Hauptinhalt

Äthiopien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2016

Politische Beziehungen

Die deutsch-äthiopischen Beziehungen sind traditionell gut und werden im Rahmen eines hochrangigen Besucherverkehrs gepflegt.

2005 wurde das 100-jährige Jubiläum der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen gefeiert. Der Besuch Kaiser Haile Selassies 1954 war einer der ersten Staatsbesuche in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland. Es folgten die Bundespräsidenten Lübke 1964, Herzog 1996, Köhler 2004 und Gauck 2013. Bundeskanzlerin Angela Merkel reiste 2007 und im Oktober 2016 nach Äthiopien. Der ehemalige äthiopische Präsident Girma Woldegiorgis besuchte Deutschland 2008, Premierminister Hailemariam Desalegn zuletzt im Dezember 2014.

Es gibt regelmäßig Besuche von Kabinettsmitgliedern, Abgeordneten und Ausschüssen des Deutschen Bundestages in Äthiopien.


Wirtschaftliche Beziehungen

In den vergangenen Jahren war ein stetiger Zuwachs im Außenhandelsvolumen zu verzeichnen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hat Deutschland 2015 Waren im Wert von 173,2 Mio. EUR aus Äthiopien importiert (+ 6,4%) und Waren im Wert von 305 Mio. (+ 27,7%) dorthin exportiert.

Deutschland ist einer der größten Abnehmer äthiopischer Waren. Deutschland importiert aus Äthiopien vor allem Kaffee und Textilien und war bis 2014  traditionell größter Abnehmer der äthiopischen Kaffee-Exporte (über 30 Prozent). Deutsche Exporte nach Äthiopien bestehen vor allem aus Fertigprodukten wie Maschinen, Motoren, Kraftfahrzeugen sowie Chemikalien und Medikamenten. In jüngerer Zeit beginnen deutsche Unternehmen auch in Äthiopien zu investieren (besonders Blumensektor, Lederverarbeitung).

Das im Januar 2004 unterzeichnete Investitionsschutzabkommen trat 2006 in Kraft. Im März 2016 eröffnete der Kraftfahrzeughersteller MAN ein Werk in Mekele.


Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Äthiopien ist Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland unterstützt Äthiopien bei der Umsetzung seiner Entwicklungsstrategie, dem "Growth and Transformation Plan", und der Verfolgung der Millennium Development Goals (MDG). Insgesamt hat Äthiopien seit Beginn der bilateralen Zusammenarbeit vor 50 Jahren über eine Milliarde Euro im Rahmen der Technischen und Finanziellen Zusammenarbeit von Deutschland erhalten.

In Absprache mit der äthiopischen Regierung und internationalen Entwicklungspartnern konzentriert sich die entwicklungspolitische Zusammenarbeit auf drei Schwerpunkte:

  • Bildung (Berufsschul- und Hochschulbildung)
  • Sicherung der Ernährung; Landwirtschaft
  • Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen; Biodiversität

Für den Schwerpunkt Bildung werden bis 2017 47 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Die Zusammenarbeit im Schwerpunkt Landwirtschaft und Ernährungssicherung (bisher insbesondere das "Sustainable Land Management Programme" der äthiopischen Regierung) wird mit einer Neuzusage von 48 Millionen Euro für die Jahre 2015 bis 2017 zur Stärkung der Dürreresilienz und Steigerung landwirtschaftlicher Produktivität ausgeweitet. Ergänzt wird dieser Schwerpunkt durch ein Kooperationsprojekt in der Landwirtschaftspolitik (Saatgutentwicklung, Ausbildung, Agrardialog).

Neu vereinbart wurde bei den Regierungsverhandlungen 2014 ein Schwerpunkt "Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, Biodiversität". Mit einer Verbesserung des Schutzes und der Nutzung der ausgewiesenen biodiversitätsreichen Gebiete in Äthiopien soll ein Beitrag zum Erhalt der Lebensgrundlagen und der Verbesserung der Lebensbedingungen für die Bevölkerung geleistet werden. Hierfür hat die Bundesregierung 27,5 Millionen Euro zugesagt.

Ferner werden Vorhaben zur Unterstützung von Flüchtlingsprogrammen in Äthiopien unterstützt.

Bei den Regierungsverhandlungen im September 2014 wurden für den Zeitraum bis 2017 insgesamt Neuzusagen in Höhe von 133,8 Millionen Euro für die staatliche Entwicklungszusammenarbeit gemacht.

Neben dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagieren sich auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesumweltministerium (BMUB) in der Entwicklungszusammenarbeit mit Äthiopien.


Kulturelle Beziehungen

Die deutsch-äthiopischen Kulturbeziehungen gründen sich auf eine lange Tradition deutscher Forschung in Äthiopien, aus der eine Vielzahl von Hochschulpartnerschaften erwachsen ist. Herausragende Projekte deutscher wissenschaftlicher Einrichtungen sind das South Omo Research Center zur Erforschung der Südvölker Äthiopiens sowie die Erstellung einer mehrbändigen, international einzigartigen Encyclopaedia Aethiopica durch die Universität Hamburg. Vor dem Hintergrund Aufsehen erregender Funde von Spuren sabäischer Kultur in der Region Tigray führt das Deutsche Archäologische Institut derzeit eine auf mehrere Jahre angelegte Grabungskampagne durch.

Im Jahr 2015 förderte der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) 579 äthiopische Studenten und Wissenschaftler sowie 129 Kurz- und Langzeitdozenturen deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der DAAD hat 2013 in Addis Abeba sein viertes Informationszentrum in Afrika eröffnet.

Deutsch wird an der Addis Abeba University seit dem Wintersemester 2010 – kombinierbar mit Spanisch, Portugiesisch oder Italienisch – im Bachelor-Studiengang Modern European Languages angeboten. Weiteren Deutschunterricht außerhalb des Goethe-Instituts gibt es an der Deutschen Botschaftsschule Addis Abeba (DBSAA) und der französischen Schule. Zudem bieten die Andinet International School und die German Church School als PASCH-Schulen Unterricht in Deutsch als Fremdsprache an. 

Die DBSAA bietet weiterhin das Deutsche Sprachdiplom (DSD) an. Die Schule wird derzeit von rund 130 Schülern und 95 Kindergartenkindern besucht. Es werden alle deutschen Abschlüsse bis einschließlich Klasse 10 angeboten. Seit dem Schuljahr 2004/05 gibt es wieder eine ausgebaute Oberstufe, die zum Internationalen Baccalaureat (IB) führt. Seit dem Schuljahr 2007/08 darf die Schule auch äthiopische Staatsangehörige aufnehmen, die einen Bezug zu Deutschland haben.

Das Goethe-Institut Addis Abeba, das 2012 sein 50-jähriges Bestehen feierte, widmet seine Programmarbeit insbesondere den Vernetzungen von Kultur und Entwicklung. Fragen der kulturellen Identität sowie Auswirkungen von Modernisierung und städtischer Planung auf Kultur und Gesellschaft sind ein wichtiger Akzent in den Programmen. Das Institut besitzt ein Informationszentrum und eine Sprachkursabteilung und ist Gründungsmitglied des European Union National Institutes for Culture (EUNIC) Netzwerks in Äthiopien.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere