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Ägypten

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2012

Das Bewusstsein über das kulturelle Erbe Ägyptens ist insbesondere auf das Alte Ägypten und die islamische Geschichte fokussiert. Gleichzeitig steht die Gesellschaft unter dem Eindruck unterschiedlicher moderner Globalisierungseinflüsse: neben einer Aufgeschlossenheit gegenüber „westlicher“ Kultur und ihren Lebensformen lassen sich eine zunehmende Islamisierung und religiös geprägter Konservatismus beobachten.

Kulturpolitik

Kairo ist seit Jahrhunderten eines der geistigen und kulturellen Zentren der arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der renommierten islamischen Hochschule al-Azhar und des Oberhaupts der koptischen Kirche. Sie gilt als wichtigstes Zentrum des arabischen Buchmarkts und beheimatet große Bibliotheken, Museen und das erste Opernhaus der arabischen Welt. Kairo ist wichtiges Medienzentrum im Nahen Osten sowohl im Bereich der elektronischen und der Printmedien, des Agenturwesens als auch der arabischen Filmindustrie. Auch für viele ausländische Medien ist die ägyptische Hauptstadt Standort und Nachrichtenumschlagplatz für die arabischen Länder.

Zu den wichtigsten kulturellen Veranstaltungen zählten bis zu den politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen des „arabischen Frühlings“ die Internationale Buchmesse Kairo, das Internationale Filmfestival und das Internationale Festival für Experimentelles Theater.

Das pharaonische Erbe hat im Land eine Vielfalt von Ausgrabungsstätten, Lehr- und Forschungseinrichtungen der Ägyptologie entstehen lassen. Neben den pharaonischen Kulturzeugnissen gibt es viele bedeutende nubische, graeco-romanische, christliche und islamische Kulturdenkmäler. In Kairo findet sich die weltweit größte Konzentration koptischer und islamischer Baudenkmäler. Viele Stätten, darunter die Pyramiden, Luxor und die islamische Altstadt Kairos, wurden bereits 1979 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. 2002 kamen das Katharinenkloster als Kulturdenkmal und 2005 das Wadi al-Hitan als Naturdenkmal hinzu.

Das Ägyptische Museum im Stadtzentrum von Kairo ist sowohl bei Touristen wie auch Ägyptern beliebter Anziehungspunkt. Das Projekt eines Museums-Neubaus in der Nähe der Pyramiden von Giza wurde vor einigen Jahren begonnen. Andere wichtige Museen in Kairo, wie das Islamische und das Koptische Museum, wurden in den vergangenen Jahren renoviert.


Bildungspolitik

Umfassende Reformen und Investitionen, strategische Konzepte und Modernisierungen im Bildungswesen sind dringend erforderlich. Jahrzehntelange Versäumnisse haben zu einer Stagnation im staatlichen Schulwesen geführt. Das starke Bevölkerungswachstum und der damit einhergehende ständig steigende Bedarfs an Bildungseinrichtungen stellt die Ägyptische Regierung daher vor eine enorme Herausforderung.

Deutschunterricht wird an zahlreichen privaten ägyptischen Schulen als erste oder zweite Fremdsprache, oft bereits ab der ersten Klasse, angeboten. Auch an einigen staatlichen Schulen wird Deutschunterricht bereits ab der Grundschule angeboten, ansonsten können Schüler der staatlichen Schulen Deutsch erst ab Klasse 10 als zweite Fremdsprache wählen.

Ägypten ist zwar um die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in der Bildung bemüht - so konnte der Anteil der eingeschulten Mädchen und die Alphabetisierungsrate bei Mädchen und jungen Frauen erhöht werden, liegt allerdings noch immer unterhalb derer für männliche Altersgenossen.


Wissenschaftspolitik

Zur Zeit werden das Forschungs- und Hochschulressort vom selben Minister geleitet.

Ägypten unterhält 18 staatliche Universitäten mit über 1,3 Millionen eingeschriebenen Studenten. Ferner existieren 17 private Universitäten, darunter die alteingesessene American University in Cairo. Insgesamt lernen an ägyptischen Hochschulen ca. 2,5 Millionen Studierende. Die im Oktober 2003 von Bundeskanzler Schröder und Staatspräsident Mubarak eröffnete German University in Cairo bietet sechs technisch orientierte Studiengänge an, die auf deutschen Lehrplänen aufbauen (s. auch bilaterale Beziehungen in der Wissenschaft).

Die vielfältige Forschungslandschaft wird vom interministeriellen Higher Council for Science and Technology koordiniert, dem unter Vorsitz des Forschungsministers 8 Fachminister sowie Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft angehören. Dem Forschungsministerium unterstehen u.a. der 2007 nach dem Vorbild der Deutschen Forschungsgemeinschaft gegründete Science and Technology Development Fund, die Akademie der Wissenschaften sowie 10 Forschungseinrichtungen wie das interdisziplinäre Nationale Forschunszentrum und verschiedene Fachzentren. Daneben existieren weitere Forschungseinrichtungen, die an andere Fachministerien angegliedert sind.

Ägypten bemüht sich im Forschungsbereich um mehr Qualität und Anwendungsbezogenheit und fördert hierfür verstärkt die internationale Vernetzung von Wissenschaftlern. 2007 wurde zum Beginn einer Dekade der Wissenschaft erklärt, in deren Rahmen jedes Jahr der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit einem Partnerland gewidmet ist. Den Anfang machte 2007 das Deutsch-Ägyptische Jahr für Wissenschaft und Technologie, von dem vielfältige Impulse auf die bilaterale wissenschaftliche Zusammenarbeit ausgegangen sind.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.