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Bangladesch

Kultur, Bildung, Medien

Stand: März 2017

Kultur

Der bengalische Kulturraum, der Bangladesch und das indische West-Bengalen umfasst, verfügt über eine lange Kulturtradition. Er gilt innerhalb Südasiens traditionell als Herkunftsort der Intellektuellen und "geistigen Köpfe". Die bengalische Sprache hat eine zentrale Rolle im Unabhängigkeitskampf gespielt und ist auch heute noch von großer Bedeutung für die nationale Identität. Trotz muslimischer Bevölkerungsmehrheit (rund 90 Prozent) besteht eine vor allem im mystischen Sufismus wurzelnde liberale und säkulare kulturelle Ausrichtung. Die Prägung des Landes durch die lange britische Kolonialherrschaft und die englischsprachigen Privatschulen der Oberschicht halten daneben eine starke Affinität zur angelsächsischen Kultur und zur englischen Sprache aufrecht. Allerdings sind Englischkenntnisse nicht sehr weit verbreitet.

Als eines der ärmsten Länder der Welt verfügt Bangladesch über begrenzte Ressourcen für eine staatliche Kulturpolitik. Die Analphabetenquote liegt bei knapp 50 Prozent. Dennoch gibt es in den städtischen Zentren Dhaka und Chittagong eine junge und lebhafte Szene von Künstlern und Kulturvereinen. Kunst und Kultur leiden seit 2013 mittelbar unter erstarkendem, islamistischen Extremismus, auch Selbstzensur findet statt.


Schulen und Hochschulen

Bangladesch hat bei der Grundschulbildung deutliche Erfolge erzielt, die Einschulungsrate liegt bei circa 95 Prozent, auch wenn ein großer Teil die Schule dann ohne Abschluss verlässt. Der Staat ist trotz Schulpflicht nicht in der Lage, eine ausreichende Bildungsinfrastruktur zur Verfügung zu stellen. Es gibt deshalb eine Vielzahl privater und von Nichtregierungsorganisationen betriebener Schulen. Auch die zahlreichen Koranschulen (Madrassen) spielen eine große Rolle, ihre Lehrinhalte stehen nur teilweise unter staatlicher Kontrolle. Neben meist bengalischsprachigen staatlichen Schulen gibt es vermehrt englischsprachige Privatschulen.

Das Bildungssystem ist angelsächsisch geprägt. Viele Studentinnen und Studenten aus besser gestellten Familien erhalten ihre akademische Ausbildung entweder an teuren, zumeist englischsprachigen Privatuniversitäten in Bangladesch oder im – meist angelsächsischen –  Ausland. Die Universitäten in Bangladesch sind stark politisiert. Studentenunruhen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Studenten kommen regelmäßig vor, häufig ferngesteuert von den beiden großen Parteien BNP und Awami League sowie der religiös orientierten Jamaat-e-Islami.

Aufgrund der sehr hohen Studiengebühren in englischsprachigen Staaten, der zunehmenden Bekanntheit des gebührenfreien deutschen Hochschulsystems und der Einführung englischsprachiger (Master-) Studiengänge bewerben sich seit 2012 deutlich mehr junge Bangladescher um einen Studienplatz in Deutschland. Im Jahr 2016 gingen rund 500 bangladeschische Studenten nach Deutschland.


Medien

Die Medienlandschaft ist groß und vielfältig. Das Fernsehen ist, gefolgt vom Radio, das einflussreichste Medium im Land.

Daneben werden mehr als 78 offiziell registrierte Tageszeitungen vertrieben. Neun Tageszeitungen sind englischsprachig und wenden sich an die gebildete Elite, wobei selbst die größte dieser Zeitungen ('Daily Star') nur eine Gesamtauflage von etwa 40.000 Exemplaren hat. Die größte bengalischsprachige Tageszeitung ('Prothom Alo') hingegen wird täglich von über 500.000 Lesern gekauft. Die großen Zeitungen verfügen über ein Online-Angebot, das tagesaktuell auf den Internetseiten des jeweiligen Journals kostenfrei eingesehen werden kann.

Nur das staatliche Fernsehen BTV wird landesweit terrestrisch ausgestrahlt und kann ohne Satellitenantenne empfangen werden. Die privaten Sender sowie international ausgestrahlte Sender wie DW-TV, BBC, Al Jazeera, Sky und CNN erreichen durch die Erweiterung des Kabelnetzes und Satellitenempfangsanlagen einen wachsenden Teil der Bevölkerung auch außerhalb der Metropolen. Neben einem nationalen und zehn regionalen staatlichen Radiosendern gibt es derzeit vier private UKW-Sender, die im Wesentlichen die städtischen Zentren bedienen. Ausländische Beteiligung an privaten Sendern ist erlaubt. Die Deutsche Welle verfügt über Korrespondenten in Bangladesch. Sie sendet zweimal wöchentlich bengalischsprachige TV-Beiträge unter dem Banner "Onneshon" in Zusammenarbeit mit dem Sender RTV in Dhaka.

Die privaten Print- und elektronischen Medien gehören größtenteils Industriellen oder Unternehmensgruppen. Sie zeichnen sich durch Meinungsvielfalt und teilweise recht kritische Berichterstattung aus. Immer wieder geraten jedoch kritische Journalisten unter Druck durch die Regierung. Der seit mehreren Jahren problematische Umgang der Regierung mit den Medien verstärkt zu Selbstzensur.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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