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60 Jahre Bonn-Kopenhagener-Erklärungen: Gelebte deutsch-dänische Freundschaft

"Bei Ihnen im Norden wird gelebt, was uns überall in Deutschland klar sein sollte: Minderheiten bereichern die Mehrheit. Und sie eröffnen allen Beteiligten neue Perspektiven." Das sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Beisein des dänischen Außenministers Martin Lidegaard sowie des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig  am Donnerstag (26.03.) in Berlin. Anlass waren die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Bonn-Kopenhagener-Erklärungen durch den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer und den dänischen Ministerpräsident Hans Christian Hansen am 29. März 1955.

Freiheitsrechte für deutsche und dänische Minderheiten

Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen, so Außenminister Steinmeier, seien "der Ausgangspunkt einer tiefen Verständigung und Freundschaft zwischen Deutschen und Dänen" geworden. Steinmeier wies in seiner Rede darauf hin, dass Deutschland und Dänemark in der Geschichte "schwere und schmerzvolle Zeiten überwunden haben, vom Krieg 1864 bis zur Besatzung Dänemarks unter den Nationalsozialisten." Gerade vor diesem historischen Hintergrund sei die Unterzeichnung der Bonn-Kopenhagener-Erklärungen im Jahr 1955 so bedeutend gewesen.

Mit den Erklärungen wurden die Freiheitsrechte für die deutschen und dänischen Minderheiten zu beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze bestätigt. Hierzu gehören insbesondere das freie Bekenntnis zur jeweiligen Sprache und Kultur sowie die Gleichbehandlung der etwa 20.000 Angehörigen der deutschen und ca. 50.000 Angehörigen der dänischen Minderheit auf beiden Seiten der Grenze.

Albig, Lidegaard und Steinmeier (v.l.n.r.) beim Festakt in Berlin

Albig, Lidegaard und Steinmeier (v.l.n.r.) beim Festakt in Berlin
© photothek / Köhler

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Albig, Lidegaard und Steinmeier (v.l.n.r.) beim Festakt in Berlin

Albig, Lidegaard und Steinmeier (v.l.n.r.) beim Festakt in Berlin

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Der dänische Außenminister Lidegaard bekräftigte, dass die Erklärungen dazu beigetragen hätten, von "Misstrauen und Konflikt" zu einer "engen Freundschaft" über die deutsch-dänische Grenze hinweg zu finden. Das deutsch-dänische Modell sei ein "Erfolg", von dem er hoffe, dass es in "Europa und darüber hinaus" inspirierend wirke.

Weg der Toleranz

Auch der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Albig würdigte die Erklärungen: "Während die Minderheitenfragen anderswo in Europa mit Gewalt und Vertreibung angegangen wurde, wählten Dänemark und das demokratische Nachkriegs-Deutschland vor 60 Jahren den Weg der Toleranz." Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen seien für Schleswig-Holstein aber kein Grund, sich auf Erfolgen auszuruhen, so der Ministerpräsident. Sie seien vielmehr "Ansporn, es noch viel besser zu machen, beispielsweise mit einer eigenständigen Sprachenpolitik." Es ginge darum, die Sprachen der Minderheiten noch wahrnehmbarer zu machen.

Im Rahmen der Feierlichkeiten veröffentlichten das deutsche Auswärtige Amt und das dänische Außenministerium eine gemeinsame Erklärung. Darin betonen sie unter anderem, dass  die Erklärungen ganz wesentlich dazu beigetragen hätten, den Weg für die Entwicklung von freundschaftlichen und engen Verbindungen zwischen Deutschland und Dänemark zu ebnen und den deutsch-dänischen Beziehungen einen besonderen und einzigartigen Charakter zu geben. Beide Seiten seien sich bewusst, dass der "Schutz von nationalen Minderheiten von entscheidender Bedeutung für die Stabilität, die demokratische Sicherheit und den Frieden in Europa" ist.

Die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen gelten heute als Modell für die Behandlung von Minderheitenfragen in Europa, bei der die Prinzipien der Toleranz, der Liberalität und der Gegenseitigkeit in der Politik zweier Staaten ihren Niederschlag gefunden haben. Sie waren eine der Grundlagen für das spätere Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten.

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Stand 27.03.2015

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