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Wirtschaft
Stand: März 2012
Wirtschaftslage
Angola erlebte in den vergangenen zehn Jahren unter den Volkswirtschaften der Welt das stärkste Wirtschaftswachstum (Quelle: Economist). Lag das Wachstum nach dem Ende des Bürgerkrieges 2003 noch bei 3,3 Prozent, so erreichte es zwischen 2005 und 2008 jeweils um die 20 Prozent. 2009 fiel das Wachstum als Folge der dramatisch gesunkenen Erdölpreise auf 2,9 Prozent, auch in den letzten zwei Jahren lag es um die 3 Prozent (IWF). Die gefallenen Ölpreise und Maßnahmen zur Stützung der nationalen Währung haben 2009 auch zu einem drastischen Rückgang der Währungsreserven und zu Zahlungsrückständen des Staates geführt. Beides ist inzwischen bewältigt. Nach der Erholung des Ölpreises und mit dem bevorstehenden Beginn der Verflüssigung von Erdgas im Projekt Angola LNG wird im laufenden Jahr ein deutlicher Wachstumsanstieg erwartet.
Wirtschaftsstruktur
Seit 2002 verstärkt die Regierung die Wirtschaftsreformen, auch durch ein Programm der Privatisierung bzw. der Restrukturierung öffentlicher Unternehmen, die effizienter gemacht werden sollen, sowie Änderungen in der Steuerpolitik mit dem Ziel, die nationale Produktion außerhalb des Erdölsektors zu verbilligen.
Seit Kriegsende hat sich auch das Verhältnis Angolas zum IWF deutlich verbessert. Verschiedene IWF-Delegationen konstatierten seit 2002 zunehmende Transparenz und Kooperationswilligkeit auf angolanischer Seite. 2007 einigte sich Angola mit dem Pariser Club auf eine Schuldenrückzahlung der restlichen Verzugszinsen in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar, zahlbar in drei Jahresraten. Der IWF hat am 23. November 2009 Angola zur Absicherung bei evtl. Liquiditätsengpässen einen "stand by" Kredit über 1,4 Milliarden US-Dollar eingeräumt und begleitet es bei Reformen des staatlichen Finanzwesens.
Wichtigste Wirtschaftszweige
Angola verfügt über natürliche Ressourcen in großem Ausmaß (Erdöl, Diamanten, Mineralien, Landwirtschaft und Fischerei). Seine Wirtschaft ist aber noch ganz überwiegend vom Erdöl abhängig. Erdölerlöse alleine machen über 90 Prozent der Exporte, ca. 80 Prozent des Staatshaushaltes und über 50 Prozent des Bruttosozialproduktes aus. Angola ist neben Nigeria der größte Erdölproduzent in Subsahara-Afrika (1,6 Millionen Fass täglich).
Die deutlich gestiegenen Ölpreise 2005-2008, sowie die graduelle Ausweitung der Fördermenge waren der wesentliche Faktor für die positive Wirtschaftsentwicklung insgesamt. Nach Beendigung des Bürgerkrieges 2002 weist aber auch der „Nichtölsektor“ respektable Wachstumsraten auf, die in der Regel über 10 Prozent lagen.
Die hohe Abhängigkeit von nur zwei Produkten (Erdöl und Diamanten) ist problematisch, da damit Veränderungen in den Weltmarktpreisen direkt auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen. Auch sind die unmittelbaren Beschäftigungswirkungen dieser kapitalintensiven Sektoren auf inländische Arbeitskräfte gering, womit wirtschaftliche Effekte zu Gunsten der Armutsbekämpfung nicht unmittelbar zustande kommen.
Angola bieten die hohen Einnahmen derzeit allerdings die Chance, einen schnelleren Wiederaufbau und damit mittelfristig die Entwicklung des Nichtölsektors der Wirtschaft zu finanzieren, um damit gerade die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren.
Handel
Die Dominanz von Erdöl und Diamanten in der Produktion bedingt die mit 99 Prozent praktisch ausschließliche Konzentration der Exporte auf diese zwei Waren. Der Gesamtwert der Exporte stieg 2011 auf 65,9 Milliarden US-Dollar, allerdings wegen technischer Probleme einer Ölplattform geringer als erwartet (2010: 52 Milliarden USD). Im Vergleich zur Kolonialzeit liegt die größte Diskrepanz darin, dass Agrar- und Fischereiprodukte bei den Exporten nicht mehr in Erscheinung treten. Hier liegt für die Zukunft, insbesondere wenn es um erneuerbare Ressourcen mit nachhaltiger Produktion gehen soll, das größte Potential.
Die Importe erreichten 2011 den Gesamtwert von 21 Milliarden US-Dollar (Quelle: angolanischer Zoll). Der Nahrungsmittelbedarf wird immer noch zum überwiegenden Teil importiert. Bei den Investitionsgütern überwiegen noch Ausrüstungsgüter der Erdölindustrie.
Portugal ist es über die Jahre gelungen, wieder zum wichtigsten Lieferanten Angolas zu werden und erreichte 2011 einen Lieferanteil von 16,5 Prozent, dürfte aber demnächst von China überrundet werden. Deutschland, vor der Unabhängigkeit der wichtigste Lieferant Angolas außerhalb des portugiesischen Wirtschaftsraums mit einem Anteil von 13 Prozent an allen Importen, spielte bis 2006 mit einem Anteil von 1,6 Prozent kaum eine Rolle. 2010 konnte immerhin ein Wert von 4,5 Prozent erreicht werden. Dies deutet daraufhin, dass rasch zunehmende Investitionen in Infrastruktur und eine zu diversifizierende Wirtschaft ein Umfeld schaffen, in dem auch die deutsche Wirtschaft wieder stärker Fuß fassen kann.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
