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„Bakterien kennen keine Grenzen, so sollte es auch für Wissenschaftler sein“ 

Prof. Dr. Seyed Hasnain, Infektionsforscher und Rektor der Universität Hyderabad

„Bakterien kennen keine Grenzen, so sollte es auch für Wissenschaftler sein. Ich komme im Grunde alle drei, vier Monate nach Deutschland, um mich mit Kollegen auszutauschen. Die deutsche Wissenschaftslandschaft ist exzellent. Was mir besonders gut gefällt, ist, dass es hier einen Respekt vor der Innovation gibt und eine große Freiheit in der Forschung: Man kann sehr selbstständig und frei seinen Ideen nachgehen. Wissenschaft ist oft eine Art Ausflug in die ‘Wildnis’, man muss manchmal auch verrückten Ideen nachgehen dürfen. Ich glaube, die große Freiheit der Forschung ist auch mit ein Grund, warum Deutschland einen hohen Anteil an den Nobelpreisen hat.“

Drei Fragen an Prof. Dr. Seyed Hasnain

Wieso haben Sie sich für die Infektionsforschung entschieden?

Ich habe anfangs an sehr grundlegenden Fragen der genetischen Zellbiologie gearbeitet, etwas theoretisch. Mein damaliger Chef hat mir dann einmal gesagt, dass es am Ende nur darauf ankomme, ob meine Forschung jemandem nutzt. Er schlug mir vor, meine Kraft und mein Wissen ganz konkret auf die Infektionskrankheiten zu konzentrieren. Schließlich sind im 20. Jahrhundert mehr Menschen an Infektionskrankheiten gestorben als durch alle Kriege weltweit in demselben Zeitraum. Die Entscheidung bedeutete eine große Veränderung in meinem Leben. Ich beschloss dann, die Tuberkulose weiter zu erforschen, weil kein anderes Bakterium so viele Menschenleben fordert. Ich wollte an etwas arbeiten, das Bedeutung hat. Im Grunde ist meine Arbeit aber auch mein Hobby: Ich mache das einfach sehr gerne.

Was bedeutet es für Sie, mit dem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet worden zu sein?

Das ist eine große Ehre. Ich habe meine Forschungszeit im Ausland in den USA und Kanada verbracht, weil das damals der erste Weg für indische Studierende war. Aber eigentlich wäre ich auch immer schon gerne für längere Zeit nach Deutschland gekommen. Ehrlich gesagt, habe ich früher sogar die Kollegen beneidet, die als Humboldt-Stipendiaten nach Deutschland kamen. Mir schien es, dass Deutschland sie wie „Schwiegersöhne“ behandelte – sie konnten als Humboldt-Fellows immer wiederkommen, man hielt Kontakt zu ihnen. Dass ich jetzt mit dem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet worden bin, ist wunderbar.

Sie sind Rektor der staatlichen Universität Hyderabad, die in den 70er-Jahren gegründet wurde. Welche Pläne gibt es für die weitere Entwicklung der Hochschule?

Die Universität Hyderabad ist die Nummer zwei unter den indischen Universitäten. Aber wir wollen immer besser werden: Wir haben uns vorgenommen die Zahl der PhD- und Masterstudierenden in den nächsten fünf Jahren zu verzehnfachen. Damit kommen wir gut voran, schon heute hat die Hochschule dreimal mehr Absolventen als vor zwei Jahren. Wir haben unseren großen Talentpool an den Universitäten insgesamt in Indien zu lange vernachlässigt. Aber sie sind es, die die Wissenschaftler hervorbringen, die wir brauchen. 


Stand 04.05.2011