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„Bakterien kennen keine Grenzen, so sollte es auch für Wissenschaftler sein“

Prof. Dr. Seyed Hasnain, Infektionsforscher und Rektor der Universität Hyderabad 

Grenzüberschreitende Gesundheitsforschung

Professor Seyed Hasnain aus Indien ist als Träger des Humboldt-Forschungspreises eingeladen, mehrere Monate in Deutschland zu arbeiten: Am Robert Koch-Institut in Berlin und an der Universität Würzburg widmet sich der Mikrobiologe der Erforschung bakterieller Infektionserreger.

Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte kaum jemand gedacht, dass das Forschungsgebiet von Professor Seyed Hasnain im 21. Jahrhundert noch so aktuell sein würde: Infektionskrankheiten galten als nahezu besiegt. Tatsächlich aber treten immer wieder neue Erreger und bisher unbekannte Varianten auf: BSE, SARS, die Vogelgrippe und aktuell die Schweinegrippe. Infektionskrankheiten breiten sich im globalen Zeitalter mit Flugzeuggeschwindigkeit aus und schüren die Angst vor Pandemien. Wachsende Megastädte und der Klimawandel sorgen zudem dafür, dass neue Strategien gegen diese Krankheiten hohen Stellenwert behalten werden. Einer der Forschungsschwerpunkte Professor Hasnains ist die Tuberkulose: „Alle 15 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch an Tuberkulose“, sagt der Mikrobiologe und Rektor der Universität Hyderabad. Tuberkulose steht heute an der Spitze der Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten. „Und das mehr als 125 Jahre nach der Entdeckung des Tuberkulosebazillus durch Robert Koch“.

In der Tradition Robert Kochs

Der deutsche Wissenschaftler Robert Koch hat die mikroskopisch kleinen Erreger als Ursache zahlreicher Infektionskrankheiten entdeckt und gilt als Vater der Bakteriologie. „Für mich ist es eine Inspiration, in dem gleichen Gebäude arbeiten zu dürfen, in dem auch Robert Koch forschte“, sagt Professor Hasnain. Der 55-Jährige ist mit dem Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet worden. Teil des Preises ist ein mehrmonatiger Forschungsaufenthalt in Deutschland. Professor Hasnain entschied sich, seine Zeit zwischen dem Robert Koch-Institut in Berlin und dem Institut für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg aufzuteilen. Der Humboldt-Forschungspreis ist eine Anerkennung für hervorragende internationale Wissenschaftler: Seyed Hasnain entwickelte neue Methoden zur schnellen Diagnose von krankmachenden Mykobakterien und identifizierte bei dem Tuberkuloseerreger antigene Substanzen, die vielversprechend für die Entwicklung eines neuen Impfstoffs sind. Zwar ist Tuberkulose heilbar, aber die Behandlung ist langwierig und gerade in den am häufigsten betroffenen Entwicklungsländern oft schwer umzusetzen. Außerdem entwickeln die Tuberkuloseerreger immer mehr Formen, die sich gegen die Medikamente extrem resistent zeigen: International ist die hochansteckende Krankheit daher wieder auf dem Vormarsch. Die WHO geht weltweit von neun Millionen Neuerkrankungen im Jahr aus. 

Erforschung des Erbguts der Bakterien

Die Entscheidung für Berlin und Würzburg fiel Hasnain leicht: „Seit rund zehn Jahren verbindet mich mit Jörg Hacker eine enge Zusammenarbeit“. Der renommierte deutsche Infektionsbiologe ist seit einem Jahr Präsident des Robert Koch-Instituts, zuvor war er Professor in Würzburg. Zusammen haben die beiden 2005 das Deutsch-Indische Verbindungsbüro IGLO ins Leben gerufen. Es hat bisher rund ein Dutzend Forschungskooperationen auf den Weg gebracht. Was Hasnain während seiner Zeit in Deutschland beschäftigen wird, hat mit dem zentralen wissenschaftlichen Verdienst Jörg Hackers zu tun: Er konnte im Erbgut des Darmbakteriums Escherichia coli die krank machenden Abschnitte identifizieren. Nur wenn ein Mikroorganismus diese so genannten „Pathogenitätsinseln“ enthält, löst er Krankheiten aus. Eine Erkenntnis, die neue Wege für Diagnose, Therapie und Vorbeugung von Infektionskrankheiten eröffnet. Welche Rolle die Pathogenitätsinseln beim Tuberkulosebakterium spielen, will Professor Hasnain ergründen.

Deutsch-indische Zusammenarbeit

„Bakterien und Viren kennen keine Grenzen, so sollte es auch für uns Wissenschaftler sein“, sagt Seyed Hasnain, der als erster Inder auch in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen wurde. Der technologische Standard in Deutschland habe Vorbildcharakter, Indien wiederum könne viel auf dem Feld der Bioinformatik bieten. „Eine Win-win-Situation“. Auch für Professor Hacker ist die grenzüberschreitende Forschung eine Selbstverständlichkeit: „Indien ist als ein Land im Aufbruch ein besonders interessanter Partner und hat gerade in der Tuberkuloseforschung sehr gute Gruppen.“ Zu den Besten gehören zu wollen, ist ein Anspruch, der Seyed Hasnain in seiner Arbeit immer vorangetrieben hat. Deshalb arbeitet er auch als Mitglied im wissenschaftlichen Beraterstab des indischen Premierministers tatkräftig mit daran, den Standard an den indischen Universitäten zu verbessern. „An der Spitze ist immer noch Platz“, heißt einer seiner Leitsätze.

Text: Janet Schayan

Die Serie "12 Wissenswelten" entsteht in Zusammenarbeit mit dem DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst)


Stand 04.05.2011

Im Labortrakt des RKI © AA, Jan Greune

„Bakterien kennen keine Grenzen, so sollte es auch für Wissenschaftler sein“

Prof. Dr. Seyed Hasnain, Infektionsforscher und Rektor der Universität Hyderabad

Professor Hasnain und Professor Jörg Hacker betrachten Mykobakterien am Elektronenmikroskop. © AA, Jan Greune

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