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Worte statt Waffen: Friedensmediation in Nigeria

In Zentralnigeria gibt es seit Jahrzehnten blutige Konflikte zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Es geht um Land, das Recht auf Mitbestimmung und Religion. Das Auswärtige Amt unterstützt Nichtregierungsorganisationen (NRO), die eine friedliche Aussöhnung zwischen den Gruppen vermitteln wollen. Eine Mitarbeiterin der Botschaft ist dabei, als sich die verfeindeten Parteien zum ersten Mal an einen Tisch setzen.

Es ist schwül in der Stadthalle von Shendam, das Thermometer zeigt fast 40 °C. Die Straßen sind mit Schlaglöchern übersäht und voller Staub. Auf Motorrädern, Bussen oder in stundenlangem Fußmarsch sind Vertreter von fünfzehn verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen gekommen.  Sie alle haben zu Hause einen großen Auftrag erhalten: Sie sollen ihre jeweilige Gemeinde in der Mediationsverhandlung repräsentieren, in denen die Gemeinden ihre Konflikte beilegen wollen. Organisiert hat die Mediation die Nichtregierungsorganisation ‚Centre for Humanitarian Dialog‘, unterstützt von der deutschen Botschaft in Abuja. Die Abteilung für Krisenprävention, Stabilisierung, Konfliktnachsorge und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt stellt finanzielle Mittel dafür bereit.

Christliche Bauern gegen muslimische Hirten

Eine Vertreterin der deutschen Botschaft unterstützt die Friedensmediation

Eine Vertreterin der deutschen Botschaft unterstützt die Friedensmediation

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Eine Vertreterin der deutschen Botschaft unterstützt die Friedensmediation

Eine Vertreterin der deutschen Botschaft unterstützt die Friedensmediation

Eine Vertreterin der deutschen Botschaft unterstützt die Friedensmediation

Shendam liegt im Süden des zentral-nigerianischen Bundesstaats Plateau. In dieser Region gibt es schon seit Jahrzehnten blutige Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen. Besonders alt ist die Konfrontation zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern. Die Hirten – traditionell Nomaden aus Nordnigeria – ziehen aufgrund der fortschreitenden Dürre und der Bedrohung durch die Terrorgruppe Boko Haram immer weiter in den Süden, wo ihr Vieh häufig die Ernte der dort ansässigen Bauern zerstört. Der Streit um das Land, für beide Gruppen die Lebensgrundlage, endet oft in brutalen Auseinandersetzungen. 

Der Teufelskreis von Gewalt und Racheakten hat die Fronten verhärtet. „Sie wollen uns unser Land wegnehmen und uns islamisieren!”, sagen die Bauern. “Wir Nomaden sind nirgends als Bürger anerkannt und haben keine Rechte!”, entgegnen die Hirten. Tiefes Misstrauen spaltet die beiden Gruppen. Aber auch zwischen den verschiedenen Bauern-Gemeinden gibt es Konflikte. Die älteste beansprucht den alleinigen Status als „Einheimische“. Andere Gemeinden fühlen sich als “Zugezogene” marginalisiert, weil ihnen politische Rechte verwehrt bleiben.

Auswärtiges Amt fördert Friedensmediation

Um eine Versöhnung möglich zu machen, fördert das Auswärtige Amt die Friedensmediation des ‚Centre for Humanitarian Dialogue‘. In einem strukturierten Verfahren kommen alle Gemeinden in den regionalen Hauptstädten zusammen und tragen einander ihre Standpunkte und Forderungen vor. Unter der Moderation der NRO sollen die Teilnehmer Kompromisslösungen finden, die sie auch gegenüber ihrer Heimatgemeinde vertreten können.

Die Atmosphäre ist angespannt: Ein umgestellter Stuhl reicht aus, um zwei Gemeindevertreter in einen hitzigen Streit zu verwickeln. Die meisten Vertreter sind ganz persönlich in die teilweise jahrzehntealten Fehden verwickelt. Viele haben Angehörige bei den Kämpfen verloren. Die NRO musste die Gemeinden in wochenlangen Kampagnen erst dazu überreden, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen.

Emotionale Verhandlungen

Im Verlauf der langen, oft emotionalen Gesprächsrunden werden plötzlich Lösungen greifbar. „Wir sind des Kämpfens müde geworden. Wir haben so viele Leute verloren. Wir müssen endlich Frieden schließen.“, hört man von allen Seiten. Die Verhandlungen tragen schließlich Früchte: Eine Gemeinde zieht ihren Anspruch auf eine Stadt zurück und erkennt eine andere Gemeinde als deren historische Erstbewohner an. An anderer Stelle schütteln sich ein Vertreter einer Hirtengemeinde und eine Vertreterin der einheimischen Bauerngemeinde die Hand und versprechen, von nun an gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Unterstützt wird die Verhandlung von zwei Teilnehmern, die sich in einer früheren Mediation versöhnt haben. Angesichts der dramatischen Vorgeschichte schien das fast unmöglich: Ein Gemeindevertreter hatte ansehen müssen, wie seine Geschwister vor seinen Augen ermordet wurden. Heute arbeiten beide Vertreter eng zusammen und zeigen: auch wenn es manchmal unmöglich scheint – Konflikte können überwunden werden.


Stand 25.11.2016

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