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Wirtschaft
Stand: Januar 2012
Wirtschaftslage und -struktur
Die innenpolitische Krise in Bahrain hat einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden hinterlassen. Allein die Absage des Formel-1-Rennens 2011 brachte einen enormen Prestigeverlust und finanzielle Einbußen mit sich.
Gleichwohl gilt Bahrain nach wie vor aufgrund seiner konsequenten Politik der wirtschaftlichen Diversifizierung, der Öffnung und Liberalisierung seines Marktes und der hervorragenden Investitionsbedingungen als eine der modernsten und liberalsten Volkswirtschaften in der Golfregion, auch wenn es mit der rasanten Entwicklung einiger Nachbarn nicht mithalten kann.
Ein Hauptziel der Wirtschaftspolitik ist der Ausbau Bahrains zum regionalen Marktführer im Finanz- und Dienstleistungsbereich. Die diesbezüglichen Reformbemühungen der Regierung wurden vom IWF und von der Weltbank ausdrücklich gelobt. Auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie ist Bahrain regionaler Marktführer.
Das Wirtschaftswachstum ist entgegen der ursprünglich für 2011 prognostizierten 4-5 % krisenbedingt auf schätzungsweise 1-2% zurückgegangen. Für 2011/ 2012 wird das Haushaltsdefizit auf mindestens 4 Mrd. USD geschätzt. Bahrain hält weiterhin an der Dollarbindung fest. Die Inflationsrate ist mit rund 3% nach offiziellen Angaben eine der geringsten im regionalen Vergleich. Die lange Zeit sehr hohe Arbeitslosigkeit von ca. 20% ist erheblich zurückgegangen und wird jetzt offiziell mit 4,0% angegeben.
In der Nähe des neuen Seehafens Mina Khalifa Bin Salman entsteht ein neuer Industrie- und Investitionspark, in dem sich auch einige deutsche Firmen angesiedelt haben. Der Baubeginn der 45 km langen Brücke nach Katar (längste Brücke der Welt) steht nach wie vor aus.
Wichtigste Wirtschaftszweige
Stärkstes und profitabelstes Standbein der bahrainischen Wirtschaft ist der Industriegigant Aluminium Bahrain ALBA (Jahreskapazität ca. 870.000 t), der zu 70% in Staatsbesitz (Staatsfonds Mumtalakat) ist und 13% zum BIP beiträgt.
Der Anteil des Handels- und Dienstleistungsbereiches (Banken, Versicherungen, Tourismus) am BIP ist inzwischen größer als der des Öl- und Gassektors, der gleichwohl weiterhin die bedeutendste Einnahmequelle des Staates ist. Die Erdölreserven werden auf 125 Millionen Barrel geschätzt. Die Privatisierungen werden durch Reduzierung der staatlichen Kapitalbeteiligungen weiter fortgesetzt. Die Regierung will trotz innenpolitischer Krise das touristische Potential des Landes weiter erschließen.
Der bahrainische Bau- und Immobiliensektor hat während der Krise erheblichen Schaden genommen. Die in jüngster Zeit fertig gestellten Großprojekte „World Trade Center“ und „Bahrain Financial Harbour“ symbolisieren den wichtigsten Wirtschaftszweig, den Finanzsektor, der Bahrains Wohlstand auch in Zukunft sichern soll.
Außenhandel
Die wichtigsten Handelspartner Bahrains im Exportbereich sind (2010) Saudi-Arabien, Katar, Indien, die VAE und USA, im Importbereich Brasilien, China, Japan, USA, Australien, Deutschland und Saudi-Arabien. Wichtigste Ausfuhrgüter sind mineralische Produkte einschließlich Petrochemie, Aluminium und Textilien. Wichtigste Einfuhrgüter sind mineralische Produkte (Öl aus Saudi-Arabien), Maschinen, Elektromaterial und Transportausrüstung (Kraftfahrzeuge).
2010 exportierte Bahrain Güter im Wert von rd. 13,8 Mrd. US-Dollar und importierte Waren im Wert von rd. 11,2 Mrd. US-Dollar. Nach Deutschland gingen im gleichen Zeitraum Waren im Wert von 57,03 Mio. Euro (2009: 67,3 Mio. Euro), umgekehrt exportierte Deutschland 2010 Waren im Gegenwert von 367,18 Mio. Euro nach Bahrain (nach knapp 302 Mio. Euro im Jahr 2009). Bei den deutschen Exporten spielen Kfz die Hauptrolle, gefolgt von Maschinen und Ausrüstungsgütern der Elektrotechnik.
Das bilaterale Handelsvolumen zwischen der EU und Bahrain belief sich 2010 auf 2,2 Mrd. Euro, wobei 1,6 Mrd. Euro auf EU-Exporte entfielen und lediglich 0,7 Mrd. Euro auf EU-Importe aus Bahrain.
Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsgruppierungen
Bahrain ist Mitglied des Golfkooperationsrates, dessen erklärtes Ziel die Schaffung einer gemeinsamen Währung ist. Zwischen den Mitgliedern bestehen formal eine Zollunion seit 2003 und ein Gemeinsamer Markt seit 2008; sie sind jedoch noch nicht in die Praxis umgesetzt.
Umweltpolitik
Das Bewusstsein für die Belange und Erfordernisse zum Schutz der Umwelt ist noch nicht sehr ausgeprägt; eine Trendwende ist aber in Sicht: dazu haben die dramatische Abnahme der Süßwasservorräte, die das Gesicht der ehemals grünen Insel Bahrain nachhaltig verändert hat, und das Schwinden der küstennahen Fischbestände – mit allen Konsequenzen für die Fischer und ihre Familien – geführt. Abwasseraufbereitung (für landwirtschaftliche Zwecke) findet statt. Schonung natürlicher Ressourcen als Leitprinzip öffentlichen und privaten Handelns gewinnt mehr und mehr Anerkennung. Bei der Nutzung der Sonnenenergie steht Bahrain noch ganz am Anfang. Ein eigenes Umweltministerium gibt es in Bahrain bisher noch nicht.
Im Januar 2009 ist Bahrain der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien IRENA als Gründungsmitglied beigetreten.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
