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Wirtschaft
Stand: April 2012
Wirtschaftsstruktur
Der politische Transformationsprozess ist nicht abgeschlossen. Als Konsequenz sind die erforderlichen wirtschaftspolitischen Anpassungsmaßnahmen noch nicht umgesetzt worden. Die Wirtschaft weist nur sehr geringes Wachstum auf, notwendige Investitionen werden aufgeschoben und die Währungsreserven sind innerhalb eines Jahres um 2/3 geschrumpft.
Ägypten ist noch immer das nach Südafrika am stärksten industrialisierte Land Afrikas. Haupteinnahmequellen bleiben weiterhin die Förderung und der Export von fossilen Energieträgern (Erdöl und Erdgas), der Tourismus sowie die Rücküberweisungen der ägyptischen Arbeiter im Ausland. Ferner ist der Sueskanal ein einträglicher Devisenbringer.
Erdöl und Erdgas
Beim Energiehaushalt stehen sich rückläufige Ölfördermengen und die stetige Zunahme der Gasexploration sowohl für den Eigenbedarf als auch für den Export gegenüber. In den letzten Jahren ist Ägypten zu einem bedeutenden Gaslieferanten aufgestiegen und für Europa eine strategische Bezugsquelle geworden. Neuste Schätzungen gehen von Ölreserven in Höhe von 4,5 Mrd. Barrel aus. Trotz Entdeckung neuer Ölfelder und verbesserter Fördertechnik, deckt die Rohölausbeute kaum den Eigenbedarf.
Die Erdgasreserven Ägyptens werden auf ca. 2.200 Milliarden m³ geschätzt, damit verfügt das Land über 1,2 Prozent der weltweiten Erdgasvorkommen. Die günstige geografische Lage und der fortgeschrittene Ausbau von LNG-Anlagen ermöglichen es, unabhängig von Gaspipelines auf kurzfristige Lieferengpässe in den Abnehmerländern zu reagieren.
Tourismus
Als ganzjähriges Reiseziel hat Ägypten seit Jahren einen festen Platz im weltweiten Tourismus. Die Branche hat jedoch nach der Revolution besonders gelitten. Wurden 2010 noch 14,7 Millionen Touristen gezählt, so waren es 2012 nur noch 9,8 Millionen. Aus Deutschland kamen über 950.000 Besucher in das Land am Nil. Ägypten war im März 2012 offizielles Partnerland der Internationalen Tourismus-Börse Berlin und nutzte dieses Forum, um mit Werbekampagnen den Tourismus wieder anzukurbeln.
Überweisungen aus dem Ausland
Die Überweisungen der ca. 3 Millionen Auslandsägypter spielen seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle im Wirtschaftsgefüge des Landes. Der Großteil kommt aus den Golfstaaten und belief sich 2011 auf 12,6 Mrd. USD. Die von der ägyptischen Zentralbank erfassten Zahlungsströme dürften nur einen Teil der tatsächlichen erfolgten Transferleistungen widerspiegeln.
Suez-Kanal
Der Suezkanal, der ca. 8 Prozent des Schifffahrtwelthandels abwickelt, ist gleichzeitig eine der größten Deviseneinnahmequellen des Landes. Nach Tieferlegung auf 20 Meter können Schiffe bis 240.000 Bruttoregistertonnen, das sind 62 Prozent der vorhandenen Öltanker, den Kanal passieren. Die Transitgebühren können der offiziellen Homepage (Externer Link, öffnet in neuem Fensterwww.suezcanal.gov.eg) entnommen werden. Durch den Anstieg des weltweiten Wahrenverkehrs haben sich die Einnahmen 2011 auf 5,22 Mrd. USD erhöht.
Landwirtschaft
Die ägyptische Volkswirtschaft ist landwirtschaftlich geprägt, sie beschäftigt jeden dritten Ägypter. Angebaut werden vor allem Baumwolle, Reis, Zuckerrohr, Weizen, Gemüse und Obst. Die landwirtschaftliche Nutzfläche erstreckt sich vor allem entlang des Nils sowie im Nildelta und macht lediglich 2,9 Prozent der Gesamtfläche des Landes aus. Aufgrund der starken Parzellierung können viele Landwirte lediglich Subsistenzwirtschaft betreiben. Einziges wesentliches Wachstumspotenzial bietet die Optimierung der Bewässerung.
Wirtschaftslage und Politik der ägyptischen Regierung
Die jetzige Regierung versucht, den notwendigen Strukturwandel in die Wege zu leiten. Das Land befindet sich in einer andauernden Transformationsphase, deren politischer Ausgang und damit auch die konkreten Auswirkungen auf die Wirtschaft noch nicht absehbar sind.
Die künftigen politischen Weichenstellungen und die Fortschritte der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden ausschlaggebend für die ökonomische Weiterentwicklung des Landes sein. Es bleibt - wenn auch nur mit begleitender internationaler Unterstützung - die Aussicht auf eine positive wirtschaftliche Perspektive des größten und bedeutenden Landes in der arabischen Welt mit mehr als 80 Millionen Einwohnern.
Wirtschaftsbeziehungen zur Europäischen Union
Die Europäische Union ist der größte Handelspartner und Direktinvestor. Das Land ist seit 1995 Mitglied in der WTO. Das 2004 in Kraft getretene EU-Assoziationsabkommen regelt den freien gegenseitigen Handel. Bestehende Handelsbarrieren sollen bis 2019 abgebaut sein. Im Agrarsektor sind bereits 87 Prozent der Produkte liberalisiert. Im März 2007 ist ein Aktionsplan im Rahmen der European Neighbourhood Policy (ENP) unterzeichnet worden, welcher die finanzielle, wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit regelt. Ein vereinbartes Ziel ist es, die ägyptische Wirtschaft produktiver und wettbewerbsfähig zu gestalten. Auf die politischen Umbrüche in der Region hat die EU mit einer stärker an Reformbemühungen anknüpfenden Nachbarschaftspolitik und zusätzlichen Mitteln (SPRING) reagiert. Auch die G8 haben mit der „Deauville-Partnerschaft“ zusätzliche Angebote, insbesondere mit Hilfe der internationalen Finanzinstitutionen, unterbreitet, um den politischen Wandel wirtschaftlich zu begleiten.
Externer Link, öffnet in neuem FensterMehr auf der Webseite der EU-Kommission (englisch)
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
