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Afrika-Preis für Rettung der Handschriften aus Timbuktu

Abdel Kader Haidara, Bibliothekar aus Timbuktu, ist am 06.10. von Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit dem Deutschen Afrika-Preis 2014 ausgezeichnet worden. Haidara ist maßgeblich dafür veranwortlich, dass um die Jahreswende 2012/2013 jahrhundertealte Handschriften aus Timbuktu vor der drohenden Vernichtung durch islamistische Rebellen gerettet werden konnten.

Sie vereinen das gesamte naturwissenschaftliche, philisophische und theologische Wissen der arabischen Welt des 12. und 13. Jahrhunderts: Die rund 350.000 Manuskripte der Bibliothek in Timbuktu, zum Teil mehrere hundert Jahre alt und zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, waren Ende 2012 von der Vernichtung durch islamistische Rebellen bedroht. In einer geheimen Rettungsaktion konnten sie vor der Zerstörung bewahrt werden. Dem Bibliothekar und Handschriftenexperten Abdel Kader Haidara gelang es, mehr als 200.000 Exemplare monatelang zu verstecken und anschließend in die Hauptstadt Bamako in Sicherheit zu bringen. 

Mut, Durchhaltevermögen und Selbstbehauptung

Alte islamische Schriften aus Timbuktu

Alte islamische Schriften aus Timbuktu
© photothek.net/Gottschalk

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Alte islamische Schriften aus Timbuktu

Alte islamische Schriften aus Timbuktu

Alte islamische Schriften aus Timbuktu

Außenminister Steinmeier zeichnete Haidara für seine Verdienste um den Erhalt der Manuskripte mit dem Deutschen Afrika-Preis aus. In seiner Ansprache erklärte Steinmeier, der Afrika-Preisträger von 2014 verkörpere in besonderem Maße Mut, Durchhaltevermögen und Selbstbehauptung: 

Mut, weil Haidara sein Leben aufs Spiel gesetzt habe, um Kulturschätze vor Fanatikern zu retten. Durchhaltevermögen, weil zum Zeitpunkt seiner Tat nicht absehbar war, wie lange die Herrschaft der Terroristen in Timbuktu dauern würde. Und Selbstbehauptung - denn die Bürgerinnen und Bürger Timbuktus hätten "ein klares Signal des Widerstands gegenüber denjenigen gegeben, die unter falscher Berufung auf die Religion ein Regime von Gewalt und Zerstörung errichten wollten."

Den Terroristen die Legitimität entziehen

Gerade dies, so Steinmeier weiter, sei eine unerlässliche Voraussetzung für eine wirksame Bekämpfung des islamistischen Terrorismus - davon zeugten auch die Nachrichten dieser Tage aus dem Irak und aus Syrien. Der Außenminister fügte hinzu:

Internationale Anstrengungen können nur dann erfolgreich sein, wenn Muslime selbst den islamistischen Terroristen die Legitimität entziehen. Wenn die muslimische Welt aufsteht und ruft: "Diese Radikalen sprechen nicht für den Islam! Sie missbrauchen den Islam!" Dies gilt in Mali ebenso wie im Irak.

Afrikanische Eigenverantwortung unterstützen

Durchhaltewillen und Selbstbehauptung fänden sich laut Steinmeier überall in Afrika: So zum Beispiel auch bei den Ärzten und Krankenschwestern, die mit aller Energie gegen die Ebola-Krise kämpften. Eine der Hauptaufgaben der westlichen Partner sei daher, Eigenanstrengungen und Eigenverantwortung in Afrika zu unterstützen, statt von außen Lösungsvorschlägen zu machen.

Die Handschriften seien ein schönes Beispiel für diese Zusammenarbeit, so der Außenminister: Ohne die mutige Initiative von Abdel Kader Haidara gäbe es gar nichts zu bewahren. "Aber wenn wir als Partner dabei helfen können, Kulturerbe zu erhalten, für das mutige Malier sogar ihr eigenes Leben riskieren, stehen wir natürlich bereit." 

Derzeit bemühen sich Handschriftenexperten aus Mali und Deutschland darum, die Manuskripte aus Timbuktu zu restaurieren und der Forschung dauerhaft zugänglich zu machen. Das Auswärtige Amt unterstützt die Rettungsbemühungen mit 500.000 Euro aus Mitteln des Kulturerhaltprogramms.

Weitere Informationen

Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zur Preisverleihung

Erhalt der Handschriften aus Timbuktu (18.06.2014)

Kulturschätze in Mali retten (25.02.2013)

Deutsche Afrika-Stiftung


Stand 07.10.2014

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