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Afghanistan

Kultur und Bildung

Stand: November 2016

Schulen

Seit Ende der Taliban-Herrschaft nimmt die Zahl der Schülerinnen und Schüler an afghanischen Schulen stetig zu. Mittlerweile gehen rund sieben Millionen Kinder zu Schule. Dies entspricht allerdings schätzungsweise nur etwa 60% der schulpflichtigen Kinder. Mädchen machen mittlerweile rund 40% aller Schulkinder aus. Die Schulzeit beträgt in der Regel zwölf Jahre. Viele Kinder müssen jedoch die Schule aufgrund wirtschaftlicher Zwänge vorzeitig verlassen. Über die Zulassung zu staatlichen Hochschulen entscheidet nach Ende der Schulzeit eine landesweite Zulassungsprüfung.

Die Qualität der angebotenen Bildung variiert stark. In den Städten, insbesondere in der Hauptstadt Kabul, hat sich in den vergangenen Jahren eine Reihe guter und angesehener Privatschulen etabliert. Diese profitieren oftmals von internationaler Unterstützung. Staatliche Schulen leiden hingegen unter Überbelegung und mangelhafter Qualität des Lehrangebots.

Nach Englisch gehört Deutsch zu den beliebtesten Fremdsprachen. Landesweit lernen etwa 8.000 Schüler und rund 700 Studenten Deutsch als Fremdsprache an Schulen und Universitäten. An den drei von Deutschland geförderten Schulen in Kabul wurden 2013 erstmals und mit großem Erfolg Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom (DSD) abgenommen. Die sieben von der deutschen Zentralstelle für das Auslandsschulwesen entsendeten deutschen Auslandsdienstlehrkräfte mussten 2016 wegen der angespannten Sicherheitslage das Land verlassen. Während das Goethe-Institut Deutschkurse anbietet, die vor allem von jungen Leuten stark nachgefragt werden, unterstützt der Deutsche Akademische Austauschdienstsdie Germanistikabteilungen an einzelnen Hochschulen.


Universitäten

Bedingt durch die massive internationale Unterstützung der letzten Jahre ist in Afghanistan eine Vielzahl von Hochschulen entstanden. Nach dem Fall der Taliban 2001 entwickelte sich das Hochschulwesen in rasanter Geschwindigkeit. Gab es 2003 lediglich 11 Universitäten und sechs Hochschulen  (davon vier Universitäten in Kabul) mit 31.000 Studierenden und ca. 1.800 Dozenten, wuchs diese Anzahl bis 2016 auf 25 staatliche Universitäten und 126 private Hochschulen mit insgesamt 163.000 Studierenden. Der Anteil weiblicher Studierende liegt bei 20%. Auch wenn es inzwischen tertiäre Bildungseinrichtungen in 33 der 34 Provinzen gibt, ist der Wiederaufbau in Kabul deutlich am weitesten fortgeschritten, wo u.a. die Universität Kabul (mehr als 10.000 Studierende), die Technische Universität, die Medizinische Universität und die Pädagogische Hochschule einen Lehrbetrieb aufweisen.

Problematisch ist die geringe Qualifikation der Dozentenschaft. Zwei Drittel der Dozenten verfügen lediglich über einen Bachelor-, 30% über einen Masterabschluss, und nur 5% haben promoviert. Viele der Dozenten sind überdies nicht mit modernen Lehrmethoden vertraut. Der Staat stellt im Schnitt lediglich 400 US-Dollar pro Studienplatz bereit.

Die größte Herausforderung für den Sektor ist jedoch nach wie vor die zunehmende Zahl von Schulabgängern, die sich auf zu wenige Studienplätze bewerben. Nach offiziellen Zahlen wird es 2015 248.000 Schulabgänger geben, die sich auf 99.000 Studienplätze (öffentlich und privat) bewerben werden. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, selbst wenn nicht alle Schulabgänger ein Hochschulstudium aufnehmen wollen.


Kultur

In großen Städten wie Kabul gibt es ein reges und vielfältiges kulturelles Leben, obgleich die kulturelle Infrastruktur noch sehr ausbaufähig ist. Viele Menschen zeigen ein Interesse an afghanischer Kunst, Musik und Filmen. Einer der Preisträger des bekannten US-Filmfestivals 'Sundance' war im Jahr 2009 der afghanische Dokumentarfilm 'Afghan Star'. Der auf verschiedenen internationalen Filmfestivals gezeigte Film 'The Precious Stone' des afghanisch-französischen Regisseurs Afik Rahimi war 2012 der Beitrag Afghanistans für den 'Oscar'.

Überregionale Aufmerksamkeit erhielt das kulturelle Leben in Afghanistan im Jahr 2013, als die Stadt Ghazni zur Kulturhauptstadt der islamischen Welt ernannt wurde. 2015 wurde die Provinz Bamyan zum kulturellen Zentrum der SAARC-Staaten gekürt.


Deutsch-Afghanische Kulturbeziehungen

Die bilateralen Beziehungen im Kulturbereich blicken auf eine lange Tradition zurück und erfreuen sich aufgrund ihrer hundertjährigen Geschichte, die 2015 mit einer afghanischen Kulturwoche in Berlin gefeiert wurde, einer hohen Bekanntheit innerhalb der afghanischen Bevölkerung. Deutschland ist einer der größten Geber im Hochschulbereich.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) sowie das Goethe-Institut (GI) unterhalten eigene Büros in Kabul. Schwerpunkt der Arbeit des GI ist die Vermittlung der deutschen Sprache. Daneben unterstützt das GI traditionelles und zeitgenössisches afghanisches Theater und fördert den bilateralen Austausch von Kunst, Literatur und Musik.

Oberstes Ziel der DAAD-Aktivitäten in Afghanistan ist die Verbesserung der Qualität der akademischen Lehre. Neben Stipendienangeboten für afghanische Graduierte zum Erwerb eines Master- oder PhD-Abschlusses in Deutschland (Schwerpunkt: Public Policy and Good Governance) werden auch Hochschulkooperationen gefördert. Ein Schwerpunkt des DAAD ist das AMEA-Projekt (Academic Mining Education in Afghanistan) welches die Ausbildung qualifizierter Fach- und Führungskräfte im afghanischen Bergbausektor unterstützt. Die Mehrzahl der Förderungen erfolgt hingegen im Rahmen des 'Stabilitätspaktes Afghanistan (I & II)'. Hier werden zur Förderung ausgesuchter Schwerpunktfächer spezielle Fachkoordinationen unterstützt, die jeweils durch eine deutsche Partnerhochschule betreut werden. Kooperationen bestehen – neben dem Bergbausektor – in der Ausbildung von Germanisten, in der Neustrukturierung der Ausbildung von Medizinern sowie in den Bereichen Informationstechnologie, Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften, Geologie, Geographie, Mathematik, Physik, Chemie und Pharmazie. 2015 vergab der DAAD 552 Stipendien an afghanische Studierende und Wissenschaftler sowie 16 Stipendien an Deutsche.

Seit 2011 unterhält der DAAD in Kabul ein Informationszentrum (IC). Darüber hinaus beraten aus Deutschland anreisende Lang- und Kurzzeit-Dozenten beim Auf- und Ausbau des Hochschulwesens.

Deutsch ist nach wie vor eine der beliebtesten Fremdsprachen innerhalb des Landes. Das Goethe-Institut in Kabul ist landesweit der wichtigste Anbieter von Deutschkursen. Es gibt sieben PASCH-Schulen und eine Reihe weiterer, zum Teil privater Schulen, die Deutsch als Fremdsprache anbieten. Zehn Hochschulen verfügen über Deutschabteilungen. Knapp 8.000 Schüler und rund 700 Studenten lernen Deutsch.

Afghanistan ist Deutschlands wichtigstes Empfängerland für Projekte zum Erhalt kulturellen Erbes. Herausragende Maßnahmen waren dabei in den vergangenen Jahren die Instandsetzung des Babur-Gartens in Kabul, Aufbau und Einrichtung des Nationalmuseums in Herat, Sicherung der Buddhas von Bamiyan und die Restaurierung des Gartenpavillons Kuti-e Bagthscha (Emir’s Pavillon) im früheren Königs- und heutigen Präsidentenpalast in Kabul, der heute als Empfangsräumlichkeiten des afghanischen Präsidenten genutzt wird. Im Rahmen des Kulturerhalt-Programms des AA wird das Regionalentwicklungsprogramm in Balkh gefördert (2014-2016, 1.350.000 €)). Neben der Restaurierung und Konservierung historischer Bausubstanz in der Region Balkh (u.a. Minarett und Mosche von Zadyan, Khwaja Nizamuddin Shrine) werden ausführliche Bestandsdokumentationen durchgeführt, die auch der Verbesserung der Infrastruktur unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung dienen. Projektträger Aga Khan Trust for Culture (AKTC) bildet dabei lokale Kräfte aus. Das Deutsche Archäologische Institut führt gemeinsam mit lokalen Experten langfristige Programme zur Erforschung des frühen afghanischen Bergbaus durch und entwickelt Maßnahmen zur nachhaltigen Dokumentation und Erhaltung von kulturhistorischen Denkmälern.

Eine enge bilaterale Kooperation findet auch im Bereich Sportförderung statt. In Zusammenarbeit mit dem DFB wurde die inzwischen erfolgreich spielende Frauenfußball-Nationalmannschaft aufgebaut. Trainer des DFB beraten die Männer-Nationalmannschaft und unterstützen den Afghanischen Fußballverband beim Aufbau einer Profiliga.


Medien

Afghanistan verfügt über eine lebendige, relativ freie und im regionalen Vergleich am stärksten diversifizierte Medienlandschaft (Rundfunk, Fernsehen, Print). Zahlreiche Fernsehsender und Radiostationen erreichen zusammen eine fast landesweite Abdeckung. Radiosender bleiben in ländlichen Gebieten das am meisten verbreitete und zugängliche Medium. Die Qualität von Medienprodukten ist sehr unterschiedlich. Eine wichtige Rolle spielen in Afghanistan inzwischen soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook.

Die Pressefreiheit wird weitgehend gewahrt, jedoch kommt es auch zu Übergriffen auf Journalisten und zu Einschüchterungsversuchen insbesondere bei kritischer Berichterstattung über Korruption. Damit einher geht eine zunehmende Selbstzensur auf Seiten der afghanischen Presse. Im Jahr 2014 wurden prominente afghanische und internationale Journalisten Opfer von Anschlägen in Afghanistan, darunter waren auch die deutsche Fotojournalistin Anja Niedringhaus und der afghanische Journalist Sardar Ahmad.


Deutscher Soldat auf dem Vogelmarkt in Kundus, Afghanistan

Deutsches Engagement in Afghanistan

Afghanistan darf nicht wieder zum Rückzugsraum für internationale Terroristen werden. Deshalb helfen Deutschland und die internationale Gemeinschaft Afghanistan, ein stabiles Land zu werden, in dem die Menschen sicher leben können und selbst über ihre Zukunft bestimmen. 

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