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Australien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Januar 2012

Politische Beziehungen

Die bilateralen politischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Australien sind traditionell freundschaftlich. Der Beitrag deutscher Einwanderer ab Mitte des 19. Jahrhunderts (Barossa Valley: Weinbau) und nach dem II. Weltkrieg (Snowy Mountains: Wasserkraftwerksystem) wird anerkannt. Es bestehen rege, aber immer noch weiter ausbaufähige Wirtschafts- und Wissenschaftsbeziehungen (Warenhandel unausgeglichen im Verhältnis 4:1 zu Gunsten von Deutschland). Zahlreiche persönliche Begegnungen entstehen durch deutsche Touristen. Besonders beliebt sind das Arbeitsferienprogramm ("Working Holidays"-Program), durch das rund 20.000 junge Deutsche jedes Jahr Australien kennen lernen, sowie die zahlreichen Schüleraustauschprogramme. Rund 3.000 deutsche Studenten sind an australischen Hochschulen eingeschrieben.

Gemeinsame Wertvorstellungen und politische Interessen sind die Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Australien und Deutschland, die durch den regelmäßigen Austausch von Besuchern in beiden Richtungen gepflegt wird. Im Juli 2009 traf der damalige australische Premierminister Kevin Rudd mit Bundeskanzlerin Merkel in Berlin zusammen. Nach Australien reiste in den letzten Jahre eine Reihe von deutschen Parlaments- und Wirtschaftsdelegationen. Die Außenminister der beiden Länder begegnen sich regelmäßig, auch am Rande internationaler Konferenzen, zuletzt bei der Afghanistan-Konferenz in Bonn im Dezember 2011.

Australien ist sich der Bedeutung Deutschlands als einer führenden Nation in der Europäischen Union bewusst. Umgekehrt ist Australien aufgrund seines wachsenden Einflusses in Südost- und Ostasien für Deutschland ein wichtiger Partner, der sich wie Deutschland für Frieden, Demokratie, Achtung der Menschenrechte und gute Regierungsführung einsetzt. Eine enge Zusammenarbeit in Asien liegt daher im gemeinsamen Interesse beider Länder und ist u.a. notwendig zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus und Drogenhandels und anderer Formen der grenzüberschreitenden Kriminalität. In der G20 (Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer) und beim Klimaschutz ziehen Deutschland und Australien ebenfalls am gleichen Strang. Gemeinsame Zielvorstellungen bestehen darüber hinaus auch in vielen anderen Bereichen wie z. B. der nuklearen Abrüstung und Nichtverbreitung.


Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist nach Großbritannien wichtigster europäischer Handelspartner Australiens und derzeit zwölftgrößter Handelspartner weltweit. 2010 betrug das Volumen des bilateralen Warenhandels über 10 Milliarden Euro (1. China 72 Mrd., 2. Japan 45 Mrd. und 3. USA 25,6 Mrd. Euro). Die Handelsbilanz mit Deutschland ist für Australien allerdings seit langer Zeit stark und weiter zunehmend defizitär, die deutschen Exporte übersteigen die deutschen Importe um ein Mehrfaches (Stellenwert D – Importe: Platz 6, Exporte: Platz 18). Dies ist weitgehend strukturell bedingt: Der Ausfuhr hochwertiger Endprodukte steht im Wesentlichen die Einfuhr von Rohstoffen und Primärprodukten gegenüber. 2010 betrugen die Wareneinfuhren aus Australien gut 2,2 Mrd. Euro, die Warenexporte nach Australien knapp 7,9 Mrd. Euro.

Größte Posten der deutschen Exporte sind Kraftfahrzeuge und -teile, chemische, pharmazeutische und elektrotechnische Erzeugnisse, Kunststoffe und Maschinen. Wichtigste australische Exportgüter nach Deutschland waren Gold, Steinkohle und Erze.

Deutlich über 300 Töchter deutscher Unternehmen mit insgesamt ca. 650 Betriebsstätten sind in Australien tätig und tragen direkt und indirekt zu mehr als 100.000 Arbeitsplätzen in Australien bei.

Die deutsche Wirtschaft ist in Australien mit einer Außenhandelskammer in Sydney (mit Zweigstelle in Melbourne) vertreten. Die Australische Wirtschaftsförderungsinstitution (AUSTRADE) ist dem australischen Generalkonsulat Frankfurt/Main angegliedert. Ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht seit 1972.


Kulturelle Beziehungen

Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und Australien haben eine lange Tradition. Deutsche gehörten zu den ersten europäischen Siedlern in Australien und haben bedeutende Beiträge zur Entdeckung und Entwicklung des fünften Kontinents geleistet. In Gegenden mit besonders starker deutscher Einwanderung (Beispiel: Barossa Valley in Südaustralien) bekennt man sich heute wieder stolz zu diesem Erbe. Zahlreiche deutsche Vereine (in erster Linie Gesangs- und Schützenvereine) sowie entsprechende Clubs findet man über das ganze Land verteilt.

Die kulturelle Präsenz Deutschlands in Australien hat als Folge einer Reihe hochkarätiger Veranstaltungen in jüngster Zeit deutlich an Profil gewonnen. Große Austellungsprojekte, „European Masters“ des Städel Museums in Melbourne 2010, „Mad Square - Deutsche Moderne 1910-1937“ in Sydney und Melbourne 2011, „Handwritten- Ten Centuries of Manuscripts Treasures“ der Staatsbibliothek zu Berlin in Canberra 2011/12 sowie Kulturfestival 'BerlinDayz' in Melbourne 2010 und schließlich die 1. Konzertreise der Berliner Philharmoniker nach Australien im November 2010, waren allesamt sehr erfolgreich. 

In Australiens größter Stadt Sydney gibt es ein gut frequentiertes Goethe-Institut mit einer Filiale in Melbourne als der zweiten Metropole Australiens. Außerdem existiert sowohl in Sydney als auch in Melbourne eine deutsche Schule. Während die alteingesessene German International School Sydney bereits seit 2002 das in Australien und Deutschland anerkannte Baccalaureat vergibt, nahm die Deutsche Schule Melbourne ihren Betrieb im Januar 2008 als Grundschule auf und unterichtet nun jahrgangsübergreifend in zweisprachigen Klassen.

Circa 100.000 Schüler an australischen Schulen (etwa ein Prozent aller Schüler) lernen Deutsch. Unter den Schülern des Abschlussjahrgangs ist Deutsch nach Französisch die beliebteste europäische Sprache, allgemein geht der Trend jedoch eindeutig in Richtung der asiatischen Sprachen.

Besonders intensiv sind die akademischen und wissenschaftlichen Beziehungen im Hochschulbereich (zur Zeit 361 Kooperationsabkommen zwischen deutschen und australischen Hochschulen). Der rege Austausch zwischen Universitäten und Wissenschaftlern wird von deutscher Seite durch Stipendienprogramme, vor allem der Alexander von Humboldt-Stiftung und des DAAD, gefördert. Der DAAD unterhält dazu in Sydney ein DAAD-Informationszentrum und bietet damit eine erste Anlaufstelle für am Forschungs- und Bildungsstandort Deutschland Interessierte. In Deutschland ist das Institut Ranke-Heinemann in Essen und Berlin die Vertretung der australischen und neuseeländischen Universitäten, Schulen und Berufsakademien. Es berät zu allen Fragen rund um das Studium in Australien und Neuseeland.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.