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Historische Verantwortung gegenüber Namibia
Schädel von zwanzig verstorbenen Angehörigen der namibischen Volksgruppen der Herero und Nama können mehr als einhundert Jahre nach der Niederschlagung eines Aufstandes im damaligen Deutsch-Südwestafrika in ihre Heimat zurückkehren. In der Berliner Charité wurde ihre Rückführung nun in einer feierlichen Zeremonie besiegelt. Zahlreiche Gäste füllten den Saal auf dem Gelände der Universitätsklinik, um an dem historischen Ereignis teilzunehmen. Sie wurden vom Gastgeber der Übergabezeremonie, Charité-Vorstand Professor Einhäupl, begrüßt.
Staatsministerin Pieper bei ihrer Ansprache in der Charité
© Photothek/Trutschel
Staatsministerin Cornelia Pieper unterstrich in ihrer Ansprache vom 30. September, dass die Zeremonie ein Ereignis mit hohem Symbolwert für die deutsch-namibischen Beziehungen sei. Die Bundesregierung habe sich gegenüber der Charité und anderen deutschen Institutionen, in denen Schädel namibischer Herkunft vermutet werden, für deren Repatriierung eingesetzt. Die Bundesregierung sei dazu bereit, "auch künftig als Vermittler und Unterstützer des Rückgabeprozesses zu wirken, so dass hoffentlich bald alle in Deutschland ausfindig gemachten namibischen Gebeine in die Heimat der Verstorbenen zurückgebracht werden können".
Zu der Übergabefeier war eine namibische Regierungsdelegation mit Stammesvertretern der Herero und Nama unter der Leitung von Jugend-, Sport- und Kulturminister Kazenambo Kazenambo angereist. Viele der namibischen Delegierten erschienen in feierlichen Stammestrachten. Mit gemeinsamen Gebeten und Gesängen gedachten sie der Toten.
Bitte um Versöhnung
Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten "Charité Human Remains Project" hat die Universitätsklinik die Herkunft der zwanzig Schädel bestimmt, die aus Namibia stammen und deren Rückgabe an die namibische Regierung angeboten. Die Gebeine wurden Anfang des letzten Jahrhunderts zu pseudowissenschaftlichen Zwecken nach Deutschland verbracht.
Prof. Einhäupl und Esther Moombolah vom 'Heritage Council' Namibias
© Photothek/Trutschel
"Die heutige Übergabe der menschlichen Gebeine an die Regierung der Republik Namibia erinnert an ein dunkles und schmerzliches Kapitel der gemeinsamen deutsch-namibischen Geschichte", so Pieper in ihrer Ansprache. Die Bundesregierung bekenne sich zu diesem schweren historischen Erbe und der daraus resultierenden moralischen und historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia: "Ich bitte im Namen der Bundesregierung das ganze namibische Volk um Versöhnung. Deutschland und die Deutschen kennen ihre Vergangenheit." Auch der Deutsche Bundestag hat diese Verantwortung in seinen Beschlüssen vom April 1989 und Juni 2004 ausdrücklich festgestellt. Dieser Verantwortung kommt die Bundesregierung durch eine verstärkte bilaterale Kooperation nach, besonders auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit mit Namibia.
Im 19. Jahrhundert waren internationale Beziehungen vom Wettbewerb der Staaten untereinander geprägt und die imperiale Expansion galt als Ausweis der eigenen Machtstellung. 1884 besetzte das Deutsche Reich einen landstreifen an der Küste Afrikas, aus dem sich das sogenannte "Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika" entwickelte. Die Kolonialherrschaft der weißen Siedler entzog dem traditionellen Leben und Wirtschaften der afrikanischen Bevölkerung die Grundlage. Gegen diese zunehmend gewalttätige Herrschaft erhoben sich 1904 Angehörige der Herero und Nama, zwei noch heute in Namibia beheimatete ethnische Gruppen. Der Niederschlagung ihres Aufstands fielen zwischen 1904 und 1907 Dreiviertel der Stammesbevölkerung zum Opfer.
Ansprache von Staatsministerin Cornelia Pieper anlässlich der Rückführung der Schädel nach Namibia
Stand 30.09.2011
