Hauptinhalt

Albanien

Wirtschaft

Stand: September 2017

Wirtschaftspolitik

Albanien hat seit 1998 bedeutende Fortschritte auf dem Weg der Transformation von einer kommunistischen in eine marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaft erzielt. Dabei zeigte sich die Konjunktur inmitten der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahre relativ stabil und wies - auch wegen des geringen Ausgangsniveaus - durchgehend Wachstum auf. Durch Wachstumsraten von im Mittel fünf  Prozent über die vergangenen zehn Jahre (ein Spitzenwert in Europa) ist Albanien aufgerückt in die Reihe der Länder mittleren Einkommens. Im Zuge der europäischen Schuldenkrise und regionaler Stagnation sank allerdings auch in Albanien das Wachstum von 6 Prozent (im Durchschnitt der Jahre 2000-2010) auf 1,1 Prozent 2013. Nach knapp 2 Prozent  2014und 2,6 Prozent 2015 wurden 2016 3,6 Prozent (Finanzministerium)  erreicht.

Albanien gehört weiter zu den ärmsten Ländern Europas. Das Pro-Kopf BIP betrug  im Jahr 2016 nach Angaben des Finanzministeriums rd. 3780Euro. In absoluter Armut(Pro-Kopf-Einkommen unter 60 USD/Monat oder weniger als 2,5 USD/ Tag) leben  sieben Prozent der Bevölkerung (Angaben der Weltbank). Der Durchschnittslohn (im staatlichen Sektor) liegt bei 396 Euro (2016). Die Arbeitslosenrate liegt offiziell bei 15,7 Prozent (Finanzministerium)

Rückgrat der Ökonomie bleibt die Landwirtschaft, deren Anteil am BIP sich in der letzten Dekade auf 20 Prozent halbiert hat, die aber noch 45 Prozent der Arbeitskräfte (Bank of Albania) beschäftigt und zumeist in Subsistenz betrieben wird.

Die albanische Wirtschaft wird dominiert vom Handels- und Dienstleistungssektor. Wachstumsmotoren sind Textil- und Schuhindustrie (Lohnveredelung, vor allem für italienische Firmen), Tourismus, Telekommunikation, Bergbau und Energie. Das reiche Potenzial an Ressourcen (sehr große Ölvorkommen, Chrom, Kupfer) ist ebenso wenig ausgeschöpft wie das Potenzial bei Tourismus und Landwirtschaft (Frühgemüse, Obst, Olivenöl, Heilkräuter und Tees)

Wirtschaftliche Aktivität verteilt sich regional sehr unterschiedlich. Der Großteil des BIP wird in der Küstenregion erwirtschaftet, insbesondere im Raum Tirana/Durrës. Dagegen ist in vielen unwegsamen Bergregionen, in denen sich Wirtschaft weitgehend auf Subsistenzlandwirtschaft beschränkt, soziale und ökonomische Entwicklung kaum spürbar. Es findet eine erhebliche Binnenwanderung aus strukturschwachen Gebieten in die Städte statt.

Im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik der Regierung Rama stehen Konjunktur- und Beschäftigungsförderung sowie Schuldenabbau. Maßnahmen stützen sich stark auf ausländische Expertise und Beratung  (IWF, Weltbank, Entwicklungsbanken) in Verbindung mit Anreizen für internationale Investoren. Jüngste Gesetze sollen insbesondere ausländische Direktinvestitionen ankurbeln. Die Energie-, Industrie- und Handelspolitik zielt auf Marktöffnung und Erhöhung von Transparenz und Rechtsstaatlichkeit. Unklare Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, vor allem außerhalb der Städte, bleiben neben einem schwachen Justizsystem und der damit einhergehenden Rechtsunsicherheit ein Hemmschuh für Entwicklung. Prioritär bleibt die Erneuerung der Infrastruktur.


Fiskalpolitik

Unter dem Eindruck der Schuldenlast räumte die Regierung in Absprache mit dem IWF Budgetkonsolidierung, Rückführung des Staatsdefizits und Eindämmung der Inflation Priorität ein, was keinen Raum für Lohnerhöhungen oder Steuersenkungen ließ. Die Kampagne zur Reduzierung der Schattenwirtschaft  (damals bis zu 50 Prozent) seit Herbst 2015 hat zu höheren Steuereinnahmen beigetragen . Für Steuerbetrug wurden höhere Strafen eingeführt und Kontrollen verschärft. Bereits 2013 erfolgte eine Abkehr von der „Flat Tax“. : die 10Prozent-Einheitssteuer für Unternehmen wurde auf 15 Prozent und andere Steuersätze auf bis zu 23 Prozent erhöht (z.B. der Einkommensteuer-Spitzensatz). Die Mehrwertsteuer bleibt bei 20 Prozent.


Geldpolitik

Die Zentralbank betreibt weiter eine umsichtige Geldpolitik und wirkt makroökonomisch als Stabilisator. Der Lek blieb gegenüber dem Euro weitgehend stabil. Die Währung ist nicht frei konvertierbar, der Wechselkurs flexibel, was die Inflation eindämmt (2014 1,7 Prozent, 2015 1,8 Prozent  , 2016 1,3 Prozent) und externe Schocks abfedert. Dabei kommt dem Kurs zugute, dass die begrenzte Integration Albaniens in die Kapitalmärkte die Spekulation mit dem Lek erschwert. Der Basiszinssatz lag 2016 mit 1,25% auf einem historischen Tiefststand, um die Konjunktur anzukurbeln. Maßnahmen im Bereich der Bankenaufsicht haben die Banken stabiler und unabhängiger von den ausländischen (oft griechischen) Mutterhäusern gemacht. Die Kreditvergabe  und –nachfrage sind schleppend. Schlechte Kredite bleiben ein Problem.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise und Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere