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Bangladesch

Außenpolitik

Stand: März 2017

Grundlinien der Außenpolitik

Bangladesch betreibt eine auf Ausgleich bedachte Außenpolitik. Einen besonderen Schwerpunkt nimmt das Engagement innerhalb der Vereinten Nationen ein. So ist Bangladesch einer der größten Truppensteller für UN-Friedensmissionen. In der Bewegung der blockfreien Staaten, der Organisation der Islamischen Konferenz sowie im Commonwealth spielt Bangladesch eine aktive Rolle und tritt seit vielen Jahren als Sprecher der am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) auf. In der internationalen Klimadebatte sieht sich Bangladesch als Sprecher der besonders betroffenen Länder.


Regionale Zusammenarbeit

Da sich viele der drängenden Probleme des Landes (Wasserhaushalt, Energie, Zugang zu maritimen Ressourcen, Terrorismus) nur im regionalen Kontext  lösen lassen, spielen die Beziehungen zu Indien eine besondere Rolle. Die auf Bangladeschs Initiative zurückgehende regionale Zusammenarbeit der sieben südasiatischen Staaten Bangladesch, Bhutan, Indien, Malediven, Nepal, Pakistan und Sri Lanka führte im Dezember 1985 zur Gründung der "South Asian Association for Regional Cooperation" (SAARC) mit einem Generalsekretariat in Nepal. 2005 trat Afghanistan der Organisation bei. Obgleich die SAARC-Charta bilaterale und politische Fragen von der regionalen Zusammenarbeit ausnimmt und Wirtschaftsfragen dominieren, wurde durch SAARC für den bilateralen Umgang der Mitglieder ein positiver atmosphärischer Überbau geschaffen, der jedoch aufgrund der pakistanisch-indischen Differenzen derzeit weitgehend inaktiv ist. Als wirtschaftliches "Tor zum Osten" dient die "Bay of Bengal Initiative for Multi-Sectoral Technical and Economic Cooperation" (BIMSTEC), der neben Bangladesch auch Indien, Myanmar, Sri Lanka, Thailand, Nepal und Bhutan angehören. Das Sekretariat dieser Organisation befindet sich in Dhaka. Zukünftig soll ein Wirtschaftskorridor die Länder China, Myanmar, Bangladesch und Indien verbinden und so den gemeinsamen Warenaustausch ankurbeln. Insbesondere China steht hinter dieser Initiative (One Belt, One Road). Zunehmend an Bedeutung gewinnt die kleiner angelegte Bangladesch, Bhutan, Indien, Nepal (BBIN)-Initiative, die sich auf gemeinsame Wassernutzung, Energietransfer, Transport und Infrastruktur, auch im Bereich Breitbandnutzung, konzentriert.


Beziehungen zu Indien

Indien hat für das Entstehen des unabhängigen Bangladesch eine wichtige Rolle gespielt. Durch Sprache, Kultur und familiäre Bande bestehen besonders enge Beziehungen zum indischen Bundesstaat West-Bengalen. Dennoch sind die Beziehungen zu Indien nicht ohne Probleme. Indien umschließt Bangladesch geographisch fast völlig und hat entscheidenden Einfluss auf wichtige Faktoren, die das künftige Schicksal Bangladeschs bestimmen. So kontrolliert Indien die Oberläufe aller wichtigen Flüsse, die Bangladesch durchqueren. 2014 sprach ein UN Schiedsgericht Bangladesch vier Fünftel der zwischen Indien und Bangladesch umstrittenen Seegebiete zu; es werden dort erhebliche Gasreserven vermutet. Eine Reihe weiterer schwieriger Fragen wie Transitrechte, illegaler Grenzübertritt und Migration, Maßnahmen gegen den Terrorismus und Schmuggel werden in regelmäßigen Regierungsgesprächen erörtert. Bangladesch importiert inzwischen Energie aus Indien und exportiert Breitbandinternet, eine regionale Zusammenarbeit im Energiebereich ist in der Diskussion. Ferner werden nunmehr indische Güter durch Bangladesch nach Hinterindien transportiert.

Die Billigung des bereits 1974 vereinbarten Enklaven-Tausches durch das indische Parlament im April 2015 war eine besonders bedeutsame Wegmarke in den bilateralen Beziehungen. Der Besuch des indischen Premierministers Modi in Dhaka Anfang Juni 2015 hat die bilateralen Beziehungen beider Länder mit einer Reihe zusätzlicher Abkommen vorangebracht. Zuletzt leidet das Verhältnis unter einem erstarkenden Einfluss Chinas in Bangladesch, erneuter Übergriffe auf die hinduistische Minderheit in Bangladesch und eine Stagnation bei Flussnutzungsabkommen.


Beziehungen zu Myanmar

Die Beziehungen zu Myanmar, dem zweiten unmittelbaren Nachbarn Bangladeschs, wurden lange Zeit wenig gepflegt, beginnen sich aber mit der Öffnungspolitik Myanmars langsam zu intensivieren. Der Handelsaustausch leidet unter dem Fehlen einer Landverbindung zwischen den Staaten. Eine Direktflugverbindung wurde im Jahr 2013 wieder aufgenommen. Das Verhältnis zu Myanmar ist durch etwa 300.000 - 500.000 Flüchtlinge der muslimischen Rohingya-Volksgruppe belastet, die im Süden Bangladeschs seit vielen Jahren Zuflucht suchen. Ein erneutes Aufflammen von Gewalt gegen die Rohingya-Minderheit in Myanmar führte zu weiteren Flüchtlingsströmen nach Bangladesch und belastet die Beziehungen erheblich.


Beziehungen zu den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und zu den USA

Die Europäische Union ist der wichtigste Wirtschaftspartner Bangladeschs, noch vor den USA. Mehr als drei Viertel aller Exportgüter Bangladeschs werden vom Europäischen und Nordamerikanischen Markt aufgenommen. Bangladesch kommt in den Genuss der "Everything But Arms"-Initiative (EBA) der Europäischen Union, die den am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs) ungehinderten Zugang zum Markt der Europäischen Union gewährt. Davon profitiert insbesondere der Textilsektor: circa 60% der Textilexporte gehen in die EU. Auch politisch bestehen zu den Staaten der Europäischen Union, wie auch zu den USA, enge Beziehungen. Besonders enge Bindungen bestehen zu Großbritannien und den USA, allein schon wegen der großen Zahl der dort lebenden Bangladescher (500.000 bzw. 150.000 Migranten). Deutschland hat in Bangladesch eine respektierte Stellung als traditioneller und wichtiger Entwicklungspartner, als zweitgrößter Exportmarkt und als international bedeutende Wirtschaftsmacht. Anerkennung finden auch deutsche Leistungen in Technologie, Sport und Kultur.


Beziehungen zu weiteren Staaten

Die Beziehungen zu China sind gut und vor allem durch das Engagement der chinesischen Regierung und chinesischer Unternehmen beim Ausbau der Infrastruktur in Bangladesch gekennzeichnet. China ist der nach Indien zweitgrößte Handelspartner und neben Russland der wichtigste Lieferant von Militärgütern. Ein besonderes Verhältnis besteht zu den arabischen Golfstaaten, in denen mehr als die Hälfte der über 9 Millionen bangladeschischen Gastarbeiter tätig sind. Deren Überweisungen sind nach den Exporterlösen der Textilbranche die wichtigste Devisenquelle für Bangladesch. Die Beziehungen zu Russland gewinnen durch den gemeinsamen Bau eines Atomkraftwerks in Bangladesch an Dynamik. Zu Japan besteht eine besonders intensive und bereits lange währende (Entwicklungs-)Partnerschaft.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Bangladesch ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Die Bundesrepublik unterstützt Bangladesch vor allem im Bereich Good Governance, Menschenrechte und Kommunalentwicklung, in der Entwicklung des Gesundheitssystems, sowie bei der Verbesserung der Energieeffizienz und der Förderung erneuerbarer Energien. Außerdem wird ein Programm unterstützt, dass die Auswirkungen des Klimawandels reduzieren und die Biodiversität des Landes bewahren soll.
Nähere Informationen hierzu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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