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Deutsch-russisches Kriegsgedenken in Wolgograd

Außenminister Frank-Walter Steinmeier besuchte am 7. Mai 2015 die russische Millionenstadt Wolgograd (ehemals: Stalingrad), wo er mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren gedachte. Direkt nach seiner Ankunft fuhr Steinmeier gemeinsam mit Lawrow zur Kriegsgräberstätte Rossoschka, um dort Kränze niederzulegen.

"Wir wollen in diesen Tagen des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkriegs das in den Mittelpunkt stellen, was uns verbindet, und nicht das, was uns trennt", hatte Steinmeier kurz vor seiner Abreise in Berlin betont. 

Dem deutschen Außenminister war es wichtig, "das Gedenken an das Grauen des Zweiten Weltkriegs in Russland und gemeinsam mit meinem russischen Kollegen zu begehen - trotz und gerade wegen unseres schwierigen Verhältnisses mit Moskau im Zuge der Ukraine-Krise."

Kranzniederlegung für die Gefallenen beider Länder

Gemeinsamer Gang zur Kranzniederlegung

Gemeinsamer Gang zur Kranzniederlegung
© photothek.net

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Gemeinsamer Gang zur Kranzniederlegung

Gemeinsamer Gang zur Kranzniederlegung

Gemeinsamer Gang zur Kranzniederlegung

Seite an Seite schritten Steinmeier und Lawrow unmittelbar nach der Ankunft des deutschen Außenministers über das Gelände der Kriegsgräberstätte Rossoschka. Die Stätte beherbergt einen Friedhof für sowjetische Gefallene sowie einen Friedhofsteil für deutsche Kriegsgräber. 

Zunächst besuchten die beiden Minister den russischen Teil, wo sie schweigend Kränze zum Gedenken an die Gefallenen niederlegten. Nur wenige Schritte entfernt liegt der deutsche Soldatenfriedhof. Auch hier legten die Minister und ihre Delegationen einen Kranz und Blumen nieder. 

Dieser gemeinsame Friedhof der Versöhnung wurde durch ein im Jahr 1992 unterzeichnetes Regierungsabkommen über Kriegsgräber ermöglicht. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut das Projekt. Im Sinne der Verständigung und Freundschaft arbeiten auch deutsche und russische Jugendliche gemeinsam an der Pflege der Grabstätten. 

70 Jahre nach dem unermesslichen Leid, das Deutsche über die Stadt gebracht haben, sind wir nicht mehr allein in der Erinnerung. Russen, Deutsche und alle Völker Europas verbindet ein gemensames "Nie wieder" und eine gemeinsame Verantwortung für den Frieden in Europa.

Diese Worte schrieb Steinmeier wenig später in das Goldene Buch an der zentralen Gedenkstätte der Russischen Föderation zur Erinnerung an die Schlacht von Stalingrad. Im Anschluss an ihren Besuch in Rossoschka waren die Außenminister zu einer weiteren feierlichen Kranzniederlegung dorthin, zum Mamajew-Hügel, gefahren. Steinmeier und Lawrow nutzten hier auch kurz die Gelegenheit, mit einigen Wolgograder Bürgern zu sprechen.

Reise im Zeichen der Versöhnung und Verständigung

Er sei "tief bewegt" davon gewesen während seines Besuchs in Wolgograd, gemeinsam mit seinem russischen Amtskollegen des "Grauens des Krieges" zu gedenken - "im Zeichen der Versöhnung und im Zeichen der Verständigung." Das erklärte Außenminister Steinmeier auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Wenn ich eines von hier mitnehme von diesem Besuch, dann jedenfalls eine noch festere Entschlossenheit, alles Menschenmögliche dafür zu tun, dass es in Europa nie wieder zu Krieg und Zerstörung kommen kann.

Die Außenminister Lawrow (l.) und Steinmeier (r.) in Wolgograd

Die Außenminister Lawrow (l.) und Steinmeier (r.) in Wolgograd
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Die Außenminister Lawrow (l.) und Steinmeier (r.) in Wolgograd

Die Außenminister Lawrow (l.) und Steinmeier (r.) in Wolgograd.

Die Außenminister Lawrow (l.) und Steinmeier (r.) in Wolgograd

Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise dürfe das Gedenken nicht "instrumentalisiert" werden, betonte Steinmeier. Gleichwohl sei klar: "Im Angesicht von Stalingrad müssen wir ein gemeinsames Interesse daran haben, und vor allen Dingen hart daran arbeiten", den Ukraine-Konflikt "friedlich zu lösen". 

Als Fortschritt werteten beide Minister das gestrige Treffen (06.05.) der trilateralen Kontaktgruppe. Erstmals haben dort Arbeitsgruppen getagt, um die man "heftig gerungen" habe, erklärte Steinmeier. Dies sei ein wichtiger Schritt insofern, "als dass uns damit jetzt der Einstieg in eine nächste Phase der Umsetzung der Minsker Vereinbarung gelingen kann", so der deutsche Außenminister.

Wir hoffen und wir erwarten, dass die Konfliktparteien den beschwerlichen Weg von Minsk (...) hin zu einer politischen Lösung und zu einer Überwindung der Krise jetzt beharrlich weitergehen. Damit das Blutvergießen viel zu vieler Menschen auch im letzten Winkel der Ostukraine endlich aufhört.

Friedenskonzert von deutschen und russischen Sinfonikern

Auch ein musikalisches Symbol des Friedens und der Überwindung der einstigen Feindschaft gab es am Abend des 7. Mai in Wolgograd: Unter freiem Himmel spielten das Osnabrücker Symphonieorchester und das Wolgograder Symphonische Orchester ein gemeinsames "Friedenskonzert". 

In der ersten Reihe saßen neben den Ministern und Ehrengästen auch viele Veteranen mit ihren Angehörigen. Die Außenminister Steinmeier und Lawrow sprachen Grußworte, in denen sie auch die besondere Bedeutung Wolgograds/Stalingrads für das Ende des Zweiten Weltkriegs hervorhoben. 

Außenminister Steinmeier machte deutlich, dass das "gemeinsame Erinnern eine Chance" sei, denn: "Aus diesem Erdboden steigt die Mahnung, die alle verbindet, die des Krieges gedenken – die besonders uns Deutsche und Russen verbindet: Nie wieder!"

Wir Deutsche schulden den Opfern des Krieges nicht nur unser ehrendes Gedenken – sondern auch, dass wir Lehren ziehen aus ihrem Leid. Und deshalb sage ich als Deutscher: Die Menschen von Stalingrad sind nicht nur Helden, weil sie vor siebzig Jahren mit ihrem Blut die Wende im Krieg erzwungen haben! Sie sind auch Helden, weil sie uns bis heute zum Frieden ermahnen!

Weitere Informationen:

Außenminister Steinmeier wurde auf seiner Reise nach Wolgograd unter anderem von Bundestagsabgeordneten sowie Vertretern aus dem Kulturbereich und aus der Zivilgesellschaft begleitet.

Das Friedenskonzert war Teil einer längeren Orchesterreise der Osnabrücker Symphoniker, die auch in Kiew (9. Mai) und in Minsk (11.Mai) gemeinsam mit jeweils einheimischen Musikern Konzerte geben werden. Die Tournee wird vom Auswärtigen Amt mit rund 100.000 Euro gefördert.

Grußwort von Außenminister Steinmeier in Wolgograd (7. Mai 2015)

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Stand 07.05.2015

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