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Ägypten

Wirtschaft

Stand: Oktober 2012

Wirtschaftsstruktur

Nach der Vereidigung des ersten demokratisch gewählten ägyptischen Staatspräsidenten Mohamed Mursi beginnt die neue Regierung unter Premierminister Hesham Kandil Maßnahmen zu ergreifen, um die bisher gelähmte Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen Derzeit wird nur sehr geringes Wachstum erzielt, die dringend notwendigen Reformen müssen umgesetzt  und der weitere Abfluss der Währungsreserven verhindert werden.

Ägypten ist noch immer das nach Südafrika am stärksten industrialisierte Land Afrikas. Haupteinnahmequellen bleiben weiterhin die Förderung und der Export von fossilen Energieträgern (Erdöl und Erdgas), der Tourismus sowie die Rücküberweisungen der ägyptischen Arbeiter im Ausland. Ferner ist der Sueskanal ein einträglicher Devisenbringer.


Erdöl und Erdgas

Beim Energiehaushalt stehen sich rückläufige Ölfördermengen und die stetige Zunahme der Gasexploration sowohl für den Eigenbedarf als auch für den Export gegenüber. In den letzten Jahren ist Ägypten zu einem bedeutenden Gaslieferanten aufgestiegen und für Europa eine strategische Bezugsquelle geworden. Neuste Schätzungen gehen von Ölreserven in Höhe von 4,5 Mrd. Barrel aus. Trotz Entdeckung neuer Ölfelder und verbesserter Fördertechnik, deckt die Rohölausbeute kaum den Eigenbedarf.

Die Erdgasreserven Ägyptens werden auf ca. 2.200 Milliarden m³ geschätzt, damit verfügt das Land über 1,2 Prozent der weltweiten Erdgasvorkommen. Die günstige geografische Lage und der fortgeschrittene Ausbau von LNG-Anlagen ermöglichen es, unabhängig von Gaspipelines auf kurzfristige Lieferengpässe in den Abnehmerländern zu reagieren.


Tourismus

Als ganzjähriges Reiseziel hat Ägypten seit Jahren einen festen Platz im weltweiten Tourismus. Die Branche hat jedoch nach der Revolution besonders stark gelitten. Wurden 2010 noch 14,7 Millionen Touristen gezählt, so waren es 2011 nur noch 9,8 Millionen. 2012 steigt die Zahl der deutschen Touristen wieder an. Von Januar bis Juni besuchten rund 540.00 deutsche Urlauber das Land am Nil. Damit nimmt Deutschland nach Russland und vor Großbritannien den zweiten Platz auf der Urlauberskala ein. Ägypten war im März 2012 offizielles Partnerland der Internationalen Tourismus-Börse Berlin und nutzte dieses Forum, um mit Werbekampagnen den Tourismus wieder anzukurbeln.


Überweisungen aus dem Ausland

Die Überweisungen der ca. 7 Millionen Auslandsägypter spielen eine wichtige Rolle im Wirtschaftsgefüge des Landes. Der Großteil kommt aus den Golfstaaten und belief sich 2011/ 2012 auf ca 44. Mrd. USD und stellt damit ein Allzeithoch dar. Die von der ägyptischen Zentralbank erfassten Zahlungsströme spiegeln nicht alle tatsächlich erfolgten Transferleistungen wider.


Suez-Kanal

Der Suezkanal, der ca. 8 Prozent des Schifffahrtwelthandels abwickelt, ist gleichzeitig eine der größten Deviseneinnahmequellen des Landes. Nach Tieferlegung auf 20 Meter können Schiffe bis 240.000 Bruttoregistertonnen, das sind 62 Prozent der vorhandenen Öltanker, den Kanal passieren. Die Transitgebühren können der offiziellen Homepage ( www.suezcanal.gov.eg ) entnommen werden. Durch den Anstieg des weltweiten Warenverkehrs haben sich die Einnahmen 2011 auf 5,22 Mrd. USD erhöht.


Landwirtschaft

Die ägyptische Volkswirtschaft ist landwirtschaftlich geprägt, sie beschäftigt jeden dritten Ägypter. Angebaut werden vor allem Baumwolle, Reis, Zuckerrohr, Weizen, Gemüse und Obst. Die landwirtschaftliche Nutzfläche erstreckt sich vor allem entlang des Nils sowie im Nildelta und macht lediglich 2,9 Prozent der Gesamtfläche des Landes aus. Aufgrund der starken Parzellierung können viele Landwirte lediglich Subsistenzwirtschaft betreiben. Einziges wesentliches Wachstumspotenzial bietet die Optimierung der Bewässerung. Der Getreideanbau konnte entgegen des weltweiten Trends von 8 auf 9,5 Mio. Tonnen erhöht werden.


Wirtschaftslage und Politik der ägyptischen Regierung

Die neue Regierung steht vor der Herausforderung, den notwendigen Strukturwandel in die Wege zu leiten. Die künftigen politischen Weichenstellungen und die Fortschritte der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden ausschlaggebend für die ökonomische Weiterentwicklung des Landes sein. Es bleibt - wenn auch nur mit begleitender internationaler Unterstützung - die Aussicht auf eine positive wirtschaftliche Perspektive des größten und bedeutenden Landes in der arabischen Welt mit mehr als 83 Millionen Einwohnern.


Wirtschaftsbeziehungen zur Europäischen Union

Die Europäische Union ist der größte Handelspartner und Direktinvestor. Das Land ist seit 1995 Mitglied in der WTO. Das 2004 in Kraft getretene EU-Assoziationsabkommen regelt den freien gegenseitigen Handel. Bestehende Handelsbarrieren sollen bis 2019 abgebaut sein. Im Agrarsektor sind bereits 87 Prozent der Produkte liberalisiert. Im März 2007 ist ein Aktionsplan im Rahmen der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) unterzeichnet worden, welcher die finanzielle, wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit regelt. Ein vereinbartes Ziel ist es, die ägyptische Wirtschaft produktiver und wettbewerbsfähig zu gestalten. Auf die politischen Umbrüche in der Region hat die EU mit einer stärker an Reformbemühungen anknüpfenden Nachbarschaftspolitik und zusätzlichen Mitteln (SPRING) reagiert. Auch die G8 haben mit der „Deauville-Partnerschaft“ zusätzliche Angebote, insbesondere mit Hilfe der internationalen Finanzinstitutionen, unterbreitet, um den politischen Wandel wirtschaftlich zu begleiten.

Mehr auf der Webseite der EU-Kommission (englisch)



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklung

Ägypten ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Schwerpunkte sind der Umwelt- und Klimaschutz – mit einem Fokus auf der Förderung erneuerbarer Energien – sowie die Wasserver- und Abwasserentsorgung. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung die Privatwirtschaft sowie das Berufsbildungswesen.
Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: