Paz im Juli 2014. Die Städtepartnerschaft ist sehr aktiv.

Die Kulturbeziehungen mit Bolivien werden von den deutschen Schulen in La Paz und Santa Cruz, dem Goethe-Institut in La Paz und den deutsch-bolivianischen Kulturgesellschaften in Santa Cruz, Cochabamba und Sucre gefördert. Eine Unterstützung zum Deutschunterricht im Rahmen der PASCH-Initiative (Schulen Partner der Zukunft) erhalten daneben noch weitere Schulen in La Paz, Oruro, Sucre und Cochabamba. Die duale Ausbildung zum Außenhandels- oder Industriekaufmann, die die Deutsche Schule La Paz und die deutsch-bolivianische Industrie- und Handelskammer gemeinsam anbieten, besteht seit 25 Jahren. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) unterstützen die Zusammenarbeit im universitären Bereich. 2013 wurde ein DAAD-Lektorat in La Paz eingerichtet.

Deutschland leistet maßgebliche Unterstützung beim Erhalt und der Restaurierung des kulturhistorischen Erbes des Landes aus Mitteln des Programms "Kulturerhalt". In den letzten Jahren wurden aus diesen Mitteln die Wandgemälde im Konvent Santa Clara in Sucre restauriert und die Renovierung der Kirche Yunguyo finanziert. Weiterhin wurden Projekte zum Erhalt der Guaraní-Kultur und einer archäologischen Stätte bei Peñas gefördert. Die Digitalisierung historischer Fotografien aus Bolivien ist für 2016 vorgesehen.

Daneben unterstützen die deutsche Botschaft in La Paz und das Goethe-Institut eine Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen in Bolivien in den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Kunstausstellungen und Film und tragen finanziell und organisatorisch zu den großen Festivals bei, die in Bolivien in regelmäßigen Abständen abgehalten werden.


Entwicklungs­zusammenarbeit

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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